Paulskirche
Paulskirche
Wenn es einen Ort in Deutschland gibt, der Geschichte buchstäblich atmet, dann ist es die Paulskirche in Frankfurt am Main. Der ovale Klassizismusbau aus rotem Sandstein ist kein pompöses Prachtgebäude – aber genau das macht ihn so besonders. Was sich zwischen seinen Mauern ereignet hat, veränderte die Geschichte Deutschlands für immer.
1848 versammelte sich hier das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament. Die Abgeordneten aus allen deutschen Staaten kamen nach Frankfurt, weil die Stadt als Freie Reichsstadt keinem Fürsten unterstand – neutraler Boden für einen historischen Aufbruch. Heute ist die Paulskirche nationale Gedenkstätte, jährlicher Schauplatz des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels und ein Ort, der jeden Besucher nachdenklich stimmt. Wer einen Städtetrip nach Frankfurt plant, sollte hier unbedingt vorbeischauen.
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Frankfurt bietet rund um die Paulskirche ein dichtes Netz an Geschichte und Kultur. Bevor Sie die Sehenswürdigkeit erkunden, lohnt sich ein Blick in die Entstehungsgeschichte dieses außergewöhnlichen Gebäudes – denn wer versteht, was hier geschah, sieht den Ort mit ganz anderen Augen.
Geschichte der Paulskirche: Von der Kirche zum Parlament
Von der Barfüßerkirche zum Parlamentssaal
Wo heute Demokratiegeschichte erinnert wird, stand einst eine Franziskanerkirche. Die mittelalterliche Barfüßerkirche, die 1270 erstmals urkundlich erwähnt wurde, musste 1786 einem Neubau weichen. Zwischen 1789 und 1833 entstand nach Plänen von Johann Friedrich Christian Hess der heutige Bau – zunächst als lutherische Stadtkirche für die Gemeinde der freien Reichsstadt Frankfurt.
Den entscheidenden Moment erlebte die Paulskirche am 18. Mai 1848: An diesem Tag trat die Frankfurter Nationalversammlung zusammen. Über 800 Abgeordnete aus allen deutschen Staaten versammelten sich hier, um eine Verfassung für ein geeintes Deutschland zu erarbeiten und den Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser zu wählen. Die Kirche wurde eigens umgebaut: 37 gasbetriebene Kronleuchter erhellten den Saal, und im Winter 1848/49 heizte eine der ersten Zentralheizungsanlagen Deutschlands den Plenarsaal trotz kalter Außentemperaturen auf erträgliche 18 Grad Celsius – eine technische Meisterleistung der Zeit.
Scheitern und Wiedergeburt
Die Nationalversammlung scheiterte schließlich am Widerstand der deutschen Fürsten und preußischer Machtpolitik – Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene Kaiserkrone ab. Aber ihr Erbe blieb: Die Paulskirche wurde zum bleibenden Symbol des deutschen Freiheitswillens und parlamentarischer Demokratie.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 bei schweren Luftangriffen fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau zwischen 1947 und 1948 war eine gesamtdeutsche Gemeinschaftsleistung: Spendengelder aus allen deutschen Ländern finanzierten den Neubau. Aus Materialknappheit verzichtete man auf die ursprüngliche hohe Kuppel und wählte stattdessen ein schlichtes Kupferdach. Die Wiedereröffnung am 18. Mai 1948 – exakt 100 Jahre nach der ersten Nationalversammlung – war ein bewusster symbolischer Akt für Demokratie und Neuanfang.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1270 | Erste urkundliche Erwähnung der Barfüßerkirche |
| 1789–1833 | Neubau der Paulskirche (Architekt: J. F. C. Hess) |
| 18. Mai 1848 | Erste Sitzung der Frankfurter Nationalversammlung |
| 1849 | Scheitern der Nationalversammlung |
| 1944 | Weitgehende Zerstörung durch Bombenangriffe |
| 1947–1948 | Wiederaufbau durch gesamtdeutsche Spendengelder |
| 18. Mai 1948 | Wiedereröffnung am 100. Jahrestag der Nationalversammlung |
Architektur und Symbolik eines besonderen Bauwerks
Die Paulskirche beeindruckt nicht durch barocken Prunk oder gotische Türme. Sie ist nüchtern, fast schnörkellos – und genau das verleiht ihr eine eigentümliche Würde. Der ovale Grundriss, die hohen Rundbogenfenster und die klare geometrische Struktur folgen dem klassizistischen Ideal: Vernunft vor Dekoration, Funktion vor Ornament.
Das heutige Erscheinungsbild unterscheidet sich deutlich vom Original. Die ursprüngliche hohe Kuppel mit rund 37 Metern Durchmesser ist verschwunden; das nachkriegszeitliche Kupferdach sitzt flacher und schlichter auf dem Bau. Wer alte Stiche oder Gemälde der Paulskirche kennt, erkennt den Unterschied sofort – ein stiller historischer Fingerabdruck, der in die Fassade eingeschrieben ist.
Im Innern prägt ein lichtdurchfluteter, hoher Plenarsaal das Raumgefühl. Die Flaggen Deutschlands, der 16 Bundesländer und Frankfurts hängen hier und verleihen dem Raum den Charakter einer lebendigen Gedenkstätte – nicht museal eingefroren, sondern als aktiver Ort demokratischer Erinnerung gestaltet.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Baustil | Klassizismus |
| Grundriss | Oval, ca. 30 × 40 Meter |
| Architekt | Johann Friedrich Christian Hess |
| Baumaterial | Roter Sandstein |
| Heutiges Dach | Flaches Kupferdach (seit Wiederaufbau 1948) |
| Saalhöhe | ca. 28 Meter |
| Fassungsvermögen | ca. 800–1.000 Personen |
Was erwartet Sie beim Besuch der Paulskirche?
Die gute Nachricht zuerst: Der Eintritt in die Paulskirche ist kostenlos. Täglich von 10 bis 17 Uhr können Besucher das Gebäude besichtigen – inklusive der sehenswerten Dauerausstellung zur Frankfurter Nationalversammlung, die das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt kuratiert hat.
Wichtig zu wissen: Bei städtischen Festakten und offiziellen Veranstaltungen – besonders zur Frankfurter Buchmesse im Oktober, wenn der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen wird – kann die Kirche kurzfristig für Besucher geschlossen sein. Ein kurzer Blick auf die Website der Stadt Frankfurt vor Ihrem Besuch schadet daher nicht.
| Info | Details |
|---|---|
| Adresse | Paulsplatz 9, 60311 Frankfurt am Main |
| Öffnungszeiten | Täglich 10:00 – 17:00 Uhr |
| Eintritt | Kostenlos |
| ÖPNV | U4/U5: Haltestelle Dom/Römer; Tram 11/12: Römer/Paulskirche |
| Parken | Parkhaus Dom Römer (Domstr. 1) oder Parkhaus Hauptwache |
| Barrierefreiheit | Ja (Rampen und Aufzüge vorhanden) |
Tipp für Familien: Kinder ab ca. 10 Jahren interessieren sich oft überraschend für die Geschichte von 1848 – besonders wenn man ihnen erklärt, dass das Parlament hier in einer umgebauten Kirche tagte und die Heizung als absolute Hightech galt. Der Besuch dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten. In Kombination mit dem benachbarten Römerberg ergibt sich ein schöner Halbtagsausflug.
Sehenswürdigkeiten rund um die Paulskirche
Die Paulskirche liegt so günstig im Herzen Frankfurts, dass sich ein ganzer Vormittag drumherum füllen lässt, ohne sich auch nur einen Kilometer vom Ausgangspunkt zu entfernen. Hier die wichtigsten Anlaufpunkte:
- Römerberg (2 Gehminuten): Frankfurts bekanntestes historisches Ensemble mit dem mittelalterlichen Rathaus. Besonders schön an Wochenmärkten und in der Adventszeit.
- Kaiserdom St. Bartholomäus (5 Gehminuten): Der gotische Frankfurter Dom war Krönungsort der deutschen Kaiser. Kostenloser Eintritt, gegen Aufpreis begehbarer Turm mit Stadtblick.
- Neue Altstadt / DomRömer-Quartier (3 Gehminuten): Das 2018 eröffnete Altstadtquartier mit 35 historisch rekonstruierten Häusern ist ein architektonisches Experiment zwischen Rekonstruktion und Neuinterpretation.
- Goethe-Haus (10 Gehminuten): Das originalgetreu restaurierte Geburtshaus des Dichters bietet einen intimen Einblick ins Frankfurter Bürgerleben des 18. Jahrhunderts.
- Museumsufer (15 Gehminuten): Das Frankfurter Museumsufer vereint über 15 Museen auf einem Spazierweg am Mainufer – darunter das Städel, das Deutsche Filmmuseum und das Museum für Kommunikation.
- Eiserner Steg (10 Gehminuten): Die Fußgängerbrücke über den Main bietet einen der schönsten Blicke auf die Frankfurter Skyline.
Das gesamte Gebiet rund um die Paulskirche lässt sich am besten zu Fuß erkunden. Planen Sie mindestens einen halben Tag ein. Weitere Ausflugstipps in Hessen finden Sie auf unserer Übersichtsseite.
Unsere Hotels in Frankfurt
Die Paulskirche lässt sich am besten als Teil eines mehrtägigen Frankfurt-Aufenthalts genießen. Die Stadt hat mit Römerberg, Dom, Museumsufer und den Apfelweincafés in Sachsenhausen deutlich mehr zu bieten, als man an einem einzigen Tag erkunden kann.
Häufige Fragen zur Paulskirche Frankfurt
Ist die Paulskirche kostenlos?
Ja, der Eintritt ist kostenlos. Die Paulskirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Wer während der Frankfurter Buchmesse im Oktober kommt, sollte vorher kurz prüfen, ob sie am gewünschten Tag zugänglich ist – beim Friedenspreis-Verleihungstag bleibt sie für Touristen geschlossen.
Was bedeutet die Paulskirche für Deutschland?
Sie gilt als Wiege der deutschen Demokratie – hier tagte 1848/49 das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament. Dieser Ort steht sinnbildlich für den Kampf um Freiheit, Einheit und demokratische Mitbestimmung. Kein anderer Ort in Deutschland trägt dieses Erbe so unmittelbar in sich.
Wie lange dauert eine Besichtigung?
30 bis 60 Minuten reichen für eine ruhige Besichtigung mit der Dauerausstellung. Kombinieren Sie den Besuch mit dem Römerberg (2 Minuten zu Fuß) und dem Dom (5 Minuten zu Fuß) für einen kompletten Vormittag Frankfurter Geschichte.
Geheimtipp: Das Paulsviertel entdecken
Wer die Paulskirche besucht, endet meistens am Römerberg – und das war es dann. Schade, denn direkt dahinter, ein paar Querstraßen vom Paulsplatz entfernt, liegt das Paulsviertel: eines der lebendigsten Stadtteile Frankfurts, mit kleinen unabhängigen Cafés, Weinbars, Buchläden und einem entspannten Flanier-Gefühl weit weg von den üblichen Touristenströmen.
Besonders lohnenswert: ein Abendspaziergang durch die Braubachstraße und die angrenzenden Gassen rund um den Kleinmarkthallenbereich. Hier wirkt Frankfurt nicht wie eine internationale Bankenmetropole, sondern wie eine lebendige mitteleuropäische Großstadt mit echter Nachbarschaftsatmosphäre – Currywurstbude neben Weinbar neben Blumenladen, alles auf engstem Raum.
Noch ein praktischer Tipp: Wer die Paulskirche morgens kurz nach der Öffnung um 10 Uhr besucht, hat sie in der Regel fast für sich allein. Nachmittags – besonders in der Hauptsaison von Mai bis September – kann es merklich voller werden. Die Ausstellung zur Nationalversammlung lässt sich in der Stille des Vormittags am eindrücklichsten erleben.