Wartburg - Eisenach

Auf dieser Burg schrieb Luther die deutsche Bibel

Unter päpstlichem Bannfluch stehend, erreichte Martin Luther im März 1521 die Wartburg - getarnt als Junker Jörg. Dann passierte Großes. Er übersetzte das Neue Testament in nur elf Wochen in verständliches Deutsch. Schuf neue Wörter und Redewendungen wie "Perlen vor die Säue werfen", "die Zähne zusammenbeißen" oder "ein Wolf im Schafspelz". Seine Übersetzung im Exil gehört zu den genialsten und brillantesten Dolmetscherleistungen der Menschheit.

Ein grüner Kachelofen steht in der Schreibstube, daneben ein massiver Holztisch. Hier, über dem Burghof, hielt sich Augustinermönch Martin Luther zehn Monate lang versteckt. Er war geächtet, nannte sich "Junker Jörg", nahm Tinte und Papier und schuf sein berühmtestes Werk: die Übersetzung des Neuen Testaments. 1522 erschien die erste Lutherbibel in einer Auflage von 3.000 Exemplaren - der Beginn einer einheitlichen deutschen Schriftsprache. Mit jährlich 350.000 Besuchern ist die Wartburg in Eisenach heute die meistbesuchte Lutherstätte weltweit.

Die heilige Elisabeth

Die erste Version der Wartburg entstand schon 1067. "Wart! Berg, du sollst mir eine Burg werden!" soll Ludwig der Springer der Legende nach gesagt haben. Der Haken: Der Berg gehörte ihm gar nicht. Also schippte er massenhaft Erde von seinen Ländereien drauf. Später rammten seine Ritter ihre Schwerter in den Boden und schworen vor Gericht, dass diese in Ludwigs Erde steckten. Der Trick klappte. Landgräfin Elisabeth vollbrachte ihre Wunder ohne faulen Zauber. Die Mutter von drei Kindern lebte im 13. Jahrhundert auf der Burg, widmete ihr Leben den Armen und Kranken. Sie starb mit 24 Jahren und wurde kurz nach ihrem Tod heilig gesprochen. Sie ist die Landespatronin von Thüringen.

"Märchenkönig" ließ Wartburg nachbauen

Im 19. Jahrhundert wurde die Wartburg über Eisenach fast vollkommen neu errichtet. Kurz darauf kam Bayerns "Märchenkönig" Ludwig II. zu Besuch - und war beeindruckt. Nur zwei Jahre später ließ er Schloss Neuschwanstein bauen, nach dem 500 Kilometer entfernten Vorbild. Heute kommen 1,5 Millionen Besucher jährlich nach Neuschwanstein, aber auch die Wartburg ist seit Jahrhunderten das Ziel von tausenden Pilgern aus der ganzen Welt. Die meisten wollen den mysteriösen Tintenfleck sehen. Luther wurde beim Bibelschreiben vom Teufel belästigt und soll das Tintenfass nach ihm geworfen haben. Belegt werden konnte das nie, ein Fleck an der Wand wurde dutzende Male erneuert und existiert seit über 100 Jahren nicht mehr. (Viele Besucher "sehen" ihn aber trotzdem …)

Vielleicht liegt's am anstrengenden 500-Meter-Aufstieg? Alle Seilbahnpläne mussten verworfen werden, um den UNESCO-Welterbestatus nicht zu gefährden. Inzwischen gibt's aber Burgbergbusse für alle, die nicht so gut zu Fuß sind.

P.S.: Die Wartburg ist nach einem (von diversen) Rechenmodellen der Mittelpunkt Deutschlands. Zum Wartburgkreis gehört sie sinnigerweise nicht mehr.

Adresse Wartburg Eisenach
Auf der Wartburg 1, 99817 Eisenach

Öffnungszeiten Wartburg Eisenach
Sommersaison (April - Oktober) täglich 8.30 - 20.00 Uhr
Wintersaison (November - März) täglich 9.00 - 17.00 Uhr

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