Augsburger Dom
Augsburger Dom
Wer Augsburg besucht, kommt am Dom so wenig vorbei wie an der Fuggerei oder dem Rathaus – und das aus gutem Grund. Der Hohe Dom Mariä Heimsuchung, urkundlich bereits im 9. Jahrhundert bezeugt, ist kein gewöhnliches Gotteshaus. Hier haben Karolinger, Ottonen, gotische Baumeister und Barockarchitekten nacheinander Hand angelegt und dabei etwas Einzigartiges hinterlassen.
Das vielleicht Überraschendste: In keiner anderen Kirche der Welt gibt es ältere figürliche Glasmalereien als in diesem Dom. Die fünf romanischen Prophetenfenster aus dem Jahr 1065 sind Weltrang – kaum bekannt außerhalb von Fachkreisen, aber absolut sehenswert. Dazu kommen eine bronzene Domtür aus dem frühen Mittelalter, eine karolingische Krypta und Fresken, die erst 2009 unter den gotischen Gewölben wiederentdeckt wurden.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH
Geschichte des Augsburger Doms
| Merkmal | Detail |
|---|---|
| Offizieller Name | Hoher Dom Mariä Heimsuchung |
| Erste urkundliche Erwähnung | 823 n. Chr. |
| Ältestes Bauteil | Karolingische Krypta, ca. 778–807 |
| Ottonischer Neubau | 994–1065 (Weihe am 19. Februar 1065) |
| Gotische Erweiterung | Ab 1320, abgeschlossen ca. 1431 |
| Baustil | Romanisch (West) und Gotisch (Ost) |
| Turmhöhe | Je 62 Meter (Zwillingstürme) |
| Abmessungen | 113 m lang, 40 m breit |
| Bistum | Bistum Augsburg |
Die Geschichte des Augsburger Doms beginnt tief unter dem heutigen Fußboden. Bischof Simpert ließ um 778–807 die erste Kathedrale errichten – jene karolingische Krypta liegt bis heute erhalten unter dem Westteil des Doms und ist der älteste erhaltene Teil des Gebäudes.
Nach einem Einsturz um 994 entstand unter Bischof Liutold ein ottonisch-romanischer Neubau: eine fünfschiffige Basilika mit Doppelchor, flachem Dach und jenen klaren Formen, die das romanische Bauen auszeichnen. Geweiht wurde sie am 19. Februar 1065. Ab dem 14. Jahrhundert verwandelten gotische Baumeister den Innenraum – das Mittelschiff wurde überwölbt, der Ostchor neu gestaltet. Wer heute durch den Dom geht, sieht beide Welten nebeneinander: der unverputzte romanische Westabschnitt und der weiß getünchte gotische Osten.
Die Bronzetür – ein Schatz im Nachbargebäude
Aus dem 11. Jahrhundert stammt auch die berühmte Bronzetür des Doms, deren zwei Flügel mit insgesamt 35 gegossenen Reliefs aus dem Alten Testament verziert sind. Sie zählt zu den bedeutendsten romanischen Bronzeskulpturen Europas – vergleichbar nur mit den Bernwardstüren im Hildesheimer Dom. Das Original befindet sich heute im direkt angrenzenden Diözesanmuseum St. Afra; am Dom selbst hängt seit 2001 ein zeitgenössisches Bronzeportal von Max Faller.
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Die ältesten Glasmalereien der Welt – die Prophetenfenster
Fünf Fenster im südlichen Obergaden des Mittelschiffs – und ein globaler Alleinstellungsanspruch. Die romanischen Prophetenfenster des Augsburger Doms, entstanden um das Jahr 1065, sind die ältesten erhaltenen figürlichen Glasmalereien der Welt. Das ist kein bescheidenes Marketingversprechen, sondern Konsens der Kunstgeschichte.
- Dargestellte Propheten: Jonas, Daniel, Hosea, David, Moses
- Entstehungsjahr: Um 1065 – zur Zeit der feierlichen Domweihe
- Erhaltungszustand: 4 von 5 Fenstern nahezu original erhalten; das Mosesfenster wurde um 1550 rekonstruiert
- Stil: Ottonisch-romanisch – strenge Frontalität, feierliche Würde, goldenes Kolorit
- Gesamtbestand: Der Dom versammelt Glasmalereien aus rund 900 Jahren – von 1065 bis in die Gegenwart
Was die Fenster so faszinierend macht, ist nicht nur ihr Alter. Die Propheten strahlen eine fast archaische Ruhe aus, die sich der Dramatik der Gotik und dem Pathos des Barock vollständig entzieht. Sie gehören in eine andere Zeit – und das spürt man, wenn man davor steht.
Tipp: Am besten am Vormittag besuchen, wenn die Sonne aus dem Süden durch die Fenster fällt und die Farben der fast tausend Jahre alten Gläser zum Leben erwachen.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Christine Pemsl
Was kostet ein Besuch im Augsburger Dom?
Das Beste zuerst: Der Eintritt in den Dom ist kostenlos. Für eine Kirche dieser historischen Bedeutung eine angenehme Überraschung. Wer die originale Bronzetür aus nächster Nähe sehen möchte, besucht das benachbarte Diözesanmuseum St. Afra – das kostet eine kleine Gebühr, lohnt sich aber absolut.
| Information | Detail |
|---|---|
| Adresse | Frauentorstraße 2, 86152 Augsburg |
| Öffnungszeiten Dom | Täglich 7:00–18:00 Uhr |
| Eintritt Dom | Kostenlos |
| Diözesanmuseum St. Afra | Di–Sa 10:00–17:00 Uhr, So 12:00–18:00 Uhr |
| Eintritt Museum | 4 € Erwachsene / 3 € ermäßigt |
| Anreise (ÖPNV) | Augsburg Hbf (ca. 1 km), Tramlinie 1 |
| Virtuelle Tour | domtour.bistum-augsburg.de |
| Führungen | Buchung über Tourist-Information Augsburg |
Hinweis: An Sonn- und Feiertagen finden in der Regel Gottesdienste statt. Besichtigungen sind dann eingeschränkt oder vorübergehend nicht möglich – ein kurzer Blick auf die Website des Bistums vor dem Besuch schadet nicht.
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Sehenswürdigkeiten rund um den Augsburger Dom
Der Dom liegt im Herzen der Augsburger Altstadt – und wer einmal in dieser Ecke ist, sollte nicht nach einem Ziel fragen, sondern nach einem Plan für den ganzen Tag. Es gibt mehr zu sehen, als man in einem Nachmittag schafft.
- Diözesanmuseum St. Afra – direkt neben dem Dom; hier liegt die originale Bronzetür sowie Kirchenschätze und archäologische Funde aus der Römerzeit
- Hofgarten der Fürstbischofsresidenz – der barocke Schlossgarten direkt am Dom ist öffentlich zugänglich und bei Tagestouristen kaum bekannt
- Augsburger Rathaus – ca. 10 Gehminuten, mit dem berühmten Goldenen Saal und dem Perlachturm
- Fuggerei – die älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt (seit 1521), gut 15 Minuten zu Fuß
- Maximilianstraße – Augsburgs prunkvolle Renaissance-Hauptachse mit drei Prachtbrunnen
Augsburg ist eine der ältesten Städte Deutschlands – gegründet um 15 v. Chr. als römisches Heerlager. Diese Vergangenheit macht den Besuch noch reicher: Im Diözesanmuseum sind antike Ausgrabungsfunde direkt neben mittelalterlichen Kirchenschätzen ausgestellt.
Wer einen Städtetrip nach Augsburg plant, stellt schnell fest: Die Stadt ist nicht München – und das ist ihr größter Vorzug. Kein Massentourismus, echtes städtisches Leben und Geschichte auf Schritt und Tritt.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH
Häufig gestellte Fragen zum Augsburger Dom
Wann wurde der Augsburger Dom gebaut?
Die ältesten Teile stammen aus karolingischer Zeit: Bischof Simpert ließ um 778–807 die erste Kathedrale errichten. Der ottonisch-romanische Neubau entstand zwischen 994 und 1065, geweiht am 19. Februar 1065. Ab dem 14. Jahrhundert erweiterten gotische Baumeister den Dom zur heutigen fünfschiffigen Anlage.
Ist der Eintritt in den Augsburger Dom kostenlos?
Ja, der Dom selbst ist kostenlos zugänglich. Das benachbarte Diözesanmuseum St. Afra, in dem die originale Bronzetür aufbewahrt wird, kostet 4 Euro für Erwachsene und 3 Euro ermäßigt.
Was sind die Prophetenfenster im Augsburger Dom?
Fünf romanische Glasmalereien aus dem Jahr 1065. Sie zeigen die Propheten Jonas, Daniel, Hosea, David und Moses und gelten als die ältesten erhaltenen figürlichen Glasmalereien der Welt.
Wie lange dauert ein Besuch im Augsburger Dom?
Für den Dom selbst sind 45–60 Minuten einzuplanen. Inklusive Diözesanmuseum St. Afra und dem Hofgarten der Fürstbischofsresidenz sollte man 2–3 Stunden reservieren.
Geheimtipp: Das Diözesanmuseum St. Afra und den Hofgarten nicht verpassen
Wer nach dem Dombesuch denkt, er habe alles gesehen, hat wahrscheinlich das Diözesanmuseum St. Afra vergessen. Nur 50 Meter vom Hauptportal entfernt, befindet sich hier die originale Bronzetür des Doms – jenes mittelalterliche Meisterwerk, das heute durch ein zeitgenössisches Portal ersetzt wurde. Im Museum kann man die 35 Bronzereliefs aus nächster Nähe und ohne Touristenmassen studieren. Und weil das Museum auch archäologische Funde aus der Römerzeit zeigt, ist es fast schon ein kleines Weltkulturerbe im Miniaturformat.
Noch ein echter Insidertipp: Der Hofgarten der ehemaligen Fürstbischofsresidenz, direkt neben dem Dom, ist so gut wie unbekannt bei Tagestouristen. Ein ruhiger Barockgarten mit Brunnen, Seerosenteich und sogar einem öffentlichen Bücherschrank – und das mitten in der Augsburger Altstadt. Im Sommer ein perfekter Ort für eine Pause, nach der man den Dom mit ganz anderen Augen sieht.