Der Grenz-Bahnhof

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein bildet die Verbindungsstelle zwischen der von der Bayerischen Ostbahn 1874 begonnenen Bayerischen Waldbahn Plattling-Bayerisch Eisenstein und dem Bahnnetz Tschechiens in Richtung Pilsen.

Grundlage dieser Bahnverbindung ist der Bayerisch-Österreichische Staatsvertrag vom 21. Juni 1851. Auf böhmischer Seite baute die Pilsen-Priesen-Komotauer Eisenbahn-Gesellschaft das bis zur Grenze fehlende Streckenstück von Neuern nach Eisenstein und eröffnete es am 20. Oktober 1877. Auf deutscher Seite wurde die Strecke nach der Verstaatlichung der Ostbahngesellschaft zum 10. Mai 1875 von der Bayerischen Staatsbahn vollendet und am 15. November 1877 dem Verkehr übergeben.

Erst gegen Ende des Streckenbaus vereinbarten die beiden Bahngesellschaften am 17. Mai 1877 Einzelheiten zu den großen Gleisanlagen für den Übergabebetrieb und für den Bau des sehr großen Empfangsgebäudes. Dazu musste das örtliche Gelände mit über 250.000 m3 Erdreich aufgefüllt und eingeebnet werden. Das Empfangsgebäude wurde mit seinem Mittelteil genau auf der Grenze erbaut. Daran schließt sich auf beiden Seiten jeweils ein Gebäudeflügel der jeweiligen Bahngesellschaft an. Die Wartesäle wurden dem damaligen Stil entsprechend sehr repräsentativ gestaltet. Fertiggestellt wurde der Bahnhof im Jahre 1878. Auf seiner Südseite liegt westlich des Gleisfeldes der Ringlokschuppen mit Drehscheibe, in dem heute das Bayerische Localbahnmuseum mehr als 20 Fahrzeuge aus der Localbahnzeit ausstellt.

Die Bahnstrecke war als die kürzeste Bahnverbindung zwischen Prag und München konzipiert, wegen der starken Steigungen und der engen Bögen vor allem auf böhmischer Seite erlangte sie jedoch nicht die ihr zugedachte Bedeutung. Einen durchgehenden Zugverkehr hat es nicht gegeben. Nur um die Jahrhundertwende 1900 liefen für einige Jahre durchgehende Kurswagen München-Prag über die Strecke. Der durchgehende Güterverkehr beschränkte sich auf die Region.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam der grenzüberschreitende Zugverkehr völlig zum Erliegen. Mit dem Eisernen Vorhang wurde von der CSSR auf der Grenze ein Drahtzaun quer über die Bahnanlagen gezogen und die Gleise unterbrochen. Selbst im Empfangsgebäude hatte man die Trennung durch Mauern vollzogen. Die tschechischen Züge endeten nun im einige Kilometer nördlich der Grenze gelegnen Ort Zelezna Ruda. Die DB fuhr mit ihren Zügen bis zum Prellbock am Grenzzaun und nutzte die südliche Hälfte des geteilten Empfangsgebäudes. Der Dampfbetrieb der DB bis Bayerisch Eisenstein endete für den Personen- und Güterverkehr in den 70er Jahren. Es blieben für lange Zeit die Schienenbusse, abgelöst durch Diesellokomotiven.

Der Grenzübergang wurde für den Schienenverkehr am 2. Juni 1991 wieder geöffnet. Seither kann man bei kurzem Aufenthalt wieder in die Züge der Ceske drahy (CD) nach Klatovy (Klattau) und Plzen (Pilsen) umsteigen. Für Rangierfahrten nutzen beide Bahngesellschaften die Gleisanlagen ohne Rücksicht auf den Verlauf der Grenze.

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