Deutsches Uhrenmuseum - Furtwangen (Schwarzwald)

Bild: © Deutsches Uhrenmuseum

Das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen liegt mitten im Herzen des Schwarzwalds – genau dort, wo die Geschichte der Schwarzwälder Uhrmacherei ihren Ursprung hat. Wer hier eintritt, tritt in eine andere Zeitrechnung ein: rund 10.000 Objekte erzählen von der Entwicklung der Zeitmessung über Jahrhunderte hinweg. Die Sammlung gilt weltweit als die umfassendste ihrer Art für die Schwarzwälder Uhrmachertradition und zieht jährlich über 70.000 Besucher aus aller Welt an. Für Geschichts- und Technikinteressierte, Familien mit Kindern und alle, die den Schwarzwald tiefer kennenlernen wollen, ist das Museum ein echter Pflichtstopp.

Die Geschichte des Deutschen Uhrenmuseums

Das Deutsche Uhrenmuseum hat seinen Ursprung im Jahr 1851, als die Großherzogliche Uhrmacherschule in Furtwangen gegründet wurde. Ihr Gründer Robert Gerwig – Ingenieur, Eisenbahnbauer und Visionär – erkannte früh, dass die Uhrmacherkunst des Schwarzwalds ein kulturelles Erbe war, das es zu bewahren galt. Die Schule legte eine Lehrsammlung an, die innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer der bedeutendsten uhrenhistorischen Sammlungen Europas wuchs.

Schon im 19. Jahrhundert beschränkte man sich nicht nur auf heimische Stücke: Ankäufe aus ganz Europa, darunter prächtige Uhren aus dem 16. und 17. Jahrhundert – wie die renommierte Sammlung Hellmut Kienzle – machten den internationalen Charakter des Hauses sichtbar. Besonders faszinierend sind die Lackschilduhren, die speziell für den französischen Markt produziert wurden: aufwendige Bildmotive, vergoldete Gehäuse, handwerkliche Meisterleistungen in Kleinstformat.

Das Museum wuchs über die Jahrzehnte stetig, überstand zwei Weltkriege und mehrere Umzüge innerhalb Furtwangens. Seit 2007 befindet es sich im modernen Neubau am Robert-Gerwig-Platz – einem Gebäude, das bewusst als Brücke zwischen Tradition und Gegenwart angelegt wurde. Die Architektur zitiert Formen der Schwarzwälder Baukultur, ohne dabei museal-verstaubt zu wirken. Heute beherbergt das Museum rund 10.000 Objekte und ist mit jährlich über 70.000 Besucherinnen und Besuchern das meistbesuchte Uhrenmuseum Deutschlands.

Bild: © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Was macht das Deutsche Uhrenmuseum so einzigartig?

Kurz gesagt: Es ist die vollständigste Erzählung über die Schwarzwälder Uhrmacherei, die du irgendwo auf der Welt findest. Von der schlichten Holzräderwerkuhr des 17. Jahrhunderts über den Kuckucksuhrenboom des 19. Jahrhunderts bis hin zu Quarz- und Funkuhren des 20. Jahrhunderts – hier ist die gesamte Entwicklung einer ganzen Region greifbar. Kein anderes Museum bündelt diese Geschichte so konsequent wie das Haus in Furtwangen.

Hinzu kommt: Das Museum ist kein Ort für stille Bewunderung hinter Glasscheiben. Es erklärt, es zeigt, es lässt erleben. Wer einmal gesehen hat, wie ein Kuckucksuhren-Mechanismus aus dem 19. Jahrhundert tatsächlich funktioniert – mit all seinen kleinen Hebeln, Federn und Zahnrädern – der versteht, warum Generationen von Schwarzwälder Handwerkern diese Technik zum Exportschlager machten. Und wer die Ballerina-Wecker aus den 1960er-Jahren sieht – tanzende Figürchen, die das Aufstehen am Morgen zu einem kleinen Theater machten – der begreift, dass Uhren nie nur Zeitanzeiger waren, sondern Ausdruck einer ganzen Lebenskultur.

Was du in den Ausstellungsräumen erlebst

Die Dauerausstellung erstreckt sich über mehrere Etagen und ist chronologisch gegliedert. Diese Bereiche beeindrucken Besucher immer wieder:

AusstellungsbereichHighlights
Schwarzwälder WurzelnHolzräderwerkuhren ab ca. 1640, frühe Exportuhren, Lackschilduhren
Internationale SammlungBarocktaschenuhren, Prunkuhren aus dem 16.–17. Jahrhundert, astronomische Uhren
Uhren des AlltagsWecker, Küchenuhren, der legendäre Ballerina-Wecker der 1960er-Jahre
Moderne ZeitmessungQuarzuhren, Funkuhren, Einblicke in die Atomuhrtechnik
SonderausstellungenWechselnde Themen rund um Design, Technik und Zeitkultur

Die erste Etage widmet sich den Anfängen der Schwarzwälder Uhrmacherei. Hier sieht man, wie Bauern im 17. und 18. Jahrhundert in den langen Wintermonaten Uhrwerke aus Holz schnitten und die fertigen Uhren dann als sogenannte Uhrenträger zu Fuß durch halb Europa trugen. Diese wandernden Händler legten hunderte Kilometer zurück – mit dem Inventar auf dem Rücken – und trugen so dazu bei, dass die Schwarzwälder Uhr ein Exportprodukt von Weltrang wurde.

In der zweiten Etage beeindruckt vor allem die Vielfalt: Standuhren, Reiseuhren, Taschenuhren und Wanduhren aus drei Jahrhunderten stehen nebeneinander und zeigen, wie sich Geschmack, Technik und gesellschaftliche Anforderungen verändert haben. Besonders beliebt bei Besucherinnen und Besuchern: die Kuckucksuhren-Abteilung, die den Mythos der berühmtesten Schwarzwälder Erfindung mit handfesten Fakten unterlegt – und aufdeckt, dass die erste Kuckucksuhr möglicherweise gar nicht aus dem Schwarzwald stammt, sondern aus Böhmen. Die Diskussion darüber ist jedenfalls lebendig.

Für Familien mit Kindern hält das Museum interaktive Stationen bereit: Hier können die Kleinen selbst erleben, wie ein Uhrwerk funktioniert und warum es tickt. Geführte Touren für Schulklassen und Gruppen lassen sich vorab über die Museumsverwaltung buchen.

Bild: © Hochschwarzwald Tourismus GmbH

Furtwangen und die Deutsche Uhrenstraße

Furtwangen liegt auf rund 870 Metern Höhe im südlichen Schwarzwald – umgeben von dichten Tannenwäldern, kleinen Bächen und einer Stille, die man heutzutage immer seltener findet. Die Stadt selbst ist überschaubar, aber ihre kulturelle Bedeutung für die Uhrmachertradition ist kaum zu überschätzen. Hier, im Schwarzwald-Baar-Kreis, haben Generationen von Handwerkern eine Industrie aufgebaut, die den Namen der Region bis nach Japan und in die USA getragen hat.

Direkt vom Museum aus lässt sich die Deutsche Uhrenstraße erkunden – ein rund 320 Kilometer langer Erlebnisweg, der die Uhrmacherregion des Schwarzwalds erschließt. Er führt durch Ortschaften wie Triberg, St. Georgen und Schonach, wo historische Werkstätten, Uhrenläden und kleine Museen die lebendige Handwerkstradition zeigen. In Triberg steht übrigens eine der größten Kuckucksuhren der Welt – ein lohnenswerter Umweg, der von Furtwangen aus in unter 30 Minuten erreichbar ist.

Wer den Museumsbesuch mit einem Ausflug in die Natur verbinden möchte: Der Brendturm auf dem Brendberg ist gut zu Fuß erreichbar und bietet bei klarem Wetter einen weiten Blick über den südlichen Schwarzwald bis hin zu den Alpen. Im Sommer laden die Wälder rund um Furtwangen zu ausgedehnten Wanderungen ein, im Winter zieht die Region Skifahrer und Langläufer an – das Skigebiet Furtwangen gilt als eines der schneesichersten im mittleren Schwarzwald.

Ein weiterer Tipp für Kulturinteressierte: Die Hochschule Furtwangen University (HFU) am selben Platz wie das Museum hat eine lange Tradition in Technik und Ingenieurwesen – sie ist die Nachfolgeinstitution der alten Uhrmacherschule. Wer sich für die Verbindung von Handwerk, Technik und Bildung interessiert, findet hier einen spannenden historischen Kontext.

Bild: © STG

Praktische Infos für deinen Besuch

Damit du gut vorbereitet nach Furtwangen kommst, haben wir die wichtigsten Infos zusammengestellt:

ThemaDetails
AdresseRobert-Gerwig-Platz 1, 78120 Furtwangen im Schwarzwald
ÖffnungszeitenTäglich geöffnet – aktuelle Zeiten auf deutsches-uhrenmuseum.de
Eintritt Erwachseneab 6 € (ermäßigt und Kinder günstiger – bitte vorab prüfen)
Anreise mit dem AutoÜber die B500 oder B33, Parkplätze direkt am Museum
Anreise mit BusRegiobusSüdwest, Haltestelle direkt am Museum
SprachenAusstellung auf Deutsch und Englisch, Audioguide erhältlich
FührungenGruppenführungen buchbar, auch für Schulklassen

Häufige Fragen zum Deutschen Uhrenmuseum

Geheimtipp: Die astronomischen Uhren im Erdgeschoss

Fast alle Besucher zieht es direkt in die oberen Etagen mit den glänzenden Auslagen – dabei verbirgt sich im Erdgeschoss ein echter Schatz: die kleine Abteilung für astronomische Uhren des 19. Jahrhunderts. Hier steht eine vollständig funktionierende Sternwartuhr aus dem Jahr 1891, die einst täglich um 12 Uhr eine automatische Zeitkalibrierung vollzog. Wer zur Mittagszeit im Museum ist, darf auf diese stille mechanische Zeremonie warten – sie dauert nur wenige Augenblicke, aber die Präzision dieser alten Maschine lässt einen unweigerlich innehalten. Ein Moment, den kaum jemand gezielt sucht – und den man so schnell nicht vergisst.

Adresse Deutsches Uhrenmuseum Furtwangen
Robert-Gerwig-Platz 1, 78120 Furtwangen im Schwarzwald (Stadtzentrum)

Informationen zu den Öffnungszeiten finden Sie hier.

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