Schlosspark Weitmar - Bochum

Schlosspark Weitmar: Kunst, Natur und Geschichte entdecken

Mitten in Bochum, abseits des Ruhrgebiets-Trubels, liegt ein Ort, der Zeit und Raum auf eigenartige Weise vermischt: der Schlosspark Weitmar. Wer hier durch das alte Parkgelände spaziert, kommt an mächtigen Bäumen vorbei, die mehr Geschichte gesehen haben als die meisten Stadtbewohner ahnen. Und plötzlich, zwischen Grün und Stille, taucht Gegenwartskunst auf – eine Stahlskulptur hier, ein Spiegel dort. Herzlich willkommen in einem der ungewöhnlichsten Kunstparks Westdeutschlands.

Das Ruhrgebiet hat viele Gesichter, und der Schlosspark Weitmar zeigt eines seiner schönsten: die Verbindung von Industrie-, Natur- und Kunstgeschichte an einem einzigen Ort. Wer Bochum besucht, sollte diesen Park unbedingt einplanen.

Vom Rittersitz zum Kulturdenkmal

Die Geschichte von Haus Weitmar reicht weit zurück ins Mittelalter. Bereits im 11. Jahrhundert wird im Bereich des heutigen Schlossparks ein Gehöft erwähnt – aus diesem entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der erste Adelshof Haus Weitmar. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1397.

1592 ließ Johann von Hasenkamp ein Wasserschloss errichten, das dem Park seinen heutigen Namen gab. Im Jahr 1780 kam Haus Weitmar in den Besitz von Andreas Friedrich Wilhelm von Berswordt-Wallrabe – und die Familie Berswordt-Wallrabe besitzt das Anwesen bis heute. Ein beeindruckender Kontinuitätsbeweis in einer Region, die sich sonst so oft neu erfunden hat.

Krieg, Ruinen und Neuanfang

Der Zweite Weltkrieg hinterließ seine Spuren auch hier: 1943 wurde Haus Weitmar durch Bombenangriffe weitgehend zerstört. Die Ruinen blieben erhalten – und wurden nicht abgerissen, sondern zum Teil des Ortsgedächtnisses. Hinter dem ehemaligen Haupthaus stehen noch heute die Überreste der Sylvesterkapelle mit ihrem romanischen Turm und gotischen Außenmauern.

Zum Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 errichtete man in den Ruinen von Haus Weitmar einen viergeschossigen Glaskubus mit rund 800 Quadratmetern für kulturelle Veranstaltungen, Arbeits- und Diskussionsräume, Bildungs- und Wechselausstellungen. Das denkmalgeschützte Mauerwerk wurde dabei dauerhaft gesichert. Seither trägt der Ort den Namen Mark 21 und ist ein lebendiger Kulturraum in den Trümmern der Geschichte.

Was erwartet dich im Schlosspark Weitmar?

Die Antwort ist überraschend vielschichtig. Auf den ersten Blick ist der Schlosspark Weitmar ein Stadtpark: 14 Hektar Parkgelände mit alten Bäumen, Wegen und einer ruhigen Atmosphäre, die man im dicht besiedelten Ruhrgebiet nicht für möglich hält. Auf den zweiten Blick ist er ein Freilichtmuseum. Und auf den dritten ein philosophischer Ort.

Im Park finden sich insgesamt 14 Werke konkreter Kunst von sieben verschiedenen Künstlern. Darunter Arbeiten von François Morellet, Erich Reusch, Richard Serra, Lee Ufan und Giuseppe Spagnulo – allesamt Schwergewichte der internationalen Gegenwartskunst. Die Werke sind nicht in eine Halle gesperrt, sondern Teil des Parks: Sie wachsen aus dem Boden, lehnen an Bäumen, spiegeln den Himmel.

Hinzu kommen die jahrhundertealten Bäume des Parks, die Ruinen der Sylvesterkapelle und der Glaskubus von Mark 21. Ein Ort, der gleichzeitig entspannt und anregt – und das vollkommen kostenlos.

Highlight Details
Situation Kunst 14 Skulpturen von 7 Künstlern, kostenlos im Freien
Museum unter Tage Unterirdische Wechselausstellungen, Eintritt erforderlich
Mark 21 / Glaskubus Kulturveranstaltungen in den Ruinen von Haus Weitmar
Sylvesterkapelle Romanischer Turm, gotische Außenmauern
Parkgelände 14 ha, alter Baumbestand, kostenloser Eintritt, ganzjährig

Situation Kunst – Freilichtmuseum der Moderne

Die Situation Kunst (für Max Imdahl) ist seit den späten 1980er Jahren das Herzstück des Parks. Was der Kunsthistoriker und Bochumer Hochschulprofessor Max Imdahl einst konzipierte, wuchs zu einer der bedeutendsten Freilicht-Kunstsammlungen in Nordrhein-Westfalen heran.

In den späten 1980er Jahren entstand „Situation Kunst“ als Sammlung zeitgenössischer Kunst im Park von Haus Weitmar – 1990 wurde sie der Kunstsammlung der Ruhr-Universität Bochum gestiftet. Heute ist die Sammlung fester Bestandteil der Kunstsammlungen der RUB und öffentlich zugänglich.

Die Skulpturen verhalten sich zum Raum und zum Licht. Ein Werk von Richard Serra – massiver Stahl, der den Horizont schneidet – wirkt morgens anders als abends. Erich Reuschs Reflexionsobjekte spielen mit dem Tageslicht. Lee Ufans reduzierte Ästhetik schafft Stille im Lärm. Wer Kunst im Museum langweilig findet: Hier wird das Gegenteil bewiesen.

Der Eintritt zur Situation Kunst im Freien ist kostenlos und zu jeder Tages- und Jahreszeit zugänglich. Für Kunstinteressierte, die das Ruhrgebiet bereisen, ist dieser Ort ein absolutes Muss – und eine schöne Ergänzung zu einem Städtetrip durch Nordrhein-Westfalen.

Das Museum unter Tage – Kunst in der Tiefe

Unter dem Parkgelände wartet noch mehr: Das Museum unter Tage ist ein unterirdischer Ausstellungsraum, der temporäre Kunstausstellungen beherbergt. Die Verbindung von unterirdischer Architektur und zeitgenössischer Kunst schafft ein Erlebnis, das sich von klassischen Museumsbesuchen fundamental unterscheidet.

Das Museum präsentiert wechselnde Ausstellungen mit nationalen und internationalen Künstlern. Zusammen mit der Situation Kunst und dem Mark 21 bildet das Museum unter Tage ein dreiteiliges Kunst-Ensemble, das den Schlosspark Weitmar zu einem der dichtesten Kulturorte im Ruhrgebiet macht.

Eintrittspreise Museum unter Tage

  • Dauerausstellung Situation Kunst: kostenlos
  • Museum unter Tage (Wechselausstellung): 6 € / ermäßigt 4 €
  • Weltsichten Museum unter Tage: 6 € / ermäßigt 4 €
  • Kombination beider Ausstellungen: 10 € / ermäßigt 7 €

Praktische Infos auf einen Blick

Information Details
Adresse Nevelstr. 29c, 44795 Bochum (Stadtteil Weitmar)
Öffnungszeiten Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So/Feiertage 12–18 Uhr
Geschlossen 24.12., 25.12., 1.1.
Telefon 0234 / 298 89 01
E-Mail info@situation-kunst.de
Eintritt Park & Situation Kunst Kostenlos, ganzjährig zugänglich
ÖPNV Straßenbahn Linie 302: Haltestelle „Weitmar Mitte“
Parken Begrenzte Parkplätze am Eingang verfügbar

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Das Ruhrgebiet überrascht immer wieder. Wer einmal in Bochum ist, sollte nicht nur den Schlosspark besuchen: Die Stadt hat mit dem legendären Starlight Express-Musical, der lebendigen Kneipenmeile Bermuda3Eck und dem Deutschen Bergbau-Museum gleich mehrere weitere Gründe für einen längeren Aufenthalt. Das gesamte Revier lässt sich wunderbar als Städtereise durch Nordrhein-Westfalen kombinieren.

Wer musicalbegeistert ist: Starlight Express in Bochum ist seit 1988 das langlebigste Musical an einem einzigen Standort weltweit – ein Pflichttermin für alle, die ohnehin schon in der Stadt sind.

Geheimtipp: Das Weitmarer Holz

Direkt angrenzend an den Schlosspark Weitmar liegt das Weitmarer Holz – ein naturnaher Waldpark, der von den meisten Besuchern übersehen wird. Wer den Schlosspark verlässt und ein paar Minuten Richtung Westen läuft, taucht in alten Mischwald ein, der das Stadtleben vergessen lässt.

Das Weitmarer Holz ist ideal für eine ruhige Runde nach dem Kunstspaziergang: keine Skulpturen, keine Führungen, kein Lärm – nur Bäume, Vogelstimmen und gelegentlich ein Eichhörnchen, das über den Weg huscht. Wer den Schlosspark als kulturelle Erfahrung besucht, darf das Weitmarer Holz als natürliche Erholung dazu nehmen. Zusammen ergibt das einen halben Tag, der das Ruhrgebiet von seiner stillen Seite zeigt.

Häufig gestellte Fragen zum Schlosspark Weitmar

  • Ist der Schlosspark kostenlos? Ja – Park und Situation Kunst sind jederzeit kostenlos zugänglich. Nur das Museum unter Tage kostet Eintritt (6 €, ermäßigt 4 €).
  • Was ist Situation Kunst? Eine Freilicht-Kunstsammlung mit 14 Skulpturen internationaler Künstler (u.a. Richard Serra, Lee Ufan), die zur Kunstsammlung der Ruhr-Universität Bochum gehört.
  • Wie komme ich hin? Mit der Straßenbahn Linie 302, Haltestelle Weitmar Mitte. Adresse: Nevelstr. 29c, 44795 Bochum.
  • Was ist Mark 21? Ein Glaskubus, der 2010 in den Ruinen von Haus Weitmar errichtet wurde – heute ein Kulturzentrum für Veranstaltungen und Ausstellungen.
  • Wann ist das Museum unter Tage geöffnet? Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So/Feiertage 12–18 Uhr. Geschlossen 24.12., 25.12. und 1.1.

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