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Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden
Freilichtmuseum Groß Raden – auf den Spuren der Slawen
Wer glaubt, man müsse nach Stonehenge oder Pergamon reisen, um echte Geschichte zu spüren, der hat Groß Raden noch nicht gesehen. Mitten in Mecklenburg-Vorpommern, auf einer kleinen Halbinsel im Sternberger Binnensee, haben Archäologen etwas Bemerkenswertes ausgegraben: die Reste einer slawischen Siedlung aus dem 9. Jahrhundert – und sie anschließend originalgetreu wieder aufgebaut.
Das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden ist damit eines der faszinierendsten Freilichtmuseen Norddeutschlands. Hier steht kein lieblos nachgebautes Gehöft für Schulklassen, sondern eine sorgfältig rekonstruierte Siedlung der Obotriten – einem westslawischen Volk, das vor über 1.000 Jahren diesen Teil Mecklenburgs besiedelt hat. Ringwall, Tunneltor, Tempel, Wohnhäuser und Brennöfen vermitteln ein lebendiges Bild des frühmittelalterlichen Alltags.
Wenn du nach Schwerin oder in die Region um den Sternberger See reist, solltest du dir diesen Abstecher auf keinen Fall entgehen lassen – egal ob du auf der Suche nach Geschichte, Natur oder einem besonderen Ausflugstipp bist.
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Was erwartet mich im Freilichtmuseum Groß Raden?
Das Museum gliedert sich in zwei Bereiche, die sich perfekt ergänzen: das Ausstellungsgebäude und das weitläufige Freigelände auf der Halbinsel. Wer nur einen davon besucht, verpasst die Hälfte des Erlebnisses.
Das Freigelände: Die Siedlung zum Anfassen
Das eigentliche Herzstück ist die rekonstruierte slawische Siedlung. Ein Spaziergang durch den Ringwall mit seinem charakteristischen Tunneltor fühlt sich an wie ein Zeitsprung ins frühe Mittelalter. Dahinter entfaltet sich ein ganzes Ensemble aus Wohnhäusern, Töpferöfen, Vorratsgruben, Zäunen und Brücken – und als mysteriöser Mittelpunkt thront der Tempel, an dem die Obotriten einst ihren Göttern huldigten.
- Ringwall mit Tunneltor – das Wahrzeichen der Anlage und beeindruckendes Zeugnis slawischer Befestigungstechnik
- Rekonstruierter Tempel – einzigartiger Einblick in die religiöse Praxis des frühmittelalterlichen Westslawentums
- Wohnhäuser – originalgetreu nach archäologischen Befunden im frühmittelalterlichen Baustil nachgebaut
- Töpferöfen und Handwerksbereich – Zeugnis des alltäglichen Lebens der Obotriten
- Rauhwollige Pommersche Landschafe – eine alte Hausrasse, die das Gelände belebt und für Kinder ein besonderes Highlight ist
Das Ausstellungsgebäude: Funde aus der Erde
Im Museumsgebäude zeigt die Dauerausstellung die Originalfunde aus den Ausgrabungen von 1973 bis 1980: Keramiken, Metallwerkzeuge, Schmuckstücke und Alltagsgegenstände, die das Leben der slawischen Dorfgemeinschaft greifbar machen. Besonders sehenswert ist die Sonderausstellung Slawenburg – Auf den Spuren einer Königin, die neue Erkenntnisse über Herrschaftsstrukturen der Obotriten präsentiert.
Veranstaltungen und lebendige Geschichte
Groß Raden beschränkt sich nicht aufs passive Betrachten. Öffentliche Abendführungen mit Lagerfeuer, Ferienprogramme, archäologische Workshops und das spektakuläre Schauduell Angriff auf Groß Raden! – bei dem Schaukämpfer die mittelalterliche Burgverteidigung nachstellen – machen das Museum zu einem lebendigen Erlebnisort, der auch beim zweiten Besuch immer noch überrascht.
Bild: © Böttcher, Ulf / Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern
Wer waren die Obotriten?
Die Obotriten (auch Abodriten genannt) waren ein westslawischer Stammesverband, der ab dem 6. Jahrhundert das Gebiet zwischen Elbe und Oder besiedelte – also das heutige Mecklenburg-Vorpommern. Sie betrieben Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und Handel, lebten in befestigten Ringwallanlagen und pflegten eine eigene Götterverehrung weit vor der Christianisierung. Die Siedlung in Groß Raden war eine sogenannte Burgwardsiedlung: ein befestigtes Zentrum mit Tempelanlage, das die umliegenden Landwirtschaftsdörfer koordinierte und schützte.
Der Jahrhundertfund: Die Ausgrabungen 1973–1980
Zwischen 1973 und 1980 legte der Archäologe Ewald Schuldt in Groß Raden die Grundrisse einer außergewöhnlich gut erhaltenen slawischen Anlage aus dem 9. und 10. Jahrhundert frei. Die Befunde waren so vollständig und detailliert, dass Experten anschließend eine wissenschaftlich fundierte Rekonstruktion wagen konnten – ein seltener Glücksfall für die Archäologie und ein großes Geschenk für alle, die heute durch die wiederauferstandene Siedlung schlendern.
Die Fundstücke aus den Grabungen – Keramikscherben, Metallwerkzeuge, Knochen, Holzkonstruktionen und Schmuck – erlaubten präzise Rückschlüsse auf Ernährung, Handwerk, Handel und die religiöse Praxis der Bewohner. Viele dieser Originale sind heute in der Dauerausstellung des Museums zu sehen.
Von der Ausgrabung zum lebendigen Museum
Das Museum wurde 1987 eröffnet und hat sich seitdem zu einem der bedeutendsten Orte slawischer Kultur- und Siedlungsgeschichte in Deutschland entwickelt. Anders als viele archäologische Museen, die ihre Funde hinter Glasscheiben verbergen, setzt Groß Raden auf Erleben statt nur auf Betrachten: Besucher können durch die Rekonstruktionen gehen, Innenräume der Häuser erkunden und das Gelände hautnah erfahren.
Besucherinformationen auf einen Blick
Öffnungszeiten
| Zeitraum | Öffnungszeiten |
|---|---|
| April bis Oktober | täglich 10:00 – 17:30 Uhr |
| November bis März | Di–So 10:00 – 16:30 Uhr (montags geschlossen) |
Eintrittspreise
| Kategorie | Preis |
|---|---|
| Erwachsene | 3,50 € |
| Ermäßigt (Kinder, Schüler, Studierende, Rentner) | 2,00 € |
| Familien | 7,00 € |
| Kinder unter 6 Jahren | kostenlos |
Die Eintrittskarte gilt für beide Bereiche: Ausstellungsgebäude und Freigelände.
Anfahrt & Parken
Das Museum liegt bei Groß Raden, ca. 5 km nördlich von Sternberg (Mecklenburg-Vorpommern). Mit dem Auto: Über die B 104 Richtung Sternberg, dann der Beschilderung zum Museum folgen. Parkplatz im Ort Groß Raden – vom Parkplatz bis zum Freigelände sind es ca. 15 Minuten zu Fuß entlang des Seeufers. Dieser Weg gehört schon zum Erlebnis.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Nächster Bahnhof Sternberg, von dort ca. 5 km mit dem Fahrrad oder Taxi.
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Die Umgebung: Sternberger Seenland & Schwerin
Groß Raden liegt mitten in einer der schönsten und ruhigsten Ecken Mecklenburgs – dem Sternberger Seenland. Der Sternberger Binnensee, an dem das Museum direkt liegt, lädt nach dem Museumsbesuch zum Spazieren, Picknicken oder (im Sommer) zum Schwimmen ein. Wer Glück hat, sieht Eisvögel oder Fischadler – das Gebiet ist ein kleines Naturparadies.
Sternberg: Die Kleinstadt mit Geschichte
Das nahe Sternberg gehört zu den ältesten Städten Mecklenburgs. Das gotische Stadtensemble rund um den Marktplatz und die Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus ist einen Bummel wert. Sternberg ist nicht touristisch überlaufen – genau das macht es sympathisch.
Ausflüge in die Region
Von Groß Raden aus lassen sich viele weitere Ziele mühelos erkunden. Die Mecklenburgische Seenplatte – Europas größte Seenlandschaft – ist in wenigen Autominuten erreichbar und bietet Kanufahren, Radwandern, Angeln und Naturbeobachtung in Hülle und Fülle. Das nahe Neustadt-Glewe mit seinem beeindruckenden Wasserschloss lohnt ebenfalls einen Abstecher. Und wer ein bisschen mehr Stadtflair möchte: Schwerin mit seinem berühmten Märchenschloss ist in knapp einer Stunde erreichbar. Für alle Schloss- und Burgfans bieten sich außerdem unsere Schlösser & Burgen Angebote in der gesamten Region an.
Häufige Fragen zum Freilichtmuseum Groß Raden
Wie lange sollte ich für das Freilichtmuseum Groß Raden einplanen?
Ein vollständiger Besuch – Ausstellungsgebäude und Freigelände – dauert in der Regel 2 bis 3 Stunden. Mit Kindern, die das Gelände erkunden und bei den Schafen verweilen möchten, können es auch 4 Stunden werden. Plane außerdem 15 Minuten Fußweg vom Parkplatz ein (jede Richtung).
Ist das Museum auch bei Regen einen Besuch wert?
Absolut. Das Ausstellungsgebäude bietet bei schlechtem Wetter ein vollständiges Programm mit der Dauerausstellung und Sonderausstellungen. Das Freigelände ist auch im Regen atmosphärisch – die Holzkonstruktionen, der Nebel über dem See und das leise Grasen der Schafe wirken geradezu mittelalterlich mystisch.
Gibt es Führungen oder besondere Veranstaltungen?
Ja, das Museum bietet öffentliche Abendführungen mit Lagerfeuer, Ferienprogramme, archäologische Workshops und thematische Sonderveranstaltungen. Das Highlight des Jahres ist das Schauduell Angriff auf Groß Raden! – Termine und Anmeldung auf der offiziellen Museumswebsite.
Ist das Freilichtmuseum Groß Raden barrierefrei?
Das Ausstellungsgebäude ist barrierefrei zugänglich. Das Freigelände auf der Halbinsel hat naturgemäß unbefestigte Erdwege, die für Rollstuhlnutzer stellenweise schwieriger zu begehen sind. Detaillierte Informationen zur Barrierefreiheit gibt es direkt beim Museum.
Geheimtipp: Was die meisten Besucher verpassen
Die meisten Besucher kommen am Vormittag – und fahren nach dem Museumsrundgang wieder heim. Unser Tipp: Komm am späten Nachmittag. Wenn die Besuchermassen nachlassen, die Sonne tief über dem Sternberger See steht und die Silhouette des Ringwalls sich orange gegen den Himmel abzeichnet, passiert etwas Merkwürdiges: Man vergisst für einen Moment das Smartphone und fühlt sich tatsächlich 1.100 Jahre zurückversetzt. Die Schafe grasen, das Schilf rauscht, und die Stille liegt über der Halbinsel wie ein mittelalterlicher Zauber.
Noch besser: Wenn das Museum eine seiner Abendführungen mit Lagerfeuer anbietet, buche sie unbedingt. Das Feuer vor dem Tempel, die Fackeln im Ringwall und die Geschichten des Museumspersonals über die Obotriten – das ist kein Standard-Museumserlebnis mehr, das ist echter Gänsehaut-Moment.
Und wer gleich ein ganzes Wochenende in der Region verbringen möchte, findet in unseren Erlebnisreisen passende Unterkünfte und Angebote für Mecklenburg-Vorpommern.