Friaul-Julisch Venetien

Vielfältiges Dreiländereck zwischen Alpen und Adria

Friaul-Julisch Venetien? Ein Wortungetüm und ein zauberhaftes Urlaubsziel. Oben rechts im Stiefel liegt die italienische Region an der Grenze zu Österreich und Slowenien. Im Süden: Adria, Felsenküste, Sandstrände. Im Norden: Karsthochebene, Dolomiten und die Alpen. So vielfältig wie die Landschaft ist die Kultur. Römer und Habsburger haben hier regiert. Man spricht Deutsch, Furlanisch, Slowenisch und Italienisch.

Hauptstadt Friaul-Julisch Venetiens ist Triest. Die Hafenstadt an der Adria glänzt mit Prachtbauten aus habsburgischer Herrschaft und den Überresten aus Zeiten der Römer. Auf der Piazza dell'Unità d'Italia genießt man Kaffee mit Sicht auf die Adria, unweit der Ruinen eines römischen Theaters. Die Kontraste und abwechslungsreiche Geschichte der Region faszinieren Besucher. James Joyce lebte mittellos, aber glücklich in Triest. Rainer Maria Rilke inspirierte die wunderschöne Landschaft um die Stadt zu seinen "Duineser Elegien".

Kaffee, Wein und Schinken

Friaul-Julisch Venetien ist seit der Antike Weinanbaugebiet. Beliebte Sorten wie Refosco, Terrano, Malvasia, Tokai und Rebula werden hier angebaut. Der Rohschinken aus San Daniele del Friuli, dem italienischen "Schinkenhimmel", ist weltberühmt. Unbedingt probieren: Gubana, ein süßer Hefekuchen mit Trockenfrüchten. Dazu ein Capo Triestino, eine Art Miniatur-Cappuccino. Kaffeeröster Illy ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Gegend - vielleicht trinken die Triester deshalb doppelt so viel Kaffee wie der Rest der Italiener.

Schnee, Meer und Mischwald

Das Naturdenkmal Dolomiten hat es auf die Weltkulturerbeliste der UNESCO geschafft. Skifahren und Eislaufen im Winter und Bergsteigen, Biken und Trekking im Sommer sind hier angesagt. Auch schön gelegene Golfplätze hat die Region zu bieten. An den langen Sandstränden der Adria können Besucher baden, surfen und segeln. Wandern in der Nähe von Triest im schroffen und wilden Krastvorgebirge ist wildromantisch. Die Strecke ab Triest bietet einen herrlichen Ausblick auf den Ort, Miramare und die Bucht. Friaul-Julisch Venetien, eine Region so zauberhaft wie der Name sperrig ist.

Foto: Tourismusverband FVG

Triest

Triest - das italienische Wien an der Adria

Schnittpunkt lateinischer, slawischer und jüdischer Kultur, Schmelztiegel verschiedener Ethnien, lange unter habsburgischer Herrschaft. In Triest vermischen sich Kultur und Kommerz, Geschichte und Gegenwart zu einem einzigartigen Charme.

Den Prunk der habsburgischen Monarchie und Spuren der Römer finden sich überall in der italienischen Hafenstadt an der Grenze zu Slowenien. Die Piazza dell'Unità d'Italia ist an drei Seiten von neoklassizistischen Prachtbauten umgeben und zum Meer hin offen. In dem 180 Jahre alten Caffé degli Specchi (Café der Spiegel) am Platz wird Wiener Kaffeehauskultur gepflegt. Die Spezialität: Capo Triestino, ein Miniatur-Cappuccino. Typisch italienisch dagegen ist das Eis. Kenner sagen, das Beste der Stadt gäbe es bei der Gelateria Marco, ein wenig versteckt hinter der Piazza. Ein Stück weiter liegen die restaurierte Altstadt und die Ruinen eines römischen Theaters. Vorbei am Richardsbogen, dem einzigen noch erhaltenen Teil der römischen Stadtmauer, geht es die Anhöhe hinauf zur Kathedrale von San Giusto, dem Wahrzeichen Triests.

Literaturhauptstadt Venetiens

In der Literaturgeschichte hat die Stadt einen festen Platz. Italienische und slawische Schriftsteller wirkten hier. In nur zwei Zimmern erzählt das Museo James Joyce Wissenswertes über den irischen Schriftsteller, der in Triest Englisch unterrichtete. Joyce ist auch als Statue auf der Ponte Rosso auf dem Canal Grande verewigt. Von dieser Brücke sieht der Sonnenuntergang über der Adria magisch aus. In den Cafés, Restaurants und Bars um den schiffbaren Kanal treffen sich die Triester zu jeder Tageszeit zum Plaudern, Essen und das Leben genießen.

Habsburger Schloss am Meer

Miramare, das Schloss der Habsburger in Norden von Triest, erreicht man am besten per Boot. Die "Delfino verde" legt mehrmals am Tag im Hafen ab. Die halbstündige Fahrt ermöglicht einen Blick auf die Küste von Triest. Ein wenig außerhalb liegt auch die Grotta Gigante, eine spektakuläre Grotte, die dank ihrer riesigen Ausmaße im Guinness Buch steht. Besucher sollten sich nicht vom Treppensteigen scheuen: 500 Stufen führen hinab - und wieder hinauf. Hier hatten ausnahmsweise weder die Habsburger noch die Römer ihre Finger im Spiel.

Foto: Pixabay

Scrovegni Kapelle

Die Cappella degli Scrovegni, auch Arenakapelle genannt, ist eine Kapelle in Padua, die berühmt geworden ist durch die Freskengemälde des großen florentinischen Meisters Giotto di Bondone. Sie entstand von 1303 bis 1305 auf dem Gelände des römischen Amphitheaters (Arena) als Hauskapelle eines später abgerissenen Palastes. Auftraggeber war Enrico Scrovegni. Dante hatte in seinem "Inferno" geschrieben, dass er den durch Wuchergeschäfte reich gewordenen Reginaldo Scrovegni in der Hölle getroffen habe, und sein Sohn Enrico Scrovegni habe diese Hauskapelle als Sühne für die Sünden seines Vaters bauen lassen. Für die Ausmalung im Innern der Kapelle wurde der damals als sehr "modern" geltende Giotto aus Florenz geholt. Er erhielt den Auftrag, eine Sequenz von Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament darzustellen, deren Höhepunkt der Tod und die Wiederauferstehung des Gottessohnes sowie der Jüngste Tag sein sollten.

In einem einzigartigen Freskenzyklus schildert er diese Themen in einem sehr wirklichkeitsnahen Stil. Das Werk wurde in sehr kurzer Zeit fertiggestellt und schon 1305, nach nur zwei Jahren, war die Kapelle fertig dekoriert und wurde zum zweiten Mal eingeweiht.

Die Besichtigung der Kapelle ist höchstens 25 Personen alle 15 Minuten gestattet. Deshalb ist eine Vorbestellung von 48 Stunden angebracht, sei es für Gruppen, als auch für einzelne Besucher. Der Besuch der Scrovegni Kapelle erfolgt nach vorheriger Reservierung unter der Nummer: +39 049 201 00 20. Bei Verfügbarkeit an freien Plätzen kann man eine Besichtigung auch am gleichen Tag (Voranmeldungsgebühr von einem Euro) reservieren und zwar direkt an den Kassen der Stadtmuseen Eremitani oder an den Touristeninformationsbüros von Turismo Padova Terme Euganee.

Lage, Anfahrt

Die Kapelle befindet sich im Zentrum von Padua an der Piaza Eremitani. Vom Hauptbahnhof können Sie wochentags die Busse der Linien 3, 8, 10 oder 12 nehmen (samstags und sonntags die Linien 32 oder 42), die Sie direkt zu Piazza fahren.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise

Geöffnet: Mo. - So. 9.00 - 19.00;
25./26. 12 und 1. 1. geschlossen
Eintritt: Erwachsene 13,- Euro, ermäßigt 8,- Euro
(Kinder  6 - 17 Jahren, Studenten, Soldaten),
Kinder bis 5 Jahre frei

Padua

Padua (Padova) gehört zu den ältesten Städten Italiens. Einer Sage nach wurde die Stadt bereits 1184 vor Christus gegründet. Schriftliche Belege gibt es allerdings keine. Im Mittelalter zog die Universität Padua allerhand Prominenz an: Hier lehrten Albertus Magnus und Galileo Galilei, zu den berühmten Studenten zählen Kopernikus und Torquato Tasso. Heute kommen die meisten Gäste, um die Fresken von Giotto in der Scrovegni Kapelle zu sehen oder zur Basilika des heiligen Antonius zu pilgern.

Laut Homer wurde die Stadt von dem mythischen Helden Antenor nach dem Fall seiner Heimatstadt Troja gegründet. Tatsächlich war es eine Siedlung der Veneter. Im Jahre 215 vor Christus wurde die Stadt zum Bestandteil des Römischen Reiches und erhielt den Namen Patavium. Allerdings erinnert heute nur wenig an diese Zeit, da die Stadt 452 von den Hunnen und 601 von den Langobarden zerstört wurde. 1222 öffnete die nach Bologna zweitälteste und bis heute hoch angesehene Universität ihre Tore. Ende des 18. Jahrhunderts eroberten die Franzosen Padua und traten die Stadt an Österreich ab. Erst im Jahre 1866 wurde sie Bestandteil des italienischen Königreichs.

Padua hat viele Sehenswürdigkeiten - unter anderem die berühmte Basilika des heiligen Antonius mit seinem Grabmal oder die Universität mit ihrem berühmten Teatro anatomico. Die Scrovegni Kapelle ist aufgrund ihres Freskenzyklus von Giotto kunstgeschichtlich außerordentlich bedeutend und ein Publikumsmagnet.

Basilika des heiligen Antonius: Baubeginn der Basilika war im Jahre 1231 nach dem Tode des St. Antonio und wurde Anfang des 14. Jahrhunderts fertiggestellt. Die grandiose romanisch-gotische Konstruktion hat acht Kuppeln und orientalische Türme. Die Basilika bewahrt die sterbliche Hülle des heiligen Antonius und unzählige künstlerische Meisterwerke, u. a. den Hochaltar von Donatello. Auf dem Kirchplatz steht die Pferdestatue des Gattamelata von Donatello (1453). Auftraggeber war der venezianische Söldnerführer Erasmo de Narni, der wegen seiner Verschlagenheit den Namen "Gattamelata" (gefleckte Katze) trug.

Prato della Valle: Im 18. Jahrhundert wurde an der Stelle des antiken Theaters der Prato della Valle, ein von einem Kanal umschlossener Park, angelegt, auf dessen Brüstung 87 Statuen illustrer Paduaner stehen.

Universität: Sehenswert ist das so genante Teatro anatomico, ein Vorlesungssaal für angehende Mediziner.

Piazza della Frutta und Piazza delle Erbe: Im Herzen der Stadt liegen die Piazza delle Erbe (Gemüsemarkt) und Piazza della Frutta (Obstmarkt), die traditionellen Orte, an denen der tägliche Markt zu finden ist. Sie befinden sich neben dem Palazzo della Ragione (1218 erbaut und 1306 aufgestockt), dem Sitz des Gerichts. Im riesigen oberen Saal befinden sich Fresken aus dem 15. Jahrhundert mit astrologischen und religiösen Themen der Schule Giottos. Außerdem stehen in dem Saal: Ein hölzernes Pferd (1466) und der "Stein des Schmachs" für zahlungsunfähige Schuldner. In der Piazza dei Signori, dem politischen Herzen Paduas zur Zeit der Herrschaft Venedigs, steht die Loggia della Gran Guardia und der Triumphbogen des Palazzo del Capitanio mit der astrologischen Uhr aus dem 15. Jahrhunderts von Jacopo Dondi.

Villa Pisani

Am Ufergebiet des Brenta-Kanals, der Riviera del Brenta, befinden sich 70 Villen, die sich reiche Venezianer zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert als Sommersitz errichten ließen. Die Villa Pisani, auch Villa Nazionale genannt, gilt als das imposanteste und majestätischste Gebäude der Riviera del Brenta. Die schlossähnliche Anlage mit über 100 schön ausgestatteten Räumen entstand bis 1756 für den Dogen Alvise Pisani. Hier mischen sich die Pracht des Barocks und die Harmonie des Klassizismus zu einem Stil, der an die Paläste von Caserta und Versailles erinnert.

Das Gebäude besitzt 114 Zimmer, die die Wahl von Alvise Pisani zum 114. Dogen von Venedig symbolisieren sollen. In den meisten von ihnen kann man noch die Originaleinrichtungen bewundern. Der Ballsaal mit seinem grandiosen Fresko, "Ruhm des Hauses Pisani", das zwischen 1760 und 1762 von Giovanni Battista Tiepolo gemalt wurde, stellt einen der Höhepunkte der venezianischen Malerei des 18. Jahrhunderts dar. Die Villa, die eher als Schloss zu bezeichnen ist, wurde 1807 von Napoleon gekauft, der aber nur eine Nacht hier geschlafen hat. Von ihm soll der Ausspruch stammen "Für einen Grafen zu groß, für einen König zu klein".

Der originale barocke Garten wurde im 19. Jahrhundert nach dem Geschmack der Zeit zu einem Landschaftsgarten umgestaltet. Von besonderem Reiz ist der Irrgarten, eine trapezförmige Anlage mit eingeschriebenem Kreis, der 1720/21 angelegt wurde. Im Zentrum steht ein Türmchen, das mit einer Statue der Minerva, dem Symbol der Weisheit, bekrönt ist.

Lage, Anfahrt

Vom Hotel aus fahren Sie ca. 4 km Richtung Padua nach Stra, hier befindet sich die Villa Pisani auf der rechten Seite.

Öffnungszeiten

April - September Di. - So. 8.30 - 20.00; Oktober Di. - So. 9.00 - 18.00; 28. Oktober - März Di. - So. 9.00 - 17.00;

Letzter Einlass jeweils eine Stunde vor Schließung. An Weihnachten und Neujahr geschlossen.

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