Panometer Leipzig

„Titanic“ sinkt jetzt in Leipzig

Eisberg, großer Rumms und das unsinkbar geglaubte Passagierschiff sank doch. Im Leipziger Panometer fängt Yadegar Asisi das Drama um die „Titanic“ vor 105 Jahren als monumentales Rundbild ein. Euphorie und Tragödie des einst größten Luxusdampfers der Welt. Extrem beeindruckend.

Das kalte Licht von U-Boot-Scheinwerfern erhellt die bedrückende Szenerie: Hier, auf dem Meeresgrund, liegt die „Titanic“, zerbrochen, der große Traum gescheitert. Eben waren noch Partygelächter zu hören und Kinderstimmen. Im Panometer Leipzig können Besucher dem Wrack der „Titanic“ und der Tragödie ihres Untergangs so nah kommen wie nie zuvor.

Wer den runden Ausstellungsraum betritt, findet sich plötzlich 3800 Meter unter dem Meeresspiegel wieder. Normalerweise ist es hier stockdunkel. Im Asisi-Panometer erleuchten U-Boot-Scheinwerfer den Meeresgrund. Ringsum liegt in Originalgröße die versunkene „Titanic“, zerbrochen in zwei Teile. Daneben Koffer und Schuhe, Teller, eine Dampfpfeife. Gläserklirren ist zu hören, fröhliche Partystimmung. Dann folgt die Katastrophe. 1514 Passagiere starben im April 1912, als der Luxusdampfer im Nordatlantik versank.

Panoramabild ist 3.500 Quadratmeter groß

Künstler Yadegar Asisi, den seine 360-Grad-Panoramen berühmt machten, gelang erneut ein Kunstwerk gigantischen Ausmaßes: Die Bildinstallation „TITANIC – das Versprechen der Moderne“ ist 110 Meter lang und so hoch wie ein zehnstöckiges Haus (32 Meter): 3500 Quadratmeter zum Gucken und Nachdenken. Über den technischen Fortschritt, der uns Menschen antreibt und glauben lässt, wir könnten die Natur dominieren. Mit dem Wrack in der Tiefe zeigt Asisi symbolisch die Endlichkeit menschlichen Handelns und Seins.

Das versunkene 269-Meter-Schiff war 1985 entdeckt worden. Maler und Architekt Asisi sichtete tausende Fotos von Wrackexpeditionen. Daraus schuf er das größte Rundbild der Welt: eine 37-GB-Datei, gedruckt auf 37 Stoffbahnen. Das Bild wurde im Januar 2017 wie eine Gardine im Panometer aufgespannt. Als Extra ließ der Künstler noch den Schiffsbug nachbauen: 23 Meter hoch und 19 Meter breit.

In der Begleitausstellung werden erstmals rekonstruierte Baupläne der „Titanic“ gezeigt, außerdem das Telegramm eines geretteten Passagiers an seine Mutter in Köln. Rauminstallationen erklären die Errungenschaften der Industrialisierung. Zur echten „Titanic“ kann man angeblich für 50.000 Euro reisen. Yadegar Asisi meldete sich mal an, bekam aber nie eine Antwort. Also lieber „Titanic“ in Leipzig gucken: geht einfacher, ist besser ausgeleuchtet – und viel billiger.

P.S.: Panometer ist übrigens ein Wortspiel aus Panorama (für das Rundbild) und Gasometer (für den alten Gasspeicher).

Panometer Leipzig, Richard-Lehmann-Str. 114, 04275 Leipzig, kostenlose Parkplätze

Mo. – Fr. 10.00 – 17.00, Sa./So./Fei 10.00 – 18.00 (letzter Einlass 1 h vor Schließung)

Erwachsene 11,50, Ermäßigte 10,–. Kinder/Jugendl. 6 – 16 Jahre 6,– Euro, 0 – 6 Jahre gratis

Ferngläserverleih gegen Gebühr. Mit Tram, S-Bahn und Bus erreichbar.

Foto: Tom Schulze

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