Chemnitz 1 Reisepaket
Karte
Karte anzeigen
Chemnitz

Städtereise Chemnitz: Bereit für die große Kulturbühne

Man muss sich ein bisschen anstrengen, um Chemnitz zu lieben. Aber wer einmal die kompromisslose Kunst, die brutalistische Architektur und die grünen Ecken der gebeutelten Stadt erforscht hat, der weiß das resiliente Chemnitz zu schätzen.

Chemnitz

Chemnitz: Bereit für die große Kulturbühne

37 Jahre lang trug Chemnitz den Namen Karl-Marx-Stadt, auch wenn der Philosoph nie in der Stadt gewesen war. Michael Ballack lernte hier Kicken, Kati Witt das Schlittschuhlaufen. Bleibende Verbindungen. Wer genauer hinhört und hinsieht, entdeckt mehr. Die Geschichte vom Sächsischen Manchester, von vielen Umbrüchen und einer langen Tradition an gesellschaftlich engagierter Kunst. Mit dem Motto „C the unseen“ bewarb sich Chemnitz erfolgreich zur Kulturhauptstadt Europas 2025. Schauen Sie sich schon mal um!

Im Winter trägt Chemnitz den ironisch-liebevollen Namen „Klein-Sibirien“. Und auch im Sommer muss man sich ein bisschen mehr anstrengen als in anderen Städten, um den Charme zu entdecken – doch es lohnt sich. Von der Geschichte etliche Male durchgewirbelt, blieb Chemnitz stets ohne den historischen Pomp und die herzigen Schnörkel anderer Städte. „Was in Chemnitz erarbeitet wird, wird in Leipzig gehandelt und in Dresden verprasst“, lautet ein altes sächsisches Sprichwort. Neben dem Ruhrgebiet entwickelte sich Chemnitz im 19. Jahrhundert zu einem glorreichen Industriestandort. Der Ruf der Arbeiterstadt ging später über in den Ruf als Rechtenhort. Nicht schön zu reden, aber eben auch nicht alles. Chemnitz ist mehr. Entdecken Sie herausragende Kunst, spannende Industriekultur und viel Natur.

Chemnitz, die Kunststadt

Chemnitz ist und war vor allem dank einer erstaunlichen Kunstszene für Touristen nie „unseen“. Erste Adresse sind die Kunstsammlungen. Sie umfassen einen Komplex verschiedener Museen und Institutionen: die Kunstsammlungen am Theaterplatz, das Museum Gunzenhauser, das Schloßbergmuseum mit der Burg Rabenstein und das Henry van de Velde Museum.

Am Theaterplatz sehen Sie die Romantik und den Expressionismus der Brücke-Künstler, mit zahlreichen Werken von Karl Schmidt-Rottluff, der hier in Chemnitz zusammen mit Ernst Ludwig Kirchner und Ernst Heckel aufwuchs. Das Gemäldearchiv umfasst weiterhin Werke von Künstlern wie Caspar David Friedrich, Max Slevogt, Lovis Corinth, Edvard Munch und Georg Baselitz. Ebenso prominent: die Skulpturen- und Grafiksammlung, mit Arbeiten von Edgar Degas, Lyonel Feininger und Käthe Kollwitz.

Die jüngste und spektakulärste Einrichtung der Kunstsammlungen ist das Museum Gunzenhauser mit der bedeutendsten Expressionisten-Sammlung Deutschlands. Allein 380 Werke von Otto Dix – eines der weltweit größten Konvolute des Malers.

Mit der Villa Esche, dem ehemaligen Wohnsitz des Strumpffabrikanten Herbert Esche, erschuf Henry van de Velde 1903 ein Gesamtkunstwerk des Jugendstils. Das architektonische Juwel in Chemnitz gilt heute als renommiertes Veranstaltungs- und Konzerthaus und beherbergt ein Henry van de Velde gewidmetes Museum. In der ehemaligen Remise lädt das gleichnamige Restaurant ein.

Das Industriemuseum in Chemnitz beherbergt Schätze aus mehr als 200 Jahren sächsischer Industriekultur. Der Fabrik-Denkmalkomplex von 1900 ist eine Hommage an den Unternehmergeist, das Genie von Ingenieuren und die Leistung tausender Arbeiter.

Und noch ein Museumsbau lohnt die Reise: Der ehemalige Kaufhauspalast wurde zum Naturkunde-Museum. Hier sehen Sie u. a. einen 290 Millionen Jahre alten „Versteinerten Wald“ und das größte Pflanzenfossil Europas. Er ist Teil einer der wissenschaftlich wertvollsten Sammlungen fossiler Pflanzen auf der Welt.

Unübersehbar ist: Chemnitz ist eine ständig wachsende Open-Air-Galerie, wird Stück für Stück bunter. Immer mehr Fassaden in der Stadt leuchten in freundlich-fröhlichen Farben. Nicht nur sie. Die Buntmacher*innen malten auch die größte Treppe der Innenstadt direkt neben dem Neuen Technischen Rathaus bunt an. Betongrau adé, Kulturschaffende, Kreative und Einheimische – sie sind zusammengewachsen. Dazu entstanden viele Galerien. Chemnitz überrascht aber auch mit seiner besonderen Industriearchitektur und dem größten zusammenhängenden Jugendstilviertel Europas – dem Kaßberg. Und wussten Sie, dass hier das höchste Kunstwerk Sachsens steht?

Chemnitzer Superlative

Ein bunter Turm in Aquamarin, Erdbeerrot, Gelbgrün, Himmelblau, Melonengelb, Signalviolett und Verkehrsgelb gehört in den Abendstunden zu den Markenzeichen der Stadt. Denn aus den alten Rußschloten der Industrieära kann man (wie im Ruhrgebiet vorgelebt) echte Attraktionen machen. In Chemnitz leuchtet die 302 Meter hohe Esse des Kraftwerk Chemnitz Nord II mit LEDs in sieben Farben als höchstes Kunstwerk des Bundeslandes, gestaltet nach Entwürfen des französischen Künstlers Daniel Buren.

Multikulti: Die TU Chemnitz ist stolz, die „internationalste Uni Sachsens“ zu sein. Mit rund 3.000 internationalen Studierenden (mehr als 25 Prozent), rangiert sie bundesweit mit an vorderster Stelle. Mehr als 90 Nationen lernen und lehren hier.

Der Star-Kopf

Und dann ist da noch der „Nischel“, das 7,10 Meter hohe und 40 Tonnen schwere Karl-Marx-Monument. Unübersehbar, auf einem rund sechs Meter hohen Granitsockel steht in der Brückenstraße, ehemals Karl-Marx-Allee, die zweitgrößte Porträtbüste der Welt – nur Lenins Kopf im russischen Ulan Ude übertrifft sie um 60 Zentimeter. Eingeweiht wurde das Denkmal des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel am 9. November 1971. Bis heute ist es Touristenmagnet, meistfotografiertes Objekt der Stadt, beliebter Verabredungstreffpunkt und Kulisse für Kunst, Konzerte und Kundgebungen. Nach dem Fall der Mauer wurde heftig diskutiert, es abzureißen. Chemnitz entschied sich für ein Bleiben des Wahrzeichens – als unverrückbarer Teil der DDR- und Stadtgeschichte.

Sächsisches Manchester

Der Titel vom Sächsischen Manchester, er gehört zu Chemnitz wie der „Nischel“. Denn als vor über 200 Jahren in der unbedeutenden Kleingemeinde mit englischem Knowhow die erste Fabrik Sachsens entstand, begann der Weg zur Industrie-Ära. Chemnitz florierte in der Textilindustrie und im Maschinenbau. Spannende Zeugnisse der Zeit sind im Industriemuseum zu sehen. Auch die alljährlichen „Chemnitzer Tage der Industriekultur“ etablierten sich zum einzigartigen Festival zwischen Vergangenheit und Zukunft. Heute ist die Stadt wieder ein wichtiger Technologiestandort mit Automobilzulieferindustrie, Maschinenbau und Textilindustrie. Hinzu kommen viele Start-ups aus dem regen Wissenschaftsbetrieb rund um die TU Chemnitz.

Innenstadt

Ja, sie ist keine Schönheit. Was nach dem verheerenden Bombenangriff am 5. März 1945 übrig blieb (90 Prozent der Stadt lagen in Schutt in Asche), wiederaufgebaut oder neu gebaut wurde – es ist heute ein wilder Mix aus Alt und Neu, hübsch und abrissbedürftig, zweckmäßigem sozialistischen Plattenbau und wenigen historischen Glanzpunkten. Als Fenster in die Vergangenheit blieben das Alte und das Neue Rathaus, die Jakobikirche und das Siegertsche Haus am Markt stehen. Auch der Rote Turm, der letzte erhaltene Teil der Chemnitzer Stadtbefestigung, wurde wieder hergestellt. Doch gerade das Unfertige der Stadt ist ihr Potenzial. Optimaler Nährboden für Kreative mit genügend Freiraum für Experimente und Platz für Ideen. Aufbruch können sie ja. Drei unterschiedliche Innenstädte innerhalb von 70 Jahren, zwei Stadtnamen, verschiedene Gesellschaftssysteme. So heißt auch die Kulturstrategie bis 2030 „Kultur Raum geben“.

Grünes Chemnitz

Prozentual gesehen ist Chemnitz die grünste Stadt Sachsens. Es gibt viele Wälder und Seen rund um Chemnitz - einige sogar innerhalb der Stadtgrenzen. Eines der beliebtesten Ausflugsziele für einheimische Naturliebhaber ist der Küchwaldpark. Noch spektakulärer: der Fuchsberg im Zeisigwald mit Canyons, Wasserlöchern, Ruinen, Teufelsbrücken. Zauberhafte Ausflugsziele sind auch das südlich von Chemnitz gelegene Wasserschloss Klaffenbach und der Rabensteiner Wald. Und wenn das nicht reicht - in einer halben Stunde ist man schon im Erzgebirge.

Kulturhauptstadt Europas 2025

Es war eine Überraschung. „Schaut genau hin“/ „C the Unseen“ lautete das Bewerbungskonzept zur Kulturhauptstadt, die Chemnitz der internationalen Jury vorlegte. Es klappte. Von ursprünglich acht deutschen Bewerberstädten waren zuletzt noch fünf im Rennen, außer Chemnitz noch Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Die sächsische Stadt im Aufbruch, in der Künstler, Kreative und Einwohner so engagiert zusammenarbeiten, bekam neben der slowenischen Grenzstadt Nova Gorica den Zuschlag für die europäische (Kultur-)Bühne und kann im großen Fokus beweisen, wie vielschichtig sie ist.

Besuchen Sie Chemnitz und lassen Sie sich ein auf eine Stadt der Gegensätze und Brüche, eine Stadt, die entdeckt werden will. Mit allen Ecken und Kanten.

Zu den Angeboten

Reisepakete werden geladen