Wiener Staatsoper

Warum gilt die Wiener Staatsoper als bestes Opernhaus der Welt?

Sie gilt als das "Erste Haus" am Ring und steht in einer Reihe mit der Metropolitan Opera in New York und der Mailänder Scala: Die Wiener Staatsoper empfängt jeden Abend ein neues Programm – kein Opernhaus der Welt verfügt über ein vergleichbar umfangreiches Repertoire. Rund 350 Vorstellungen pro Saison, über 50 verschiedene Produktionen, internationale Stars auf der Bühne. Wer Wien besucht, sollte hier zumindest einmal vorbeischauen.

Das Gebäude selbst erzählt Geschichte. Als erstes Monumentalgebäude der Wiener Ringstraße eröffnete die Staatsoper im Jahr 1869 – und sorgte schon damals für hitzige Debatten. "Versunkene Kiste" nannten die Wiener das neue Opernhaus spöttisch, weil das Straßenniveau nachträglich erhöht worden war und die Portale nun zu tief wirkten. Einer der Architekten, August Sicard von Sicardsburg, soll an dem öffentlichen Spott erkrankt und kurz vor der Eröffnung gestorben sein – sein Kollege Eduard van der Nüll nahm sich das Leben. Eine tragische Gründungsgeschichte für ein Haus, das heute auf der ganzen Welt bewundert wird.

Woran liegt dieser Ruf? Die Staatsoper arbeitet im sogenannten Stagione-ähnlichen Repertoirebetrieb: Das Programm wechselt täglich, die Besetzungen sind hochkarätig, und das Ensemble zählt zu den größten der Welt. Über 60 Opern und Ballette stehen pro Saison auf dem Spielplan. Eine vergleichbare Bandbreite findet sich nirgendwo sonst.

Geschichte der Wiener Staatsoper

Wer die Geschichte der Wiener Staatsoper verstehen möchte, muss ins 19. Jahrhundert zurückblicken. Kaiser Franz Joseph I. ließ die alte Stadtmauer Wiens abtragen und ersetzte sie durch die prächtige Ringstraße – einen Boulevard mit Prachtbauten, der Wien endgültig zur europäischen Metropole machen sollte. Die Staatsoper war das erste Gebäude, das an dieser neuen Prachtstraße fertiggestellt wurde, und eröffnete am 25. Mai 1869 mit Mozarts „Don Giovanni".

JahrEreignis
1869Eröffnung mit Mozarts „Don Giovanni"
1897–1907Gustav Mahler als Direktor – musikalische Glanzzeit
1945Schwere Beschädigung durch Bomben im Zweiten Weltkrieg
1955Feierliche Wiedereröffnung mit Beethovens „Fidelio"
1992Einführung der Übertitelung
2010Franz Welser-Möst wird Generalmusikdirektor

Besonders prägend war die Ära von Gustav Mahler, der das Haus von 1897 bis 1907 leitete und es zu einem globalen Zentrum der Opernkultur formte. Er reformierte den Spielbetrieb, holte die besten Sängerinnen und Sänger der Zeit nach Wien und setzte Maßstäbe für die Inszenierungspraxis, die bis heute nachwirken. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1945 durch Brandbomben schwer beschädigt – nur das Feststiegenhaus und das Schwindfoyer blieben erhalten. Der Wiederaufbau und die feierliche Wiedereröffnung am 5. November 1955 galten als nationales Symbol für das Wiedererstarken Österreichs. Die Rundfunkübertragung des Eröffnungsabends konnte fast ganz Europa gleichzeitig hören – ein historischer Moment.

Architektur und Innenräume: Das steckt im Haus

Was beim ersten Betreten der Staatsoper sofort ins Auge fällt: die Feststiege. Marmorstufen, geschwungene Geländer, Kronleuchter – hier wird man empfangen wie ein Ehrengast. Das Schwindfoyer, eines der wenigen vollständig erhaltenen Originalteile aus dem 19. Jahrhundert, lädt zum Innehalten ein: 16 Wandmalereien zeigen Szenen aus früheren Opernproduktionen, gemalt von Moritz von Schwind – farbig, filigran und detailreich.

Im Zuschauerraum selbst überrascht die relative Schlichtheit. Doch die Akustik entschädigt für alles. Der berühmte Lüster mit über 1.100 Glühbirnen setzt kurz vor Vorstellungsbeginn ein Ausrufezeichen. Weitere Höhepunkte im Haus:

  • Teesalon: Repräsentativer Pausensaal mit Blick auf die Ringstraße
  • Gustav Mahler Saal: Kleiner Konzert- und Veranstaltungssaal im Haus
  • Schwindfoyer: Historisches Foyer mit Deckengemälden von Moritz von Schwind
  • Hauptbühne: Eine der größten Opernbühnen Europas mit modernster Bühnentechnik
  • Opernshop: Souvenirs, CDs, Notenmaterial und – bei Glück – der Dachbienenhonig

Den besten Überblick über Architektur und Geschichte bietet eine öffentliche Führung. Sie dauert rund 40 Minuten und findet fast täglich am Nachmittag statt – ohne Voranmeldung, kostenpflichtig. Dabei erfährt man Hintergründe zum Bau, sieht die wichtigsten Innenräume und erhält Einblicke in den Spielbetrieb, die man als normaler Besucher einer Vorstellung nicht bekommt.

Der Wiener Opernball – Ball der Bälle

Einmal im Jahr verwandelt sich der Zuschauerraum der Staatsoper in einen Tanzsaal. Beim Wiener Opernball, der traditionell am Donnerstag vor Aschermittwoch stattfindet, werden Parkett und erste Galerie auf das Bühnenniveau angehoben und zu einer einzigen großen Tanzfläche verbunden. Es ist der glamouröseste Ball Wiens – und vielleicht der Welt. Lange Abendkleider, Fracks, Federboas und jede Menge Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft füllen das Haus. Eintrittskarten gehören zu den begehrtesten der Stadt – Logenkarten sind oft Jahre im Voraus vergeben. Das Debüt junger Paare auf dem Parkett zählt zu den emotionalen Höhepunkten des Abends. Wer nur zuschauen möchte: Das Österreichische Fernsehen sowie internationale Streams übertragen das Ereignis in voller Länge.

Oper live am Platz – kostenlos unter freiem Himmel

Wer lieber unter freiem Himmel lauscht, hat von April bis Juni und im September die Chance auf ein kostenloses Opernvergnügen. Die Staatsoper überträgt ausgewählte Produktionen auf eine Videoleinwand am Herbert-von-Karajan-Platz direkt vor dem Haus. Die Atmosphäre ist besonders: Man steht oder sitzt auf dem Platz, manchmal mit einem Kaffee in der Hand, und hört die Musik durch die Nacht klingen. Kein Ticket, kein Dresscode – ein demokratisches Vergnügen im besten Sinne. Auch Ballettaufführungen werden regelmäßig übertragen, sodass das Programm für sehr unterschiedliche Geschmäcker geeignet ist. An warmen Sommerabenden versammeln sich Tausende Menschen auf dem Platz – eine kollektive Erfahrung, die man so in keinem anderen Opernhaus der Welt machen kann.

Spielplan, Tickets & Stehplätze: Was du wissen musst

Die Wiener Staatsoper hat eine klug gestaffelte Preisstruktur, die Oper für Menschen mit jedem Budget ermöglicht. Das Spektrum reicht von Stehplätzen für wenige Euro bis zu Premiumlogen für hunderte Euro – alles für dasselbe Programm auf einer der besten Bühnen der Welt.

  • Stehplätze: Ab ca. 3–4 Euro, erhältlich 80 Minuten vor Vorstellungsbeginn an der Stehplatzkasse (Eingang Operngasse)
  • Sitzplätze: Je nach Kategorie und Produktion zwischen etwa 15 und mehreren hundert Euro
  • Online-Karten: Über die offizielle Website buchbar; populäre Vorstellungen sind oft Wochen im Voraus ausverkauft
  • Guided Tour: Rund 40 Minuten, fast täglich am Nachmittag; kostenpflichtig, keine Voranmeldung nötig
  • Kostenlose Übertragung: „Oper live am Platz" von April bis Juni und im September am Herbert-von-Karajan-Platz

Die legendären Stehplatzbesucher sind ein Phänomen für sich: Seit Generationen kommen dieselben Stammgäste zu fast jeder Vorstellung, kennen jeden Sänger und jede Dirigentin beim Vornamen. Wer selbst auf einen Stehplatz möchte, stellt sich rechtzeitig in der Schlange an – und lernt dabei oft gleich die interessantesten Opernkenner der Stadt kennen. Beim Betreten des Stehplatzes darf man sich den eigenen Platz mit einem mitgebrachten Schal oder Tuch markieren: ein ungeschriebenes Gesetz, das alle respektieren.

Häufig gestellte Fragen zur Wiener Staatsoper

Wie bekomme ich günstige Tickets für die Wiener Staatsoper?
Stehplätze gibt es ab ca. 3–4 Euro, erhältlich 80 Minuten vor Beginn an der Stehplatzkasse (Eingang Operngasse). Online-Tickets auf der offiziellen Website – beliebte Abende sind oft Wochen im Voraus ausverkauft. Eine Voranmeldung für Stehplätze ist nicht möglich.

Muss man sich festlich kleiden?
Es gibt keine offizielle Kleiderordnung für reguläre Vorstellungen, aber schicke Alltagskleidung ist empfehlenswert. Beim Opernball gilt traditionell Abendkleid und Frack.

Kann man das Haus ohne Vorstellung besichtigen?
Ja – öffentliche Führungen finden fast täglich am Nachmittag statt und dauern rund 40 Minuten. Keine Voranmeldung nötig. Man sieht dabei Feststiege, Schwindfoyer, Teesalon und Zuschauerraum.

Wann findet der Wiener Opernball statt?
Traditionell am Donnerstag vor Aschermittwoch, meist Ende Januar oder Anfang Februar. Der Ball zählt zu den gesellschaftlichen Höhepunkten des Wiener Winters.

Unser Geheimtipp: Wer nach einer Führung durch die Staatsoper in den Opernshop schaut, findet dort gelegentlich ein ganz besonderes Wiener Mitbringsel: Honig vom Dach des Opernhauses. Auf dem Dach der Staatsoper leben tatsächlich Bienenvölker, die mitten in der Großstadt ihren Honig produzieren. Die Idee dahinter: Stadtbienen profitieren vom reichhaltigen Blütenangebot der Parks und Gärten Wiens und produzieren oft aromatischeren Honig als ihre Artgenossen auf dem Land. Das Angebot im Opernshop ist begrenzt und schnell vergriffen – wer also auf ein Glas „Wiener Staatsopernhonig" hofft, sollte beim nächsten Besuch nicht zögern.

Adresse Wiener Staatsoper
Opernring 2, 1010 Wien

Öffnungszeiten Wiener Staatsoper
Jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Führungen fast täglich am Nachmittag.

Stehplatzkasse
Eingang Operngasse, öffnet 80 Minuten vor Vorstellungsbeginn

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