Goethe-Haus Frankfurt am Main
Dichterheimat: Das Goethe-Haus in Frankfurt am Main
Johann Wolfgang von Goethe gilt als einer der bedeutendsten Dichter der Weltliteratur – und sein Geburtshaus in Frankfurt am Main ist ein Pflichtbesuch für alle, die dem Genius auf die Spur kommen möchten. Das Goethe-Haus am Großen Hirschgraben 23–25 ist weit mehr als ein Museum: Es ist ein lebendiges Zeugnis einer außergewöhnlichen Kindheit und Jugend, ein Denkmal der deutschen Kulturgeschichte und ein Ort, an dem Weltliteratur ihren Anfang nahm.
Hier erblickte Johann Wolfgang am 28. August 1749 das Licht der Welt. Hier verbrachte er seine prägenden Jahre bis zu seinem 26. Lebensjahr, und hier entstanden seine ersten literarischen Meisterwerke – darunter die Urfassung des „Faust“, der Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ und das Drama „Götz von Berlichingen“. Das Goethe-Haus gehört heute zum Freien Deutschen Hochstift und empfängt jährlich Hunderttausende Besucher aus aller Welt.
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Geschichte des Hauses am Großen Hirschgraben
Das Geburtshaus Goethes am Großen Hirschgraben hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Den Grundstein legte Goethes Vater Johann Caspar Goethe, der das Haus zwischen 1755 und 1756 auf den Fundamenten zweier älterer Gebäude grundlegend umbauen ließ – Gebäude, die Goethes Großmutter als Alterssitz erworben hatte. Der kleine Johann Wolfgang durfte den Grundstein eigenhändig legen, eine Erinnerung, die ihn so nachhaltig beeindruckte, dass er noch Jahrzehnte später in seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit" davon schwärmte.
Das fertige Haus war für die Frankfurter Gesellschaft bemerkenswert: vier Geschosse hoch, im Stil des Spätbarocks errichtet und üppig eingerichtet. Eine eigene Bibliothek mit Hunderten von Bänden, kostbare Möbel, erlesene Tapeten und eine astronomische Standuhr, die dem jungen Goethe den Kopf verdrehte – all das prägte seine Kindheit und Jugend in diesem Haus.
Zwischen seiner Geburt 1749 und seinem Weggang nach Weimar 1775 lebte Goethe mit seinen Eltern und seiner Schwester Cornelia hier. Die Frankfurter Jahre waren seine prägendsten: Hier erlebte er seine erste Liebe, schloss sein Jurastudium ab und verfasste seine frühesten literarischen Werke. Schon im 19. Jahrhundert wurde das Haus als eine der ersten Dichtergedenkstätten Deutschlands der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – die Besucher kamen in Scharen. Doch in der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944 – dem 112. Todestag des Dichters – wurde das Haus bei einem alliierten Luftangriff schwer getroffen und brannte weitgehend aus. Dank historischer Dokumente, Fotografien und Inventarlisten gelang nach Kriegsende eine originalgetreue Rekonstruktion. Am 12. Oktober 1951 wurde das Goethe-Haus feierlich wiedereröffnet.
Vom Bürgerhaus zur ersten Dichtergedenkstätte
Im rekonstruierten Goethe-Haus können Besuchende heute insgesamt 16 Räume auf vier Etagen besichtigen. Die astronomische Standuhr im Treppenflur zählt zu den Schmuckstücken des Hauses: Der junge Goethe war so fasziniert von ihrer kunstvollen Mechanik, dass er noch Jahrzehnte später in seinen Schriften davon berichtete. Das Freie Deutsche Hochstift erwarb die Uhr sowie weitere Möbel, Stoffe, Tapeten und Schriftstücke und richtete das Museum so ein, wie Goethe es erlebt haben könnte.
Eine begleitende Audio-Führung, die im Eintrittspreis inbegriffen ist, begleitet Besuchende durch die einzelnen Räume und zeichnet ein lebendiges Bild der Goethezeit. In wechselnden Sonderausstellungen werden verschiedene Aspekte aus Goethes Leben und Werk vertieft. Das direkt angrenzende Goethe-Museum präsentiert darüber hinaus eine bedeutende Sammlung von Porträts und Kunstwerken aus der Entstehungszeit seiner Werke – von Gemälden über Grafiken bis hin zu Handschriften.
Für Schulklassen und Gruppen bietet das Freie Deutsche Hochstift eigens entwickelte Führungsprogramme und Workshops an, die Goethes Leben und seine Zeit altersgerecht erschließen. Eine Voranmeldung für Gruppen ist besonders in der Hauptreisezeit empfehlenswert.
Die wichtigsten Räume: Ein Rundgang
Das Goethe-Haus gliedert sich in vier Etagen mit je unterschiedlichen Schwerpunkten. Ein Besuch dauert je nach Interesse zwischen 60 und 90 Minuten.
| Raum | Etage | Besonderheit |
|---|---|---|
| Eingangsbereich & Treppenhaus | EG | Astronomische Standuhr – Goethes Lieblingsuhrenwerk |
| Küche | EG | Originalgetreue Ausstattung des 18. Jahrhunderts |
| Wohnzimmer | 1. OG | Repräsentativer Mittelpunkt des Familienlebens |
| Kinderzimmer | 2. OG | Spielzeug und Kindheitserinnerungen der Epoche |
| Musikzimmer | 2. OG | Klavier, an dem Goethe Unterricht erhielt |
| Schreibzimmer / „Das Heiligtum" | 3. OG | Entstehungsort von Faust, Götz und Werther |
| Bildergalerie | 3./4. OG | Porträtsammlung der Goethe-Familie |
Das Herzstück des Hauses ist das Schreibzimmer im dritten Stockwerk, auch „Das Heiligtum" genannt. In diesem schlichten Dachraum verfasste Goethe in den frühen 1770er Jahren die Urfassung des „Faust", das Sturm-und-Drang-Drama „Götz von Berlichingen" und den Briefroman „Die Leiden des jungen Werther" – Werke, die die Weltliteratur für immer veränderten. Wer hier steht, spürt, wie Geschichte und Literatur greifbar nah werden.
Das angegliederte Freie Deutsche Hochstift bewahrt darüber hinaus eine der bedeutendsten Literatursammlungen Deutschlands: Handschriften, Erstausgaben und persönliche Gegenstände Goethes und anderer Dichter der Klassik und Romantik können in wechselnden Ausstellungen studiert werden.
Lohnt sich ein Besuch im Goethe-Haus Frankfurt?
Absolut – und das gilt nicht nur für Literaturbegeisterte. Das Goethe-Haus ist ein außergewöhnlich gut inszeniertes Museum, das Geschichte auf mehreren Ebenen erfahrbar macht. Die Kombination aus authentischer Raumwirkung, originalem Inventar und einer hervorragenden Audio-Führung schafft ein Erlebnis, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen fesselt.
Direkt angrenzend befindet sich das 2021 eröffnete Deutsche Romantikmuseum – das weltweit einzige Museum, das ausschließlich der deutschen Romantik gewidmet ist. Ein Kombi-Ticket ermöglicht den Besuch beider Häuser zu einem vergünstigten Preis. Die Lage mitten in der Frankfurter Altstadt lädt dazu ein, den Museumsbesuch mit einem Spaziergang zum Römerberg, dem Kaiserdom oder dem Eisernen Steg zu verbinden – alle Sehenswürdigkeiten sind fußläufig erreichbar.
Goethe-Haus Adresse
Großer Hirschgraben 23-25
60311 Frankfurt am Main
Goethe-Haus Öffnungszeiten
Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier
Häufige Fragen zum Goethe-Haus Frankfurt
Wie viel kostet der Eintritt ins Goethe-Haus Frankfurt?
Der reguläre Eintrittspreis für das Goethe-Haus beträgt ca. 10 Euro für Erwachsene, ermäßigt ca. 8 Euro. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt. Ein Kombi-Ticket für Goethe-Haus und Deutsches Romantikmuseum ist ebenfalls erhältlich. Aktuelle Preise finden Sie auf der offiziellen Website des Freien Deutschen Hochstifts.
Wie lange dauert ein Besuch im Goethe-Haus Frankfurt?
Ein Rundgang durch das Goethe-Haus dauert je nach Interesse zwischen 60 und 90 Minuten. Mit der Audio-Führung durch die 16 Räume können Besuchende in ihrem eigenen Tempo vorgehen. Wer das Deutsche Romantikmuseum mit einplant, sollte einen halben Tag einkalkulieren.
Ist das Goethe-Haus Frankfurt für Kinder geeignet?
Ja, das Goethe-Haus ist für Kinder ab etwa 8 Jahren gut geeignet. Das Museum bietet spezielle Kinderführungen und pädagogische Programme an. Die interaktive Gestaltung einzelner Bereiche macht es auch für jüngere Besuchende spannend.
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Geheimtipp: Das Deutsche Romantikmuseum direkt nebenan
Nur wenige Meter vom Goethe-Haus entfernt verbirgt sich ein Geheimtipp der Frankfurter Kulturszene: das Deutsche Romantikmuseum, das im März 2021 nach jahrzehntelanger Planungsphase eröffnet wurde. Das architektonisch beeindruckende Haus ist das weltweit einzige Museum, das ausschließlich der literarischen Romantik gewidmet ist – jener Epoche, die so stark von Goethe geprägt wurde und Dichter wie Novalis, E.T.A. Hoffmann, Clemens Brentano und Bettine von Arnim hervorgebracht hat.
Viele Besuchende entdecken das Romantikmuseum erst, wenn sie bereits vor dem Goethe-Haus stehen – denn die beiden Gebäude sind architektonisch miteinander verbunden. Ein Kombi-Ticket lohnt sich daher fast immer. So wird aus einem Museumsbesuch ein ganzer Kulturvormittag in einem der dichtesten Literaturquartiere Deutschlands.