Kaufbeuren

Kaufbeuren: Viel Sinn für schöne Dinge

Zunächst fallen in Kaufbeuren die vielen Türme und Brunnen auf. Später vielleicht der ungewöhnlichste Stadtteil im Allgäu: Neugablonz. Nicht schön, aber hier entstehen schöne Dinge. In diesem Viertel begannen nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Sudentenland Vertriebene komplett von vorn – und machten das bayerische Städtchen zum Zentrum der Schmuckindustrie. Und falls Sie schon immer mal einen "erostischen" Brunnen sehen wollten: Voilá, hier steht er.

Hübsche Gässlein, ein tolles Rathaus, eine gut erhaltene Stadtmauer - alles nett. Aber haben andere Städte auch. Kaufbeuren kann dazu die spannende Geschichte einer kompletten Industrieverpflanzung erzählen. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten sich über 17.000 deutschsprachige Vetriebene und Geflohene an, die meisten stammten aus Gablonz (heute Jablonec in Tschechien). Ihr Heimatort war berühmt für seine Glas- und Schmuckwarenindustrie. Das Erfolgsmodell wurde im Allgäu wiederholt - das gab es so sonst nirgends in Deutschland. Neugablonz schaffte es zum Zentrum der deutschen Glas-, Metall- und Modeschmuckindustrie. Die Billig-Konkurrenz aus Asien zwang in den letzten Jahren jedoch einige Betriebe zur Schließung. Tauchen Sie ein in diese Welt der schönen Dinge. Eine interaktive "Erlebnisausstellung der Gablonzer Industrie" (Eintritt frei) zeigt und erklärt die faszinierende Welt des Modeschmucks. Dazu gibt der so genannte "Weg des Schmucks" Einblick in die aufwändigen Produktionsabläufe. Und nicht vergessen, in der Bäckerei Posselt vorbeizuschauen und Kleckselkuchen (mit Mohn, Quark und Aprikosenmarmelade) und Butterwischel (leichter Hefeteig mit eingerollter Butter) zu kosten – eine echte Gablonzer Backspezialität, die auch über die Landesgrenzen hinaus viele Fans hat.

Tänzlefest: das älteste Kinderfest Bayerns

Das Tänzlefest gilt als das älteste historische Kinderfest in Bayern. Kinder spielen mit Begeisterung die Kaufbeurer Geschichte nach, von der Karolinger- bis zur Biedermeierzeit geben 1.600 Kinder zusammen mit 32 Festwagen und über 150 Pferden Einblicke in die Historie. 12 Tage geht es rund. Auch die Museenlandschaft ist spannend. Vom Isergebirgs-Museum Neugablonz übers Puppentheatermuseum bis zum modernen „kunsthaus kaufbeuren“ geht die spannende Museumslandschaft.

Eissportverrückt

Vor allem schlägt das Kaufbeurer Herz für Eishockey. Die Adler waren einst Gründungsmitglied der Liga, später ging es eine Etage tiefer für die DEL-Profis. Wer Emotionen auf großen und kleinen Bühnen erleben will, ist im Geschichtenladen der Kulturwerkstatt, bei den Kaufbeurer Theaterlandschaften oder der filmzeit im Stadttheater richtig. Bei den ARTigen Samstagen kommt die Kultur zu den Shoppern. An vier Samstagvormittagen zwischen Ende Juli und Mitte August wird die Innenstadt von 11 bis 13 Uhr mit Kunstgastspielen bereichert. Erholung im Grünen finden Gäste vor allem bei ausgedehnten Wander- und Radtouren.

Touristische Highlights

Keine Frage, die To-Gos von Kaufbeuren sind zum einen die schnuckelige Innenstadt mit ihren verwinkelten Gassen, die Stadtmauer und Blasiuskirche, der Fünfknopfturm und die Crescentia-Gedenkstätte. Über eines müssen Sie selbst urteilen, ob schön oder nicht: Am Hafenmarktplatz ein Brunnen namens "Erostischer Brunnen mit Voyeur". Zu sehen sind drei leicht verrostete, riesige Damen, die vom Wasser bespritzt werden – das sorgte in der bayerischen Stadt (und noch dazu unterhalb einer Kirche) dann doch für gespaltene Gemüter.

Adresse Erlebnisausstellung der Gablonzer Industrie
Neue Zeile 11, 87600 Kaufbeuren

Öffnungszeiten Erlebnisausstellung der Gablonzer Industrie
Montag – Freitag 9.30 – 12.00 Uhr, Montag – Donnerstag 14.00 – 17.00 Uhr

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