Die Hohkönigsburg

Prächtige Elsass-Schönheit und ihr Comeback

Kein echtes Mittelalter, sondern "une grande illusion": die Hohkönigsburg (Château du Haut-Kœnigsbourg). Fast drei Jahrhunderte lang Ruine, lies Kaiser Wilhelm II. sie 1908 imposant auferstehen. Die meistbesuchte Burg des Elsass gewährt einen prächtigen Ausblick auf Rheinebene und Schwarzwald und ist vor allem eines: selbst ein Bild von Bollwerk.

Scheinen schon die malerischen elsässischen Weindörfchen dem Bilderbuch entsprungen, so tut es die Hohkönigsburg ihnen ohne Abstrich gleich. Eine prächtige, trutzige, echte Ritterburg. Oui ... fast. Im 12. Jahrhundert haben die Hohenstaufer sie auf dem Gipfel eines mächtigen Vogesenhügels errichtet, ganze 755 Meter über dem Meeresspiegel. Strategisch brillant. Dennoch setzten ihr die Schweden im Dreißigjährigen Krieg heftig zu. Geplündert, abgerannt, eine Ruine. Wäre sie wahrscheinlich auch geblieben, hätte die Stadt Sélestat sie nicht 1899 Kaiser Wilhelm II. geschenkt. Er ließ die Hohkönigsburg im Stil des 15. Jahrhunderts auf dem Reißbrett entwerfen und aufbauen – eine romantische, aber auch umstrittene Nachahmung. Seit 1919 ist sie wieder Eigentum Frankreichs.

Kleine Korrekturen

Heute besuchen eine halbe Million Menschen die Burg jährlich. 50 Kilometer südlich von Straßburg und nördlich von Colmar gelegen, gehört die Hohkönigsburg zu den imposantesten und faszinierendsten Festungen Europas. Das einzige im Elsass gelegene französische Nationaldenkmal. Selbst wenn man ihr den Rücken zukehrt, sind da diese erstaunlichen Momente. Quelle vue magnifique: Der Blick reicht über den Rhein bis hin zum Kaiserstuhl und Schwarzwald, an klaren Tagen sogar zum Jura. Überwältigend ist das kolossale Kastell vor allem selbst, mit seinen Zinnen und Türmen, der gewaltigen Zugbrücke, den Kanonen, historischen Rüstungen und Waffen. Eine wundersame Zeitreise für jeden Besucher, auch wenn bei der Restauration nicht immer bis aufs I-Tüpfelchen den historischen Quellen entsprochen wurde. In den Sommer- und Ferienmonaten stehen besondere Touren im Programm. Amme Marguerite oder Florine die Apothekerin empfangen in alten Gewändern und führen vorbei an Hieb- und Stichwaffen, Jagdtrophäen und möblierten Gemächern. Wer sich auf eigene Faust ins Mittelalter begeben möchte, wird, ganz modern, mit einen Audioguide ausgestattet.

Großes Kino

Solch eine Kulisse inspiriert und bannt auch Filmemacher. Die Hohkönigsburg diente als optische Vorlage für die Zitadelle von "Minas Tirith", der Hauptstadt Gondors, in "Der Herr der Ringe". Jean Renoir drehte hier 1937 Teile seines Films "La Grande Illusion", der den 1. Weltkrieg und das Verhältnis von Deutschen und Franzosen thematisiert. Und 1956 filmte Jacques Becker im Château du Haut-Kœnigsbourg "Arsène Lupin, der Millionendieb", mit Robert Lamoureux in der Hauptrolle. Im zweiten Leben hat die Festung eben mehr Glück gehabt - eingenommen höchstens vom täglichen Heer Touristen und hie und da einer Filmcrew.

Täglich geöffnet 9.30 - 12.00 und 13.00 - 16.30, im Sommer bis 18.00. Geschlossen am 1. Januar, 1. Mai und 25. Dezember, außerdem montags im Januar und Februar. Erwachsene 9,- Euro, Kinder 5,- Euro, freier Eintritt am ersten Sonntag im Monat von November bis März sowie während der "Tage des offenen Denkmals" (3. Wochenende im September). Kostenlose Führungen (nur Eintrittspreis) von Mai bis Oktober 12.00 und 15.00 in deutscher Sprache.

Fotos: Jean-Luc Stadler, alsace-tourisme_AAA_zvardon

Reisepakete werden geladen