Freskant G. B. Tiepolo

Giovanni Battista Tiepolo wurde am 5. März 1696 in Venedig geboren. Bei dem Maler Gregorio Lazzarini (1655 - 1730) erlernte er die handwerklichen Grundlagen seiner künstlerischen Tätigkeit. Dazu gehörte sicherlich auch eine Einführung in die Technik der freskalen Wandmalerei und der Staffeleimalerei.

Mit dem Auftrag, einen Zyklus von Wandfresken im erzbischöflichen Palast zu Udine auszuführen, wurde Tiepolo überregional bekannt. Das 1725 - 1728 geschaffene Werk weist bereits die wichtigsten Stilmerkmale des Malers auf, der nun - praktisch bis an seine Lebensende - keinen Mangel mehr an Aufträgen litt.

Dazu zählten nicht nur kirchliche Ausstattungen, sondern auch zahlreiche Aufträge von privater Seite. Bei den Sakralbauten bildeten die Ausmalung der Capella Colleoni zu Bergamo (1732), der Kirche S. Maria di Nazareth (Scalzi-Kirche; 1743/44, 1915 zerstört) und der Kirche Santa Maria del Rosario (Gesuati-Kirche; 1737-39) beide Venedig, Höhepunkte seines Schaffens. In dieser glücklichen Situation konnte es sich Tiepolo leisten, 1736 ein Angebot des schwedischen Königs abzulehnen, das Stockholmer Schloss auszumalen - ein Indiz, dass sein Ruhm sich in ganz Europa verbreitet hatte.

Dagegen sagte Tiepolo (unten links ein Selbstporträt) zu, als ihm der Würzburger Fürstbischof Carl Philipp von Greiffenclau zu Volraths die Ausmalung des Kaisersaals der Residenz antrug. Der in Venedig tätige Würzburger Kaufmann Mehling vermittelte den Auftrag. Als Honorar wurden Tiepolo 10.000 rheinische Gulden zugesagt, eine - für venezianische und erst recht für würzburgische Verhältnisse - sehr große Summe.

Im Dezember 1750 traf Tiepolo zusammen mit seinen Söhnen Domenico und Lorenzo sowie einem Diener in Würzburg ein. Die Wintermonate, in denen aufgrund der Feuchte und der dadurch verzögerten Trocknung des Putzes nicht freskiert werden konnte, nutze Tiepolo, um sich mit dem Kaisersaal in situ vertraut zu machen und die Entwürfe zu fertigen. April bis Juli 1751 wurde das Deckenfresko ausgeführt, ab Juli das südliche Wandbild, und wohl Mai und Juni 1752 wurde der Zyklus mit dem nördlichen Bild vollendet. Während des Winters 1751/52 befasste Tiepolo sich bereits mit dem Treppenhaus - was dafür spricht, dass seine bis dahin fertiggestellten Werke die sicherlich hochgespannten Erwartungen des Fürstbischofen vollauf zufrieden stellten.

Im Winter 1751/52 entstanden ferner zwei Altarblätter für die Hofkirche: Michael stürzt Luzifer in die Finsternis und die Aufnahme Mariens in den Himmel. Ab Frühjahr 1752 arbeitete Tiepolo im Treppenhaus. Nach intensiver Arbeit konnte er das 677 qm große Fresko im September 1753 signieren. Im November verließ Tiepolo mit seinen Söhnen Würzburg.

Nach der Würzburger Zeit verbrachte Tiepolo ein knappes Jahrzehnt in seiner Heimatstadt. 1761 wurde der Künstler, nach langwierigen Verhandlungen mit dem spanischen Gesandten, dem Herzog von Montealegre, von König Carlos III. an den bourbonischen Hof nach Spanien berufen. 1762 - 66 schuf er dort einen Zyklus von Deckengemälden im Palazzo Reale zu Madrid. In Madrid ist Tiepolo, der größte Freskant des 18. Jahrhunderts, am 27. März 1770 verstorben.

(Autor: Bernhard Rösch)

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