Der Forggensee

Forggensee: Bayerns größter Stausee im Königswinkel

Stell dir vor, du stehst an einem strahlend blauen See, dahinter reckt sich Schloss Neuschwanstein in den Himmel – und das ist nicht die Kulisse eines Märchenfilms, sondern ein ganz normaler Sommermorgen am Forggensee. Der See liegt mitten im Allgäu, direkt nördlich von Füssen, und gilt als einer der schönsten Ausflugsziele Bayerns.

Mit einer Fläche von bis zu 15,2 Quadratkilometern ist der Forggensee Bayerns größter Stausee und zugleich Deutschlands größtes Staugewässer nach Fläche. Dabei verdankt er seine Existenz keiner geologischen Laune der Eiszeit, sondern den Ingenieuren der Nachkriegszeit: Als 1954 der Damm bei Roßhaupten fertiggestellt wurde und die Lech-Wasser im Tal zurückgestaut wurden, verschwanden die Weiler Brunnen, Deutenhausen und Forggen – dem der See seinen Namen verdankt – für immer unter der Wasseroberfläche. 32 Wohngebäude mit rund 256 Einwohnern und 16 Bauernhöfe mussten dem neuen See weichen.

Heute zieht der Forggensee Wasserratten, Wanderer, Radfahrer, Familien und Schlossbegeisterte gleichermaßen an. Und wer einmal hier war, kommt in der Regel schnell wieder.

Was macht den Forggensee so besonders?

Es ist die seltene Kombination: glasklares Alpenwasser, ein Panorama mit echten Königsschlössern und eine Atmosphäre, die entspannt statt überwältigt. Der Forggensee ist kein Massentourismus-Hotspot – obwohl Neuschwanstein nebenan täglich Tausende anzieht. Wer den See kennt, schätzt seine ruhigere Seite.

Dazu kommt das saisonale Besonderheitsmerkmal: Der Forggensee ist ein Betriebsstausee, der jeden Herbst für die Stromerzeugung und den Hochwasserschutz teilweise abgelassen wird. Von etwa November bis Mai liegt der Wasserspiegel deutlich tiefer – eine völlig andere, fast melancholische Landschaft entsteht. Wer den See im Sommer voll und im Winter fast leer erlebt hat, kennt zwei Gesichter desselben Ortes.

MerkmalDaten
Fläche (vollgefüllt)15,2 km²
Länge8,7 km
Maximale Breiteca. 2,8–3 km
Maximale Tiefe41 m
Höhe über NNca. 780 m
Entstehung1954 (Damm Roßhaupten)
ZweckStromerzeugung, Hochwasserschutz
Nächste StadtFüssen (ca. 5 km)
Saison (Vollsee)Mai bis Oktober

Wassersport und Schifffahrt am Forggensee

Von Mai bis Oktober verwandelt sich der Forggensee in ein Eldorado für Wasserbegeisterte. Segelboote, Windsurfer und SUP-Boards kreuzen die Fläche, am Ufer brutzeln Familien in der Sonne – und im Hintergrund thront Neuschwanstein, als wäre das Szenario der Kulisse eines Bergfilms entsprungen.

  • Segeln und Surfen: Segel- und Surfschulen bieten Kurse für alle Niveaus an. Der Wind am Forggensee gilt als verlässlich und gut einschätzbar – ideal zum Lernen wie für Fortgeschrittene.
  • Kitesurfen: An windreichen Tagen ist der Forggensee einer der beliebtesten Kitesurf-Spots im bayerischen Voralpenland.
  • SUP und Kajak: Stand-up-Paddling und Kajakfahren sind die entspannten Alternativen – und der Blick auf die Bergkulisse ist auf dem Wasser noch beeindruckender.
  • Schwimmen: Ausgewiesene Badestellen gibt es am Füssener Bootshafen, in Schwangau, Roßhaupten, Dietringen und Waltenhofen. Die Wasserqualität ist ausgezeichnet.
  • Angeln: Mit gültigem Angelschein lässt sich am Forggensee nach Hecht, Zander und Renken angeln.
  • Bootsverleih: Elektromotorboote und Tretboote sind an verschiedenen Stellen rund um den See erhältlich.

Ein absolutes Highlight für die ganze Familie: die Forggensee-Schifffahrt. Auf den Motorschiffen „MS Füssen" und „MS Allgäu" lässt sich der See von Mai bis Oktober täglich auf Kursfahrten erkunden. Rundfahrten dauern je nach Route zwischen einer und zweieinhalb Stunden. Der Anleger befindet sich direkt am Festspielhaus in Füssen – praktischer geht es kaum.

Bild: © FTM

Wandern und Radfahren rund um den Forggensee

Wer lieber auf festem Boden unterwegs ist, trifft am Forggensee auf einige der schönsten Wander- und Radrouten des Ostallgäus. Der Seeufer-Rundweg umfasst je nach Route zwischen 25 und 30 Kilometer und bietet immer wieder wechselnde Blicke auf das Alpenpanorama – und natürlich auf die Schlösser am Ostufer.

  • Forggensee-Rundweg: Ca. 28 km, überwiegend flach und gut ausgeschildert – ideal für Familien und Radfahrer
  • Füssen–Forggensee: Einstieg direkt vom Stadtzentrum ans Seeufer in ca. 5 km, sehr gemütlich
  • Via Claudia Augusta: Der historische Römerradweg führt direkt am Forggensee vorbei – Teil einer der schönsten Fernradrouten Europas (Venedig bis Augsburg)
  • Tegelberg-Aufstieg: Wer mehr Höhe sucht, wandert hinter Schwangau auf den Tegelberg (1.730 m) mit spektakulärem Blick über See und Schlösser
  • Lechfall-Runde: Kurze, kinderfreundliche Tour von Füssen zum tosenden Lechfall, der direkt in den Forggensee mündet

Fahrradverleihstationen gibt es in Füssen an mehreren Punkten, auch E-Bikes stehen zur Verfügung. Das östliche Seeufer ist asphaltiert und bei Familien besonders beliebt. An Wochentagen außerhalb der Hauptsaison hat man die Strecke oft fast für sich allein – ein unterschätztes Vergnügen.

Direkt neben dem Forggensee lohnt sich ein Abstecher zum Hopfensee, einem kleineren, stillen Gewässer mit besonderem Charme. Der Ort Hopfen am See gilt mit seinen Seerosen und der ruhigen Atmosphäre als eine der malerischsten Ecken im Allgäuer Aktivurlaub.

Bild: © www.bayern.by

Neuschwanstein, Hohenschwangau und die Schätze des Königswinkels

Wer am Forggensee sitzt und nach Osten blickt, sieht es unweigerlich: Schloss Neuschwanstein thront auf seinem Felsvorsprung, weiß und unwirklich schön, als hätte jemand das kollektive Bild von „Burg" direkt in die Wirklichkeit übersetzt. Kein Wunder, dass es als Vorbild für das Disney-Schloss gilt. König Ludwig II. hatte hier ein Denkmal für die Nachwelt geschaffen – und der Forggensee bildet bei klarem Wetter die perfekte Spiegelkulisse dafür.

  • Schloss Neuschwanstein: Täglich geöffnet außer an bestimmten Feiertagen. Tickets unbedingt vorab online buchen – in der Hochsaison (Juli/August) sind spontane Eintritte kaum möglich. Führungen finden alle 15 Minuten statt.
  • Schloss Hohenschwangau: Das „gelbe Schloss" direkt daneben wird oft übersehen – zu Unrecht. Hier verbrachte Ludwig II. seine Jugend, und die Wohnappartements sind authentisch eingerichtet, nicht musealisiert.
  • Lechfall: Der Lech stürzt in einer natürlichen Klamm direkt in Richtung Forggensee – spektakulär, kostenlos und nur fünf Minuten vom Füssener Zentrum entfernt. Besonders eindrucksvoll nach ergiebigen Regenfällen.
  • Altstadt Füssen: Barockkloster Sankt Mang, das Hohe Schloss mit seinen berühmten Illusionsmalereien und eine entspannte Fußgängerzone – ein halber Tag Stadtbummel lohnt sich immer.
  • Tegelbergbahn: Die Gondelbahn bringt Besucher auf 1.730 Meter Höhe, mit Panoramablick auf See und Schlösser. Im Sommer Paragliding-Startpunkt, im Winter Skigebiet.
  • Bannwaldsee und Weißensee: Zwei weitere Seen in der Nähe, deutlich ruhiger als der Forggensee – für alle, die Baden ohne Gedränge bevorzugen.

Der gesamte Bereich rund um Füssen gehört zur sogenannten Ferienregion Königswinkel – ein Name, der nicht übertrieben ist. Wer drei Tage Zeit hat, kann Schlösser, See, Wanderungen und Altstadt entspannt kombinieren, ohne ein einziges Mal das Auto zu brauchen.

Bild: © Füssen Tourismus Marketing

Geheimtipp: Der See, der seine Geschichte freigibt

Die meisten Besucher kommen im Sommer, wenn der Forggensee voll ist und das Wasser glitzert. Wer aber im Herbst oder frühen Winter herkommt, erlebt etwas Ungewöhnliches: Wenn der Seespiegel für die Stromerzeugung abgesenkt wird, tauchen aus dem freiliegenden Seegrund die Überreste der versunkenen Dörfer auf. Mauerreste, alte Wegführungen und die Fundamente der 1954 gefluteten Gehöfte werden sichtbar – stumme Zeugen einer Landschaft, die es nicht mehr gibt.

Fotografen und Geschichtsinteressierte pilgern dann an den See, um diese einzigartigen Bilder festzuhalten: Schloss Neuschwanstein im Hintergrund, davor der trockengelegte Seegrund mit seinen Spuren der Vergangenheit. Kein Filter nötig – das sieht von Natur aus surreal aus.

Tipp: Die Ostseite des Sees bei Waltenhofen und Brunnen ist in der Hochsaison deutlich ruhiger als die Füssener Seite – weniger Parkplatzstress, mehr Natur, fast identischer Ausblick auf die Alpen.

FAQ – Häufige Fragen zum Forggensee

Wann kann man im Forggensee schwimmen?
Die Badesaison läuft von Ende Mai bis Ende Oktober, wenn der See vollgefüllt ist. Die Wasserqualität ist ausgezeichnet und wird regelmäßig kontrolliert. Die beliebtesten Badestellen liegen am Füssener Bootshafen und in Roßhaupten.

Wie tief ist der Forggensee?
Der Forggensee erreicht eine maximale Tiefe von 41 Metern. Im Durchschnitt ist er deutlich flacher, was ihn vor allem im Flachwasserbereich angenehm zum Schwimmen macht.

Ist der Forggensee im Winter leer?
Ja – jedes Jahr ab Herbst (in der Regel Oktober/November) wird der Seespiegel für die Stromerzeugung und den Hochwasserschutz deutlich abgesenkt. Das macht den See im Winter zu einem faszinierenden Landschaftserlebnis, wenn die Strukturen der alten versunkenen Dörfer sichtbar werden. Ab Mai füllt er sich wieder.

Wie komme ich zum Forggensee?
Mit dem Auto über die A7 bis Füssen (Ausfahrt Füssen), dann Richtung Forggensee/Schwangau. Mit der Bahn: Direktverbindungen aus München nach Füssen (ca. 2 Stunden). Vom Bahnhof Füssen ist der See in ca. 20 Minuten zu Fuß erreichbar.

Gibt es Parkplätze am Forggensee?
Am Füssener Bootshafen und in Schwangau gibt es Parkplätze, die in der Hochsaison früh belegt sind. Empfehlung: früh morgens kommen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.

Welche weiteren Seen gibt es in der Nähe?
Direkt neben dem Forggensee liegen der Hopfensee (ideal für Familien) sowie Bannwaldsee und Weißensee – allesamt ruhiger und weniger bekannt.


Der Forggensee ist einer dieser Orte, an denen sich Bayern von seiner schönsten Seite zeigt: Alpenpanorama, Königsschlösser, Wasserspaß und ruhige Ufer – alles auf engem Raum. Ob für einen Tagesausflug oder einen mehrtägigen Urlaub am See – der Königswinkel lohnt sich das ganze Jahr, jede Saison mit ihrem ganz eigenen Charakter.

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