St. Michaeliskirche - Hamburg

Der Michel ist mehr als nur eine Kirche. Wer über den Hafen nach Hamburg kommt, sieht ihn schon von Weitem: den 132 Meter hohen Turm der St. Michaeliskirche, der seit Jahrhunderten als Orientierungspunkt für Seeleute und Reisende dient. Mit mehr als einer Million Besuchern im Jahr zählt der Michel zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Seine imposante Barockarchitektur, die weithin sichtbare Kupferturmspitze und das eindrucksvolle weiße Innere machen ihn zu einem Erlebnis, das weit über einen gewöhnlichen Kirchenbesuch hinausgeht.

Geschichte des Michels

Die Geschichte der St. Michaeliskirche beginnt im frühen 17. Jahrhundert. Nach Plänen des Architekten Peter Marquardt entstand zwischen 1649 und 1661 eine erste Hallenkirche auf dem Gelände des heutigen Michels. Der schlichte Bau entsprach dem protestantischen Ideal – hell, schlicht und auf die Predigt ausgerichtet. Doch das Schicksal der Kirche sollte sich als wechselvoll erweisen.

Im Jahr 1750 traf ein Blitzeinschlag den Turm und löste einen verheerenden Brand aus. Die Flammen zerstörten die gesamte Kirche bis auf die Grundmauern. Der Wiederaufbau unter den Architekten Johann Leonhard Prey und Ernst Georg Sonnin dauerte bis 1762 und schuf das barocke Meisterwerk, das die Silhouette Hamburgs bis heute prägt – mit dem charakteristischen, 132 Meter hohen Turm und der weithin sichtbaren Kupferturmspitze.

Vom Blitzschlag zum Wahrzeichen – eine bewegte Baugeschichte

Kaum war der neue Michel fertiggestellt, drohte erneut eine Katastrophe. Im Jahr 1906 verursachten fehlerhafte Lötarbeiten am Turm einen weiteren Großbrand. Diesmal blieben nur die Außenmauern stehen. Die Hamburger ließen sich davon nicht entmutigen: Bis 1912 wurde der Michel nach historischem Vorbild wieder aufgebaut – und blieb dem barocken Entwurf seiner Vorgänger treu. Seither steht er unverändert an der Englischen Planke und empfängt jedes Jahr über eine Million Besucher aus aller Welt.

Übrigens trägt der Michel die größte Turmuhr Deutschlands: Die vier Zifferblätter haben jeweils einen Durchmesser von mehr als acht Metern. Der Minutenzeiger allein ist über vier Meter lang. Wer direkt am Fuß des Turms steht, muss den Kopf weit in den Nacken legen, um die Zeit ablesen zu können.

Wie kommt man auf den Turm des Michels?

Wer den Turm besteigen möchte, hat zwei Möglichkeiten: entweder zu Fuß über 453 Stufen oder bequem mit dem Aufzug. Die Aussichtsplattform befindet sich auf einer Höhe von 82 Metern und bietet einen 360-Grad-Panoramablick über Hamburg – vom Hafen mit seinen Containerriesen über die Alster bis hin zu den Elbvororten. An klaren Tagen reicht die Sicht bis in die schleswig-holsteinische Geest.

Der Einstieg in den Turm befindet sich im Inneren der Kirche. Der Aufzug fährt nicht direkt bis zur Aussichtsplattform; ein kurzes Stück Treppe ist immer erforderlich. Empfehlenswert ist ein Besuch in den Morgenstunden oder kurz vor Abend, wenn das Licht über der Elbe besonders stimmungsvoll ist und die Kreuzfahrtschiffe majestätisch in den Hafen gleiten.

Architektur und Ausstattung des Michels

Die St. Michaeliskirche gilt als bedeutendstes Barockbauwerk Norddeutschlands. Ihr Inneres überrascht viele Besucher: Anders als gotische Kathedralen mit ihrem dunklen Steingewölbe strahlt der Michel in leuchtendem Weiß. Das Gotteshaus ist als dreischiffige Hallenkirche konzipiert, in der alle Plätze guten Blick auf die Kanzel und den Altar ermöglichen – ganz im Sinne der protestantischen Predigtkirche.

Besonders sehenswert sind folgende Elemente:

  • Hochaltar mit dem Gemälde „Auferstehung Christi" von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1801)
  • Taufe aus Marmor und Bronze von Hugo Lederer (1911)
  • Bronzestatue des Erzengels Michael am Eingangsportal (1909)
  • Drei Orgeln, darunter die große Hauptorgel mit 85 Registern – eine der größten Kirchenorgeln in Norddeutschland
  • Reichlich verzierte Stuckdecken und Emporen, die sich um das gesamte Kirchenschiff ziehen
MerkmalDetails
BaustilNorddeutsches Barock
Länge des Kirchenschiffsca. 52 Meter
Turmhöhe132 Meter
Aussichtsplattform82 Meter Höhe
Kirchenfassungsvermögenca. 2.500 Sitzplätze
Anzahl Orgeln3 Orgeln (bis zu 85 Register)

Die Gruft – Geschichte unter der Erde

Unter der Kirche befindet sich eine der größten Gruften Deutschlands. Bis 1813 wurden in der Krypta mehr als 2.400 Menschen bestattet – darunter bürgerliche Honoratioren, Kaufleute und städtische Würdenträger der Hansestadt. Die Gruft wurde im Zuge von Hygienegesetzen geschlossen und dient heute als Museum.

Besucher können die Gruft im Rahmen einer Führung erkunden. Dort befinden sich original erhaltene hölzerne Gruftstätten, Inschriften und historische Artefakte, die einen einzigartigen Einblick in das Hamburger Bürgertum des 17. und 18. Jahrhunderts bieten. Wer Interesse an Stadtgeschichte hat, findet hier eine faszinierende Ergänzung zum Kirchenbesuch. Der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), der lange als Musikdirektor in Hamburg tätig war, ist ebenfalls in der Gruft bestattet.

Musik und Veranstaltungen im Michel

Musik gehört zum Michel wie die Elbe zu Hamburg. Die Kirche ist eng mit der Musikgeschichte der Stadt verbunden: Carl Philipp Emanuel Bach wirkte hier als städtischer Musikdirektor, und die Orgeltradition des Hauses reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Heute finden regelmäßig Orgelkonzerte, Choraufführungen und festliche Gottesdienste statt, die den Kirchenraum klanglich füllen.

Musikalische Highlights im Überblick:

  • Tägliches Glockenspiel: Der Michel läutet täglich mehrfach – ein unverwechselbares Klangerlebnis direkt am Turm
  • Orgelkonzerte: Regelmäßige Konzerte auf der großen Hauptorgel, der Konzertorgel und der historischen Kryptaorgel
  • Festliche Gottesdienste: Besonders zu Weihnachten, Ostern und beim Hamburger Hafengeburtstag
  • Hochzeiten und Taufen: Der Michel ist eine beliebte Kulisse für kirchliche Feierlichkeiten

Sehenswürdigkeiten rund um den Michel

Der Michel liegt im Stadtteil Neustadt, direkt zwischen der Hamburger Altstadt und dem Hafen. Die Umgebung bietet zahlreiche weitere Attraktionen, die sich ideal zu einem Tagesausflug kombinieren lassen.

In unmittelbarer Nähe befinden sich:

  • Landungsbrücken: Nur wenige Gehminuten entfernt, ideal für eine Hafenrundfahrt oder zum Beobachten der Schiffe auf der Elbe
  • Speicherstadt und HafenCity: Das UNESCO-Weltkulturerbe mit seinen roten Backsteingebäuden und dem Miniatur Wunderland ist zu Fuß erreichbar
  • Nikolaifleet: Das älteste erhaltene Hamburger Fleet (Kanal) liegt wenige Minuten nördlich
  • Portugiesenviertel: Das quirlige Viertel rund um die Ditmar-Koel-Straße lädt zu Kaffee und Tapas ein
  • Elbphilharmonie: Hamburgs neues Wahrzeichen ist gut 20 Gehminuten entfernt – oder eine kurze Fahrt mit der U-Bahn

Wer Zeit mitbringt, spaziert die Elbe entlang vom Michel bis zum Fischmarkt oder weiter nach Övelgönne. Diese Route zeigt Hamburg von seiner schönsten Seite.

Anreise und praktische Informationen

Die St. Michaeliskirche liegt an der Englischen Planke 1 in 20459 Hamburg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie sehr gut zu erreichen:

  • U-Bahn: U3, Haltestelle „Rödingsmarkt" (ca. 5 Minuten Fußweg)
  • Bus: Linien 6, 37, 112 und 606, Haltestelle „Ludwig-Erhard-Straße"
  • Zu Fuß vom Hauptbahnhof: ca. 25 Minuten entlang der Mönckebergstraße und durch die Innenstadt
ZeitraumÖffnungszeiten
Mai – Oktober9:00 – 19:30 Uhr
November – April11:00 – 17:30 Uhr
Dezember11:00 – 19:30 Uhr
TicketPreis (Turm)
Erwachsene6,00 €
Kinder (6–17 Jahre)3,50 €
Kinder unter 6 Jahrenkostenlos
Kombikarte Turm + Gruft9,00 €

Der Eintritt in die Kirche selbst ist kostenlos. Aktuelle Öffnungszeiten und Sonderveranstaltungen findest du auf der offiziellen Website der St. Michaeliskirche.

Adresse St. Michaeliskirche Hamburg
Englische Planke 1, 20459 Hamburg

Öffnungszeiten St. Michaeliskirche Hamburg
Die aktuellen Öffnungszeiten finden Sie hier

FAQ: Häufige Fragen zur St. Michaeliskirche Hamburg

Ist der Eintritt in die St. Michaeliskirche kostenlos?
Der Eintritt in die Kirche selbst ist kostenlos. Für den Turm werden 6 Euro pro Erwachsenen fällig; die Kombikarte für Turm und Gruft kostet 9 Euro.

Wie hoch ist der Turm?
Der Michel ist 132 Meter hoch. Die Aussichtsplattform liegt auf 82 Metern.

Wie kommt man zum Michel?
Mit der U-Bahn U3 bis Rödingsmarkt (5 Minuten Fußweg) oder mit den Buslinien 6, 37, 112 und 606 bis Ludwig-Erhard-Straße.

Wann ist die St. Michaeliskirche geöffnet?
Mai bis Oktober: 9:00–19:30 Uhr; November bis April: 11:00–17:30 Uhr; Dezember: 11:00–19:30 Uhr.

Wer liegt in der Gruft begraben?
Bis 1813 wurden über 2.400 Menschen in der Gruft bestattet, darunter der Komponist Carl Philipp Emanuel Bach.

Geheimtipp: Der Michel in der Abenddämmerung

Die meisten Besucher kommen tagsüber. Wer aber kurz vor Sonnenuntergang auf die Aussichtsplattform steigt, erlebt den Michel von seiner aufregendsten Seite: Das warme Abendlicht taucht die Elbe in Gold, die Kräne im Hafen werfen lange Schatten, und die Stadt atmet langsam aus. An klaren Sommerabenden ist die Kulisse schlicht atemberaubend – und die Plattform ist deutlich weniger voll als mittags. Wer kein Ticket für den Turm kaufen möchte, findet übrigens an der Elbe zwischen Landungsbrücken und Fischmarkt ebenfalls einen herrlichen Blick auf den beleuchteten Michel nach Einbruch der Dunkelheit.

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