Technisches Museum U 995 Kiel
Technisches Museum U 995 Laboe
67 Meter Stahl, Diesel und Geschichte liegen direkt am Strand von Laboe – und seit 1972 strömen Besucher aus aller Welt hierher, um sich in eine Enge zu quetschen, die man eigentlich sofort wieder verlassen möchte. Genau das macht das Technische Museum U 995 zu einem der beeindruckendsten Orte an der Kieler Bucht: Es zeigt Geschichte nicht durch Bildschirme und Infotafeln, sondern durch bloße, unbequeme Präsenz.
Das U 995 ist das einzige noch erhaltene U-Boot des Typs VII C/41 weltweit – und es ist das originale, echte, nie für Museen gebaute Ding. Kein Nachbau, kein Modell. Wer durch den engen Mittelgang schreitet, vorbei an Torpedorohren und winzigen Schlafkojen für 45 Mann, bekommt unweigerlich eine Vorstellung davon, wie es war. Und zwar nicht im romantischen Sinne.
Ein Besuch lohnt sich für Geschichtsinteressierte, Familien und alle, die Kiel sowieso besuchen wollen. Das Museum liegt in Laboe, rund 20 Fahrminuten vom Stadtzentrum entfernt – kombinierbar mit dem direkt danebenliegenden Marine-Ehrenmal. Ein Ausflug, der bleibt.
Was erwartet mich im Technischen Museum U 995?
Kurze Antwort: enge Gänge, viel Technik, echte Beklemmung – und ein Gefühl der Dankbarkeit, dass man am Ende wieder ins Freie kann. Ausführlicher:
- Länge: 67 Meter – klingt lang, fühlt sich innen aber nie so an
- Besatzung: 45 Mann auf engstem Raum, rund um die Uhr, monatelang
- Technik: Originale Dieselmotoren, Torpedorohre, Navigationsgeräte und Steueranlage
- Schlafbereich: Kojen, die für normalagroße Männer gemacht wurden – ohne jeden Komfort drumherum
- Führungen: Täglich um 14:30 Uhr (April bis Oktober) durch das Boot
Das Beeindruckendste am Besuch ist die schiere Realität, die das Boot verströmt. Draußen Ostseebrise, drinnen ölriechende Enge. Man kann an den Originalbedienelementen stehen und sich fragen, wie das überhaupt möglich war. Die Torpedorohre wirken noch immer bedrohlich, die Navigationsgeräte faszinierend analog. Dieser Ort macht Geschichte begreifbar – ohne ein einziges Erklärvideo.
Praktische Infos auf einen Blick
| Information | Details |
|---|---|
| Adresse | Strandstraße 92, 24234 Laboe |
| Anfahrt Bus | Linie 100 ab Kiel Hauptbahnhof, Haltestelle Laboe Strand |
| Anfahrt Auto | Ca. 20 Minuten von Kiel-Zentrum über die B502 |
| Anfahrt Fähre | Förde-Fähre ab Kiel-Bollhörnkai (sehr empfehlenswert!) |
| Parkplätze | Vorhanden, in der Saison kostenpflichtig |
| Barrierefreiheit | Eingeschränkt (enge Luken, steile Treppen im U-Boot) |
| Kombibuchung | Kombi-Ticket mit Marine-Ehrenmal erhältlich |
Bild: © Landeshauptstadt Kiel – Annemarie Teegen
Geschichte des U-Bootes U 995
U 995 wurde 1943 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaut – einer der produktivsten U-Boot-Werften des Zweiten Weltkriegs. Es gehört zum Typ VII C/41, dem meistgebauten Kriegsschifftyp der Geschichte. Allein vom Typ VII C wurden über 600 Boote gebaut. U 995 war darunter eines der letzten – und das einzige, das heute noch begehbar erhalten ist.
Unter dem Kampfnamen „Hecht" lief U 995 ab Herbst 1943 insgesamt neun Feindfahrten – hauptsächlich im Nordmeer und vor der norwegischen Westküste. Es war an der Versenkung eines britischen Zerstörers und mehrerer Frachtschiffe beteiligt. Eine bemerkenswerte Kampfbilanz – und gleichzeitig ein Tropfen im Ozean der Verluste: Über 30.000 der rund 40.000 deutschen U-Boot-Fahrer kamen nicht zurück.
Eine Geste der Versöhnung
Nach Kriegsende fiel U 995 als Kriegsbeute zunächst an Großbritannien, dann an die Königlich Norwegische Marine. 1965 übergab Norwegen das Boot für die symbolische Summe von einer Deutschen Mark an Deutschland zurück – eine Geste der Versöhnung, die bis heute bewegt.
Was folgte, war eine logistische Großaktion: Zwei Schwimmkräne transportierten das Boot 1972 durch einen eigens ausgebaggerten, 500 Meter langen Kanal (3 Meter tief, 42 Meter breit) direkt an den Laboer Strand. Seitdem haben über 13 Millionen Besucher das Boot besichtigt.
| Steckbrief U 995 | Details |
|---|---|
| Typ | VII C/41 (Hochsee-U-Boot) |
| Baujahr | 1943 (Blohm & Voss, Hamburg) |
| Länge | 67,1 Meter |
| Breite | 6,2 Meter |
| Besatzung | 45 Mann |
| Feindfahrten | 9 (Nordmeer & Norwegische Küste) |
| Rückgabe an Deutschland | 1965 für 1 Deutsche Mark |
| Museum seit | 13. März 1972 |
| Besucher gesamt | über 13 Millionen |
Bild: © Landeshauptstadt Kiel – Martina Hansen
Öffnungszeiten und Eintrittspreise im Überblick
Das Technische Museum U 995 und das benachbarte Marine-Ehrenmal sind das ganze Jahr geöffnet – mit saisonalen Öffnungszeiten. Im Sommer hat man die meiste Zeit, um alles in Ruhe zu erkunden.
| Zeitraum | Öffnungszeiten |
|---|---|
| 1. November – 28. Februar | 10:00 – 16:00 Uhr |
| 1. – 31. März | 09:30 – 17:00 Uhr |
| 1. April – 31. Mai | 09:00 – 18:00 Uhr |
| 1. Juni – 30. September | 09:00 – 19:00 Uhr |
| 1. – 31. Oktober | 09:30 – 17:00 Uhr |
| 24. & 31. Dezember | 10:00 – 14:00 Uhr |
Eintrittspreise
| Kategorie | Marine-Ehrenmal | U-Boot U 995 | Kombi-Ticket |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 6,00 € | 4,50 € | 9,50 € |
| Schüler / Soldaten | 4,00 € | 3,30 € | 6,50 € |
| Kinder (6–17 Jahre) | 4,00 € | 3,30 € | 6,50 € |
| Schwerbehinderte (ab 50 %) | 5,50 € | 4,00 € | 8,80 € |
| Familienkarte (2 Erw. + 2–4 Kinder) | 18,00 € | – | 27,00 € |
Tipp: Gruppen ab 15 Personen erhalten Sonderkonditionen. Aktuelle Preise und Sonderöffnungszeiten findest du immer auf der offiziellen Seite des Deutschen Marinebunds.
Bild: © Landeshauptstadt Kiel – Bodo Quante
Das Marine-Ehrenmal Laboe und die Kieler Bucht
Direkt neben dem U 995 ragt der markante Turm des Marine-Ehrenmals 72 Meter in den norddeutschen Himmel. Erbaut zwischen 1927 und 1936 als Gedenkstätte für die Gefallenen der Seeschlachten beider Weltkriege – aller Nationen. Wer die 341 Stufen erklimmt – oder einen der Aufzüge nimmt – wird mit einem Panoramablick über die Kieler Bucht und die Ostsee belohnt, der kaum zu überbieten ist.
Die Kuppelhalle im Inneren trägt Gedenktafeln mit Tausenden von Namen. Eine ruhige, würdevolle Atmosphäre, die gut zum benachbarten U-Boot passt. Beide Attraktionen zusammen ergeben einen Halbtagsausflug, der sich lohnt.
Was gibt es noch in Laboe und der Umgebung?
- Strandpromenade Laboe: Breiter Sandstrand mit Blick auf einlaufende Fähren und Frachtschiffe
- Fischbrötchen auf der Promenade: Obligatorisch und hervorragend
- Förde-Fähre zurück nach Kiel: Eine Stunde auf dem Wasser statt im Auto – sehr empfehlenswert
- Kiel selbst: Hafenrundfahrt, Kiellinie-Promenade, Rathausturm (106 Meter) und das maritime Treiben im Hafen
Wer die Region länger erkunden möchte: Auf spar-mit.com/reiseziele/ostsee findest du passende Unterkünfte an der gesamten deutschen Ostseeküste.
FAQ zum Technischen Museum U 995 Laboe
Wie viel kostet der Eintritt ins Technische Museum U 995?
Erwachsene zahlen 4,50 € für das U-Boot allein, oder 9,50 € im Kombiangebot mit dem Marine-Ehrenmal. Kinder (6–17 Jahre) zahlen 3,30 € bzw. 6,50 € (Kombi). Die Familienkarte (2 Erwachsene + bis zu 4 Kinder) kostet 27,00 € für beide Attraktionen.
Wann hat das Technische Museum U 995 geöffnet?
Das Museum ist ganzjährig geöffnet: Im Sommer (Juni–September) täglich 9:00–19:00 Uhr, im Winter (November–Februar) 10:00–16:00 Uhr. Tägliche Führungen starten um 14:30 Uhr (April bis Oktober).
Wie komme ich von Kiel nach Laboe zum U 995?
Per Bus (Linie 100) ab Kiel Hauptbahnhof bis „Laboe Strand" (ca. 45 Min.). Mit dem Auto ca. 20 Minuten über die B502. Besonders empfehlenswert: die Förde-Fähre ab Kiel-Bollhörnkai – eine schöne Stunde auf der Kieler Förde statt im Stau.
Ist das U-Boot U 995 barrierefrei?
Leider nur eingeschränkt. Das U-Boot selbst hat enge Luken und steile Treppen – für Rollstuhlfahrer nicht zugänglich. Das benachbarte Marine-Ehrenmal verfügt dagegen über Aufzüge und ist gut erreichbar.
Lohnt sich das U 995 auch für Kinder?
Ja! Besonders für Kinder ab 8 Jahren ist das U-Boot faszinierend. Original-Technik, enge Gänge zum Entdecken, alles Anfassen erlaubt – Geschichte, die hängen bleibt. Voraussetzung: keine starke Klaustrophobie.
Bild: © Landeshauptstadt Kiel – Bodo Quante
Geheimtipp und Fazit: Lohnt sich der Ausflug nach Laboe?
Geheimtipp: Die Förde-Fähre statt der Autobahn
Wer von Kiel nach Laboe will, fährt meistens mit dem Auto. Wer es besser macht, nimmt die Förde-Fähre ab Kiel-Bollhörnkai (direkt am Hauptbahnhof). Die Überfahrt dauert rund eine Stunde, führt an Kiels Innenstadt und Hafen vorbei – und ist selbst ein Erlebnis. Besonders schön: wenn gerade eine der großen Kreuzfahrtfähren nach Oslo oder Stockholm ausläuft. Am Ziel einfach aussteigen und zu Fuß zum Marine-Ehrenmal laufen.
Wer den Rückweg ebenfalls mit der Fähre macht, hat einen Tagesausflug, der sich anfühlt wie Urlaub – auch ohne Hotelzimmer.
Fazit
Das Technische Museum U 995 in Laboe ist kein gemütlicher Museumsausflug. Es ist ein eindringliches, manchmal unbequemes, aber immer lehrreiches Stück Geschichte – das man mit eigenen Händen berühren und mit dem eigenen Körper erspüren kann. Das macht es einzigartig.
Wer die Kieler Region besucht, sollte das U 995 und das Marine-Ehrenmal unbedingt einplanen – kombiniert mit der Förde-Fähre und einem Strandspaziergang in Laboe. Auch wer mehr Zeit hat und die deutsche Ostseeküste erkunden möchte, findet in Laboe einen unvergesslichen Ausgangspunkt.