Kunstkraftwerk Leipzig

Zwischen Punk und Prunk: Kunstkraftwerk Leipzig

Leipzig ist cooler, hipper und kreativer als Berlin – so heißt es immer wieder über die sächsische Großstadt. Aber was macht Leipzig eigentlich zum Szene-Hotspot? Antworten findet man beim Bummel durch den Westen der Stadt, im Viertel Lindenau. Hier steht das Kunstkraftwerk, in dem man in Gemälde geradezu eintauchen kann.

Noch vor 30 Jahren brannten in Heizkraftwerk Lindenau die Kessel Tag und Nacht, es war heiß, schmutzig, laut. Unermüdlich mussten die Kohleöfen befeuert werden, die Energie kam den Industriebetrieben der Stadt zugute. Dann: der Mauerfall, das Kraftwerk wurde 1992 geschlossen, stand jahrelang leer. Aber Energie geht nie verloren, sie wandelt sich nur. 2012 wurde das alte Gebäude wiederentdeckt, entkernt und als Event- und Kulturlocation eröffnet. Seit 2016 wird in der Saalfelder Straße nicht mehr Wärme, sondern kreative Energie produziert.

Pittoresk ist anders

Dabei hat das ehemalige Heizkraftwerk eigentlich wenig postindustriellen Charme, ist roh, massiv, authentisch, gezeichnet von jahrelangem Beheizen der Kohleöfen, also ein Ort mit Geschichte. So ganz anders als moderne Museen mit ihren glatten weißen Wänden und gepflegten Holzdielen. Klar, dass hier Kunst nicht traditionell präsentiert wird. Keine Leinwände, keine Podeste, die Bilder werden direkt auf die Wände, die Decke, den Boden projiziert. Immersive Kunst – Sie sind mitten drin. Im Moment dreht sich in der Hauptausstellung alles um Leonardo da Vinci, Raffael und Michelangelo. Die Kunstwerke der Renaissance-Künstler wurden hochauflösend fotografiert und lassen sich nun dank unglaublicher Detailtreue an den über 10 Meter hohen Wänden des Kunstkraftwerks erkunden, wie in keinem anderen Museum der Welt. Das letzte Abendmahl, die Mona Lisa, der vitruvianische Mensch leuchten überlebensgroß und beeindruckend. Doch die Bilder sind nicht starr, sondern Teil einer multisensorialen Videoinstallation – bewegen sich, sind mit Musik untermalt. In der Kesselhalle wird parallel die Geschichte von Alice im Wunderland erzählt – ein Märchenspektakel aus Licht, Sound und Texturen. 10 bis 30 Minuten dauern die Programme, die in Schleife laufen. Wer es sich auf einem Liegesack oder Stuhl bequem macht, entdeckt immer wieder Neues, Verblüffendes, liebevoll Gestaltetes. Kunst mit allen Sinnen.

Industriegeschichte mit Herz

Im Kunstkraftwerk stehen Ausstellungsräume und Kunst im Dialog, die Location irgendwo zwischen Proletariat, Punk und Prunk. Hohe Kunst trifft auf Industriegeschichte. Hin und wieder führt der ehemalige Schichtleiter des Heizkraftwerkes durch die Räume und erzählt über seine Arbeit in den Räumen, vermittelt den Besuchern ein Stück Industriegeschichte. Überhaupt finden Sie immer einen Mitarbeiter, der Ihnen die Installation gern erläutert, Sie auf Details hinweist, die Sie sonst verpasst hätten. Hier staunen Erwachsene genauso wie Kinder und begreifen Kunst auf neue Weise. Offspace, Hotspot, Gallerie-Alternative und Museum der Zukunft – das ist Leipzig „at it’s best“ und einer der Gründe, warum die sächsische Stadt wuseliger, kreativer und hipper ist als der große Bruder Berlin.

Kunstkraftwerk Leipzig Adresse
Saalfelder Str. 8, 04179 Leipzig

Kunstkraftwerk Leipzig Öffnungszeiten
Dienstag – Sonntag, Feiertage 10.00 – 18.00 Uhr

Reisepakete werden geladen