Hauptmarkt und Schöner Brunnen

Hauptmarkt: Schöner Brunnen und lebendige Altstadt

Wer Nürnberg besucht, landet früher oder später auf dem Hauptmarkt – und das ist kein Zufall. Dieser weitläufige Platz im Herzen der Altstadt zieht magnetisch an. Morgens richten Markthändler ihre Stände auf, mittags fotografieren Reisende den Schönen Brunnen, nachmittags sitzen Nürnberger bei einer Bratwurst in der Sonne. Mittendrin ragt der fast 19 Meter hohe Schöne Brunnen empor – ein gotisches Meisterwerk aus dem 14. Jahrhundert und Lieblingsmotiv ungezählter Fotos.

Der Hauptmarkt ist mehr als eine Sehenswürdigkeit: Er ist das pulsierende Zentrum einer Stadt, die Geschichte buchstäblich auf dem Marktplatz trägt. Ob erste Nürnberg-Visite oder Wiedersehen mit der Altstadt – hier gibt es immer etwas zu entdecken. Alles Wissenswerte zu Nürnberg als Reiseziel findest du auf unserer Übersichtsseite.

Nürnberg steckt voller Geschichte – und nirgends spürt man das deutlicher als auf dem Hauptmarkt und am Schönen Brunnen. Ein Blick hinter die Kulissen dieser beiden Wahrzeichen lohnt sich.

Geschichte: Wie der Hauptmarkt entstand

Der Hauptmarkt ist kein gewöhnlicher Marktplatz. Er entstand 1349 auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Viertels, das bei einem Pogrom zerstört worden war. Kaiser Karl IV. nutzte das freigelegte Areal gezielt: Ab 1358 ließ er hier einen großen öffentlichen Marktplatz anlegen, der die damals getrennten Stadtteile – die Sebalder Seite im Norden und die Lorenzseite im Süden – zu einem einzigen städtischen Zentrum verband.

Der Name „Hauptmarkt" klingt alt, ist aber überraschend jung: Er wurde erst im 19. Jahrhundert offiziell eingeführt. Vorher nannte man den Platz schlicht „der Markt" oder „der Große Markt".

Kaisermacht auf dem Marktplatz

Für Karl IV. war der Markt mehr als ein Handelsort. Hier proklamierte er kaiserliche Erlasse, hier wurde die Goldene Bulle von 1356 – die wichtigste Verfassung des Heiligen Römischen Reichs – bekannt gemacht. Nürnberg war eine der mächtigsten freien Reichsstädte Deutschlands, und der Hauptmarkt war ihr Herz. Eine eigene Marktordnung, ein Marktglockenläuten und zugelassene Marktaufseher machten Nürnberg zu einem Pionier des städtischen Handelswesens.

Der Markt heute: Lebendige Tradition

Der tägliche Wochenmarkt (Montag–Samstag, 9–18 Uhr) hält die Tradition lebendig: Frisches Gemüse, Blumen, Kräuter und fränkische Spezialitäten – darunter natürlich die berühmten Nürnberger Rostbratwürste – werden nach wie vor auf dem Platz verkauft, der vor fast 700 Jahren entstand. Kaiser Karl IV. hätte seine Freude daran gehabt.

Der Schöne Brunnen – Symbol und goldene Legende

Er sieht aus wie ein Kirchturm, der aus dem Marktpflaster gewachsen ist – und genau das war die Absicht. Der Schöne Brunnen, 1385–1396 an der Nordwestecke des Hauptmarkts errichtet, ist 19 Meter hoch und eines der beeindruckendsten gotischen Kunstwerke in Deutschland. Baumeister Fritz Pfintzing und Steinmetz Heinrich Behaim schufen ein Monument, das bis heute Besucher aus aller Welt anzieht.

40 Figuren – ein mittelalterliches Weltbild in Stein

Die 40 farbig gefassten Figuren sind in vier Rängen angeordnet und illustrieren das gesamte Weltbild des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reichs:

  • Unterster Rang: Die Philosophie und die Sieben Freien Künste – Pythagoras (Musik), Euklid (Geometrie), Ptolemäus (Astronomie) u.a. als Fundament des Wissens
  • Mittlerer Rang: Die „Neun guten Helden" – Josua, Julius Caesar, König Artus, Karl der Große und weitere – sowie die sieben Kurfürsten des Reichs
  • Oberer Rang: Moses und sieben alttestamentliche Propheten als Zeichen der göttlichen Ordnung
  • Acht Wasserspeier: Die sieben Todsünden und der Glücksstorch Adebar

Ein wichtiger Hinweis für Kunstliebhaber: Was heute auf dem Hauptmarkt steht, ist eine getreue Kopie aus dem Jahr 1903. Die originalen Figuren aus dem 14. Jahrhundert sind im Germanischen Nationalmuseum ausgestellt – ein absolutes Muss für alle, die tiefer in Nürnbergs Kunstgeschichte eintauchen möchten.

Der goldene Ring – zwischen Legende und Liebesgeschichte

Das berühmteste Detail des Brunnens ist ein schlichter Ring im eisernen Gitter: ein Messingring, der sich frei dreht, obwohl er scheinbar ohne Naht oder Schweißpunkt eingeschmiedet ist. Die romantische Legende besagt, ein Schmiedegeselle habe ihn heimlich ins Gitter eingearbeitet, um die Tochter seines Meisters zu gewinnen.

Tatsächlich gibt es am Brunnen zwei Ringe: den bekannten goldenen Messingring und einen unscheinbaren schwarzen Eisenring. Einheimische halten den Eisenring für den „echten" Glücksbringer – dreimal drehen, Wunsch frei. Der Messingring wurde nachweislich mehrfach gestohlen (1945 und 1957), die heutigen Ringe sind Neuanfertigungen.

Ein außergewöhnliches Kriegskapitel: Der Schöne Brunnen überstand den Zweiten Weltkrieg unversehrt – weil die Stadt ihn vorsorglich in eine schützende Betonhülle eingeschlossen hatte, bevor die Bombenangriffe begannen. Fast alles um ihn herum wurde zerstört; der Brunnen stand unbeschadet.

Märkte, Feste und Events auf dem Hauptmarkt

Der Hauptmarkt ist kein reines Touristenziel – er ist ein echter Lebensraum der Stadt. Das ganze Jahr über ist hier etwas los.

Christkindlesmarkt – weltberühmt und zu Recht

Jedes Jahr Ende November bis zum 24. Dezember verwandelt sich der Hauptmarkt in einen der bekanntesten Weihnachtsmärkte der Welt. Mehr als 2,5 Millionen Besucher kommen jährlich zu den rund 180 rot-weiß gestreiften Buden, an denen Lebkuchen, Glühwein, Rauschgoldengel und handgefertigte Glasornamente angeboten werden. Die Eröffnung findet traditionell vom Balkon der Frauenkirche statt – gesprochen vom Christkind, einer jungen Nürnbergerin, die jedes Jahr neu gewählt wird. Alle Infos zum Christkindlesmarkt Nürnberg

Trempelmarkt – Deutschlands größter Innenstadtflohmarkt

Zweimal im Jahr – im Mai und im September – verwandelt sich der Hauptmarkt in einen riesigen Flohmarkt. Für Vintage-Enthusiasten, Antiquitätenjäger und alle, die gern stöbern, ist das ein Pflichtprogramm.

Weitere Events das ganze Jahr

  • Ostermarkt: Traditioneller Frühlingsmarkt mit regionalem Kunsthandwerk
  • Herbstmarkt: Fränkische Weine, Spezialitäten und regionale Produkte
  • Blaue Nacht: Nürnbergs Kunstnacht mit Lichtinstallationen und Performances
  • Täglich Mo–Sa: Frischestand für Obst, Gemüse, Blumen und Nürnberger Rostbratwürste

Wann lohnt sich ein Besuch am meisten?

Wann sich ein Besuch am meisten lohnt, hängt davon ab, was du suchst. Diese Übersicht hilft bei der Planung:

ZeitpunktErlebnisBesucherandrang
Werktags früh (8–10 Uhr)Ruhiger Marktbesuch, beste Fotos ohne MenschenmassenGering
Täglich 12 UhrMännleinlaufen an der FrauenkircheModerat
Frühling & HerbstMildes Wetter, weniger Touristen als im SommerModerat
SommerLebhaftes Stadtleben, Außengastronomie rund um den MarktHoch
Nov–Dez (Christkindlesmarkt)Einmalige Weihnachtsmarkt-AtmosphäreSehr hoch
Mai / September (Trempelmarkt)Riesiger InnenstadtflohmarktSehr hoch

Praktische Infos auf einen Blick:

  • Der Platz ist kostenlos zugänglich – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr
  • Nächste U-Bahn: Lorenzkirche (U1); Straßenbahnen 8 und 9
  • Fußweg vom Nürnberger Hauptbahnhof: ca. 10 Minuten
  • Rollstuhlgerechter Zugang vorhanden
  • Parkhaus direkt am Hauptmarkt verfügbar

Rund um den Hauptmarkt: Was du noch entdecken kannst

Der Hauptmarkt liegt ideal: Von hier aus sind fast alle bedeutenden Nürnberger Sehenswürdigkeiten in wenigen Gehminuten erreichbar.

Frauenkirche – mit dem berühmten Männleinlaufen

Die spätgotische Frauenkirche schließt den Hauptmarkt im Osten ab. Sie wurde 1352–1362 im Auftrag Kaiser Karls IV. errichtet – desselben, der auch den Marktplatz anlegen ließ. Täglich um genau 12 Uhr läuft das berühmte Männleinlaufen: Winzige Figuren treten hervor und re-inszenieren die Huldigung der sieben Kurfürsten an Kaiser Karl IV. – eine direkte Anspielung auf die Goldene Bulle von 1356. Wer in Nürnberg ist und dieses Schauspiel verpasst, hat eine echte Lücke in seinem Städtetrip.

Kaiserburg – 5 Minuten bergauf

Vom Hauptmarkt nach Norden Richtung Burgberg: Nach etwa fünf Fußminuten thront die Kaiserburg über der Altstadt. Eine der bedeutendsten Burganlagen Deutschlands, Residenz der deutschen Kaiser und mit grandiosem Ausblick über die Dächer Nürnbergs. Der Aufstieg lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Germanisches Nationalmuseum – die Originale sehen

Wer die originalen mittelalterlichen Figuren des Schönen Brunnens aus dem 14. Jahrhundert sehen möchte, muss ins Germanische Nationalmuseum. Es liegt nur zehn Gehminuten vom Hauptmarkt entfernt und ist das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschsprachigen Raums – mit weit mehr als nur Brunnenfiguren zu bieten.

Geheimtipp: Der schwarze Ring

Den goldenen Messingring am Schönen Brunnen kennen alle Touristen. Was die wenigsten wissen: An der Nordostecke des Brunnengitters hängt ein unscheinbarer schwarzer Eisenring. Nürnberger Einheimische behaupten, das ist der eigentliche Glücksring – der goldene sei nur für die Touristen da. Dreimal drehen, Wunsch frei. Ob es stimmt, muss jeder selbst entscheiden. Aber vielleicht haben die Nürnberger ja einfach einen kleinen Wissensvorsprung.

Du hast noch Fragen zum Hauptmarkt oder zum Schönen Brunnen? Die häufigsten Fragen haben wir hier zusammengestellt.

FAQ – Häufige Fragen zum Hauptmarkt Nürnberg

Wann hat der Hauptmarkt Nürnberg geöffnet?
Der Hauptmarkt ist als öffentlicher Platz rund um die Uhr frei zugänglich. Der Wochenmarkt (Montag–Samstag, 9–18 Uhr) bietet täglich frische regionale Produkte.

Wie alt ist der Schöne Brunnen?
Der Brunnen wurde 1385–1396 erbaut. Was heute auf dem Platz steht, ist eine Kopie von 1903 – die Originale sind im Germanischen Nationalmuseum.

Was bedeutet der Ring am Schönen Brunnen?
Im Brunnengitter befinden sich zwei drehbare Ringe. Dreimal drehen soll Glück bringen und Wünsche erfüllen.

Wann ist der Christkindlesmarkt?
Jährlich vom Freitag vor dem ersten Advent bis 24. Dezember, täglich 10–21 Uhr.

Wie komme ich zum Hauptmarkt?
U1 (Lorenzkirche), Tram 8/9 oder 10 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof. Mehr Inspiration für Städtereisen in Deutschland findest du auf unserer Themenseite.

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