Kalkar
Wer von der A57 Richtung Holland abbiegt und in die Tiefe des Niederrheins eintaucht, entdeckt in Kalkar eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Nordrhein-Westfalens. Was auf den ersten Blick wie ein beschauliches Landstädtchen wirkt, entpuppt sich als lebendiges Freilichtmuseum: Treppengiebelhäuser aus dem 15. Jahrhundert, ein mächtiges gotisches Rathaus, neun hölzerne Schnitzaltäre in der Stadtkirche und ein gepflasterter Marktplatz, der seit Jahrhunderten das Herz der Stadt bildet. Die Stadtanlage von Kalkar ist als internationales Kulturdenkmal anerkannt – und das zu Recht.
Gegründet 1230 von Graf Dietrich von Kleve, erlebte Kalkar im 15. und frühen 16. Jahrhundert seine wirtschaftliche und künstlerische Hochblüte. Reiche Kaufleute und Brauer ließen prachtvolle Häuser bauen, Künstler aus den Niederlanden schufen in der St. Nicolai-Kirche ein Ensemble gotischer Schnitzaltäre, das seinesgleichen sucht. Heute kann man Kalkar hervorragend per Rad erkunden – die Niederrhein-Region lockt mit ausgedehnten Radwegen, Rheinpromenaden und der Nähe zu Holland.
Die Stadt liegt im Kreis Kleve, nur wenige Kilometer vom Rhein entfernt, und bietet eine ideale Ausgangsbasis für Ausflüge zu den benachbarten Städten Xanten, Kleve und Emmerich.
Unsere Reisepakete am Niederrhein
Geschichte und Stadtanlage von Kalkar
Der Name Kalkar geht auf das lateinische Calcaria zurück – was so viel wie Kalkwerk bedeutet – und spiegelt die wirtschaftlichen Anfänge der Siedlung wider. Bereits 1242 erhielt Kalkar das Stadtrecht. Fortan entwickelte sich der Ort zu einem bedeutenden Handels- und Handwerkszentrum am Niederrhein. 42 Brauereien versorgten die Region mit Bier, das Wollwebergewerbe exportierte in die Niederlande, und von 1540 bis 1572 war Kalkar sogar Mitglied der Hanse – als Beistadt zu Wesel. Diese wirtschaftliche Stärke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts hinterließ eine Stadtanlage, die bis heute weitgehend unverändert geblieben ist.
Besonders beeindruckend ist die geschlossene Silhouette der Altstadt, die sich hinter dem mittelalterlichen Mauerring erhebt. Der Stadtgrundriss ist nahezu unverändert erhalten – ein Glück angesichts von Dreißigjährigem Krieg und industrieller Revolution, die andernorts so manche Altstadt zerstört haben. Die internationale Anerkennung als Kulturdenkmal ist nicht nur Auszeichnung, sondern Verpflichtung: Kalkar pflegt sein bauliches Erbe mit Sorgfalt und Sachverstand.
Marktplatz und gotisches Rathaus
Das Herz von Kalkar ist sein mit Rheinkiesel gepflasterter Marktplatz. Stattliche Treppengiebelhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert rahmen ihn ein – ein Bild bürgerlichen Wohlstands, das an flandrische Städte erinnert. Das mächtige gotische Rathaus aus dem Jahr 1446 thront an der Nordseite des Platzes. Es zählt zu den eindrucksvollsten Profanbauten des ausgehenden Mittelalters am Niederrhein: eine dreiflügelige Anlage mit reichem Maßwerk und imposantem Staffelgiebel, die heute noch für Stadtführungen und Veranstaltungen genutzt wird.
Auf dem Marktplatz steht noch die alte Gerichtslinde aus dem Jahr 1545. Unter diesem Baum wurde einst Recht gesprochen – eine Tradition, die den Kalkaranern bis heute am Herzen liegt. 2008 versuchte ein Vandale, den Baum mit Feuer zu zerstören, doch dank eines engagierten Baumchirurgen konnte die Linde gerettet werden. Sie steht bis heute – etwas narbig, aber stoisch.
St. Nicolai-Kirche: Das Juwel von Kalkar
Was der Kölner Dom für Köln ist, ist die St. Nicolai-Kirche für Kalkar – spirituelles und künstlerisches Herzstück der Stadt. Der dreischiffige Backsteinbau aus dem 14. und 15. Jahrhundert beherbergt ein Ensemble von neun holzgeschnitzten gotischen Altären, das in Deutschland einmalig ist. Die bedeutendsten Stücke entstanden in der Werkstatt des Malers Jan Joest van Kalkar, einem der wichtigsten altniederländischen Maler seiner Zeit.
Besonders beeindruckend ist der Hochaltar, der Jan Joest zugeschrieben wird: ein mehrteiliges Schnitzwerk mit Szenen aus dem Leben Jesu, goldverziert und nach fast 600 Jahren noch in einem Zustand, der staunen lässt. Wer Kunstgeschichte liebt, kommt hier auf seine Kosten. Die Kirche ist von innen schlicht und klar gehalten – was die Altäre umso stärker wirken lässt. Führungen werden regelmäßig angeboten und sind sehr empfehlenswert.
Der mächtige Sandsteinturm überragt die Silhouette der Kalkarer Altstadt und ist schon von Weitem sichtbar. Von der Empore aus hat man einen wunderbaren Blick auf das gesamte Mittelschiff – ein Anblick, der auch bei schönem Licht am Nachmittag besonders beeindruckend ist.
Die achtbödige Windmühle von Kalkar
Am Hanselaerer Tor – einem der ehemaligen Stadttore von Kalkar – steht seit 1770 eine achtbödige Windmühle, die zu den besterhaltenen ihrer Art am Niederrhein zählt. Acht Böden, ein hölzernes Mahlwerk, Steinkegel und das klappernde Getriebe: Wer in die Mühle steigt, taucht in eine Welt ein, die vor 250 Jahren noch gelebter Alltag war. Die Mühle ist zu bestimmten Zeiten zugänglich und wird auch für Führungen geöffnet.
Das Ensemble aus Stadttor, Mühle und den angrenzenden historischen Bürgerhäusern gehört zu den meistfotografierten Motiven in Kalkar. Am schönsten anzusehen ist die Windmühle bei Sonnenschein – wenn die weißen Flügel vor dem typisch niederrheinischen Himmel leuchten, versteht man sofort, warum so viele Fotgrafen hier halten.
Was kann man in Kalkar noch alles erleben?
Kalkar ist weit mehr als seine historische Altstadt. Die Umgebung bietet zahlreiche Möglichkeiten für aktive und kulturell interessierte Besucher:
| Aktivität | Details |
|---|---|
| Radfahren | Über 200 km ausgeschilderte Radwege; direkte Anbindung an die Niederrhein-Radrouten |
| Rheinpromenade | In Grieth am Rhein (6 km nördlich) mit Fähre und weitem Blick über den Strom |
| Xanten besuchen | Archäologischer Park mit römischer Geschichte, ca. 15 km südlich |
| Kleve erkunden | Schlosspark, Schwanenburg und niederländische Grenzregion, ca. 12 km westlich |
| Stadtführungen | Geführte Touren durch die Altstadt, buchbar beim Stadtmarketing Kalkar |
| Niederrhein-Wasserschlösser | Mehrere Schlösser und Herrenhäuser in der näheren Umgebung besuchen |
Der Niederrhein ist zudem bekannt für seine endlose Weite und die ruhige Atmosphäre. Wer entschleunigten Urlaub sucht, findet hier genau das Richtige – Felder, Deiche, Obstplantagen und der breite Rhein laden zum Durchatmen ein.
Wunderland Kalkar – Kernie's Familienpark
Auf dem Gelände des ehemaligen Schnellen Brüters Kalkar – einem Kernkraftwerk, das nach jahrzehntelangem Streit nie in Betrieb ging – eröffnete 1996 eines der ungewöhnlichsten Freizeitgeländes Deutschlands: Wunderland Kalkar mit Kernie's Familienpark. Der markante Kühlturm, einst Symbol eines gescheiterten Atomprojekts, beherbergt heute eine Kletterwand und ist das unverwechselbare Wahrzeichen des Parks.
Kernie's Familienpark bietet über 40 Fahrgeschäfte und Attraktionen für Kinder und Familien:
- Achterbahnen, Wildwasser-Rafting und Kinderkarussells
- Einzigartiger Kühlturm mit Kletterwand (53 Meter hoch)
- Hotel, Camping und Gastronomie direkt auf dem Gelände
- Saisonal geöffnet von März bis November (Öffnungszeiten auf der offiziellen Website prüfen)
Für Familien mit Kindern ist Wunderland Kalkar ein eigenes Ausflugsziel – oder sogar ein komplettes Kurzurlaubsziel für ein ganzes Wochenende. Der Eintritt ist erschwinglich, das Gelände weitläufig, und die skurrile Geschichte des Ortes sorgt für Gesprächsstoff.
Grieth am Rhein – die kleine Hansestadt
Nur sechs Kilometer nördlich von Kalkars Stadtkern liegt Grieth am Rhein, ein altes Fisch- und Schifferstädtchen, das 1969 eingemeindet wurde. Die Rheinpromenade von Grieth ist ein echter Geheimtipp unter Radfahrern und Spaziergängern: Mit Blick auf den breiten Rhein und die niederländischen Polder auf der anderen Seite lässt es sich hier wunderbar entspannen. Eine Fähre verbindet Grieth mit dem gegenüberliegenden Ufer und macht Tagesausflüge nach Holland besonders unkompliziert. Die Kombination aus stiller Naturlandschaft, historischer Dorfstruktur und dem lebendigen Rhein direkt vor der Haustür macht Grieth zu einem der charmantesten Fleckchen am Niederrhein.
Praktische Informationen für Kalkar-Besucher
Damit Ihr Besuch in Kalkar reibungslos verläuft, finden Sie hier die wichtigsten Informationen kompakt zusammengefasst:
| Thema | Information |
|---|---|
| Anreise mit dem Auto | A57 Richtung Nijmegen, Ausfahrt Kalkar; von Düsseldorf ca. 65 km, von Köln ca. 100 km |
| Anreise mit der Bahn | Nächster Bahnhof: Xanten (RE-Verbindung), von dort ca. 15 km per Bus oder Taxi |
| Parken | Kostenlose Parkplätze am Stadtrand; kurze Fußwege in die Altstadt |
| Beste Reisezeit | April bis Oktober; Mai und Juni ideal für Radtouren und blühende Obstplantagen |
| Stadtführungen | Buchbar über das Stadtmarketing Kalkar; auch auf Niederländisch verfügbar |
| St. Nicolai-Kirche | Täglich geöffnet von April bis Oktober; im Winter eingeschränkte Zeiten |
| Wunderland Kalkar | Saisonal von März bis November geöffnet; aktuelle Öffnungszeiten auf der offiziellen Website |
| Übernachten | Hotels in Kalkar und Umgebung; auch Camping direkt am Wunderland Kalkar möglich |
Unsere Hotels am Niederrhein
Häufige Fragen zu Kalkar
Was sind die bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Kalkar?
Die St. Nicolai-Kirche mit neun gotischen Schnitzaltären, das Rathaus von 1446, die achtbödige Windmühle und der historische Marktplatz. Für Familien: Wunderland Kalkar mit Kernies Familienpark.
Wie komme ich am besten nach Kalkar?
Mit dem Auto über die A57, Ausfahrt Kalkar. Mit der Bahn bis Xanten (RE), von dort ca. 15 km weiter. Mit dem Fahrrad über die Niederrhein-Radrouten.
Wann ist die beste Reisezeit?
April bis Oktober ist ideal – mit Radtouren, Rheinpromenaden und geöffnetem Wunderland Kalkar. Im Winter lohnt sich ein Besuch zum Weihnachtsmarkt.
Kann man in Kalkar gut Fahrrad fahren?
Ja, Kalkar liegt an mehreren Niederrhein-Radrouten. Beliebte Touren führen entlang des Rheins nach Grieth und Emmerich oder südlich nach Xanten.
Unser Geheimtipp: Das Rheinvorland bei Grieth
Wer die bekannten Touristenpfade verlässt, entdeckt nördlich von Kalkar ein Stück unberührter Niederrhein-Landschaft: das Rheinvorland bei Grieth. Hier, wo der Rhein breiter und ruhiger wirkt als anderswo, ziehen im Frühjahr Weißstörche ihre Kreise, und im Herbst rasten Tausende von Wildgänsen und Enten auf den Feldern und Schlickflächen – ein Naturspektakel, das Vogelbeobachter aus ganz Europa anzieht. Die schmalen Deichpfade eignen sich perfekt für Spaziergänge und entspannte Radeltouren ohne Abgase und Hektik. Wer Glück hat, trifft beim Gastwirt in Grieth auf einen Stammtisch, der die Geschichte des Dorfes besser kennt als jedes Reiseführerkapitel – authentischer kann Niederrhein kaum sein.