Drehbrücke Malchow
Drehbrücke Malchow: Geschichte, Öffnungszeiten & Tipps
Wer schon einmal dabei zugeschaut hat, wie sich 120 Tonnen Stahl lautlos um 90 Grad drehen, der versteht sofort, warum die Drehbrücke Malchow Besucher aus ganz Deutschland anzieht. Mitten in der Mecklenburgischen Seenplatte liegt die Inselstadt Malchow – und diese Brücke ist ihr Herzstück, ihr Wahrzeichen, ihr tägliches Spektakel aus Ingenieurskunst und Geschichte.
Die Drehbrücke verbindet die Altstadtinsel mit dem westlichen Festland und muss dabei immer wieder zur Seite schwingen, damit Boote und Schiffe passieren können. Rund 20.000 Wasserfahrzeuge nutzen jährlich diese Passage auf der Müritz-Elde-Wasserstraße. Wenn du das nächste Mal an der Mecklenburgischen Seenplatte bist, nimm dir unbedingt Zeit – für dieses stille, aber beeindruckende Schauspiel, das seit Jahrhunderten Menschen fasziniert.
Reisepakete an der Mecklenburgischen Seenplatte
Was macht die Drehbrücke Malchow so besonders?
Eine Brücke dreht sich – klingt simpel, ist es aber nicht. Die heutige Pylonen-Drehbrücke in Malchow ist das Ergebnis einer langen Baugeschichte, die bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreicht. Seit 1846 gab es an dieser Stelle bewegliche Brückenkonstruktionen, denn der wachsende Schiffsverkehr auf der Müritz-Elde-Wasserstraße machte eine starre Verbindung unmöglich.
Eine Brücke mit wechselvoller Geschichte
Die erste echte Drehbrücke aus Holz entstand 1863. Sie wurde 1912 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, die mit einer Handkurbel betrieben wurde. Der Zweite Weltkrieg zerstörte die Brücke 1945 vollständig. Nachfolger kamen und verfielen – bis 2012 der komplette Neubau begann. Am Ende stand ein Kunstwerk.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1863 | Erste Holz-Drehbrücke errichtet |
| 1912 | Ersatz durch Stahlkonstruktion (Handkurbel) |
| 1945 | Zerstörung im Zweiten Weltkrieg |
| 1990 | Inbetriebnahme einer neuen Drehbrücke (DDR-Ära) |
| 2013 | Eröffnung der heutigen Pylonen-Drehbrücke |
| 2014 | Publikumspreis beim Landesbaupreis Mecklenburg-Vorpommern |
Technische Meisterleistung: 120 Tonnen, die schweigen
Die heutige Brücke ist 21,70 Meter lang, wiegt 120 Tonnen und dreht sich in einem einzigen, fließenden Bewegungsablauf um 90 Grad zur Seite. Zwei markante ovale Pylone flankieren die Fahrbahn und sind über Seile mit den Hauptträgern verbunden – optisch erinnert das an ein Segelschiff mit zwei Masten, was perfekt zu Malchows maritimem Charakter passt.
Der Drehmechanismus ist dabei keine Zauberei, sondern präzise Ingenieurskunst: Ein elektromechanischer Antrieb mit Triebstockgetriebe rotiert die Brücke auf einem großen Drehlager. Nach der Schließung wird sie leicht angehoben und verriegelt. Das klingt trocken – ist aber live zu erleben ein stiller Gänsehautmoment. Die 25-Tonnen-Gegengewichte, die mit Hydraulikhebern eingesetzt wurden, sieht man kaum. Man glaubt fast, die Brücke schwebt.
- Länge: 21,70 Meter
- Gewicht: 120 Tonnen
- Drehwinkel: 90 Grad
- Antrieb: Elektromechanisch mit Triebstockgetriebe
- Auszeichnung: Publikumspreis Landesbaupreis MV 2014
- Jährliche Schiffspassagen: ca. 20.000
Wann öffnet die Drehbrücke in Malchow?
Die Drehbrücke dreht sich nicht auf Knopfdruck für jeden – sondern stündlich zur vollen Stunde, wenn Schiffe im Wartebereich stehen. Kein Schiff, keine Drehung. Das macht den Besuch zur kleinen Lotterie, die meistens gewonnen wird: In der Hochsaison zwischen Juli und August ist die Passage nahezu jede volle Stunde belegt.
| Zeitraum | Betriebszeiten | Drehungen |
|---|---|---|
| 1. April – 30. September | 9:00 – 20:00 Uhr | Stündlich zur vollen Stunde (bei Schiffsbedarf) |
| Oktober | 9:00 – 16:00 Uhr | Stündlich (bei Schiffsbedarf) |
| November | 9:00 – 15:00 Uhr | Stündlich (bei Schiffsbedarf) |
| Dezember – März | Keine regulären Öffnungen | Sonderöffnungen auf Anfrage (kostenpflichtig, mind. 1 Woche im Voraus) |
Die besten Chancen auf ein Drehen hast du an Sommertagen zwischen 10 und 18 Uhr. Kombiniere den Besuch einfach mit einem Spaziergang durch die Altstadt – dann klappt es meistens. Und wenn du Glück hast, erlebst du auch die charmante Tradition des Brückenwärters: Er streckt den wartenden Bootsführern beim Öffnen einen langen Stab mit Klingelbeutel entgegen und bittet um eine freiwillige Spende. Wer gibt, bekommt eine Postkarte. Wer die Postkarte bekommt, erzählt davon noch Jahre später.
Malchow – Die einzige Inselstadt Deutschlands
Malchow ist die einzige Stadt in Deutschland, die offiziell den Titel „Inselstadt" trägt – verliehen 2011, obwohl die Bewohner schon seit dem Mittelalter auf einer echten Insel leben. Erste urkundliche Erwähnung: 1147. Das ist nicht nichts. Und die Stadt hat in den fast 900 Jahren seitdem einiges erlebt: zwei verheerende Stadtbrände (1697 und 1721), eine blühende Textilindustrie (weshalb Malchow einst „Mecklenburgisches Manchester" hieß) und eine Wiedergeburt als beschauliches Touristenziel am Wasser.
Sehenswürdigkeiten in Malchow
- Kloster Malchow: Gegründet vor 1274, nach der Reformation zum Adels-Damenstift umgewandelt – bis 1923. Heute beherbergt die neogotische Klosterkirche (Baujahr 1888–1890) das einzige Mecklenburgische Orgelmuseum Deutschlands. Der 55-Meter-Turm bietet einen Panoramablick über die Seenlandschaft, der das Herz weitet.
- DDR-Alltagsmuseum: Im ehemaligen Filmpalast ist die Geschichte des DDR-Alltags in Norddeutschland lebendig – von Ampelmännchen bis Trabant-Ersatzteilen.
- Stadtwindmühle: Ein weiteres Wahrzeichen der kleinen Inselstadt, malerisch gelegen.
- Stadthafen und Engelscher Garten: Perfekt für einen Spaziergang, wenn die Nachmittagssonne die Seenlandschaft in Gold taucht.
- Sommerrodelbahn und Affenpark Malchow: Für Familien mit Kindern ein Pflichtprogramm.
- Malchower Volksfest: Findet jährlich am ersten Juli-Wochenende statt und ist seit 2016 immaterielles Kulturerbe der UNESCO.
Was Malchow besonders macht: Es ist keine aufgemotzte Touristenattraktion, sondern eine echte Stadt, die einfach auf einer Insel liegt. Man spaziert durch die Altstadt, schaut auf das Wasser, trinkt einen Kaffee im Hafencafé – und plötzlich, zu eurer vollen Stunde, dreht sich da diese Brücke. Als hätte jemand im Hintergrund einen Knopf gedrückt. Großes Kino ohne Eintritt.
Ausflugsziele rund um die Mecklenburgische Seenplatte
Die Drehbrücke Malchow liegt im Herzen einer Region, die zu den schönsten Naturlandschaften Deutschlands gehört. Die Mecklenburgische Seenplatte umfasst rund 2.200 Seen – kein Wunder, dass Wassersport, Radfahren und Naturerlebnisse hier das ganze Jahr über locken. Kombiniere deinen Besuch in Malchow mit einem dieser Ausflugsziele:
Müritz-Nationalpark
Mit 322 Quadratkilometern ist der Müritz-Nationalpark der größte Wald-Nationalpark Deutschlands. Seit 2011 ist ein Teil des Buchenwaldes UNESCO-Weltnaturerbe. Ranger-Wanderungen führen durch unberührte Buchenwälder und vorbei an stillen Moorseen. Wer Glück hat, beobachtet Seeadler, Kraniche oder Fischadler beim Fischen.
Waren (Müritz) und das Müritzeum
Nur wenige Kilometer entfernt liegt Waren an der Müritz – Hauptstadt der Region und Ausgangspunkt für Schiffstouren auf dem größten deutschen Binnensee. Das Müritzeum ist Deutschlands größtes Süßwasseraquarium mit einheimischen Fischarten, das Kinder wie Erwachsene gleichermaßen begeistert.
Bärenwald Müritz (Stuer bei Plau am See)
Das Bärenschutzzentrum des Tierschutzvereins VIER PFOTEN beherbergt gerettete Braunbären aus ganz Europa in naturnahen Gehegen. Ein ungewöhnliches, aber bewegendes Ausflugsziel – besonders für Familien.
Neustrelitz und Schloss Mirow
Neustrelitz, die Residenzstadt der mecklenburgischen Herzöge, überrascht mit einem strahlendsternförmigen Stadtgrundriss und dem prächtigen Schlossgarten. Schloss Mirow auf seiner Seeinsel ist ein malerisches Ausflugsziel, das gerne als „Märchenschloss" bezeichnet wird – und das zurecht.
Ivenacker Eichen (bei Stavenhagen)
Jahrtausendealte Eichen mit Stammumfängen von mehr als 14 Metern – ein Erlebnis, das zur Demut zwingt. Der Baumkronenpfad führt in 20 Metern Höhe durch die Kronen, ein Aussichtsturm gibt den Panoramablick frei. Diese Eichen standen schon, als Malchow noch nicht existierte.
Bild: © TMV / Tiemann
Unsere Hotels an der Mecklenburgischen Seenplatte
Häufige Fragen zur Drehbrücke Malchow
Kostet der Besuch der Drehbrücke Eintritt?
Nein. Das Zuschauen beim Drehen der Brücke ist vollkommen kostenlos. Auch das Überqueren der Brücke als Fußgänger oder Radfahrer kostet nichts. Freiwillige Spenden über den Klingelbeutel des Brückenwärters sind natürlich willkommen.
Wie lange dauert eine Drehung?
Der gesamte Vorgang – Öffnen, Schiffe passieren lassen, Schließen – dauert in der Regel 10 bis 20 Minuten, je nach Anzahl der wartenden Boote.
Kann man auch mit dem Auto über die Brücke fahren?
Ja, die Brücke ist eine öffentliche Straßenbrücke (L 20). Während der Öffnungszeiten wird der Autoverkehr kurz unterbrochen, damit die Brücke sich drehen kann. Eine Ampelregelung koordiniert den Verkehr.
Ist Malchow gut mit dem Zug erreichbar?
Ja. Die ODEG-Regionalbahn verbindet Waren (Müritz) mit Malchow und Plau am See. Von Berlin aus ist Malchow in etwa 1 Stunde und 40 Minuten erreichbar. Der Bahnhof liegt fußläufig zur Altstadt und zur Drehbrücke.
Wann ist die beste Reisezeit für Malchow?
Von Mai bis September ist die Hauptsaison – die Brücke dreht sich am häufigsten, das Wetter lädt zum Verweilen ein, und alle Ausflugsziele in der Region sind geöffnet. Wer es ruhiger mag, findet im September und Oktober noch angenehme Temperaturen bei deutlich weniger Besuchern.
Gibt es Parkplätze in Malchow?
Ja. Kostenlose Parkplätze befinden sich am Kloster Malchow. In der Hochsaison empfiehlt sich frühe Anreise. Die Altstadt ist dann bequem zu Fuß erkundbar.
Geheimtipp: Röbel – das ruhigere Müritz-Städtchen
Wer Waren (Müritz) in der Hochsaison als zu touristisch empfindet, dem sei Röbel empfohlen – ein Städtchen am Westufer der Müritz, das deutlich ruhiger geblieben ist. Die kleine Strandpromenade „Achter de Muer" mit einem Café und einem Fischbrötchenstand ist ein echter Geheimtipp der Region. Dazu gibt es die Alte Synagoge Röbel, ein jüdisches Kulturmuseum aus dem 19. Jahrhundert, das kulturell bedeutsam und erschreckend wenig bekannt ist.
Und ganz in der Nähe, in Bollewick: Deutschlands größte Feldsteinscheune. Drin gibt es Märkte für regionale Naturprodukte, Stoffe, Seifen und Kunsthandwerk – fernab der touristischen Trampelpfade. Wer Malchow und die Drehbrücke besucht hat und noch einen halben Tag Zeit hat, macht in Röbel einen Abstecher, den er so schnell nicht vergisst.
Noch ein Tipp für die Anreise: Fahr mit dem Hausboot oder dem Kanu. Die Müritz-Elde-Wasserstraße führt direkt an der Drehbrücke vorbei – und wer selbst auf dem Wasser wartet, während sich die Brücke für ihn dreht, hat ein Reiseerlebnis, das keine Busrundfahrt ersetzen kann. Den Klingelbeutel des Brückenwärters nicht vergessen!