Anna-Amalia-Bibliothek

© Maik Schuck

In einer Stadt, die gleich mehrfach zur Kulturhauptstadt der Welt werden könnte, steht ein Gebäude, das selbst erfahrene Bibliotheksbesucher sprachlos macht: die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar. Benannt nach ihrer bedeutenden Gründerin, gehört sie heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und zählt zu den ältesten und bedeutsamsten Forschungsbibliotheken Deutschlands.

Was diese Bibliothek so außergewöhnlich macht? Nicht allein die rund 1,1 Millionen Bücher, Handschriften und Dokumente, die hier aufbewahrt werden. Es ist vor allem der dreigeschossige Rokokosaal im Herzen des Grünen Schlosses – ein Raum, der Geschichte und Ästhetik so selbstverständlich verbindet, dass man ihn gesehen haben muss. Wer einmal in diesem Saal gestanden hat, versteht sofort, warum er zu den meistfotografierten Bibliotheksräumen der Welt gehört.

Geschichte der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek

Die Geschichte der Bibliothek reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Bereits 1562 wurde am Weimarer Hof eine herzogliche Büchersammlung angelegt. Den entscheidenden Aufschwung erlebte sie jedoch unter Herzogin Anna Amalia, die von 1756 an als Regentin fungierte und Weimar zum intellektuellen Zentrum der deutschen Aufklärung machte.

1766 ließ sie das historische Gruene Schloss zu einer repräsentativen Bibliothek umbauen – das heutige Hauptgebäude mit dem berühmten Rokokosaal. Unter ihrer Ägide versammelten sich in Weimar die größten Geister der Epoche: Goethe lebte hier mehr als fünfzig Jahre, Schiller, Herder und Wieland wirkten in der Stadt. Die Bibliothek war ihr intellektueller Treffpunkt.

JahrEreignis
1562Gründung der herzoglichen Büchersammlung am Weimarer Hof
1766Umbau des Grünen Schlosses zur Bibliothek unter Herzogin Anna Amalia
1825Umbenennung in Großherzogliche Bibliothek
1991Eingliederung in die Stiftung Weimarer Klassik
1998UNESCO-Welterbe-Status für das klassische Weimar
2004Verheerender Brand – rund 50.000 Bände unwiederbringlich verloren
2007Wiedereröffnung nach aufwendiger Restaurierung und Umbenennung

Im September 2004 erschütterte ein katastrophaler Brand die Bibliothek: Rund 50.000 Bände wurden unwiederbringlich zerstört, darunter wertvolle Musikhandschriften und Inkunabeln. 62.000 Exemplare konnten gerettet werden – dank über 500 Freiwilliger, die Bücher in einer Menschenkette aus dem brennenden Gebäude trugen. Auch der Rokokosaal wurde schwer beschädigt. Die Restaurierung dauerte drei Jahre, kostete rund 13 Millionen Euro und wurde von Bund, Freistaat Thüringen und privaten Spendern getragen. Zum 200. Todestag der Herzogin 2007 öffnete die Bibliothek ihre Pforten wieder.

Lohnt sich ein Besuch der Anna-Amalia-Bibliothek?

Eindeutig ja. Wer Weimar besucht und die Anna-Amalia-Bibliothek auslässt, verpasst eine der schönsten Bibliotheken der Welt. Der Rokokosaal gehört zu jenen Orten, die man fotografieren möchte – und dann doch einfach nur staunend betrachtet, weil die Wirkung des Raumes alle Erwartungen übertrifft. Die Eintrittspreise sind moderat, die Atmosphäre einmalig. Einzige Einschränkung: Der Rokokosaal ist oft wochen- oder monatelang im Voraus ausgebucht. Tickets sollten daher unbedingt frühzeitig online reserviert werden.

Der Rokokosaal – barocke Pracht auf drei Ebenen

Wer den Rokokosaal betritt, betritt eine andere Zeitebene. Drei umlaufende Galerien übereinander, gesäumt von tausenden historischen Büchern in original Ledereinbänden, golden schimmernde Ornamente, Deckengemälde und Büsten großer Denker der Weimarer Klassik – dieser Raum ist das Herzstück der Bibliothek und zugleich eines der eindrucksvollsten historischen Interieurs Deutschlands.

Der Saal entstand zwischen 1761 und 1766 nach Entwürfen von Johann Michael Kracht. Das Gebäude – das Grüne Schloss – wurde bereits im 16. Jahrhundert errichtet und diente ursprünglich als herzogliches Wohngebäude. Der charakteristische ovale Grundriss und die geschwungenen Galeriebrüstungen mit ihrem vergoldeten Schmuck gelten als eines der vollständigsten Zeugnisse der Rokokodekoration im deutschsprachigen Raum.

  • Entstehung: 1761–1766, Entwurf von Johann Michael Kracht
  • Raumform: Ovaler Grundriss, drei Galerien-Ebenen
  • Buchbestand: ca. 60.000 Bände aus dem 16. bis 19. Jahrhundert
  • Besonderheit: Originalausstattung trotz Brand von 2004 weitgehend erhalten
  • Besuchszeit: Empfohlen 20–30 Minuten; geführte Touren verfügbar
  • Tickets: Vorabkauf online dringend empfohlen – oft Monate ausgebucht

Besonders beeindruckend sind die in die Wände eingelassenen Deckengemälde sowie die originale Interieurausstattung, die trotz des Brandes von 2004 in weiten Teilen gerettet werden konnte. Nach der sorgfältigen Restaurierung präsentiert sich der Saal seit 2007 wieder in voller Pracht – als lebendige Schatzkammer des Wissens und als Mahnmal für den Wert kulturellen Erbes.

Was gibt es in der Anna-Amalia-Bibliothek zu sehen?

Die Bibliothek ist weit mehr als ein einzelner Saal. Das gesamte Ensemble bietet Kulturinteressierten viel zu entdecken:

  • Rokokosaal: Das weltberühmte Herzstück – dreigeschossiger Bibliothekssaal mit Originalausstattung aus dem 18. Jahrhundert
  • Studienzentrum: Moderner Forschungsbau (eröffnet 2005) mit Lesesälen und Zugang zu historischen Beständen
  • Buchmuseum: Wechselnde Ausstellungen zu Buchkultur, Handschriften und Bibliotheksgeschichte
  • Digitale Sammlungen: Große Teile des Bestands auch online über die Website der Klassik Stiftung Weimar zugänglich
  • Sonderausstellungen: Regelmäßige Ausstellungen zu Themen der Weimarer Klassik, Reformation und Buchgeschichte
  • Führungen: Öffentliche und private Führungen durch die Bibliothek, teils auch für Schulklassen

Adresse Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
Platz der Demokratie 1, 99423 Weimar

Öffnungszeiten Anna-Amalia-Bibliothek Weimar
Rokokosaal: Informationen zu den Öffnungszeiten finden Sie hier
Studienzentrum: Informationen zu den Öffnungszeiten finden Sie hier

Hinweis: Tickets für den Rokokosaal unbedingt vorab online buchen – der Saal ist oft Wochen im Voraus ausgebucht!

Weimar – eine Stadt, die Geschichte schrieb

Die Anna-Amalia-Bibliothek steht nicht allein – sie ist Teil eines kulturhistorischen Ensembles, das seinesgleichen sucht. Weimar, die kleine Residenzstadt im Herzen Thüringens, beherbergt auf wenigen Quadratkilometern eine bemerkenswerte Dichte an Welterbestätten, Museen und bedeutenden historischen Orten.

Das klassische Weimar – mit Goethes Wohnhaus am Frauenplan, dem Deutschen Nationaltheater, dem Schillermuseum und dem weitläufigen Park an der Ilm – wurde 1998 gemeinsam mit den Bauhaus-Stätten Weimars und Dessaus als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Die Stadt trägt diesen Titel nicht als museale Last, sondern als lebendige Verpflichtung: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Festivals machen Weimar das ganze Jahr über zu einem kulturellen Hotspot – und das bei einer Einwohnerzahl von nur rund 65.000 Menschen.

© Weimar GmbH

Weitere Sehenswürdigkeiten in Weimar

  • Goethes Wohnhaus am Frauenplan: Über 50 Jahre lebte Johann Wolfgang von Goethe hier – heute Museum mit originalem Interieur
  • Schillers Wohnhaus: Die letzte Wirkungsstätte Friedrich von Schillers, beeindruckend authentisch erhalten
  • Deutsches Nationaltheater: Symbol der deutschen Demokratie und Wiege der Weimarer Republik mit dem berühmten Goethe-Schiller-Denkmal
  • Park an der Ilm: 58 Hektar englischer Landschaftspark, ebenfalls UNESCO-Welterbe – ideal für Spaziergänge zwischen Kulturbesuchen
  • Bauhaus-Museum Weimar: Schule, die das Design und die Architektur des 20. Jahrhunderts revolutionierte
  • Schloss Tiefurt: Ehemaliges Sommerschloss der Herzogin Anna Amalia, ruhige Alternative abseits des Stadtzentrums
  • Fürstengruft Weimar: Letzte Ruhestätte von Goethe und Schiller im historischen Friedhofspark

Ein Kultururlaub in Weimar lässt sich wunderbar mit einem Besuch der Umgebung verbinden. Das Thüringer Klassikerland mit Erfurt, Jena und dem Thüringer Wald liegt in unmittelbarer Nähe. Wer mehr als einen Tag plant, kann Weimars Kulturschätze in aller Ruhe erkunden – und abends in einem der gemütlichen Restaurants rund um den Marktplatz entspannen.

© Maik Schuck

Häufige Fragen zur Anna-Amalia-Bibliothek

Kann man die Anna-Amalia-Bibliothek einfach so besuchen?

Den Rokokosaal können Sie nur mit einem vorab gebuchten Ticket besuchen. Da er sehr begehrt ist, empfiehlt sich eine frühzeitige Online-Buchung über die Website der Klassik Stiftung Weimar – die Termine sind oft mehrere Wochen bis Monate im Voraus ausgebucht. Das Studienzentrum ist für Forscher und angemeldete Benutzer zugänglich.

Was kostet der Eintritt in die Anna-Amalia-Bibliothek?

Die aktuellen Eintrittspreise für den Rokokosaal finden Sie auf der offiziellen Website der Klassik Stiftung Weimar. Üblicherweise gibt es Einzel- und Gruppenpreise sowie ermäßigte Tarife für Kinder, Schüler und Studenten. Der Besuch ist auch im Rahmen von Kombi-Tickets mit anderen Weimarer Klassik-Stätten möglich.

Wann wurde die Anna-Amalia-Bibliothek gegründet?

Die Ursprünge der Bibliothek gehen auf das Jahr 1562 zurück, als am Weimarer Hof eine herzogliche Büchersammlung angelegt wurde. Den heutigen Rokokosaal ließ Herzogin Anna Amalia ab 1766 im Grünen Schloss einrichten. Nach dem Brand von 2004 wurde die Bibliothek 2007 wiedereröffnet und seither offiziell nach ihrer Gründerin benannt.

Ist die Anna-Amalia-Bibliothek für Kinder geeignet?

Für kulturell interessierte Kinder ab etwa 8 bis 10 Jahren ist ein Besuch durchaus lohnenswert. Der Rokokosaal beeindruckt auch jüngere Besucher mit seiner prachtvollen Architektur. Die Klassik Stiftung Weimar bietet zudem spezielle Führungen und Vermittlungsprogramme für Schulklassen an.

Geheimtipp: Das Studienzentrum entdecken

Wer mehr als nur den Rokokosaal erleben möchte, sollte das Studienzentrum der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek besuchen – ein moderner Neubau, der 2005 eröffnet wurde und die historische Forschungsbibliothek optimal ergänzt. Die öffentlichen Lesesäle bieten einen stillen Rückzugsort, und gelegentlich sind historische Exponate zu sehen, die im Rokokosaal keinen Platz finden. Das Studienzentrum ist unter Besuchern deutlich weniger bekannt – wer es betritt, hat oft das Gefühl, einen echten Insidertipp entdeckt zu haben. Perfekt für alle, die Weimar nicht nur als Tourist, sondern als Entdecker erleben wollen.

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