Currywurst

Angela Merkel soll sie lieben, Gerhard Schröder hat sich für sie scheiden lassen (seine Ex-Frau ist Vegetarierin), Herbert Grönemeyer hat sie besungen: Die Rede ist von der Currywurst. Doch nicht irgendeine. Es geht um die echte, die einzig wahre - die Berliner Currywurst.

"Mit oder ohne?" - das ist die Frage aller Fragen. Wollen sie das Original, dann bestellen sie "ohne" (Darm). Die typische Beilage ist ein kleines Brötchen, mit dem sich die Sauce besonders gut tunken lässt - immerhin besser als fettige Pommes...

Zwar machen ihr Döner und Hamburger seit Jahren große Konkurrenz, doch die Currywurst gehört zu Berlin wie das KaDeWe und das Brandenburger Tor. Dementsprechend hoch sind die Ansprüche. In der Hauptstadt ist es geradezu ein Verbrechen, wenn normales Ketchup verwendet wird. Wenn man hier zur Crème de la Crème der Imbissbuden gehören möchte, muss man eine selbst erfundene Currywurstsauce haben.

So wie einst Herta Heuwer. An sie erinnert in Charlottenburg eine Gedenktafel, denn sie gilt als die Erfinderin der deftigen Kalorienbombe. Die Besatzungsmächte hatten einst ihre Lebens- und Essgewohnheiten ins Deutschland der Nachkriegszeit mitgebracht. Bei den Amerikanern war Steak mit Ketchup sehr beliebt. Herta Heuwer und ihr Mann ersetzten das damals sehr teure und schwer zu beschaffende Steak aber durch eine Berliner Dampfwurst. Da Ketchup damals in Deutschland noch unbekannt war, wurde eine eigene Sauce aus Tomatenmark und Gewürzen gemischt. Fertig war das Steak des kleinen Mannes!

In einem alten Imbisswagen eröffnete Herta Heuwer ihr erstes Geschäft. Ihren späteren Stand an der Kaiser-Friedrichstraße, Ecke Kantstraße - eine Berliner Institution - nannte sie stolz "Erste Currywurstbraterei der Welt". Ihre Sauce kam groß heraus: Heuwer meldete ihre Erfindung 1959 unter dem Namen "Chillup" (aus "Chili" und "Ketchup") als Marke beim Deutschen Patent- und Markenamt an. So wurde Herta Heuwer die offizielle Erfinderin der Berliner Currywurst. Den Tag der "Schöpfung" beschrieb sie einmal so: "Es war in einer regnerischen Herbstnacht des Jahres 1949, am 4. September. Es goss kleene Kinderköppe, keen Mensch war an meiner Bude. Aus Langeweile rührte ich Gewürze mit Tomatenmark zusammen. Und es schmeckte herrlich."

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