Augsburger Wassertürme am Roten Tor

Augsburger Wassertürme am Roten Tor

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer ruhigen Gasse der Augsburger Altstadt und blicken auf drei mittelalterliche Türme – und plötzlich wird klar, dass diese Bauwerke bis ins 19. Jahrhundert jeden Schluck Trinkwasser in der Stadt bereitgestellt haben. Das ist keine Übertreibung: Die Wassertürme am Roten Tor sind das älteste erhaltene Wasserwerk Deutschlands und ein lebendiges Zeugnis von 463 Jahren ingeniöser Wasserversorgung.

Seit 2019 gehören sie zum UNESCO-Welterbe – als Kernstück des einzigartigen Augsburger Wassermanagement-Systems. Ein Besuch lohnt sich: Selten wird Geschichte so greifbar wie hier, zwischen steinernen Mauern, durch die noch heute Wasser fließt.

Dieser Reiseführer zeigt Ihnen alles Wichtige – von der Geschichte der drei Türme über aktuelle Führungstermine bis hin zu den schönsten Sehenswürdigkeiten rund ums Rote Tor.

Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Reinhard Paland

Geschichte und Bedeutung der Augsburger Wassertürme

Die Geschichte der Augsburger Wassertürme beginnt im Jahr 1412, als die Reichsstadt Augsburg vor einer drängenden Frage stand: Wie versorgt man eine Großstadt mit Trinkwasser, wenn man rund zwölf Meter über dem wasserreichen Lechtal thront? Die Lösung war so einfach wie genial – Türme bauen, Wasser hinaufpumpen, Schwerkraft die Arbeit erledigen lassen.

Das Ensemble der drei Türme

TurmEntstehungBesonderheit
Großer Wasserturm1412–1416Ältestes erhaltenes Wasserwerk Deutschlands; siebengeschossig, oktogonal; nach Brand 1464 in Mauerwerk neu errichtet
Kleiner Wasserturm1469/1470Hexagonaler Bau; originale Wendeltreppe von 1744; 29 Meter Druckhöhe
Kastenturm1559Auf mittelalterlichem Wehrturm errichtet; doppelte Wendeltreppe von 1742; mit Aquädukt verbunden

Gemeinsam versorgten diese drei Türme die Augsburger Bevölkerung von 1416 bis 1879 – also 463 Jahre lang ununterbrochen. Das Wasser wurde per Wasserrädern und Kolbenpumpen aus dem Lechtal in die Türme gepumpt und floss von dort über ein unterirdisches Leitungssystem zu den prachtvollen Brunnen der Maximilianstraße: dem Herkules-, Merkur- und Augustusbrunnen.

Pionier der Trinkwasserhygiene

Besonders bemerkenswert ist eine Innovation aus dem Jahr 1545: Augsburg führte als eine der ersten Städte Europas eine strikte Trennung von Trinkwasser und Treibwasser ein. Trinkwasser für Haushalte, Treibwasser für Mühlen und Handwerksbetriebe – eine für die damalige Zeit revolutionäre Hygieneentscheidung, die Augsburg zum Vorbild für andere europäische Städte machte.

Was können Besucher im historischen Wasserwerk erleben?

Eine Führung durch das Wasserwerk am Roten Tor ist ein echtes Erlebnis – Sie betreten nicht irgendein Museum, sondern Gebäude, in denen jahrhundertelang die Wasserversorgung einer ganzen Großstadt lief. Und ehrlich gesagt: Das spürt man.

  • Großer Wasserturm: Der Älteste der drei – siebengeschossig, oktogonaler Aufsatz, mit Einblicken in die originale Pumptechnik. Allein der Aufstieg ist ein Erlebnis.
  • Kleiner Wasserturm: Hexagonaler Bau, verbunden mit dem Großen Turm durch einen historischen Durchgang. Die Wendeltreppe von 1744 ist ein handwerkliches Meisterwerk.
  • Kastenturm: Auf einem mittelalterlichen Wehrturm aus dem 15. Jahrhundert errichtet – die doppelte Wendeltreppe von 1742 ist allein schon den Besuch wert.
  • Oberes Brunnenmeisterhaus: Dauerausstellung zur Geschichte der Augsburger Trinkwasserversorgung mit hydrotechnischen Modellen und anschaulichen Lehrtafeln.
  • Historischer Aquädukt (1777): Das zweigeschossige Backsteinbauwerk mit sechs Doppelbögen führt noch heute Wasser vom Lech in die Stadt – ein lebendiges Technikdenkmal, das wirklich funktioniert.

Übrigens: Augsburg hat mehr Kanäle als Venedig. Das erfährt man bei dieser Führung ganz nebenbei – und danach sieht man die Stadt mit ganz anderen Augen.

Wann kann man die Augsburger Wassertürme besichtigen?

Die Wassertürme sind ausschließlich durch geführte Touren zugänglich – das ist aus Brandschutz- und statischen Gründen notwendig. Dafür wird man durch kompetente Führungen belohnt, die die Geschichte lebendig machen. Hier alle wichtigen Fakten im Überblick:

SaisonApril bis Oktober
FührungstageFreitag und Samstag
Uhrzeit14:00 Uhr
Dauerca. 1 Stunde
Max. Gruppengröße14–15 Personen
Eintritt regulär12 €
Eintritt ermäßigt10 € (Schüler, Senioren, Schwerbehinderte)
AdresseAm Roten Tor 1, 86152 Augsburg
Buchungaugsburg-tourismus.de oder Tel. +49 821/50207-21
SprachenDeutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch

Wichtiger Tipp: Tickets unbedingt vorab buchen – die Gruppen sind klein und gerade samstags im Sommer oft wochenlang ausgebucht. Ein besonderes Erlebnis bietet der Tag des offenen Denkmals (zweiter Sonntag im September): Hier gibt es besondere Führungen, häufig kostenlos. Außerdem lohnt sich die kombinierte Tour „Wasser, Türme & Theater" des UNESCO-Welterbe-Büros (8 €), die das Wasserwerk mit einem Blick hinter die Kulissen des Augsburger Staatstheaters verbindet.

Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Christine Pemsl

Das UNESCO-Welterbe Augsburger Wassermanagement

Im Juli 2019 wurden die Augsburger Wassertürme zusammen mit 21 weiteren Objekten in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Das „Augsburger Wassermanagement-System" ist damit das 46. deutsche UNESCO-Welterbe – und in seiner Vollständigkeit weltweit einzigartig.

22 Objekte, ein lebendiges System

  • Mittelalterliche Kanalnetze – Augsburg hat tatsächlich mehr Kanäle als Venedig
  • Wassertürme und Pumpwerke aus dem 15. bis 17. Jahrhundert
  • Die drei Renaissance-Prachtbrunnen auf der Maximilianstraße (Herkules, Merkur, Augustus)
  • Die ehemals wassergekühlte städtische Metzg (Metzgerei) – hygienisch bahnbrechend
  • Historische Wasserkraftwerke, die noch heute Strom erzeugen

Die UNESCO zeichnete Augsburg für zwei besondere Leistungen aus: das Setzen technischer Maßstäbe im Wasserbau, die international nachgeahmt wurden, und den außergewöhnlich gut erhaltenen Zustand des Gesamtsystems. Ein System, das nicht eingefroren ist – durch den Aquädukt fließt noch heute Wasser vom Lech in die Stadt.

Welterbe-Infozentrum am Rathausplatz

Wer mehr über das Welterbe erfahren möchte, findet beim Welterbe-Infozentrum am Rathausplatz (Tel. 0821/324-3078, welterbe.infozentrum@augsburg.de) umfangreiche Informationen, interaktive Ausstellungen und Tickets für kombinierte Führungen durch mehrere der 22 Welterbe-Stationen.

Sehenswürdigkeiten rund um die Wassertürme

Das Rote Tor liegt am südlichen Rand der Augsburger Altstadt – und das ist eine gute Nachricht: Von hier aus sind die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt bequem zu Fuß erreichbar. Ein kompletter Augsburg-Tag ist gut planbar.

SehenswürdigkeitEntfernungHighlight
Augsburger PuppenkisteDirekt nebenanWeltberühmtes Marionettentheater – gleiche Adresse Am Roten Tor 1!
Fuggereica. 10 Min. zu FußÄlteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt (gegr. 1516)
Maximilianstraßeca. 10 Min. zu FußUNESCO-Welterbe-Brunnen: Herkules, Merkur, Augustus
Augsburger Rathausca. 12 Min. zu FußGoldener Saal – einer der schönsten Renaissancesäle Deutschlands
Augsburger Domca. 15 Min. zu Fuß8. Jahrhundert; älteste figürliche Glasfenster der Welt (12. Jh.)
Welterbe-Infozentrumca. 12 Min. zu FußAm Rathausplatz – Überblick über alle 22 UNESCO-Objekte

Besonders empfehlenswert: Verbinden Sie den Wasserturm-Besuch mit einem Spaziergang entlang der historischen Stadtmauer-Promenade. Der Ausblick auf das Türmen-Ensemble vom Wall aus – vor allem im Abendlicht – ist einer der schönsten in der ganzen Altstadt.

Bild: © Regio Augsburg Tourismus GmbH, Martin Augsburger

Häufig gestellte Fragen zu den Augsburger Wassertürmen

Häufig gestellte Fragen

Wann wurden die Augsburger Wassertürme am Roten Tor gebaut?
Der Große Wasserturm wurde zwischen 1412 und 1416 erbaut und ist das älteste erhaltene Wasserwerk Deutschlands. Der Kleine Wasserturm folgte 1469/1470, der Kastenturm 1559. Das Ensemble versorgte Augsburg von 1416 bis 1879 ununterbrochen mit Trinkwasser.
Sind die Augsburger Wassertürme UNESCO-Welterbe?
Ja. Seit Juli 2019 gehören die Wassertürme am Roten Tor als Teil des Augsburger Wassermanagement-Systems zum UNESCO-Welterbe. Das Welterbe umfasst 22 Objekte, darunter Kanäle, historische Brunnen und Pumpwerke.
Wie viel kostet eine Führung durch das Wasserwerk am Roten Tor?
Eine Führung kostet 12 Euro regulär und 10 Euro ermäßigt (Schüler, Senioren, Schwerbehinderte). Führungen finden von April bis Oktober statt, freitags und samstags um 14 Uhr. Buchung unter augsburg-tourismus.de oder Tel. +49 821/50207-21.
Wie kommt man zu den Wassertürmen am Roten Tor in Augsburg?
Die Adresse lautet: Am Roten Tor 1, 86152 Augsburg – direkt neben der Augsburger Puppenkiste. Mit der Straßenbahn: Linie 2 bis Haltestelle Rotes Tor. Augsburg ist von München in ca. 35 Minuten per Bahn erreichbar.

Geheimtipp: Das Wasserreich von Augsburg in 60 Minuten

Die meisten Besucher steuern direkt auf die Türme zu – und verpassen dabei einen der schönsten Blicke auf das Ensemble: Gehen Sie nach dem Wasserturm-Besuch die historische Stadtmauer-Promenade in Richtung Süden entlang. Von dort sehen Sie alle drei Türme im Panorama – mit St. Ulrich und Afra im Hintergrund und den alten Wallanlagen im Vordergrund. Abends, wenn die Sonne hinter der Stadtsilhouette versinkt, braucht das Foto keinen Filter.

Noch ein Tipp für Kurzentschlossene: Der Stadtgraben direkt unterhalb der Wallanlagen führt tatsächlich noch Wasser – ein stilles, grünes Band mitten in der Stadt, das die wenigsten Besucher wahrnehmen. Wer genau hinschaut, entdeckt hier das lebendige Herzstück des UNESCO-Welterbes.

Augsburg lohnt sich als Kurzreise-Ziel besonders für alle, die Geschichte spüren möchten – nicht nur lesen.

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