Museumsdorf Tittling

Krapfenduft und Spinnrad unter freiem Himmel

Manche Menschen sammeln Briefmarken, Streichhölzer oder Bierdeckel. Hotelier Georg Höltl sammelte Häuser. Historische, vollausgestatte Häuser aus Bayern. Dank dieses ungewöhnlichen Hobbys des Unternehmers entstand das Bayerische Museumsdorf in Tittling.

Angefangen hat es mit der 500 Jahre alten Rothausmühle, die eigentlich abgerissen werden sollte. Die stand nur 100 Meter von Höltls Hotel am Dreiburgsee entfernt. Er kaufte sie, ließ sie restaurieren und eröffnete ein Heimatmuseum. Das war 1973. Mittlerweile stehen mehr als 100 Häusern auf einer Fläche von 35 Fußballfeldern, alle sorgsam ab- und hier wieder aufgebaut und hergerichtet. Es damit eines der größten Freilichtmuseen in Europa.

Dorfidylle

Hier kann man sich richtig verlieren, zwischen alten Bauernhöfen, Kapellen, Mühlen, Sägen und Ställen. Am Weg entlang plätschert ein Bach, die Zäune stehen etwas schief und neben dem Klohäuschen zupft ein Pferd Grashalme, Enten schnattern in der Ferne. Als wäre es aus der Vergangenheit gefallen, wirkt das Dorf. Jedes Haus kann betreten werden, am Eingang informiert eine Tafel ausführlich über die Geschichte des Gebäudes. Da ist zum Beispiel das Schulhaus, erbaut 1666 und damit das älteste Deutschlands. Früher stand es im niederbayerischen Markt Simbach bei Landau, heute wurde die Schulstube nach originalen Inventarlisten mit Tafel und Holbänken ausgestattet.

Altes Handwerk

In anderen Häusern stehen Wagenräder, Fässer, Zuber, Geschirr, Waschbretter, Betten, Schmuck, Bauernschränke, Kinderwagen und Nachttöpfe aus. Jeden Tag können Besucher Handwerkern bei der Arbeit über die Schulter sehen: Glasmalern, Spinnern, Bienenzüchter und vielen mehr. Am besten am Donnerstag kommen: Dann werden gleich zwei Mal Krapfen und Holzbrot gebacken und verkauft. Dann duftet es im ganzen Museum. Wer das verpasst, kehrt ein im "Mühlhiasl", dem Gasthaus, für eine zünftige Jause, Kaffee und Kuchen oder eine warme Mahlzeit. Der 2016 verstorbene Höltl sammelte übrigens nicht nur Häuser: Ihm gehörte auch die größte Glassammlung der Welt - die ist allerdings in Passau ausgestellt.

Museumsdorf Bayerischer Wald, Am Dreiburgensee, 94104 Tittling

Mitte April - Ende Oktober, täglich 10.00 - 18.00, Häuser, Ausstellung und Gastronomie im Winter geschlossen, das Museumsdorf ist trotzdem zugänglich 9.00 - 16.00

Erwachsene 7,- Euro,
Ermäßigte (Schüler, Studenten, Schwerbehinderte) 5,- Euro,
Kinder (bis 6 Jahre) gratis,
Eintrittt im Winter 2,- Euro

Foto: Museumsdorf Bayerischer Wald

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