Hermann Hesse in Calw

Hermann Hesse in Calw

Dass Hermann Hesse seine Heimatstadt Calw von ganzem Herzen liebte, merkt man beim Lesen seiner Werke. Er schwärmt von Kastanienschatten und Tannenduft, Wald und Tal, von plätschernden Flüssen und engen Gassen und meinte dabei immer Calw, die Stadt, in der er groß geworden war. Und Calw liebt seinen berühmten Sohn genauso intensiv zurück. Plätze, Straßen und Schulen sind nach dem Nobelpreisträger benannt, ein Museum ist dem Dichter gewidmet und Statuen seiner beliebten Charaktere beleben die Straßen der kleinen Stadt im nördlichen Schwarzwald. Überall stößt man auf die Spuren Hermann Hesses und sogar ein Selfie mit dem Autor ist drin.

Zwischen Verweilen und Aufbruch

Beim Bummel durch die Altstadt Calws ist das Geburtshaus Hesses nicht zu übersehen. Das hübsche Fachwerkgebäude mit den grünen Fensterläden steht direkt gegenüber der Tourist-Info, ein Modehaus im Erdgeschoss, Wohnungen darüber. Von 1874 – 1881 lebte die Familie hier, wo auch Hermann am 2. Juli 1877 geboren wurde. Der Junge wuchs behütet in der christlichen Familie mit fünf Geschwistern auf. Als Hesse vier war, zog die Familie nach Basel, Grundlage für Hesses Weltbürgertum. Der Vater unterrichtet dort in der Basler Mission. Nach fünf Jahren dann die Rückkehr nach Calw. Der kluge, aber eigenwillige junge Hesse geht nun in Göppingen zur Schule, hasst die Zeit dort, aber liebt sein Calw. Das Ufer der Nagold, die Brücke darüber, die versteckten Winkel der Altstadt und die Wälder waren seine Spielplätze. Am liebsten verbrachte er die Zeit auf der Nikolausbrücke, dort, wo heute eine lebensgroße Statue von ihm steht. Von hier blickt man auf bunte Fachwerkfassaden, die bewaldeten Hänge und den Fluss, der munter durch die Stadt fließt. „Zwischen Verweilen und Aufbruch“ – so der Titel der Skulptur. Sie zeigt Hermann Hesse im fortgeschrittenen Alter, nach vorn blickend, verwurzelt in seiner Heimat, doch mit dem Blick in die Ferne. Nur wenige Schritte weiter, auf dem Hermann-Hesse-Platz: der Hermann-Hesse-Brunnen, der schon zu Lebzeiten des Dichters enthüllt wurde. 1947 war das, ein Jahr nachdem er den Nobelpreis für Literatur bekommen hatte.

Noch ein Gedicht

Nicht nur so ehrt die Stadt den Schriftsteller. Bei einem Bummel durch den Stadtpark können Sie die schönsten Hesse-Gedichte auf Tafeln am Wegesrand lesen. Eine Pflichtstation für Hesse-Liebhaber ist auch das Museum in Calw. Hier wird das Leben Hesses erzählt, mit wertvollen Erstausgaben und von ihm erstellte Zeichnungen und Aquarellen. Hesse selbst verließ Calw für seine Ausbildung, verbrachte Zeit in Tübingen, Basel, am Bodensee, in Indien und Bern und fand schließlich bis zu seinem Lebensende eine neue Heimat im Tessin. Calw, die kleine Fachwerkstadt im Nordschwarzwald, ist in seinen Werken verewigt, so wie sich Calw dem Andenken des Dichters verschrieben hat. Seit 2021 darf sich Calw nun auch offizielle Hermann-Hesse-Stadt nennen – dabei war sie das natürlich schon immer.

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