Die Breitachklamm

Die Breitachklamm: Tiefste Felsschlucht Mitteleuropas im Allgäu

Wer in den Allgäu reist, denkt vielleicht zuerst an Bergpanoramen, Kuhglocken und Käsespätzle. All das gibt es natürlich. Aber direkt vor den Toren von Oberstdorf verbirgt sich ein Naturwunder der ganz anderen Art: die Breitachklamm – die tiefste Felsschlucht Mitteleuropas. Hier hat die Breitach über Jahrtausende ein bis zu 100 Meter tiefes Tal in den Fels gegraben, so eng und so dunkel, dass einem der Atem stockt. Kein Wunder, dass sie 2025 zur „Naturwunder des Jahres" gekürt wurde. Wer das Allgäu besucht, kommt an der Breitachklamm nicht vorbei – und sollte das auch gar nicht erst versuchen.

Was macht die Breitachklamm so besonders?

Die Breitachklamm liegt zwischen dem Oberstdorfer Ortsteil Tiefenbach und dem österreichischen Kleinwalsertal – geografisch betrachtet an der Grenze zwischen zwei Ländern, emotional irgendwo zwischen Ehrfurcht und schlichtem Staunen. Was diese Schlucht so unverwechselbar macht, lässt sich in ein paar harten Fakten festhalten:

MerkmalDetails
Gesamtlänge (begehbar)ca. 2,5 km
Maximale Tiefebis zu 100 m
EntstehungSeit der letzten Eiszeit (vor ca. 12.000 Jahren)
GesteinsartAllgäuer Flysch-Schiefer
WasserführungGanzjährig (stärkste Strömung nach Starkregen)
AuszeichnungNaturwunder des Jahres 2025 (Heinz Sielmann Stiftung)
Geotop-StatusBesonders wertvolles Geotop Bayerns

Die Schlucht verdankt ihre eindrucksvolle Form der unermüdlichen Arbeit der Breitach: Seit dem Ende der letzten Eiszeit hat der Fluss sich durch den verhältnismäßig weichen Flysch-Schiefer gefressen – Millimeter für Millimeter, Jahrhundert für Jahrhundert. Das Ergebnis sind Wände, die sich über einem zu wölben scheinen, Engstellen, in denen das Tageslicht kaum noch durchdringt, und Passagen, in denen der Lärm des Wassers jedes Gespräch übertönt.

  • Tiefste Felsschlucht Mitteleuropas
  • Naturwunder des Jahres 2025 – gewählt durch die Heinz Sielmann Stiftung
  • Zugängig von zwei Seiten: Oberstdorf/Tiefenbach und österreichisches Kleinwalsertal
  • Gesicherter Wanderweg mit Informationsstationen entlang der gesamten Strecke
  • Interaktive Erkundung über die natur.digital App möglich
  • Ganzjährig zugänglich (saisonale und wetterbedingte Schließungen möglich)

Öffnungszeiten, Eintrittspreise & Anfahrt

Bevor du losläufst, lohnt sich ein kurzer Check: Die Breitachklamm kann jederzeit kurzfristig wetterbedingt geschlossen werden. Ein Blick auf die offizielle Website oder ein kurzer Anruf erspart Enttäuschungen am Eingang.

InfoDetails
Adresse (Eingang Oberstdorf)Klammstraße 47, 87561 Oberstdorf
Telefon+49 8322 4887
E-Mailinfo@breitachklamm.com
ÖffnungssaisonGanzjährig (wetterabhängig)
Saisonstart 2026Geplant Ende April / Anfang Mai (wetterabhängig)
Zweiter EingangKleinwalsertal (Österreich)
HinweisKurzfristige Schließungen jederzeit möglich

Die Anfahrt erfolgt von Oberstdorf aus in Richtung Ortsteil Tiefenbach – gut ausgeschildert, mit Parkplätzen am Eingang. Wer ohne Auto kommt, kann mit dem Oberstdorf-Shuttle aus der Innenstadt anreisen; das Allgäu ist in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Wer aus Österreich anreist, nutzt den Eingang im Kleinwalsertal – beide Zugänge haben ihren eigenen Reiz, die Klamm lässt sich in eine Richtung komplett durchlaufen.

Bild: pixabay (lizenzfrei)

Wandern durch die Schlucht – Was dich auf dem Weg erwartet

Der Klammweg ist gut gesichert und befestigt – keine Klettertour, sondern ein echter Spaziergang. Trotzdem gilt: festes Schuhwerk ist Pflicht, und wetterfeste Kleidung schadet nie. In der Klamm ist es merklich kühler als draußen, und je nach Wasserstand kann es durchaus spritzen.

Streckenprofil im Überblick

  • Länge: ca. 2,5 km (einfache Strecke)
  • Gehzeit: ca. 1 bis 1,5 Stunden (eine Richtung)
  • Schwierigkeit: Leicht bis mittel (Treppen, einige Engstellen)
  • Kinderwagen / Rollstuhl: Nicht geeignet
  • Hunde: An der Leine erlaubt
  • Empfehlung Schuhwerk: Feste Wanderschuhe (keine Flip-Flops!)

Highlights auf dem Weg

Die Klamm erschließt sich Stück für Stück – und das ist gut so. Am Eingang wirkt sie fast freundlich: Licht, Vogelgezwitscher, der Geruch nach feuchtem Stein. Dann wird es enger. Die Wände wachsen. Das Rauschen des Wassers nimmt zu. An den engsten Stellen überblickt man nur wenige Meter Fels und Himmel, und das Licht wird grünlich-blau, gefiltert durch Moos und Feuchtigkeit. Wer Zeit mitbringt, liest die Infotafeln entlang des Weges – sie erklären Geologie, Geschichte und Tierwelt der Klamm auf angenehm nicht-trockene Weise. Mit der natur.digital App auf dem Smartphone wird der Spaziergang zum interaktiven Naturerlebnis: Tierbeobachtungen, geologische Erklärungen und Hintergrundinformationen direkt am Ort des Geschehens.

Ist die Breitachklamm auch für Familien geeignet?

Ja – mit einigen Einschränkungen. Kinder ab ca. 6 Jahren, die sicher zu Fuß unterwegs sind, werden die Breitachklamm lieben. Das Rauschen des Wassers, die dramatischen Felswände, das Gefühl echter Wildnis inmitten einer gesicherten Route – das bleibt im Gedächtnis. Für Kleinkinder und Kinderwagen ist der Weg allerdings nicht geeignet; er ist zu schmal und zu uneben. Auch für Rollstuhlfahrer gibt es leider keine Möglichkeit, die Klamm zu befahren.

Ein praktischer Tipp für Familien mit Kindern: Kommt möglichst früh am Morgen oder an einem Wochentag. In der Hauptsaison kann der Weg durchaus eng werden – und in einer ohnehin engen Schlucht ist das manchmal buchstäblich spürbar. Die Klamm hat Stoßzeiten, genau wie ein Stadtcafé am Samstagvormittag. Nur eben mit weniger Cappuccino und mehr Fels.

ZielgruppeGeeignet?Hinweis
Kinder ab 6 Jahren✓ JaSpannendes Naturerlebnis, festes Schuhwerk nötig
Kleinkinder⚠ EingeschränktKein Kinderwagen möglich, Tragehilfe empfohlen
Senioren✓ Mit VorsichtFestes Schuhwerk, Tempo anpassen
Rollstuhlfahrer✗ NeinWeg nicht barrierefrei
Hunde✓ An der LeineErlaubt, Leine ist Pflicht
Wanderer allgemein✓ JaLeicht bis mittel, gut gesicherter Weg

Zu welcher Jahreszeit lohnt sich ein Besuch besonders?

Die Breitachklamm hat das seltene Talent, zu jeder Jahreszeit anders – und trotzdem immer beeindruckend – zu sein. Das macht sie zu einem Ausflugsziel, das sich mehrfach lohnt, auch für alle, die sie schon einmal besucht haben.

JahreszeitBesonderheitenTipp
FrühlingSchneeschmelze, hoher Wasserstand, tosende Strömung, intensive GeräuschkulisseUnbedingt Regenjacke einpacken – Gischt ist vorprogrammiert
SommerAngenehm kühl, idealer Kontrast zur Außenhitze, viele BesucherFrüh morgens oder unter der Woche kommen
HerbstBuntes Laub, weniger Touristen, klare BergluftDie unterschätzte Hochsaison – oft die schönste Zeit
WinterEisformationen an den Felsen, mystische Stille, einzigartige OptikÖffnung immer vorab prüfen – wetterbedingte Schließungen häufig

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch nach starken Regenfällen – dann führt die Breitach so viel Wasser, dass sie ihrer dramatischsten Seite freien Lauf lässt. Das ist nichts für scheue Gemüter, dafür umso mehr für alle, die echte Naturgewalt aus nächster Nähe erleben wollen. Im Winter verwandeln Eisformationen die Klamm in ein Wintermärchen – sofern sie an dem Tag geöffnet ist, was keineswegs garantiert ist.

Was gibt es rund um die Breitachklamm noch zu erleben?

Oberstdorf ist mehr als nur die Eingangspforte zur Breitachklamm. Die Stadt ist Ausgangspunkt für unzählige Wandertouren, Bergbahnen und Ausflugsziele – und liegt mitten in einem der landschaftlich schönsten Winkel Deutschlands. Wer schon mal in der Gegend ist, sollte sich nicht auf die Klamm allein beschränken.

Weitere Ausflugsziele in der unmittelbaren Umgebung

  • Nebelhorn (Oberstdorf): Eine der beeindruckendsten Bergbahnen der Allgäuer Alpen – grandioses Panorama bis zur Zugspitze. Ideal als Ergänzung zum Klamm-Besuch.
  • Oytal: Malerisches Wandertal direkt hinter Oberstdorf – ruhig, ursprünglich und auf einem ganz anderen Frequenzband als die touristisch erschlossene Klamm.
  • Kleinwalsertal (Österreich): Der zweite Eingang zur Breitachklamm liegt im österreichischen Kleinwalsertal – einem Alpendorf mit eigenem Charakter, eigenem Dialekt und ganz ohne Schranken an der Grenze.
  • Alpsee bei Immenstadt: Idyllischer Bergsee für eine entspannte Auszeit nach dem Klamm-Erlebnis.

Weitere Allgäu-Reiseziele in der Region

Das Allgäu hält noch mehr bereit: In Oberstaufen wartet das Schrothkurort-Erlebnis auf Erholungsuchende, in Bad Hindelang locken die Jochstraße und Kneipp-Anwendungen, und wer weiter westlich unterwegs ist, findet in Pfronten und Wolfegg herrliche Kurzurlaubsregionen. Das Allgäu ist eben eines dieser Gebiete, in denen man immer wieder neu entdeckt – egal ob zum ersten oder fünften Mal.

Häufig gestellte Fragen zur Breitachklamm

Wie lang ist die Breitachklamm?
Der begehbare Wanderweg ist ca. 2,5 km lang (einfache Strecke). Einplanen solltest du etwa 1 bis 1,5 Stunden.
Wie tief ist die Breitachklamm?
An den tiefsten Stellen bis zu 100 Meter – damit ist sie die tiefste Felsschlucht ganz Mitteleuropas.
Wann ist die Breitachklamm geöffnet?
Grundsätzlich ganzjährig, aber wetterabhängig. Aktuelle Infos: www.breitachklamm.com oder Telefon +49 8322 4887.
Wo liegt die Breitachklamm genau?
Klammstraße 47, 87561 Oberstdorf – zwischen Oberstdorf/Tiefenbach und dem Kleinwalsertal in Österreich.
Ist die Breitachklamm für Kinder geeignet?
Ja, ab ca. 6 Jahren gut geeignet. Kinderwagen sind leider nicht möglich, festes Schuhwerk ist für alle Pflicht.

Geheimtipp: Die Breitachklamm im frühen Herbst bei Nieselregen

Klingt im ersten Moment absurd, ist es aber nicht: Die Breitachklamm bei leichtem Regen im September oder Oktober zu besuchen, ist eines dieser Erlebnisse, die sich einbrennen. Die Touristenmassen sind längst abgezogen, die Laubbäume brennen in Orange und Rot, und das Wasser trägt alles, was der Sommer losgelassen hat, tosend durch den Fels. Dazu: kühle Luft, das Geräusch von hundert kleinen Wasserfällen und dieser unverkennbare Geruch nach nassem Stein und Moos, den man nicht wirklich beschreiben kann.

Wer die Klamm wirklich kennenlernen möchte, kommt nicht im August an einem Sonntagmittag. Er kommt an einem nassen Dienstag im Oktober, mit Regenjacke und ohne Plan für den Rest des Tages. Versprochen: Es lohnt sich.

Reisepakete werden geladen