Fraueninsel (Chiemsee)

Insel mit Alpensicht im Bayerischen Meer

Bild: © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Sie ist klein, die Fraueninsel. Gerade 600 Meter lang, 300 Meter breit und ragt 8 Meter aus dem Wasser des Chiemsees. Aber sie ist auf eine eigene Art beeindruckend. Seit 1.200 Jahren leben hier Nonnen. Und manchmal, in stillen Momenten, weiß man nicht, ob das Kloster die Insel zu diesem besonderen Ort gemacht hat, oder die Insel das Kloster.

Geschichte der Fraueninsel: 1.200 Jahre Klosterleben

Die Benediktinerinnen waren die ersten auf der Insel. 782 gründete Herzog Tassilo III. das Kloster Frauenwörth. Irmengard, die Urenkelin Karls des Großen, war hier Äbtissin. Sie ist die Schutzpatronin des Chiemgaus. Ihre Reliquien werden in der Klosterkirche verehrt. Die mächtige Torhalle vor der Klausur stammt noch aus ihrer Zeit und ist damit das älteste erhaltene Bauwerk Süddeutschlands. Alles andere wurde im Laufe der Zeit abgerissen, um- oder neu gebaut. Heute nimmt das Kloster ein Drittel der Insel ein. Seinen Unterhalt finanzieren die Nonnen mit dem Klosterladen, Seminaren und einem Gästehaus.

Das Kloster Frauenwörth ist damit nicht nur ein spiritueller Ort – es ist gelebte Geschichte über 1.200 Jahre. Wer die romanische Klosterkirche betritt, steht vor Fresken aus dem 11. Jahrhundert, die Szenen aus dem Leben der Heiligen zeigen. Die karolingische Torhalle, das sogenannte Carolingium, ist ein einzigartiges Zeugnis frühmittelalterlicher Baukunst – kein Museum, sondern ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart still nebeneinanderstehen. Im Klosterladen kaufen Besucher Liköre, Kräutermischungen und handgefertigte Keramik – alles aus den Händen der Schwestern, die das Kloster heute noch als aktive Gemeinschaft bewohnen.

Am Anfang stand die große Liebe

Bild: © Chiemgau Tourismus e.V.

Natur, nicht Klausur, suchten hier die Künstler im 19. Jahrhundert. Der Münchner Kunstprofessor Max Haushofer schwärmte sehr von der Schönheit der Insel und griff selbst zum Pinsel. Bald kamen Künstler aus ganz Deutschland hierher – als Chiemseemaler kennt man die Gruppe heute. Wer ihre Gemälde sehen will, muss allerdings auf die Herreninsel rüber schippern. Dort sind viele der Kunstwerke im Augustiner-Chorherrenstift ausgestellt.

Die Künstlerkolonie Frauenchiemsee war eine der bedeutendsten Freilichtmalerei-Bewegungen des deutschen 19. Jahrhunderts. Das einzigartige Licht über dem Wasser, der Wechsel von Nebel und Alpenpanorama, die Stille – all das zog Maler an, die das flüchtige Zusammenspiel von Natur und Architektur festhalten wollten. Zu den bekanntesten Besuchern zählte Carl Spitzweg, der in der Abgeschiedenheit der Insel Inspiration fand. Das Erbe der Chiemseemaler lebt heute im Augustiner-Chorherrenstift auf der Herreninsel fort – ein lohnender Tagesausflug für alle, die Kunst und Klosterleben auf dem Chiemsee verbinden wollen.

Tagsüber geschäftig, abends romantisch

Die Künstlerkolonien Frauenchiemsee gibt es schon lange nicht mehr, doch die Begeisterung über die malerische Insel ist immer noch groß. 300 Menschen wohnen hier permanent, Besucher sind immer willkommen. Autos? Fehlanzeige, hier bummelt man zwischen den kleinen Kunsthandwerksläden und Cafés umher. In den Gasthäusern gibt es fangfrische Renken und Bier aus der Inselbrauerei. Ein besonderes Highlight ist der alljährliche Weihnachtsmarkt. Am Abend, wenn es still wird und man fern von allem ist, fühlt man sich in die Zeit zurückversetzt als die Nonnen hierher kamen. Also einfach hierbleiben und später mit dem Schiffstaxi zurück.

Bild: © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Warum lohnt sich ein Besuch auf der Fraueninsel?

Ein Besuch auf der Fraueninsel lohnt sich zu jeder Jahreszeit – der Ort verbindet auf engstem Raum Spiritualität, Natur und Kultur. Kein Auto, kein Trubel, nur Kopfsteinpflaster, Alpenblick und 1.200 Jahre Geschichte. Wer am Morgen mit dem ersten Schiff der Chiemsee-Schifffahrt kommt, hat die Insel fast für sich allein.

  • Kloster Frauenwörth: Eines der ältesten aktiven Frauenklöster Deutschlands – spirituell und zugänglich
  • Carolingium (Torhalle): Das älteste erhaltene Bauwerk Süddeutschlands aus dem 9. Jahrhundert
  • Autofreie Insel: Entspannte Erkundung zu Fuß, ohne Verkehrslärm
  • Fangfrische Renken und Inselbrauerei-Bier in den Gasthäusern direkt am Wasser
  • Alljährlicher Weihnachtsmarkt: Einer der stimmungsvollsten Adventsmärkte im Chiemgau
  • Inselrundweg: Knapp 2 km Uferpanorama mit Blick auf die bayerischen Alpen

Sehenswürdigkeiten der Fraueninsel im Überblick

Auf gerade einmal 15 Hektar Fläche bietet die Fraueninsel erstaunlich viel. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten:

SehenswürdigkeitHighlightHinweis
Klosterkirche FrauenwörthRomanische Basilika mit Fresken aus dem 11. JahrhundertFreier Eintritt, ganzjährig
Carolingium (Torhalle)Ältestes erhaltenes Bauwerk Süddeutschlands, ca. 860 n. Chr.Kleines Eintrittsgeld, saisonal
KlosterladenLiköre, Kräuter und Keramik der BenediktinerinnenGanzjährig geöffnet
InselrundwegKnapp 2 km Uferpanorama mit AlpenblickImmer begehbar
Gasthäuser & CaféFangfrische Renken, lokales Inselbrauerei-BierSaisonal variierend
Weihnachtsmarkt FrauenchiemseeEiner der stimmungsvollsten Adventsmärkte im ChiemgauNur im Advent (Dezember)

Adresse Kloster Frauenchiemsee
Frauenchiemsee 50, 83256 Chiemsee

Öffnungszeiten Kloster Frauenchiemsee
Sommersaison

Montag - Samstag 10.00 - 17.45 Uhr
Sonn-/Feiertag 13.00 - 17.00 Uhr
Wintersaison
Montag - Samstag 10.00 - 17.15 Uhr
Sonn-/Feiertag 13.00 - 17.00 Uhr

Bild: © Chiemsee-Alpenland Tourismus

Häufig gestellte Fragen zur Fraueninsel

Wie kommt man auf die Fraueninsel?
Die Fraueninsel ist ausschließlich per Schiff erreichbar. Ab Prien am Chiemsee (Hafen Gstadt) und weiteren Anlageorten fahren Fähren der Chiemsee-Schifffahrt. Die Überfahrt dauert je nach Startpunkt etwa 15 bis 30 Minuten.

Kann man auf der Fraueninsel übernachten?
Ja, das Kloster Frauenwörth bietet ein Gästehaus für Besucher an, die eine Auszeit in stiller Klosterumgebung suchen. Außerdem gibt es einige Gasthöfe auf der Insel. Eine Anmeldung im Voraus ist empfehlenswert.

Gibt es Eintritt für das Kloster Frauenwörth?
Der Eintritt in die Klosterkirche ist kostenlos. Für das Carolingium (die karolingische Torhalle) wird ein kleines Eintrittsgeld erhoben. Die genauen Preise und aktuellen Öffnungszeiten erfährt man direkt beim Kloster.

Wann ist die beste Reisezeit für die Fraueninsel?
Die Fraueninsel lässt sich das ganze Jahr über besuchen. Besonders beliebt sind der Frühsommer (Mai bis Juni) mit blühenden Klostergärten und der Advent für den berühmten Weihnachtsmarkt. Im Hochsommer empfiehlt sich eine frühe Anreise.

Geheimtipp: Die Fraueninsel am späten Nachmittag

Die meisten Besucher kommen mit dem ersten Schiff – aber das letzte Schiff ist das bessere. Wer bis zum späten Nachmittag bleibt und auf die Abendfähre wartet, erlebt, wie sich die Insel wandelt: Tagestouristen reisen ab, die Insel wird ruhiger, das Licht wärmer. Die Klosterkirche taucht in Abendgold, auf dem Wasser spiegeln sich die Alpenkonturen. Selbst im Hochsommer entsteht dann eine Stille, die den Nonnen das ganze Jahr über gehört.

Ein Abendessen in einem der Gasthöfe, ein letzter Spaziergang entlang des Ufers, ein Blick zurück auf das erleuchtete Kloster – und dann mit dem Schiffstaxi zurück zum Festland. Das ist die Fraueninsel, wie sie sich anfühlen soll.

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