Bärenwald Müritz

Bärenwald Müritz: Das Westeuropa-Bärenschutzzentrum

Manchmal braucht es eine lange Reise, bevor man wirklich zu Hause ankommt. Für die Braunbären des Bärenwalds Müritz begann diese Reise unter oft erschütternden Umständen – in engen Zirkuskäfigen, hinter Betonwänden oder in schäbigen Touristenfallen irgendwo in Südosteuropa. In Stuer, einem kleinen Ort an der Südspitze des Plauer Sees in der Mecklenburgischen Seenplatte, fanden sie das, was sie immer hätten haben sollen: Wald, Wiese, Wasser – und Ruhe.

Westeuropas größtes Bärenschutzzentrum ist kein Zoo, kein Freizeitpark und auch keine Attraktion im üblichen Sinne. Es ist ein Ort, an dem Tiere einfach Tiere sein dürfen – auf 16 Hektar Fichtenwald und naturnaher Wildwiese direkt am Plauer See. Und gerade das macht einen Besuch hier so besonders: Man kommt als Besucher, denkt über Tierschutz nach und fährt ein bisschen verändert wieder nach Hause.

Geschichte: Wie der Bärenwald Müritz entstand

Von der Bühne in den Wald: Die Mission von VIER PFOTEN

Hinter dem Bärenwald Müritz steckt die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN, die sich seit Jahrzehnten für das Wohl von Wildtieren in menschlicher Obhut einsetzt. Nachdem VIER PFOTEN in Rumänien, Bulgarien und anderen osteuropäischen Ländern Dutzende von Bären aus katastrophalen Verhältnissen befreit hatte – aus Zirkusarenen, Restaurants mit Bärenshows und privaten Haltungen –, stand die Organisation vor einer schwierigen Frage: Wohin mit den Tieren?

Denn in die Wildnis auswildern lässt sich ein Bär, der sein ganzes Leben in menschlicher Obhut verbracht hat, nicht einfach. Diese Tiere brauchen lebenslange Betreuung, artgerechten Raum und tierärztliche Versorgung. Die Antwort kam 2006: Im Oktober öffnete der Bärenwald Müritz seine Tore – zunächst nur für seine ersten Bewohner. Lothar und Sindi, zwei Geschwisterbären aus dem Schwarzwaldpark Löffingen in Baden-Württemberg, bezogen als erste ihr neues Zuhause auf dem 16 Hektar großen Waldgelände bei Stuer. Seitdem sind es insgesamt 13 Braunbären geworden (Stand 2026), die hier ein Leben führen dürfen, das ihrer Natur entspricht.

Jeder Bär hat eine Geschichte

Was den Bärenwald Müritz von einem normalen Zoo unterscheidet: Hier kennt man jeden Bären beim Namen, kennt seine Vorgeschichte und versteht sein Verhalten. Auf Informationstafeln entlang der Wege erfährt man, woher die einzelnen Tiere stammen und was sie durchgemacht haben. Wer einmal das Bild eines Bären gesehen hat, der jahrelang auf Betonboden lebte und sich täglich im Kreis drehte – ein Zeichen von extremem psychischen Stress –, der versteht den Wert dieser 16 Hektar Fichtenwald und Wildwiese sofort. Und der versteht auch, warum manche Bären noch Jahre nach ihrer Rettung Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die sie nie ganz ablegen werden.

16 Hektar Wildnis: Das Gelände des Bärenwalds Müritz

16 Hektar klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl. Zum Vergleich: Das sind etwa 22 Fußballfelder. Für Braunbären, die in der Wildnis Streifgebiete von bis zu 1.000 Quadratkilometern bewohnen würden, ist auch das nur ein Bruchteil ihres natürlichen Raums – aber unvergleichlich besser als ein Käfig.

Das Gelände des Bärenwalds gliedert sich in verschiedene Bereiche: dichter Fichtenwald, offene Wiesenflächen, natürliche Teiche und Bachläufe. Die Bären können selbst entscheiden, wo sie den Tag verbringen möchten – im schattigen Wald, am Wasserloch oder auf der sonnigen Lichtung. Besucher beobachten das Geschehen von erhöhten Aussichtsplattformen und einem Rundweg, der das Gelände umschließt, ohne es zu stören. Ferngläser mitbringen lohnt sich!

Artgerechte Haltung als oberstes Gebot

Der Bärenwald ist kein Wildgehege mit Show-Elementen. Die Bären werden nicht auf Kommando gefüttert, es gibt keine Vorführungen und keinen direkten Kontakt zwischen Besuchern und Tieren. Genau das ist der Punkt: Die Tiere haben hier Priorität – nicht das Unterhaltungsbedürfnis der Besucher. Das Konzept muss man erst verstehen, um es zu schätzen. Wer einen aktiven, aufgeregten Bären erwartet, der auf Zuruf Kunststücke macht, wird sich wundern. Wer hingegen einfach zuschaut, wie ein Bär entspannt im Gras döst und dabei hin und wieder die Nase in den Wind hält – der erlebt etwas Echtes.

Erweiterung des Geländes geplant

VIER PFOTEN hat bereits angekündigt, den Bärenwald Müritz in den kommenden Jahren weiter auszubauen: Mehr Fläche für die Tiere, nachhaltige Energieversorgung und verstärkte Forschungskooperationen mit Universitäten sollen das Schutzprojekt langfristig stärken. Ein Zeichen, dass das Engagement für die geretteten Tiere kein kurzfristiges Projekt, sondern eine dauerhafte Verpflichtung ist.

Was kann man im Bärenwald Müritz erleben?

Im Kurzformat: Bären beobachten, Hintergründe verstehen, Gutes tun – und gut essen. Im Detail steckt da aber noch deutlich mehr drin.

Geführte Touren mit echten Tierpflegern

Der Besuch ohne Führung ist bereits lohnenswert – aber mit Führung wird er zu einem echten Erlebnis. Täglich finden geführte Touren statt (ca. 1,5 Stunden), bei denen Tierpfleger und Rangers nicht nur Fakten liefern, sondern echte Geschichten erzählen. Man erfährt zum Beispiel, warum Bär X sich nie weiter als 20 Meter vom Wasserloch entfernt und Bär Y schon bei der kleinsten Abwechslung neugierig aus dem Unterholz tapst. Diese Individualität macht jeden Besuch einzigartig.

  • Täglich geführte Touren (ca. 1,5 Stunden)
  • Spezielle Kinderprogramme und Schulklassenbesuche
  • Hinter-die-Kulissen-Touren für besonders Interessierte
  • Veranstaltungen und Workshops zu Naturschutz und Tierschutz
  • Bärenpatenschaft übernehmen und Tierpfleger für einen Tag werden

BIO-Bistro und Regionalshop

Nach dem Rundgang wartet das hauseigene BIO-Bistro mit regionalen Köstlichkeiten aus Mecklenburg-Vorpommern. Kein Fastfood, sondern lokale Produkte – Suppen, Kuchen, warme Gerichte. Im Regionalshop findet man nachhaltige Mitbringsel: Bärenhonig, handgemachte Seifen, Bücher über Tierschutz. Kein Plastik-Tand, sondern echte lokale Qualität. Wer am Ende doch noch mehr tun möchte, kann außerdem eine Bärenpatenschaft übernehmen und damit direkt zur Pflege der Tiere beitragen.

Bild: © 1000seen.de

Öffnungszeiten und Eintrittspreise im Überblick

Öffnungszeiten

  • Sommer (15. März – 31. Oktober): täglich 09:00 – 18:00 Uhr
  • Winter (1. November – 14. März): täglich 10:00 – 16:00 Uhr

Eintrittspreise Sommer (15. März – 31. Oktober)

KategoriePreis
Erwachsene11,– €
Ermäßigt (Rentner, Studenten, Schwerbehinderte)9,– €
Kinder (5–14 Jahre)5,– €
Kinder unter 5 Jahrenkostenlos
Familienkarte (2 Erw. + bis zu 3 Kinder)26,– €

Eintrittspreise Winter (1. November – 14. März)

KategoriePreis
Erwachsene6,50 €
Kinder (5–14 Jahre)3,– €
Kinder unter 5 Jahrenkostenlos

Aktuelle Preise und Sonderveranstaltungen immer direkt auf der offiziellen Website des Bärenwalds prüfen – besonders für Gruppen und Schulklassen gibt es spezielle Konditionen.

Anfahrt: So kommt man zum Bärenwald Müritz

Der Bärenwald Müritz liegt in Stuer (Am Bärenwald 1, 17209 Stuer) an der Südspitze des Plauer Sees. Mit dem Auto reist man über die Autobahn A19 (Berlin–Rostock) an und biegt Richtung Plau am See ab. Vom Berliner Stadtrand dauert die Fahrt rund zwei Stunden. Aus Hamburg sind es etwa drei Stunden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man bis zum Bahnhof Malchow oder Plau am See und nimmt von dort ein Taxi oder ein Mietfahrrad.

Was gibt es in der Umgebung?

Wer gleich mehrere Tage in Mecklenburg-Vorpommern verbringt, findet in der Umgebung eine Fülle lohnender Ausflugsziele. Die Kleinstadt Waren an der Müritz – gut 25 Kilometer entfernt – bietet das Müritzeum mit einem beeindruckenden Aquarium heimischer Fische und Unterwasserwelten. Der weitläufige Müritz-Nationalpark, Deutschlands größter Binnensee-Nationalpark, lädt zu Wanderungen, Kanufahrten und ausgedehnten Radtouren ein. Rund um den Plauer See selbst locken Campingplätze, Badestellen und gemütliche Fischrestaurants.

Wer kulturell interessiert ist, kombiniert den Bärenwald-Besuch mit einem Abstecher nach Schwerin (ca. 70 km) mit seinem Märchenschloss oder nach Neustrelitz mit dem Tiergarten, dem ältesten staatlichen Zoologischen Garten Deutschlands. Zwei bis drei Tage in der Region sind ideal, um alles in Ruhe zu erleben.

Bild: © TMV Tiemann

Geheimtipp: So erlebst du den Bärenwald Müritz am schönsten

Wer Bären wirklich in Aktion sehen möchte, kommt am besten kurz nach der Öffnung am Morgen. In den ersten Stunden nach Öffnung sind die Tiere deutlich aktiver als mittags, wenn sie die Mittagshitze entspannt im Schatten verschlafen. Besonders spannend ist die Zeit nach dem Winter: Wenn die Bären ab März aus ihrer Winterruhe erwachen, erkunden sie mit auffälliger Neugier, was sich auf dem Gelände verändert hat – ein Schauspiel, bei dem man nicht aufhören kann zuzuschauen.

Ein weiterer Tipp: Unter der Woche ist deutlich weniger los als am Wochenende. Wer in Ruhe und ohne Gedränge beobachten möchte, wählt einen ruhigen Dienstag oder Mittwoch. Und wer die Führung buchen möchte, sollte das unbedingt im Voraus tun – besonders in der Hauptsaison sind die begehrten Plätze schnell vergeben.

FAQ: Häufige Fragen zum Bärenwald Müritz

Sind Hunde im Bärenwald erlaubt?

Im BÄRENWALD Müritz sind Hunde stets herzlich willkommen.

Wie lange dauert ein Besuch?

Ohne Führung benötigt man für den Rundweg rund 1 bis 1,5 Stunden. Mit Führung sollte man 2 bis 2,5 Stunden einplanen. Wer das BIO-Bistro und den Regionalshop in Ruhe erkundet, rechnet eher mit 3 Stunden.

Ist der Bärenwald auch im Winter geöffnet?

Ja, ganzjährig – auch im Winter. Die Bären halten keine echte Winterruhe im Sinne eines Tiefschlafs, sondern reduzieren nur ihre Aktivität. Im Winter ist der Eintritt mit 6,50 € für Erwachsene deutlich günstiger.

Kann man eine Bärenpatenschaft übernehmen?

Ja! Über die offizielle Website des Bärenwalds kann man Patenschaften für einzelne Bären übernehmen und damit direkt zur Pflege und Betreuung der Tiere beitragen. Auch Spenden sind jederzeit willkommen.

Ist der Bärenwald für Kinder geeignet?

Absolut – der Bärenwald eignet sich besonders gut für Familien mit Kindern ab etwa 4 Jahren. Die Führungen vermitteln Tierschutz-Themen kindgerecht und anschaulich. Kinder unter 5 Jahren haben kostenfreien Eintritt.

Gibt es Parkmöglichkeiten vor Ort?

Ja, es gibt einen kostenlosen Parkplatz direkt am Bärenwald in Stuer. Für Busse und Reisegruppen stehen ebenfalls Stellflächen zur Verfügung – eine Anmeldung für Gruppen ist aber empfehlenswert.

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