Stadtgeschichte - Kempten

Im gesamten Stadtbild spiegelt sich dieser jahrhundertlange Zwist der ehemaligen protestantischen Reichsstadt und der katholischen Fürstabtei wider. Hier die aus der Gotik gewachsene Altstadt, dort die barocke Stiftstadt. Kempten, eine Stadt mit einer bewegten Vergangenheit.

Der griechische Geograph Strabon erwähnte Kempten ca. 18 n. Chr. im 4. Buch seiner Erdbeschreibung. Genauer gesagt, sprach er von der keltischen "Polis", also Stadt "Kambodunon", was soviel bedeutet, wie "befestigter Platz an der Flusskrümmung". Kempten hat somit die älteste schriftliche Erwähnung einer deutschen Stadt. Von ihrem keltischen Ursprung ist heute nichts mehr zu spüren, dafür umso mehr vom römischen "Cambodunum".

Auf der Hochfläche östlich der Iller lag zur Römerzeit eine Stadt mit gepflasterten Straßen und Steinhäusern. Nach mediterranem Vorbild errichtet, war sie im 1. Jahrhundert nach Christus Hauptort der römischen Provinz Rätien. Heute wird dort, durch Ausgrabungen im archäologischen Park "Cambodunum", Kemptens römische Vergangenheit wieder lebendig.

Durch die Überfälle der Alemannen um das Jahr 259/260 wurde die Stadtanlage teilweise zerstört und weitgehend aufgegeben. Die Römer verlegten ihre Siedlung an den Fuß der heutigen Burghalde im Tal Iller.

Mehrere Jahrhunderte später tritt Kempten wieder mit Schriftzeugnissen ins Licht der Geschichte, diesmal durch Kirche und Kloster. Jahrhundertlang andauernde Streitigkeiten zwischen Fürststift und Stadt begannen mit dem Erstarken der Bürgersiedlung, die um die Pfarrkirche St. Mang entstanden war und 1289 den Rechtsstatus erlangte. Als sich Kempten 1527 auch noch der Reformation anschloss, verstärkten sich die Spannungen mit dem Fürststift, durch den konfessionellen Gegensatz, immer mehr.

Es kam sogar soweit, dass sich die beiden Kontrahenten im 30-jährigen Krieg gegenseitig zerstörten. Aber schon gegen Ende des Krieges plante Fürstabt Roman Giel von Gielsberg den Neubau von Residenz und Kirche, der jetzigen St. Lorenz-Basilika und der Residenzanlage, die heute zum Kostbarsten des süddeutschen Barock und Rokoko gehören.

Nachdem die fürstäbtliche Stiftsiedlung Stadtrechte erhielt, verschärfte sich auch noch der wirtschaftliche Konkurrenzkampf. Doch der absolutistische Klosterstaat und die freie Reichsstadt, die über keinerlei Entwicklungsumland verfügte, hatten sich mit dem alten Reich selbst überlebt.

So wurden sie 1803 unter Verlust ihrer Eigenstaatlichkeit churbayerisch und 1818 nun endgültig zur "Vereinten Stadt Kempten" erklärt. Für heute hat das damalige Neben- und Gegeneinander auch seine architektonisch interessanten Folgen mit sich gebracht.

Fotos: Stadt Kempten

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