Wiederaufbau - Dresden

Das Aufsetzen des Kreuzes war der letzte große Akt vor der Weihe der Kirche am 30. Oktober 2005. Gut zehn Jahre zuvor hatte der Wiederaufbau der Frauenkirche begonnen. Das spätbarocke Gebäude war seitdem nach historischen Plänen und unter teilweiser Verwendung von alten Steinen wieder errichtet worden. Mit der Turmspitze ist die Frauenkirche nun wieder über 91 Meter hoch.

Ein Spezialkran hob die 28 Tonnen schwere, hölzerne Turmhaube mit dem vergoldeten Kuppelkreuz in 71 Meter Höhe. Tausende Dresdner und internationale Gäste verfolgten den Festgottesdienst und spendeten den Bauleuten für ihre Millimeterarbeit Applaus. Viele hatten sogar Tränen in den Augen...

Seit ihrer Zerstörung 1945 stand die Ruine im Zentrum Dresdens. Die Kirche wurde notdürftig abgesichert und sollte als Mahnmal an die Schrecken des Krieges erinnern. Seit 1982 versammelten sich Dresdner Bürger regelmäßig am Jahrestag der Zerstörung mit Kerzen vor der Ruine der Frauenkirche, um der Tragödie zu gedenken.

Nach der deutschen Wiedervereinigung begann eine Bürgerinitiative um den bekannten Trompeter Prof. Güttler den Wiederaufbau zu fordern. Auf Grund der Kosten des Projektes waren viele Dresdner Bürger zunächst dagegen. Die Euphorie der Initiatoren und die positive Resonanz aus der ganzen Welt auf den "Ruf aus Dresden" waren allerdings ansteckend.

So wurde der Wiederaufbau mit folgenden Bedingungen beschlossen: Finanzierung fast ausschließlich aus Spendengeldern, archäologische Enttrümmerung und originalgetreuer Wiederaufbau unter Verwendung der gefundenen Steine bis zum 800-jährigen Stadtjubiläum Dresdens im Jahr 2006.

Innerhalb von nur 18 Monaten wurde ein mehr als 20.000 Kubikmeter großer Trümmerberg geräumt. Dabei wurden alle gefundenen Steine im Computer katalogisiert und jeweils bis zu 170 Merkmale wie zum Beispiel Beschaffenheit und Lage mit aufgenommen. Diese Steine lagerten in großen Regalen und warteten dort auf ihren Einbau im wahrscheinlich größten Puzzle der Welt.

Im Mai 1994 konnte der eigentliche Wiederaufbau beginnen. Eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten wurde versenkt und der erste Stein des Portals A gesetzt. Zuerst wurden die alten Kellergewölbe als Unterkirche wieder errichtet. Dabei wurde zum Teil auf modernste Technik zurückgegriffen, teilweise musste aber auch längst verloren geglaubte Handwerkskunst neu erlernt werden.

(Dresden-Fotos: DWT/Dittrich)

Reisepakete werden geladen