Tiergarten - Nürnberg

Tiergarten Nürnberg: Tierwelten und Naturerlebnisse im Waldzoo

Wer behauptet, ein Zoo sei vor allem für Kinder interessant, hat den Tiergarten Nürnberg noch nicht wirklich erlebt. Auf einem 65 Hektar großen Waldgelände am östlichen Stadtrand der Frankenmetropole begegnen Besucher über 330 Tierarten – mitten in einem echten Mischwald, nicht auf einer makellos asphaltierten Besucheranlage. Seit mehr als 110 Jahren gehört der Tiergarten zu Nürnberg wie die Kaiserburg und die Bratwurst. Und er hat in dieser Zeit einiges erlebt: Umzüge, Kriegszerstörungen, Neuanfänge und eine Delphinlagune, die gerade erst frisch renoviert wiedereröffnet hat.

Wer Nürnberg besucht, sollte mindestens einen halben Tag für den Tiergarten einplanen. Dieser Beitrag zeigt, was den Zoo besonders macht, was man keinesfalls verpassen sollte und wann sich ein Besuch lohnt.

Der Tiergarten Nürnberg ist nicht nur ein Ausflugsziel – er ist Teil der Stadtgeschichte. Und diese Geschichte hat einige bemerkenswerte Wendungen zu bieten.

Geschichte des Tiergartens Nürnberg

Gründung 1912 am Luitpoldhain

Die Geschichte des Tiergartens beginnt mit Bürgergeist und Pioniergeist: 1910 gründeten Nürnberger Unternehmer und Stadtbürger eine Aktiengesellschaft, um einen Tiergarten zu bauen. Gerade einmal zwei Jahre später, am 11. Mai 1912, öffnete der erste Tiergarten seine Tore – am Luitpoldhain, wo heute das Nürnberger Messezentrum steht. Der Erfolg war überwältigend: Im ersten Jahr zählte der Zoo über 800.000 Besucher, und rund 1.200 Tiere waren zu bestaunen.

Erzwungener Umzug und Neuanfang am Schmausenbuck

Dann kam die NS-Zeit – und damit ein erzwungener Umzug. Das ursprüngliche Gelände am Luitpoldhain wurde für den Bau des Reichsparteitagsgeländes benötigt. 1939 eröffnete der Tiergarten am neuen Standort am Schmausenbuck, mitten im Nürnberger Reichswald. Ein dramatischer Beginn: Kaum war der Umzug abgeschlossen, begann der Zweite Weltkrieg. Luftangriffe zerstörten den Zoo fast vollständig. Der Wiederaufbau zog sich bis in die späten 1950er Jahre hin.

Meilensteine auf einem Blick

Jahr Ereignis
1912 Eröffnung am Luitpoldhain – über 800.000 Besucher im ersten Jahr
1939 Neustart am heutigen Standort Schmausenbuck
1945 Fast vollständige Zerstörung durch Luftangriffe
1971 Beginn der Delphinhaltung
2011 Eröffnung der neuen Delphinlagune mit 5,5 Millionen Litern Salzwasser
2026 Wiedereröffnung der renovierten Delphinlagune + 40 Jahre Zoopädagogik

Heute gehört der Tiergarten Nürnberg zu den traditionsreichsten und flächenmäßig größten Zoos Deutschlands.

Was macht den Tiergarten Nürnberg einzigartig?

Andere Zoos liegen in Stadtparks oder auf ehemaligem Industriegelände. Der Tiergarten Nürnberg liegt mitten im Wald. Das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzepts: Die Tiere bewohnen großzügige Anlagen, die sich organisch in die Waldlandschaft einfügen. Kein anderer Zoo Deutschlands kann das in dieser Form bieten.

Die Delphinlagune – einzigartig in Deutschland

Von einstmals mehr als zwanzig Delfinarien in Deutschland sind heute nur noch zwei übrig. Das in Nürnberg ist eines davon – und das mit der beeindruckenderen Außenanlage. Sechs Becken, 5,5 Millionen Liter Salzwasser und eine Lagune, die nach umfangreicher Sanierung seit April 2026 wieder vollständig in Betrieb ist. Die Großen Tümmler zeigen sich hier von ihrer kommunikativsten Seite.

Das Manatihaus – Seekühe hautnah erleben

Noch seltener als Delfine im Zoo sind Manatis, auch Seekühe genannt. Der Tiergarten Nürnberg hält nicht nur diese außergewöhnlichen Tiere, er koordiniert auch das europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die gefährdeten Meeressäuger. Auf 700 Quadratmetern tropischem Dschungel – überflutet, wie es sich für Manatis gehört – kann man den gemütlichsten Riesen des Tierreichs beim Fressen und Schwimmen zuschauen.

Artenschutz und internationale Vernetzung

Der Tiergarten Nürnberg ist kein bloßes Schauobjekt. Er ist aktiv an über 50 europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) der Europäischen Zoo-Vereinigung EAZA beteiligt.

  • 65 Hektar Waldgelände – einer der flächenmäßig größten Zoos Deutschlands
  • 331 Tierarten mit über 4.300 Individuen (Stand 2023)
  • Einzige Delphinlagune dieser Größe in Deutschland
  • Europäische EEP-Koordination für Manatis und weitere gefährdete Arten
  • Waldlage am Schmausenbuck – das Naturerlebnis beginnt schon auf dem Weg
  • 40 Jahre Zoopädagogik – Bildungsangebote für Schulen und Familien seit 1986

Die Highlights: Was du nicht verpassen solltest

Der Tiergarten Nürnberg ist groß genug, um leicht einen ganzen Tag zu füllen – aber auch groß genug, um das eine oder andere Highlight zu übersehen. Hier sind die Erlebnisse, die wirklich einen Besuch wert sind:

Delphinlagune

Die frisch sanierte Lagune mit den Großen Tümmlern ist das Herzstück des Zoos. Wer die Vorführungen sehen möchte, sollte den Tagesplan am Eingang prüfen – die Zeiten variieren nach Saison. Frühzeitig vor Ort zu sein lohnt sich, die besten Plätze sind schnell vergeben.

Manatihaus und tropischer Dschungel

Wer noch nie eine Seekuh gesehen hat, wird hier sprachlos sein. Das tropische Ambiente des Manatihauses ist dabei fast so beeindruckend wie die Tiere selbst. Morgens ist es hier am ruhigsten – und die Tiere sind am aktivsten.

Wasserpark: Seelöwen, Pinguine und Eisbären

Ein ganzer Komplex rund ums Wasser: Seelöwen, Humboldt-Pinguine und Eisbären in großzügigen Anlagen mit Unterwasserblick durch Glasscheiben. Gerade bei den Eisbären lohnt es sich, eine Weile zu warten – sie sind große Entertainer, wenn sie in Stimmung sind.

Gorillas und Menschenaffen

Die Begegnung mit dem Westlichen Flachlandgorilla ist für viele Besucher das emotionalste Erlebnis im Tiergarten. Durch die großen Glasscheiben wirken die Tiere zum Greifen nah – und der Blick des Silberrückens lässt einen kurz vergessen, wer hier eigentlich wen anschaut.

Giraffen und afrikanische Savanne

In der Giraffenanlage können die langen Hälse aus nächster Nähe beobachtet werden. Im Sommer halten sich die Tiere draußen auf – wer die Giraffen beim Fressen beobachten möchte, kommt am besten am frühen Morgen.

Wann lohnt sich ein Besuch im Tiergarten Nürnberg?

Der Tiergarten Nürnberg ist ganzjährig geöffnet – 365 Tage im Jahr, auch an Feiertagen. Aber nicht jeder Zeitpunkt ist gleich gut.

Frühling und Herbst sind die angenehmsten Jahreszeiten. Die Temperaturen sind gemäßigt, die meisten Tiere sind aktiv, und der Waldweg zum Zoo hat seinen ganz eigenen Charme. Im Frühling gibt es häufig Nachwuchs zu bewundern – was für Familien mit Kindern ein echter Höhepunkt ist.

Sommer ist Hochsaison – entsprechend voll. Der Zoo öffnet bereits um 8:30 Uhr. Wer kurz nach Öffnung da ist, hat die Anlagen weitgehend für sich. Gegen Mittag wird es voller und wärmer – dann liegen auch viele Tiere lieber im Schatten.

Winter hat seinen eigenen Reiz: Weniger Besucher, ruhigere Stimmung, und manche Tiere sind im Schnee besonders aktiv. Eisbären im Schnee zu beobachten ist ein Erlebnis für sich – wer das möchte, kommt am besten im Januar oder Februar.

Tipp: Schulferien grundsätzlich meiden – zumindest die ersten und letzten Tage. Unter der Woche außerhalb der Ferien ist der Tiergarten am entspanntesten zu besuchen.

Nürnberg hat weit mehr zu bieten als den Tiergarten – die Altstadt mit Kaiserburg, Hauptmarkt und Bratwurst-Kultur lädt zum ausgiebigen Entdecken ein. Ein oder zwei Nächte in der Stadt lassen genug Zeit, um sowohl den Tiergarten als auch die historische Innenstadt zu erkunden.

Eintritt, Öffnungszeiten und Anreise

Bevor es losgeht: Hier sind die wichtigsten Informationen auf einen Blick.

Eintrittspreise (ab 1. Februar 2026)

Kategorie Preis
Erwachsene 21,00 €
Jugendliche 15,80 €
Kinder 9,80 €
Familienkarte (2 Erw. + 2 Kinder) 47,50 €
Jahreskarte Erwachsene 94,00 €
Jahreskarte Kinder 41,00 €

Öffnungszeiten

Saison Öffnungszeit Letzter Einlass
Sommer (ca. Ende März bis Oktober) 8:30–18:00 Uhr 17:30 Uhr
Winter (November bis Ende März) 9:00–16:30 Uhr 16:00 Uhr

Anreise und Adresse

  • Adresse: Am Tiergarten 30, 90480 Nürnberg
  • ÖPNV: U-Bahn Linie U1 bis Haltestelle Tiergarten (direkte Anbindung ans Stadtzentrum)
  • Auto: Parkplätze direkt am Tiergarten vorhanden, kostenpflichtig in der Hochsaison
  • Tipp: Mit dem Fahrrad über den Stadtwald ist der Weg selbst schon ein Erlebnis

Aktuelle Preise und Öffnungszeiten direkt beim Tiergarten Nürnberg prüfen – gelegentlich gibt es Sonderöffnungen oder Veranstaltungen.

FAQ zum Tiergarten Nürnberg

Wie groß ist der Tiergarten Nürnberg?

Der Tiergarten Nürnberg umfasst 65 Hektar Waldgelände am östlichen Stadtrand Nürnbergs – damit gehört er zu den flächenmäßig größten Zoos Deutschlands.

Wie viele Tierarten gibt es im Tiergarten Nürnberg?

Im Tiergarten Nürnberg leben über 331 Tierarten mit rund 4.314 Individuen (Stand 2023), darunter viele vom Aussterben bedrohte Arten.

Hat der Tiergarten Nürnberg noch Delfine?

Ja. Die Delphinlagune wurde nach umfangreicher Sanierung am 1. April 2026 wiedereröffnet. Der Tiergarten Nürnberg ist eines der letzten zwei verbliebenen Delfinarien in Deutschland.

Was kostet der Eintritt in den Tiergarten Nürnberg?

Erwachsene zahlen ab 1. Februar 2026 21,00 Euro Eintritt, Kinder 9,80 Euro. Eine Familienkarte kostet 47,50 Euro.

Wie kommt man zum Tiergarten Nürnberg?

Mit der U-Bahn Linie U1 direkt bis Haltestelle Tiergarten. Die Adresse: Am Tiergarten 30, 90480 Nürnberg.

Geheimtipp: Das Manatihaus am frühen Morgen

Die meisten Besucher steuern zuerst die Delfine an – was verständlich ist, aber einen wertvollen Nebeneffekt hat: Das Manatihaus ist am frühen Vormittag oft fast leer. Dabei lohnt sich ein ausgiebiger Aufenthalt wirklich. Die Seekühe werden morgens gefüttert und sind dann besonders aktiv. Ein Besuch kurz nach der Öffnung um 8:30 Uhr lässt genug Zeit, das Manatihaus in Ruhe zu erleben, bevor der Massenbetrieb beginnt. Wer außerdem einen Blick in die Nordamerika-Anlage wirft, hat gute Chancen, die Bisons bei der morgendlichen Aktivität zu erleben – auch die mögen es ruhig.

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