Propsteikirche St. Peter und Paul

Propsteikirche St. Peter und Paul: Geschichte und Kirchenkunst entdecken

Wer durch Bochums Innenstadt läuft, steht früher oder später vor einem Kirchturm, der alles überragt: 68 Meter Sandstein, ruhig und unerschütterlich, mitten im pulsierenden Stadtleben. Die Propsteikirche St. Peter und Paul ist nicht nur das älteste Gotteshaus der Stadt – sie ist das Gedächtnis Bochums. Hier, wo einst Karl der Große eine Missionskapelle errichten ließ, betet man heute noch in einer Kirche, die Romanik, Gotik und Neogotik in einem Gebäude vereint.

Wer einen Städtetrip nach Bochum plant, sollte sich mindestens einen halben Tag für diese bemerkenswerte Kirche einplanen – und für das Viertel, das sie umgibt.

Geschichte der Propsteikirche Bochum

Die Geschichte der Propsteikirche reicht bis in die Zeit Karls des Großen zurück – rund 1.200 Jahre, in denen Bochum vom Dorf zur Industriestadt wurde, ohne dass der Kirchturm je aufgehört hätte, über allem zu stehen.

Die karolingische Gründung

Um 785 bis 800 n. Chr. ließ Karl der Große nahe seinem Reichshof am Hellweg eine hölzerne Missionskapelle errichten, geweiht dem heiligen Petrus. Der Ort war damals strategisch bedeutsam: Der Hellweg von Duisburg nach Paderborn war die wichtigste Ost-West-Route Westfalens, und Bochum lag genau in seinem Schnittpunkt mit dem fränkischen Herrschaftsbereich. Möglicherweise stand hier zuvor eine sächsische Kultstätte – die Kirche als bewusstes Zeichen der christlichen Neuordnung.

Vom Brand zur spätgotischen Hallenkirche

Im 11. Jahrhundert ersetzte man die Holzkapelle durch einen steinernen Bau. Dann kam der 25. April 1517: Ein Stadtbrand zerstörte Bochum weitgehend – und mit ihm die Kirche. Was folgte, war kein einfacher Wiederaufbau, sondern ein Neubeginn: 1547 entstand die spätgotische Hallenkirche, die bis heute das Kernstück des Gebäudes bildet. Der romanische Chor wurde wiederverwendet, der neue Turm mit 68 Metern Höhe wurde zum Stadtzeichen. Seitdem trägt die Kirche das Doppelpatronat St. Peter und Paul.

Bis 1655 war die Propsteikirche die einzige Kirche Bochums – Katholiken und Protestanten feierten hier gemeinsam Gottesdienst, bevor die evangelische Pauluskirche entstand. 1888 erhielt das Gotteshaus den Rang einer Propsteikirche. Im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt, wurde sie von 1949 bis 1959 als dreischiffige Hallenkirche neu aufgebaut – in den Formen der westfälischen Gotik, aber mit moderner Substanz.

Jahr Ereignis
um 785–800 Karolingische Holzkapelle unter Karl dem Großen
1243 Erste urkundliche Erwähnung der Kirche
1517 Zerstörung durch den großen Stadtbrand Bochums
1547 Wiederaufbau als spätgotische Hallenkirche; Bau des 68-Meter-Turms
1655 Erste evangelische Parallelkirche; Ende des gemeinsamen Gottesdienstes
1872–1874 Erweiterung um Querhaus, Polygonchor und Sakristei
1888 Rangerhebung zur Propsteikirche
1944 Schwere Kriegsschäden durch Bombenangriffe
1949–1959 Wiederaufbau als dreischiffige Hallenkirche in westfälisch-gotischen Formen

Architektur und Kunstschätze

Von außen fällt der Turm zuerst auf: 68 Meter hoch, aus dem Jahr 1547, mit den für die westfälische Spätgotik typischen drei Fensterachsen in den Obergeschossen. Er war nicht nur Kirchturm, sondern auch Wehrturm – was seiner schlichten Massigkeit eine ganz eigene Würde gibt. Die neogotischen Erweiterungen des 19. Jahrhunderts – Querhaus und Polygonchor von 1872 bis 1874 – ergänzen die gotische Grundform harmonisch, ohne ihr die Schau zu stehlen.

Im Inneren öffnet sich eine dreischiffige Hallenkirche, deren Wandflächen trotz der Kriegszerstörungen eine erstaunliche Sammlung historischer Kunstschätze bewahrt haben. Was hier hängt und steht, erzählt 1.200 Jahre Frömmigkeit und Kunsthandwerk:

Objekt Datierung Besonderheit
Romanischer Taufstein um 1175 Mit christologischen Szenen; ältestes Kunstwerk der Kirche
Reliquienschrein hl. Perpetua und Felicitas um 1100 Bedeutendes mittelalterliches Goldschmiedewerk
Bladenhorster Kreuz (Kruzifix) 1352 Geschnitzt von Bernhard von Waltrop; kunsthistorisch einzigartig
Eichenholz-Beweinungsgruppe um 1520 Spätgotische Schnitzarbeit von besonderer Qualität
Steinernes Tabernakel um 1460 Selten erhaltenes spätmittelalterliches Format
Gussstahl-Glocken 19. Jh. Gegossen in Bochumer Industriewerken – Symbol für Kirche und Revier

Die Glocken verdienen besondere Aufmerksamkeit: Sie wurden in den Bochumer Stahlwerken gegossen – ein Detail, das kaum irgendwo sonst so deutlich wird, wie sehr Kirche und Industrie in dieser Stadt zusammengehört haben. Während im Ruhrgebiet Kohle und Stahl das Leben bestimmten, läutete der Kirchturm mit Glocken, die aus demselben Material geformt waren wie die Werke ringsum. Eine spezifisch Bochumer Symbiose.

Wann lohnt sich ein Besuch der Propsteikirche in Bochum?

Die kurze Antwort: immer. Die Propsteikirche ist täglich geöffnet, der Eintritt kostenlos, und der Turm steht das ganze Jahr über frei zugänglich. Besonders eindrucksvoll ist die Kirche an stillen Wochentagen vormittags, wenn das Licht durch die Fenster fällt und der Innenraum eine Ruhe ausstrahlt, die man in Bochums Innenstadt sonst selten findet.

Information Details
Adresse Untere Markstraße 9 / Bleichstraße 12, 44787 Bochum
Öffnung Täglich geöffnet für Besichtigungen
Gottesdienste Mo–Sa 18:30 Uhr
Gottesdienste So 12:00 Uhr und 18:30 Uhr
Eintritt Kostenlos
Anreise ÖPNV S-Bahn / U-Bahn Bochum Hauptbahnhof, ca. 5–8 Minuten zu Fuß
Kontakt Tel. 0234 14715 · info@propstei-bochum.de

Häufige Fragen zur Propsteikirche Bochum

Ist die Propsteikirche kostenlos zugänglich?
Ja. Die Kirche ist frei zugänglich, der Eintritt kostenlos. Auch außerhalb der Gottesdienstzeiten kann man das Gotteshaus besichtigen.
Wann wurde die Propsteikirche gegründet?
Die Gründung geht auf Karl den Großen zurück, der um 785–800 n. Chr. eine erste Missionskapelle an dieser Stelle errichten ließ. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1243.
Wie hoch ist der Kirchturm der Propsteikirche?
Der Kirchturm ist 68 Meter hoch und stammt aus dem Jahr 1547. Er gilt als eines der Wahrzeichen der Stadt Bochum.

Sehenswürdigkeiten rund um die Propsteikirche

Die Propsteikirche steht nicht allein. Das Viertel um die Untere Markstraße ist eines der kulturell dichtesten Pflaster im Ruhrgebiet – und von hier aus lässt sich Bochum wie ein Buch lesen. Alles ist fußläufig oder mit wenigen Fahrminuten erreichbar:

  • Bermuda3Eck (ca. 5 Minuten): Eines der bekanntesten Kneipenviertel Deutschlands – ideal für den Abend nach dem Kirchenbesuch. Mehr zum Bermuda3Eck Bochum.
  • Deutsches Bergbau-Museum (ca. 10 Minuten): Das meistbesuchte Bergbaumuseum der Welt – mit echtem Förderturm im Stadtbild. Ein Muss für alle, die verstehen wollen, was das Ruhrgebiet ausmacht.
  • Kunstmuseum Bochum (ca. 10 Minuten): Schwerpunkt auf Kunst nach 1945, mit einzigartiger Fluxus-Sammlung und kostenloser Dauerausstellung. Infos zum Kunstmuseum Bochum.
  • Botanischer Garten der Ruhr-Uni (ca. 20 Minuten): Ruheoase und grüne Lunge auf dem Campusgelände – ideal für eine Auszeit vom Stadttrubel. Zum Botanischen Garten Bochum.
  • Musikforum Ruhr (ca. 5 Minuten): Heimat der Bochumer Symphoniker und Konzertsaal von internationalem Rang – direkt um die Ecke.
  • Zeche Bochum (ca. 15 Minuten): Eine der bekanntesten Konzertstätten Deutschlands in einem ehemaligen Bergwerksgebäude.

Bochum ist klein genug, um in einem Tag vieles zu sehen – und groß genug, um beim zweiten Besuch wieder Neues zu entdecken. Der Ausgangspunkt für fast alle Sehenswürdigkeiten liegt rund um die Propsteikirche.

Geheimtipp: So erlebst du die Propsteikirche anders

Geheimtipp Nummer eins: Komm früh morgens. Unter der Woche, kurz nach der Öffnung, gehört die Kirche fast dir allein. Das Licht fällt durch die Fenster, die Glocken sind still, und der Raum entfaltet eine Ruhe, die sich im Trubel des Tages so nicht mehr einstellt. Bochum ist bekannt für seinen Lärm – Konzerte, Fußball, das Bermuda3Eck. Die Propsteikirche ist das Gegenteil davon. Sie ist leise, auch wenn die Stadt ringsum tobt.

Zweiter Geheimtipp: Der romanische Taufstein. Er steht nicht prominent im Altarraum, und die meisten Besucher laufen daran vorbei. Dabei ist er das älteste erhaltene Kunstwerk der Kirche – um 1175, mit christologischen Szenen verziert, und in einer Qualität, die man in einer Stadtpfarrkirche nicht erwartet. Nimm dir die Zeit, ihn wirklich anzuschauen.

Wer Bochum als Ausgangspunkt für einen längeren Aufenthalt nimmt: Das Ruhrgebiet bietet innerhalb weniger Kilometer ein Kulturprogramm, das jedem Großstadturlaub das Wasser reichen kann – von Essen über Dortmund bis Duisburg. Die Propsteikirche ist ein idealer Auftakt für diese Entdeckungsreise durch ein Industrierevier, das längst zur Kulturregion geworden ist.

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