Altstadt Aschaffenburg

Altstadt Aschaffenburg – historische Gassen rund um Schloss und Stiftskirche

Aschaffenburg trägt einen Beinamen, der neugierig macht: das Bayerische Nizza. Wer die Altstadt zum ersten Mal betritt, versteht schnell warum – zwischen Schloss Johannisburg, echtem fränkischen Wein und einem originalgetreuen römischen Haus direkt am Main liegt mehr Charakter als in manchem bekannteren Reiseziel. Dabei ist die Stadt von Frankfurt aus in knapp 30 Minuten per Zug erreichbar.

Die Altstadt Aschaffenburg ist kompakt, fußläufig erschlossen und hat dabei erstaunlich viel zu bieten: Weltklasse-Kunst im Schloss, antike Architektur am Mainufer, bayernweit den größten Magnolien-Hain und eine Weinstubenkultur, die man so in Bayern selten findet. Dieser Guide führt dich durch alles, was die Altstadt sehenswert macht.

Das Bayerische Nizza – Aschaffenburg auf einen Blick

Aschaffenburg liegt in Unterfranken und war bis 1803 Residenzstadt der Mainzer Kurfürsten. Die wichtigsten Fakten auf einen Blick:

MerkmalInfo
LageUnterfranken, Bayern, direkt am Main, ca. 40 km von Frankfurt
BeinamenBayerisches Nizza (König Ludwig I.) / Aschebersch (lokal)
Erste Erwähnung974 n. Chr. (Kaiser Otto II.)
HöhepunkteSchloss Johannisburg, Pompejanum, Stiftsbasilika, Park Schöntal
AnreiseZug ab Frankfurt ca. 25–30 Min., A3 mit dem Auto
Beste ReisezeitFrühling (Magnolienblüte) und Herbst (Weinsaison)
GastronomieHöchste Gaststättendichte Bayerns (1 Lokal pro 400 Einwohner)

Bis zur Säkularisierung 1803 war Aschaffenburg Residenz der Mainzer Erzbischöfe und damit eines der geistlichen Machtzentren des Heiligen Römischen Reiches. Dieser Hintergrund erklärt die Fülle an Kunst, Architektur und Kulturschätzen, die man in einer Stadt dieser Größe nicht unbedingt erwartet.

Was macht die Altstadt Aschaffenburg so besonders?

Die ehrliche Antwort: Es sind die Dichte und Vielfalt ihrer Sehenswürdigkeiten. Auf einem Spaziergang von kaum zwei Kilometern begegnen dir ein bedeutendes Renaissanceschloss, ein originalgetreues römisches Wohnhaus, eine romanisch-gotische Basilika, ein Parkjuwel mit dem größten Magnolien-Hain Bayerns und ein Stadtplatz als riesige Sonnenuhr. So eine Konzentration an Kulturschätzen findet man selten – und Aschaffenburg ist dabei weit weniger überlaufen als Würzburg oder Bamberg.

Schloss Johannisburg – das rote Wahrzeichen

Das Schloss Johannisburg ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt. Der mächtige vierflügelige Renaissancebau aus rotem Mainsandstein wurde zwischen 1605 und 1614 nach Plänen des Straßburger Baumeisters Georg Ridinger errichtet – als Sommerresidenz der Mainzer Kurfürsten. Heute beherbergt das Schloss die Bayerische Staatsgalerie mit Gemälden von Lucas Cranach dem Älteren und Peter Paul Rubens, prachtvolle Fürstenräume und die weltgrößte Sammlung historischer Korkmodelle.

  • Öffnungszeiten: Di–So, 9–18 Uhr (Sommer) / 10–16 Uhr (Winter), montags geschlossen
  • Eintritt: 7 € / ermäßigt 6 € / Kinder unter 18 Jahren frei
  • Kombiticket mit Pompejanum: 10 € – sehr empfehlenswert
  • Adresse: Schlossplatz 4, 63739 Aschaffenburg

Pompejanum – Antikes Rom am Main

Das Pompejanum ist einer der faszinierendsten Bauten Deutschlands – und kaum jemand außerhalb der Region kennt ihn. König Ludwig I. ließ zwischen 1840 und 1848 ein originalgetreues römisches Wohnhaus aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. an den Mainhang setzen: ein Haus ohne Fenster zur Straße, dessen Licht ausschließlich durch Innenhöfe fällt, mit Atrium, Impluvium, prachtvollen Wandmalereien und originalen römischen Kunstwerken. Rund um das Gebäude wachsen Feigenbäume, Zypressen und Mandelbäume – ein mediterranes Ambiente mitten in Franken.

Das Pompejanum diente nicht als Wohngebäude, sondern als Bildungseinrichtung: Ludwig I. wollte den Deutschen ermöglichen, das gerade erst ausgegrabene pompejanische Alltagsleben hautnah zu erleben, ohne nach Italien reisen zu müssen. Die erhöhte Lage am Mainufer bietet dazu einen atemberaubenden Panoramablick auf Schloss Johannisburg.

Sehenswürdigkeiten in der Altstadt Aschaffenburg

Stiftsbasilika St. Peter und Alexander

Die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander ist die älteste Kirche Aschaffenburgs und vereint auf beeindruckende Weise verschiedene Epochen: romanisches Langhaus aus dem 12. Jahrhundert, gotischer Turm aus dem 15. Jahrhundert und barocke Ausstattung. 1958 erhob Papst Pius XII. sie zur Basilica minor – eine der höchsten Auszeichnungen des Vatikans für eine Pfarrkirche. Im Inneren finden sich Werke von Matthias Grünewald und Lucas Cranach dem Älteren, darunter die eindringliche „Beweinung Christi" von Grünewald. Das angrenzende Stiftsmuseum am Stiftsplatz beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen sakraler Kunst in Unterfranken.

Park Schöntal – Bayerns größter Magnolien-Hain

Der Park Schöntal ist Aschaffenburgs grüner Geheimtipp. Der rund neun Hektar große Landschaftspark wurde um 1780 von Friedrich Ludwig von Sckell angelegt – dem späteren Schöpfer des Englischen Gartens in München. Das besondere Highlight: Mit über 40 Magnolien-Bäumen beherbergt der Park den größten Magnolien-Hain Bayerns. Im Frühling, wenn die Magnolien blühen (März bis April), lockt das Schauspiel Besucher aus ganz Deutschland. Im Park spiegelt sich eine historische Stadtmauerruine aus dem 16. Jahrhundert im Teich – im Sommer finden hier die beliebten Schöntalkonzerte unter freiem Himmel statt.

Theaterplatz, Schlossplatz und Altstadtgassen

Der Theaterplatz im Herzen der Altstadt ist selbst ein Kunstwerk: Der Platz ist als riesige Sonnenuhr angelegt – nach dem Vorbild der Augustussonnenuhr in Rom. Ein 6,40 Meter hoher Gnomon zeigt auf dem Pflaster die Uhrzeit an. Am Schlossplatz direkt daneben findet jeden Mittwoch und Samstag (7–13 Uhr) der traditionelle Wochenmarkt mit bis zu 50 regionalen Händlern statt: fränkische Bratwürste, Spargel aus der Region, lokale Käsespezialitäten und fränkischer Wein.

SehenswürdigkeitHighlightsInfos
Schloss JohannisburgCranach-Gemälde, Korkmodelle, PrunkräumeDi–So, 9–18 Uhr (Sommer)
PompejanumOriginalgetreues röm. Wohnhaus, PanoramablickDi–So, Apr.–Okt.
StiftsbasilikaGrünewald, Cranach, StiftsmuseumTäglich zugänglich
Park SchöntalBayerns größter Magnolien-Hain, KonzerteGanzjährig frei
TheaterplatzRiesige Sonnenuhr nach röm. Vorbild, StadtloggiaRund um die Uhr
Schlossplatz-MarktRegionaler Wochenmarkt, Wein und SpezialitätenMi + Sa, 7–13 Uhr

Bild: © Kongress und Tourismus Aschaffenburg, Holger Leue

Kulinarik und Frankenwein in der Altstadt

Mit einer Gaststätte pro 400 Einwohner hat Aschaffenburg die höchste Gaststättendichte Bayerns – eine ernste Auszeichnung für Genussreisende. In den Altstadtgassen wechseln urige Weinstuben, Brauhäuser und fränkische Wirtshäuser einander ab. Der Frankenwein kommt traditionell im klassischen 0,25-Liter-Schoppen – trocken, mineralisch und am besten begleitet von fränkischen Spezialitäten.

SpezialitätBeschreibung
Fränkische BratwurstKleine, würzige Bratwurst – am besten frisch vom Schlossplatz-Markt
Blaue ZipfelBratwürste im Essigsud mit Zwiebeln – eine typisch fränkische Delikatesse
SchäufeleGeschmorte Schweineschulter, fränkischer Hausklassiker
Frankenwein / SilvanerTrocken, mineralisch – traditionell im 0,25-l-Schoppen serviert
Grüne SoßeKräutersoße zu Eiern und Kartoffeln – fränkisch-hessische Grenzküche

Wer kulinarisch in die Stadtgeschichte eintauchen möchte, dem sei die Schlappeseppel-Brauerei empfohlen – seit 1631 in Betrieb, mit eigenem Faust-Bier und deftiger Hausmannskost. Für Weinfreunde lohnen die Weinstuben rund um den Stiftsplatz. Hier ist es leicht, den Nachmittag beim Silvaner-Schoppen zu verbringen.

Aschaffenburg liegt günstig zwischen Spessart, Main und dem Rhein-Main-Gebiet. Für Tagesausflüge bieten sich das mittelalterliche Miltenberg (ca. 30 km), das märchenhafte Wasserschloss Mespelbrunn im Spessart (ca. 25 km) oder der Landschaftspark Schloss Schönbusch (nur 3 km westlich) an. Wer mehr Zeit hat, erkundet am besten den Spessart mit seinen über 4.300 km markierten Wanderwegen.

Häufige Fragen zur Altstadt Aschaffenburg

Was sind die schönsten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt Aschaffenburg?

Die Highlights sind Schloss Johannisburg (bedeutendstes Renaissanceschloss am Main, mit Cranach-Gemälden und der weltgrößten Korkmodell-Sammlung), das Pompejanum (originalgetreues römisches Wohnhaus), die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander sowie der Park Schöntal mit dem größten Magnolien-Hain Bayerns. Alle Sehenswürdigkeiten liegen fußläufig zusammen.

Warum heißt Aschaffenburg das Bayerische Nizza?

König Ludwig I. von Bayern verlieh der Stadt diesen Spitznamen wegen des ungewöhnlich milden Klimas. Aschaffenburg gilt als der wärmste Ort Bayerns. Ludwig I. liebte die Stadt so sehr, dass er hier das Pompejanum errichten ließ – ein originalgetreues römisches Wohnhaus, das das südliche Flair der Stadt unterstreicht.

Wie komme ich nach Aschaffenburg?

Von Frankfurt am Main gelangt man in ca. 25–30 Minuten per Regional- oder IC-Zug nach Aschaffenburg. Mit dem Auto über die A3 (Abfahrten Aschaffenburg-West oder Aschaffenburg-Ost). In der Innenstadt gibt es mehrere Parkhäuser, darunter eines direkt am Schlossplatz.

Wann ist die beste Reisezeit für Aschaffenburg?

Im Frühling (März bis April) blühen im Park Schöntal über 40 Magnolien-Bäume – der größte Magnolien-Hain Bayerns. Im Sommer bietet das Mainufer mediterranes Flair. Im Herbst lockt die fränkische Weinsaison in den Altstadtweinstuben. Im Advent gibt es einen stimmungsvollen Weihnachtsmarkt am Schlossplatz.

Lohnt sich Aschaffenburg für einen Tagesausflug?

Ja, absolut. Die kompakte Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Alle Hauptsehenswürdigkeiten – Schloss Johannisburg, Pompejanum, Stiftsbasilika, Park Schöntal – liegen nah beieinander. Für einen entspannten Tag inklusive Museumsbesuch und Mittagessen in einem fränkischen Wirtshaus plant man ca. 6–8 Stunden ein.

Geheimtipp: Die weltgrößte Korkmodell-Sammlung im Schloss Johannisburg

Viele Besucher des Schloss Johannisburg gehen an ihr achtlos vorbei – dabei ist die Korkmodell-Sammlung im zweiten Stockwerk eine der faszinierendsten Sammlungen ihrer Art weltweit. 54 filigrane Nachbauten antiker Bauwerke aus Korkmaterial – darunter ein Modell des Kolosseums im Maßstab 60:1 (3,49 × 2,94 Meter) – schuf der Aschaffenburger Konditor Carl Joseph May (1747–1822) in jahrzehntelanger Handarbeit. Sein Werkzeug: Küchenmesser. Sein Material: Korken aus fränkischen Weinstuben.

May war kein Architekt und kein Bildner – aber seine Korkmodelle übertrafen in Präzision und Schönheit alles, was bis dahin an architektonischen Miniaturen existierte. Heute gelten die Arbeiten als einzigartiges kulturelles Erbe und sind dauerhaft in der Sammlung des Schlosses zu sehen.

Noch ein echter Tipp für Eingeweihte: Unterhalb des Pompejanums wächst ein kleiner historischer Weinberg, dessen Ertrag so minimal ist, dass der Wein – der „Pompejaner" – ausschließlich bei offiziellen Stadtempfängen ausgeschenkt wird. Kaufen kann man ihn nirgends. Aber das Wissen darum macht den Blick auf den Mainhang beim nächsten Besuch ein kleines bisschen besonderer.

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