Keramikmanufaktur Royal Delft

Hier werden die echten Windmühlenteller gemalt

Blaue Windmühlen, blaue Schiffe, blaue Blumen - beim berühmtesten Erbe von Delft hat alles dieselbe Farbe. Schon seit über 360 Jahren wird in der Stadt in Südholland Keramik produziert. Warum es kein richtiges Porzellan ist und warum immer blau? Wir verraten es Ihnen.

Vor dem 17. Jahrhundert gab's Porzellan nur im fernen Osten. Der europäische Adel liebte die blau-weißen Vasen und Teller "made in China". Die Nachfrage war groß, das Angebot gering - also mussten die Keramiker ran und selbst Porzellan produzieren. Das Problem: Einen der Hauptinhaltsstoffe, die Porzellanerde Kaolin, gab's nicht in Europa. Die Handwerker ließen sich eine Alternative einfallen. Sie fertigten zinnglasierte Keramiken und malten sie einfach wie die chinesischen Originale an - mit Blumen, Fischen und Vögeln. Das "Delfter Blau" war geboren.

Keramik in allen Preisklassen

Es wurde in kurzer Zeit sehr populär. Im Jahre 1700 gab‘s in Delft 33 Töpfereien. Aber der "Porzellanersatz" wurde in ganz Europa hergestellt - und auch in anderen Farben. Fachleute nennen diese Art der Keramik übrigens Fayence. Es sieht fast aus wie echtes Porzellan. Damals, im Jahr 1653, wurde auch die Firma "Royal Delft - De Koninklijke Porceleyne Fles" ("Die königliche Porzellanflasche") gegründet. Sie hat als einzige überlebt und stellt noch immer das Halbporzellan her, das die 100.000-Einwohner-Stadt weltberühmt machte. Bis heute wird es von Hand bemalt. Ein Windmühlentellerchen gibt's ab 20 Euro, antiquarische Keramiken können bei Auktionen mehrere Tausend Euro einbringen.

Eichhörnchen-Pinsel und Kobaltfarbe

Im Museum der "Royal Delft"-Manufaktur können Besucher die schönsten Werke bewundern, alles über die Geschichte erfahren und den Künstlern bei der Arbeit zuschauen. Die Farbe, angerührt nach einem alten Originalrezept, besteht vorwiegend aus Kobaltoxid. Die Pinsel sind aus Marder- oder Eichhörnchenhaar. Beim Bemalen sieht das Dekor übrigens schwarz aus. Erst im Brennofen nimmt es aufgrund einer chemischen Reaktion die korrekte Farbe an.

"Delfter Blau" ist das meistkopierte Kultur(stein)gut der Niederlande. Da hilft nur eins: Selbst ist der Mann oder die Frau. Gäste können in der Manufaktur höchstpersönlich den Pinsel schwingen und weltberühmtes Steingut bemalen. Zur Auswahl stehen eine Kachel, ein Teller oder gleich eine Vase (je nach Talent und/oder Selbstbewusstsein). Da hat man dann auf jeden Fall ein handbemaltes Original aus dem Traditionshaus "Royal Delft".

Royal Delft, Rotterdamseweg 196, 2628 AR Delft, Niederlande

Mo. - Sa. 9.00 - 17.00, So. 12.00 - 17.00, Mitte März - Oktober täglich 9.00 - 17.00

Erwachsene 13,50 Euro, Kinder 13 - 18 Jahre 8,50 Euro, Kinder 0 - 12 Jahre gratis

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