Augsburger Rathaus

Augsburger Rathaus

Das Augsburger Rathaus zählt zu den bedeutendsten Renaissancebauten nördlich der Alpen und ist das stolze Wahrzeichen der schwäbischen Metropole. Wer durch die historische Altstadt Augsburgs schlendert, kann gar nicht umhin, von der imposanten Fassade des mächtigen Gebäudes beeindruckt zu sein: Zwei markante Türme flankieren den wuchtigen Bau aus gelblichem Sandstein, der seit Jahrhunderten das pulsierende Herz der einstigen Freien Reichsstadt bildet. Erbaut zwischen 1615 und 1624 nach Plänen des genialen Stadtbaumeisters Elias Holl, gilt es als Meisterwerk der deutschen Renaissance und zieht jährlich Hunderttausende von Besuchern in seinen Bann.

Wer Augsburg besucht, sollte sich unbedingt Zeit nehmen, um dieses außergewöhnliche Bauwerk in all seinen Facetten zu erkunden. Im Inneren erwartet die Besucher der legendäre Goldene Saal, einer der prächtigsten Festsäle Europas, dessen vergoldete Kassettendecke und kunstvolle Ausmalung bis heute in Staunen versetzen. Das Rathaus ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein lebendiges Zeugnis der reichen Geschichte Augsburgs als eine der ältesten Städte Deutschlands – eine Geschichte voller Handel, Kunst, Reformation und kaiserlichem Glanz.

Geschichte des Augsburger Rathauses

Die Geschichte des Augsburger Rathauses ist untrennbar mit dem Namen Elias Holl verbunden. Der gebürtige Augsburger Stadtbaumeister, der seine Ausbildung in Venedig genossen hatte und dort von der norditalienischen Renaissance tief geprägt worden war, erhielt 1615 den Auftrag, ein neues, repräsentatives Rathaus für die wohlhabende Freie Reichsstadt zu errichten. Am 25. August 1615 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung. Was folgte, war ein Bauprojekt von historischer Tragweite.

Holl entwarf ein Gebäude, das zu seiner Zeit als bautechnische Sensation galt: Mit mehr als sechs Stockwerken und einer völlig neuen Konstruktionsweise aus Holz und Mauerwerk setzte es Maßstäbe, die in Mitteleuropa bis dahin unbekannt waren. Bereits 1620 konnte das Rathaus in Betrieb genommen werden, der prächtige Innenausbau war 1626 vollendet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1944 durch Bombenangriffe schwer beschädigt und der berühmte Goldene Saal fast vollständig zerstört. In den Jahren 1980 bis 1984 erfolgte eine aufwändige Rekonstruktion, die den historischen Glanz des Saals wieder zum Leben erweckte.

MerkmalDetails
Baujahr1615–1624 (Grundsteinlegung 25. August 1615)
ArchitektElias Holl (Stadtbaumeister Augsburg)
BaustilRenaissance (beeinflusst von norditalienischer Architektur)
Höheca. 57 Meter (mit Türmen)
Goldener Saal552 m², 14 m hoch, 33 m lang, 17 m breit
Kriegszerstörung1944 durch Bombenangriffe
Wiederaufbau Goldener Saal1980–1984
BedeutungBedeutendster Profanrenaissancebau nördlich der Alpen

Was macht das Augsburger Rathaus so besonders?

Das Augsburger Rathaus ist aus mehreren Gründen einzigartig. Zunächst die architekturhistorische Dimension: Elias Holl schuf hier den ersten großen Profanbau der deutschen Renaissance – zu einer Zeit, als in Mitteleuropa noch weitgehend gotische Bauprinzipien dominierten. Die klare Symmetrie der Fassade, die Betonung der Horizontalen und die Verwendung antiker Stilelemente wie Pilaster und Gesimse waren für das frühe 17. Jahrhundert geradezu revolutionär.

Hinzu kommt die stadtgeschichtliche Bedeutung: Das Rathaus steht für die einstige Weltgeltung Augsburgs. Im 15. und 16. Jahrhundert war Augsburg eine der reichsten Städte Europas – Heimat der Fuggerdynastie, Treffpunkt von Kaisern und Königen, Schauplatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555. Das Rathaus verkörpert diesen Anspruch auf Würde und Weltläufigkeit in Stein. Und schließlich fasziniert das Gebäude durch die Spannung zwischen äußerer Strenge und innerer Pracht: Die zurückhaltende, nahezu puristische Fassade lässt die überwältigende Opulenz des Goldenen Saals im Inneren umso wirkungsvoller erscheinen. Wer das Rathaus betritt, erlebt einen echten Wow-Moment – und versteht sofort, warum Augsburg stolz auf dieses Bauwerk ist.

Der Goldene Saal – Prachtvoller Mittelpunkt des Rathauses

Der Goldene Saal im ersten Obergeschoss des Rathauses ist ohne Zweifel eines der beeindruckendsten Raumkunstwerke der deutschen Renaissance. Mit einer Fläche von 552 Quadratmetern, einer lichten Höhe von 14 Metern, einer Länge von fast 33 Metern und einer Breite von über 17 Metern überwältigt er schon durch seine bloßen Dimensionen. Doch es sind die Details, die den Saal unvergesslich machen: Die prächtige Kassettendecke aus Nussbaumholz, reich verziert mit Blattgold, stammt von Zimmermeister Wolfgang Ebner. Die Wandmalereien und das gesamte Bildprogramm entwarf der Augsburger Maler Johann Matthias Kager – ein Gesamtkunstwerk von atemberaubender Schönheit.

Ursprünglich als Tagungsort für Reichstage konzipiert, fand paradoxerweise nie ein einziger Reichstag im Goldenen Saal statt. Dennoch war er von Anfang an ein Symbol für den Anspruch Augsburgs auf Rang und Ansehen im Deutschen Reich. Nach der Kriegszerstörung 1944 wurde der Saal zunächst vereinfacht wiederhergestellt; erst die Restaurierungsarbeiten von 1980 bis 1984 brachten den originalen Glanz zurück. Heute beherbergt der Goldene Saal festliche Konzerte, Empfänge und ist für Besucher zugänglich – ein Ort, der Geschichte atmet und die Besucher in seinen Bann zieht. Neben dem Goldenen Saal sind auch zwei der ehemaligen Fürstenzimmer zu besichtigen, die ebenfalls aufwändig restauriert wurden.

Umgebung und Sehenswürdigkeiten rund ums Rathaus

Das Augsburger Rathaus liegt am Rathausplatz im Herzen der Altstadt – einem der schönsten historischen Stadtplätze Deutschlands. Unmittelbar neben dem Rathaus erhebt sich der Perlachturm, ein ehemaliger Wachturm aus dem 10. Jahrhundert, der ebenfalls auf Elias Holl zurückgeht. Von seiner Spitze bietet sich ein herrlicher Panoramablick über Augsburg und – bei klarem Wetter – bis zu den Alpen. Beide Bauwerke zusammen bilden ein architektonisches Ensemble, das in der deutschen Stadtbaugeschichte einzigartig ist.

Nur wenige Gehminuten entfernt lädt die Fuggerei zum Staunen ein: Die älteste Sozialsiedlung der Welt, 1521 vom Kaufmann Jakob Fugger dem Reichen gegründet, besteht noch heute und ist bewohnt. Ein kurzer Spaziergang bringt Besucher auch zum Dom Mariä Heimsuchung mit seinen berühmten romanischen Bronzetüren und den einzigartigen Prophetenfenstern aus dem 12. Jahrhundert – eines der bedeutendsten Kunstdenkmäler Bayerns. Das Augsburger Maximilianmuseum in einem Renaissance-Stadtpalais zeigt die reiche Kunst- und Kulturgeschichte der Stadt, während die Fuggerhäuser an der Maximilianstraße mit ihren prächtigen Renaissance-Innenhöfen beeindrucken. Augsburg bietet rund ums Rathaus also eine Fülle historischer Schätze, die einen mehrtägigen Aufenthalt lohnen.

Praktische Besucherinformationen

Ein Besuch des Augsburger Rathauses ist unkompliziert und lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Die wichtigsten Informationen für Ihren Besuch im Überblick:

Information Details
Adresse Rathausplatz 2, 86150 Augsburg
Öffnungszeiten Rathaus Täglich 10:00–18:00 Uhr (Goldener Saal und Fürstenzimmer)
Eintritt Goldener Saal 2,50 € pro Person (Kinder unter 14 Jahren frei)
Führungen Öffentliche Stadtführungen starten am Rathausplatz; Gruppenführungen auf Anfrage
Anreise mit der Bahn Ca. 10 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof Augsburg
Anreise mit dem Auto Tiefgaragen am Rathausplatz und Stadtmarkt (kostenpflichtig)
ÖPNV Straßenbahn Linie 1, 2, 3 – Haltestelle Königsplatz oder Rathausplatz
Barrierefreiheit Bedingt barrierefrei; Lift vorhanden

Der Eintritt in den Rathausplatz selbst ist natürlich kostenlos. Wer das Äußere des Gebäudes und die stimmungsvolle Platzatmosphäre genießen möchte, kann das jederzeit und ohne Kosten tun. Der Rathausplatz ist im Sommer Schauplatz des beliebten Augsburger Hohen Friedensfestes und im Advent des weltberühmten Augsburger Christkindlmarkts.

Häufig gestellte Fragen zum Augsburger Rathaus

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Augsburger Rathaus erbaut?
Das Augsburger Rathaus wurde zwischen 1615 und 1624 erbaut. Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. August 1615 durch Stadtbaumeister Elias Holl. Bereits 1620 konnte das Gebäude in Betrieb genommen werden, der Innenausbau war 1626 abgeschlossen.
Wie viel kostet der Eintritt in den Goldenen Saal?
Der Eintritt in den Goldenen Saal und die Fürstenzimmer kostet 2,50 Euro pro Person. Kinder unter 14 Jahren haben freien Eintritt. Der Rathausplatz selbst ist kostenlos zugänglich.
Wer hat das Augsburger Rathaus entworfen?
Das Augsburger Rathaus wurde von Elias Holl entworfen, dem Stadtbaumeister von Augsburg. Holl gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Renaissance-Architektur in Deutschland. Er ließ sich vor allem von der norditalienischen Renaissance inspirieren, die er auf einer Studienreise nach Venedig kennenlernte.

Geheimtipp: Das Rathaus von innen erleben – die versteckten Treppenhäuser

Die meisten Besucher steuern direkt auf den Goldenen Saal zu – und verpassen dabei einen der schönsten Aspekte des Rathauses: die grandiosen Wendeltreppen in den beiden Türmen. Diese sogenannten Schneckentreppen wurden von Elias Holl mit einem außergewöhnlichen konstruktiven Trick gebaut: Statt auf einem zentralen Pfeiler laufen sie um einen hohlen Kern – ein bautechnisches Meisterwerk, das bis heute Ingenieure und Architekturbegeisterte fasziniert. Wer die Treppen hinaufsteigt, erlebt das Gebäude aus einer völlig anderen Perspektive und entdeckt Details in der Steinmetzarbeit, die von unten gar nicht zu sehen sind.

Ein weiterer Geheimtipp für Kulturliebhaber: Das Rathaus ist regelmäßig Kulisse für Kammerkonzerte und klassische Musikabende. Wer das Glück hat, einen solchen Abend im Goldenen Saal zu erleben, nimmt eine Erinnerung mit nach Hause, die alle Postkarten und Fotos übertrifft. Informationen zu den Veranstaltungen gibt es beim Augsburg-Kongress und beim Stadtmarketing Augsburg. Kombinieren lässt sich der Rathausbesuch wunderbar mit einem Abstecher in die nahegelegene Stadtbäckerei am Perlachturm – ein über 100 Jahre altes Handwerksunternehmen, das herrliche Laugenbrezeln und regionale Spezialitäten anbietet und von den meisten Touristen völlig übersehen wird.

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