Schaezlerpalais Augsburg
Schaezlerpalais
Wer Augsburg besucht, kommt am Schaezlerpalais kaum vorbei – und das im besten Sinne. Das prächtige Rokoko-Stadtpalais thront an der Maximilianstraße, einer der eindrucksvollsten barocken Prachtstraßen Deutschlands, und zieht schon mit seiner pastellgelben Fassade neugierige Blicke auf sich. Dahinter verbirgt sich eine der bedeutendsten Barockgalerien Europas – und ein Festsaal, der Marie-Antoinette persönlich beeindruckt haben soll.
Ob du als Kunstliebhaber tief in die Welt von Dürer, Rubens und Tiepolo eintauchen möchtest oder einfach staunen willst, wie üppig sich das Augsburger Großbürgertum im 18. Jahrhundert zu inszenieren wusste – das Schaezlerpalais liefert beides auf spektakuläre Weise.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH
Geschichte des Schaezlerpalais
Das Schaezlerpalais wurde zwischen 1765 und 1770 von dem Augsburger Bankier Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen in Auftrag gegeben und gilt als herausragendes Werk des süddeutschen Rokoko. Entworfen wurde es vom Münchner Hofbaumeister Karl Albert von Lespilliez – die Innenausstattung übernahmen Meister ihrer Zunft: Stuckaturen von den Brüdern Franz-Xaver und Simpert Feichtmayr, Holzschnitzereien von Placidus Verhelst und Deckengemälde des römischen Freskenmalers Gregorio Guglielmi.
Seinen heutigen Namen verdankt das Palais dem Kaufmann und Bankier Johann Lorenz Schaezler, der es 1770 durch Heirat in seinen Besitz brachte. Die Familie Schaezler blieb bis 1958 Eigentümer – als Dr. Wolfgang Freiherr von Schaezler und seine Frau Hilda das Palais der Stadt Augsburg schenkten, zum Gedenken an ihre im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne. Die Schenkung enthielt eine klare Bedingung: Das Gebäude darf nie verkauft werden und muss ausschließlich kulturellen Zwecken dienen. 1961 benannte der Augsburger Stadtrat das Palais offiziell nach den Stiftern.
Eine historische Randbemerkung: Das Grundstück selbst hat noch tiefere Geschichte. Hier stand zuvor ein spätmittelalterliches Patrizierhaus, in dem Philippine Welser (1527–1580) geboren wurde – die legendäre Augsburger Kaufmannstochter, die heimlich Erzherzog Ferdinand II. von Österreich heiratete und damit eine der romantischsten Ungehörigkeiten des Habsburgerreichs schrieb.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1765–1770 | Bau des Palais für Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen |
| April 1770 | Festsaal-Einweihung mit Erzherzogin Maria Antonia (Marie-Antoinette) auf dem Weg nach Versailles |
| 1770 | Übergang an die Familie Schaezler durch Heirat |
| frühes 19. Jh. | Umbau einzelner Räume im Empire-Stil |
| 1958 | Schenkung an die Stadt Augsburg durch Wolfgang und Hilda von Schaezler |
| 1961 | Umbenennung in „Schaezlerpalais" durch den Augsburger Stadtrat |
| 1966 | Eröffnung als Museum – Deutsche Barockgalerie |
| 2005 | Wiedereröffnung des restaurierten Rokoko-Hofgartens |
| 2019 | Teil der Kunstsammlungen und Museen Augsburg (kuma) |
Unsere Reisepakete in Augsburg
Was erwartet dich im Schaezlerpalais?
Das Schaezlerpalais vereint unter einem Dach mehrere bedeutende Kunstsammlungen sowie eines der prächtigsten Interieurs Bayerns. Wer das Palais betritt, taucht sofort in eine andere Epoche ein – von den stuckverzierten Decken bis zu den vergoldeten Spiegeln der Festräume. Der Rundgang durch die weiträumige Enfilade (über 100 Meter an Barockräumen!) endet folgerichtig im Herzstück des Hauses.
Der Festsaal – Rokoko auf Weltniveau
Der Festsaal ist rund 20 Meter lang, mit üppigen Vergoldungen, riesigen Spiegelwänden und einem Deckengemälde des römischen Malers Gregorio Guglielmi (1767), das die vier Kontinente als Allegorie auf den globalen Handelsreichtum Europas darstellt. Die Holzschnitzereien des Bildhauers Placidus Verhelst an Spiegeln, Wänden und Möbeln sind von seltener Qualität. Dieser Saal wurde im April 1770 eingeweiht – mit der 14-jährigen Erzherzogin Maria Antonia (Marie-Antoinette) als Ehrengast, kurz vor ihrer Abreise nach Versailles.
- Festsaal: Eines der bedeutendsten Rokoko-Interieurs in ganz Deutschland, UNESCO-Herkulesbrunnen direkt davor
- Deutsche Barockgalerie: Rund 100 Meisterwerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert
- Sammlung Haberstock: Ca. 40 europäische Meisterwerke des 2. Obergeschosses (Veronese, Canaletto, van Dyck u. a.)
- Hofgarten: Rekonstruierter Rokoko-Garten, seit 2005 öffentlich zugänglich
- Empirezimmer: Authentisch erhaltene Räume aus dem frühen 19. Jahrhundert – faszinierender Kontrast zum Rokoko
Ein echtes Geheimnis des Hauses: die 33 erhaltenen Supraportgemälde von Joseph Christ (1731–1788) – monochrome Werke über den Türen, die Szenen aus Ovids Metamorphosen zeigen, jeweils in einer Farbe (Rot, Grün, Blau oder Gelb), die zur verlorenen Originalseidentapete passte. Wer darauf achtet, erlebt das Palais auf einer ganz anderen Ebene.
Wann lohnt sich ein Besuch im Schaezlerpalais besonders?
Das Schaezlerpalais lässt sich hervorragend mit anderen Sehenswürdigkeiten der Augsburger Altstadt kombinieren. Die Maximilianstraße mit dem Herkulesbrunnen (UNESCO-Welterbe!) direkt vor der Tür, der Dom, die Fuggerei – all das liegt in Laufweite. Plane mindestens 1,5 bis 2 Stunden für den Museumsbesuch ein, inklusive der Katharinenkirche nebenan (im Ticket inbegriffen!).
| Info | Details |
|---|---|
| Adresse | Maximilianstraße 46, 86150 Augsburg |
| Öffnungszeiten | Di–So 10–17 Uhr (Montag geschlossen) |
| Eintritt Erwachsene | 7,00 € | ermäßigt 5,50 € |
| Kinder / Jugendliche | Unter 18 Jahren freier Eintritt |
| Freier Eintritt | Jeden ersten Sonntag im Monat |
| Führungen | Öffentliche Führungen regelmäßig; Gruppenführungen buchbar |
| Anreise (ÖPNV) | Straßenbahn Linie 2 oder 3, Haltestelle Moritzplatz |
| Empfohlene Besuchsdauer | 1,5 bis 2 Stunden (inklusive Katharinenkirche) |
Besonders empfehlenswert sind die Sommermonate: Dann ist der rekonstruierte Rokoko-Hofgarten zugänglich und bietet im Schatten alter Bäume eine willkommene Auszeit vom Stadttreiben. Und falls du im Museum-Shop vorbeigehst: Das Honig aus dem Palais-Bienenstock ist eine der ungewöhnlichsten Souvenirs Augsburgs – seit 2013 leben in einem Häuschen im Garten bis zu 60.000 Bienen, die im Umkreis von 2–3 km rund um die Maximilianstraße sammeln. Spar-mit-Tipp: Am ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Natalija Ribovic
Die Kunstsammlung: Deutsche Barockgalerie und Meisterwerke
Die Deutsche Barockgalerie im ersten Obergeschoss zeigt rund 100 Meisterwerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert – von der Frühphase des Barock über den Hochbarock bis zum Rokoko. Der Schwerpunkt liegt auf Malern, die in Augsburg und Schwaben tätig waren: Josef Heintz d. J., Johann Georg Bergmüller, Johann Evangelist Holzer, Matthäus Günther und der bedeutende Augsburger Johann Heinrich Schönfeld. Ergänzt wird die Schau durch internationale Meister wie Peter Paul Rubens und Anthony van Dyck.
Im zweiten Obergeschoss zeigt die Sammlung Haberstock (Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung) weitere rund 40 europäische Meisterwerke: Paolo Veronese, Canaletto, Lucas Cranach d. Ä., Giovanni Battista Tiepolo und Jacob Jordaens sind vertreten – eine Sammlung, die so viele Deutsche Kunstmuseen nie besitzen werden.
| Künstler | Werk / Besonderheit |
|---|---|
| Albrecht Dürer | Porträt des Jakob Fugger – im Kombi-Ticket inklusive (Staatsgalerie Katharinenkirche) |
| Peter Paul Rubens | Werke in der Deutschen Barockgalerie |
| Anthony van Dyck | In der Barockgalerie und der Sammlung Haberstock |
| Giovanni Battista Tiepolo | Venezianische Barockgemälde |
| Lucas Cranach d. Ä. | „Samson und Delila" und weitere Werke in der Sammlung Haberstock |
| Johann Heinrich Schönfeld | Bedeutendster Augsburger Barockmaler |
| Canaletto | Venezianische Veduten – Sammlung Haberstock |
Tipp: Das Eintrittticket gilt gleichzeitig für die Staatsgalerie Alte Meister in der Katharinenkirche – eine Dependance der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die rund 100 schwäbische Gemälde aus 1450–1550 zeigt, darunter Dürers berühmtes Fugger-Porträt. Wer nur ins Schaezlerpalais kauft und die Katharinenkirche vergisst, lässt Geld auf dem Tisch.
Unsere Hotels in Augsburg
Augsburg entdecken – Sehenswürdigkeiten rund ums Schaezlerpalais
Das Schaezlerpalais liegt mitten in einer der geschichtsträchtigsten Altstädte Deutschlands. Rund ums Palais gibt es mehr zu entdecken, als ein Nachmittag fasst – hier die wichtigsten Stationen für einen gelungenen Augsburg-Tag:
- Maximilianstraße: Die prächtige Prunkstraße mit drei Renaissance-Brunnen (Augustus-, Merkur- und Herkulesbrunnen) führt direkt am Palais vorbei – der Herkulesbrunnen steht sogar unmittelbar davor und ist Teil des UNESCO-Welterbes
- Augsburger Dom: Mit den ältesten figuralen Bleiglasfenstern der Welt – keine 10 Gehminuten entfernt
- Fuggerei: Die älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt (gegründet 1521) – ein einzigartiges Stück Augsburger Geschichte
- Goldener Saal im Rathaus: Ein weiteres Prachtstück des Augsburger Barocks am Rathausplatz
- Augsburger Puppenkiste: Für Familien ein absolutes Muss – das weltberühmte Figurentheater liegt ebenfalls in der Altstadt
Wer Augsburg als Städtereiseziel in Bayern erkundet, kommt mit einem Wochenende kaum hin. Die Stadt steckt voller Geschichte, Kunst und – das sei am Rande erwähnt – überraschend guter Gastronomie.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Julia Hintraeger
Häufig gestellte Fragen zum Schaezlerpalais
Was kostet der Eintritt im Schaezlerpalais?
Der Eintritt ins Schaezlerpalais kostet für Erwachsene ca. 7 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Kombitickets mit anderen Augsburger Kunstmuseen sind erhältlich.
Wann hat das Schaezlerpalais geöffnet?
Das Schaezlerpalais ist Di–So von 10 bis 17 Uhr geöffnet, montags bleibt es geschlossen. An Feiertagen können abweichende Zeiten gelten – am besten vorher auf der offiziellen Website prüfen.
Wie lange dauert ein Besuch im Schaezlerpalais?
Plane mindestens 1,5 bis 2 Stunden ein. Wer alle Räume und den Festsaal in Ruhe auf sich wirken lassen möchte, braucht auch schon mal einen halben Vormittag.
Ist der Festsaal öffentlich zugänglich?
Ja! Der Festsaal ist Teil des regulären Museumsrundgangs und mit dem normalen Eintritt zugänglich. Für Konzerte und Sonderveranstaltungen im Festsaal gibt es gesonderte Tickets.
Wie kommt man zum Schaezlerpalais?
Die Adresse: Maximilianstraße 46, 86150 Augsburg. Mit der Straßenbahn (Linie 2 oder 3) zur Haltestelle Moritzplatz, von dort wenige Gehminuten.
Geheimtipp: Der Hofgarten des Schaezlerpalais
Die meisten Besucher strömen ins Schaezlerpalais, bestaunen Festsaal und Gemälde – und verlassen das Haus dann über den Haupteingang wieder. Dabei liegt direkt hinter dem Palais eine der ruhigsten Oasen der Augsburger Altstadt: der rekonstruierte Rokoko-Hofgarten, der seit seiner Restaurierung 2005 öffentlich zugänglich ist.
Dieser kleine barocke Garten ist vom Trubel der Maximilianstraße vollständig abgeschirmt. Alte Bäume, Kieswege, Sitzgelegenheiten – und das Rauschen der Stille inmitten einer der belebtesten Innenstädte Schwabens. In einem der kleinen Gebäude im Garten wohnt übrigens seit Frühjahr 2013 ein ganz besonderer Bewohner: eine Bienenkolonie mit bis zu 60.000 Bienen im Sommer. Deren Honig wird im Museumsshop des Schaezlerpalais und im Maximilianmuseum verkauft – ein völlig unerwartetes und wirklich köstliches Souvenir, das niemand sonst hat.
Unser zweiter Geheimtipp: Die Staatsgalerie in der Katharinenkirche – im Kaufpreis inbegriffen und von vielen Besuchern komplett vergessen. Dort hängt unter anderem Dürers berühmtes Fugger-Porträt, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.