Spielzeug Manufaktur - Bad Kösen

Seit fast 100 Jahren wird in Bad Kösen Spielzeug hergestellt. Nicht superniedlich sollen die Plüschtiere sein, nein, am wichtigsten sind bis heute naturgetreues Aussehen und eine hochwertige Verarbeitung. Hier gibt es noch Faultiere, die aussehen wie Faultiere und Feldhasen wie Feldhasen. Diplom-Designer fertigen für jedes neue Tier zunächst eine akkurate Zeichnung an, schließlich soll jede typische Maserung, Hautfalte und Bartstoppel sitzen. Knuddelig und wuschelweich sind sie ja trotzdem. Und ein jedes Stofftier ist hergestellt in liebevoller Handarbeit.

Ins Rollen gebracht hat die Kösener Spielzeugtradition keine Geringere als Käthe Kruse. 1912 eröffnete sie in dem Saale-Städtchen ihre erste Puppenwerkstatt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde jedoch die Rohstoffversorgung für Ihre Puppen knapp. Zudem gingen zwei ihrer Kinder in den Westen und bauten in Bad Pyrmont und Donauwörth eigene Puppenherstellungen auf. Als mit der Gründung der DDR die Werkstätte in Bad Kösen enteignet und als VEB Puppenwerkstätten in das DDR-System eingegliedert wurde, verließ auch Käthe Kruse Bad Kösen. Doch selbst nach ihrem Fortgehen wurden noch Puppen im Käthe-Kruse-Stil hergestellt.

Den "Urknall" für die Stofftierherstellung brachte die Leipziger Messe 1959. Hier präsentierte der VEB sein allererstes Spielzeugtier: eine Gans. Sie schlug ein wie eine Bombe. Aufgrund der überraschend hohen Nachfrage wurden Tiere fortan zum Hauptschwerpunkt der Produktion.

Bis 1967 gehörte das Unternehmen schließlich zum Kombinat Spielwaren Sonneberg, danach zur Hochschule für industrielle Formgestaltung in Burg Giebichenstein, wo ein Großteil der Plüschtiere in der DDR hergestellt wurde. Nach der Wende stand das Unternehmen vor dem Aus. Übernommen hat es 1992 schließlich Landmaschineningenieur Helmut Schache, der frühere Bürgermeister des Städtchens in Sachsen-Anhalt. Er unterschrieb mit seiner Frau in allerletzter Minute bei der Treuhand einen Kaufvertrag. Zur Jahrtausendwende stockten sie die Sortimentspalette nochmal auf und übernahmen SILKE COLLECTION aus München (Stoffpuppen und Stofftiere für das Kleinkindalter). Mittlerweile hat Helmut Schache den Staffelstab an seine Tochter Constanze weitergegeben, ist selbst aber noch engagiert dabei und führt mit Herz und Seele durch sein Haus.

Im November 2013 eröffnete die "Kösener Spielzeug Erlebniswelt". Im neu eröffneten Hotelkomplex des ehemaligen Kurhotels "Mutiger Ritter" befinden sich seidem die gläserne Manufaktur, in der die Entstehung der Plüschtiere erlebt werden kann, außerdem der Werksverkauf und das Kösener Spielzeug Museum. Ach ja, wenn Sie auf Ihrem Rundgang Schnappi oder Bernd das Brot begegnen - auch "Promis" sind ins Sortiment eingezogen und werden unter dem Label als Lizenzprodukte vertrieben. Sie wollen lieber ein Okapi, ein Zwergflusspferdbaby oder eine Doppelgebänderte Wasserkobra? Sonderbestellungen werden gern erfüllt - allerdings sollte das nötige Budget vorhanden sein. Qualität und Handarbeit haben natürlich ihren Preis.

Ach ja, schauen Sie sich auch mal das Logo genauer an. Es ist eine sympathische Abwandlung des eher martialischen Löwendenkmals bei der Rudelsburg. Das und noch vieles, vieles mehr erfahren Sie während der täglichen Führungen durch die Gläserne Manufaktur um 14.00 Uhr. Und wer in der DDR groß wurde, wird in jedem Fall viele "alte Bekannte" wiedertreffen.

Reisepakete werden geladen