Perlachturm Augsburg
Perlachturm
Der Perlachturm ragt seit fast einem Jahrtausend über die Dächer der schwäbischen Fuggerstadt – und wer einmal oben stand und die Alpen am Horizont auftauchen sah, versteht sofort, warum Augsburg mit diesem Turm ein bisschen größer daherkommt als andere Städte seiner Größe. Das knapp 70 Meter hohe Wahrzeichen am Rathausplatz in Augsburg ist kein Museum im klassischen Sinne, sondern ein Stück gelebter Stadtgeschichte: ehemaliger Feuerwachturm, Glockenturm und Aussichtsturm in einem. Seit Jahrhunderten bestimmt er die Silhouette der Fuggerstadt – gemeinsam mit dem benachbarten Renaissance-Rathaus bildet er eines der bekanntesten Stadtbilder Bayerns.
Wer Augsburg besucht, kommt am Perlachturm nicht vorbei – und das ist auch gut so. Denn wer die 261 Stufen nach oben erklimmt, wird mit einem Panorama belohnt, das bei klarem Wetter bis zu den Alpen reicht. Dieser Text führt durch Geschichte, Architektur und die besten Tipps rund um den Perlachturm – damit Ihr Besuch in der Fuggerstadt unvergesslich wird.
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Rudolf Grillhiesl
Augsburg zählt zu den ältesten Städten Deutschlands – und der Perlachturm ist der lebende Beweis dafür. Was Sie hier erwartet: ein Turm mit über 1.000 Jahren Geschichte, eine Aussicht, die bei gutem Wetter bis an die Alpen reicht, und ein Rathausplatz, der zu den schönsten Stadtplätzen Bayerns gehört. Lesen Sie alles, was Sie vor Ihrem Besuch wissen sollten.
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Geschichte des Perlachturms
Der Perlachturm zählt zu den ältesten Bauwerken Augsburgs. Seine Ursprünge reichen bis ins frühe Mittelalter zurück: Erstmals urkundlich erwähnt wurde ein Wachturm an dieser Stelle um das Jahr 989 n. Chr. Der Name „Perlach" leitet sich von einer alten Flurbezeichnung ab – das Gelände rund um den heutigen Rathausplatz hieß im Mittelalter „Perlach" oder „Berlach". Ob das mit dem lateinischen Wort für Bärlauch zusammenhängt oder auf eine ganz andere Wurzel zurückgeht, darüber streiten sich die Historiker noch heute.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Turm mehrfach verändert und sukzessive erhöht. Die entscheidende Umgestaltung erfolgte zwischen 1612 und 1618 durch den Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl – denselben Genius, der zeitgleich das benachbarte Rathaus errichtete. Holl baute den romanischen Turm um eine charakteristische achteckige Laterne auf und gab ihm damit seine heutige, weithin erkennbare Silhouette. Das Ergebnis ist ein architektonisches Kunststück: Der Turmschaft zeigt noch deutlich seinen mittelalterlichen Charakter, während die Laterne oben die klare Formensprache der deutschen Renaissance spricht.
Jahrhundertelang diente der Perlachturm als Feuerwachturm. Ein fest angestellter Türmer lebte und arbeitete hier, hielt Ausschau nach Brandzeichen über den Dächern der Stadt und läutete im Notfall die Glocken. Diese lebensrettende Funktion verlor der Turm erst im 20. Jahrhundert an die modernen Feuerwehren. Heute sind seine Glocken auf freundlichere Weise im Einsatz: Sie schlagen stündlich und begleiten die Kirchenfeste der Stadt.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Erste urkundliche Erwähnung | Um 989 n. Chr. als Wachturm |
| Herkunft des Namens | Alte Flurbezeichnung „Perlach" |
| Wichtigste Umgestaltung | 1612–1618 durch Elias Holl (Renaissance-Laterne) |
| Historische Funktion | Feuerwachturm, Glockenturm, Wachturm |
| Heutiger Status | Aussichtsturm, Wahrzeichen Augsburgs |
| Baustile | Romanisch (Turmschaft) und Renaissance (Laterne) |
| Anzahl Stufen | 261 Stufen bis zur Aussichtsplattform |
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH
Wie hoch ist der Perlachturm?
Der Perlachturm misst von der Basis bis zur vergoldeten Wetterfahne exakt 70,4 Meter – und damit überragt er das benachbarte Rathaus deutlich. Die Aussichtsplattform liegt auf rund 60 Metern Höhe und war über 258 Treppenstufen erreichbar. Einen Lift gab es nicht. Dafür war das Hinaufsteigen umso befriedigender – und wer oben ankam, wusste: Die kurze Atemlosigkeit war jeden Schritt wert.
Auf dem Weg zur Plattform passierte man die historischen Glockenstöcke mit dem Carillon aus 35 Glocken. Das Glockenspiel erklang täglich um 11, 12, 17 und 18 Uhr mit wechselnden Melodien – darunter klassische Stücke und traditionelle Weisen. Nach der Sanierung sollen 19 neue Carillon-Glocken mit moderner Steuerung eingebaut werden.
Hinweis zur aktuellen Situation: Der Perlachturm ist derzeit wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten für Besucher geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2027 geplant. Auf dem Rathausplatz informiert ein Ausstellungspavillon in Form der originalen Turmzwiebel (seit August 2025 aufgestellt) über die Bauarbeiten.
| Maß | Wert |
|---|---|
| Gesamthöhe (bis zur Wetterfahne) | 70,4 Meter |
| Höhe der Aussichtsplattform | ca. 60 Meter |
| Anzahl Treppenstufen | 258 Stufen (kein Lift) |
| Baustoff | Backstein, Kalkstein, Sandstein |
| Glockenspiel | 35 Glocken (nach Sanierung: 19 neue Carillon-Glocken) |
| Wetterfahne | Vergoldete Cisa-Figur (Stadtgöttin Augsburgs) |
| Standort | Rathausplatz 1, 86150 Augsburg |
| Status (2026) | Geschlossen – Sanierung bis Herbst 2027 |
Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Christine Pemsl
Was sieht man vom Perlachturm?
Die Aussicht vom Perlachturm gehört zu den schönsten Stadtpanoramen Bayerns – und das ist keine leere Werbefloskel. Bei klarem Wetter, besonders an Herbst- und Wintertagen nach einem Wetterumschwung, reicht der Blick bis zu den Alpen: Zugspitze, Wetterstein, Allgäuer Alpen – alles da, wenn die Luft stimmt. Wer das zum ersten Mal erlebt, begreift sofort, warum Augsburg einst als „Einfallstor zu den Alpen" galt.
Im Nahbereich liegt die gesamte Augsburger Altstadt wie eine aufgeklappte Stadtgeschichtsstunde: Das Renaissance-Rathaus direkt daneben, die mächtige Basilika St. Ulrich und Afra mit ihren Zwiebeltürmen im Süden, der gotische Dom Mariä Heimsuchung im Norden, die geschwungene Maximilianstraße mit ihren Prachtbauten und Brunnen. Etwas weiter sieht man den Siebentischwald im Westen und bei sehr gutem Wetter das Lechfeld im Süden. Wer Augsburg verstehen will, schaut es sich erst von oben an – dann ergibt der Stadtgrundriss der einstigen römischen Kolonie Augusta Vindelicum auf einen Schlag Sinn.
- Bei klarem Wetter: Blick bis zu den Alpen (Zugspitze, Wetterstein, Allgäu)
- Altstadt: Rathaus, Dom, St. Ulrich und Afra, Fuggerhäuser
- Maximilianstraße: Prachtstraße mit Herkules-, Augustus- und Merkurbrunnen
- Umland: Siebentischwald, Lechauen, Friedberger Au
- Beste Sicht: Oktober bis März nach Wetterumschwung
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Die schwäbische Metropole bietet nicht nur am Rathausplatz Geschichte pur – rund um den Perlachturm warten weitere Sehenswürdigkeiten, die einen mehrtägigen Aufenthalt rechtfertigen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.
Augsburg erkunden: Was liegt rund um den Perlachturm?
Der Perlachturm ist nicht allein. Er steht auf dem Rathausplatz – einem der schönsten Stadtplätze Bayerns – und bildet mit dem Augsburger Rathaus ein untrennbares architektonisches Ensemble. Direkt daneben steht der Augustusbrunnen von 1594, einer der ältesten und bedeutendsten Renaissancebrunnen Deutschlands. Der Kaiser thront oben, vier Flussgötter unten – und dazwischen plätschert das Wasser in einem fort. Wer hier sitzt und in die Sonne blinzelt, braucht eigentlich keinen weiteren Grund für den Augsburg-Besuch.
Nur wenige Gehminuten vom Perlachturm entfernt beginnt die Geschichte von neuem:
- Fuggerei: Die älteste Sozialsiedlung der Welt (seit 1521) ist noch heute bewohnt – und der Jahresmietzins beträgt traditionell einen Rheinischen Gulden (ca. 0,88 €) plus drei tägliche Gebete für die Seele der Fugger. Das ist kein Witz.
- Dom Mariä Heimsuchung: Romanische Bronzetüren, gotische Glasfenster aus dem 12. Jahrhundert – der Dom gehört zu den bedeutendsten Kirchenbauten Bayerns.
- Maximilianstraße: Die Prachtstraße der Fuggerzeit, gesäumt von Renaissancepalais und drei prächtigen Brunnen. Wer sie entlangschlendert, versteht, was Augsburg im 16. Jahrhundert bedeutet hat.
- UNESCO-Weltkulturerbe Augsburger Wassermanagement: Seit 2019 ist Augsburgs einzigartiges historisches Wasserversorgungssystem UNESCO-Weltkulturerbe. Wasserwerke, Kanäle und Brunnen erzählen eine Geschichte von Ingenieurskunst, die Europa geprägt hat.
- Augsburger Puppenkiste: Für Familien mit Kindern ein Pflichtbesuch – das weltberühmte Marionettentheater ist ein paar Minuten zu Fuß entfernt.
Augsburg lässt sich gut zu Fuß erkunden. Planen Sie mindestens einen halben Tag für die Altstadt ein – und wenn Sie den Aufstieg auf den Perlachturm mit dem Besuch des Goldenen Saals im Rathaus und einem Kaffee am Augustusbrunnen verbinden, ist ein ganzer Tag schnell verplant.
Bild: © Bayern Tourismus Marketing GmbH, Thomas Linkel
Besucherinformationen: Öffnungszeiten & Eintritt
Wichtiger Hinweis: Der Perlachturm ist seit 2017 wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten für Besucher geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2027 geplant. Die Sanierungskosten betragen rund 9 Millionen Euro. Wer Augsburg besucht, findet auf dem Rathausplatz einen spektakulären Info-Pavillon: Die originale Turmzwiebel wurde im Juli 2025 erstmals in der Stadtgeschichte vom Turm abgehoben und steht seitdem als Ausstellungsobjekt auf dem Platz.
Was Besucher nach der Wiedereröffnung erwartet:
- Neu entdeckter gotischer Raum, der über 400 Jahre lang verschlossen war und erstmals zugänglich sein wird
- Neue freitragende Stahltreppe als Skulptur – mit freiem Blick in den 32 Meter hohen Turmschaft
- 19 neue Carillon-Glocken mit moderner Steuerung (statt bisher 35 ältere Glocken)
- Restaurierte historische Räume und verbesserte Zugänglichkeit
| Information | Details |
|---|---|
| Adresse | Rathausplatz 1, 86150 Augsburg |
| Status (2026) | Geschlossen – Sanierung bis Herbst 2027 |
| Geplante Wiedereröffnung | Herbst 2027 |
| Normale Öffnungszeiten (nach Wiedereröffnung) | Anfang Mai – Mitte Oktober, täglich 10:00–18:00 Uhr |
| Normaler Eintritt Erwachsene | ca. 2,00 € (historisch; nach Sanierung möglicherweise geändert) |
| Normaler Eintritt Kinder | ca. 1,00 € (Kinder unter 7 Jahren frei) |
| Anzahl Stufen | 258 Stufen (kein Lift) |
| Anreise mit Bahn | Ca. 10 Minuten Fußweg vom Hauptbahnhof Augsburg |
| ÖPNV | Straßenbahn Linie 1, 2, 3 – Haltestelle Rathausplatz |
| Barrierefreiheit | Nicht barrierefrei – ausschließlich Treppenaufstieg |
Auch während der Sanierung lohnt sich ein Besuch des Rathausplatzes: Das Renaissance-Ensemble aus Rathaus, Augustusbrunnen und dem umgerüsteten Info-Pavillon ist zu jeder Jahreszeit sehenswert.
Häufig gestellte Fragen zum Perlachturm
- Ist der Perlachturm derzeit geöffnet?
- Nein. Der Perlachturm ist seit 2017 wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten für Besucher geschlossen. Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2027 geplant. Auf dem Rathausplatz steht seit August 2025 die originale Turmzwiebel als Informationspavillon.
- Wann wird der Perlachturm wiedereröffnet?
- Die Wiedereröffnung ist für Herbst 2027 geplant. Besucher können sich dann auf einen neu entdeckten gotischen Raum, eine neue Stahltreppe und 19 neue Carillon-Glocken freuen.
- Wie hoch ist der Perlachturm?
- Der Perlachturm ist 70,4 Meter hoch. Die Aussichtsplattform liegt auf ca. 60 Metern und war über 258 Treppenstufen erreichbar.
- Kann man vom Perlachturm die Alpen sehen?
- Ja! Bei klarem Wetter und Föhn reicht die Sicht bis zu den Alpen – Zugspitze und Wetterstein sind bei guter Sicht erkennbar. Früher wurde bei Fernsicht eine gelbe Fahne aus dem Turm gehängt.
- Wer hat den Perlachturm erbaut?
- Der Turm geht auf einen Wachturm um 989 n. Chr. zurück. Die heutige Form erhielt er 1612–1618 durch Stadtbaumeister Elias Holl, der auch das Rathaus daneben schuf.
Geheimtipp: Das Turamichele – Augsburgs älteste Figur
Am 29. September jeden Jahres – dem Michaelstag – erlebt Augsburg ein Schauspiel, das es sonst nirgendwo gibt: Das sogenannte „Turamichele". Aus dem Fenster des Perlachturms erscheint dann eine vergoldete Figur des Erzengels Michael und „besiegt symbolisch den Teufel" – eine Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht und zu den ältesten Volksfesten Augsburgs zählt. Schaulustige aller Altersklassen versammeln sich auf dem Rathausplatz, die Atmosphäre ist einzigartig, und wer noch nie dabei war, sollte das dringend nachholen.
Bonus-Tipp für Architekturfans: Die vergoldete Wetterfahne des Perlachturms zeigt keine Himmelsrichtungen, sondern eine mythologische Figur – die Cisa, eine heidnische Stadtgöttin Augsburgs. Dieses Detail übersehen die meisten Besucher, obwohl es kunsthistorisch äußerst selten und bedeutsam ist. Und wer wissen möchte, wie die Turmzwiebel von innen aussieht: Seit August 2025 steht sie auf dem Rathausplatz als begehbarer Ausstellungspavillon – eine einmalige Gelegenheit, die so schnell nicht wiederkommt.