Hundertwasserhaus - Wien

Hundertwasserhaus

Bunte Fassaden, unebene Böden und Bäume, die einfach aus den Fenstern wachsen – das Hundertwasserhaus in Wien ist kein normales Wohngebäude. Es ist ein Kunstwerk. Mitten im 3. Wiener Gemeindebezirk steht dieser farbenfrohe Koloss wie ein Gemälde, das irgendjemand versehentlich lebendig werden ließ. Kein Wunder, dass jährlich rund eine Million Menschen aus aller Welt den Weg hierher finden – oft mit dem Stadtplan in der Hand und einem „Das kann doch nicht stimmen!" auf den Lippen.

Das Hundertwasserhaus gehört zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Wiens – und zum unverwechselbaren Herzstück einer Städtereise nach Wien. Wer dieses Bauwerk noch nie gesehen hat, hat Wien noch nicht wirklich gesehen.

Geschichte des Hundertwasserhauses

Die Idee: Hundertwasser und seine Architekturkritik

Friedensreich Hundertwasser – bürgerlich Friedrich Stowasser – war als Maler und Grafiker längst international gefeiert, als er sich in den 1950er Jahren zunehmend mit Architektur auseinandersetzte. Sein berühmtes Verschimmelungs-Manifest gegen den Rationalismus in der Architektur von 1958 brachte es auf den Punkt: Er verachtete die gerade Linie, die funktionale Kälte der Moderne, die seelenlosen gestapelten Betonkästen der Nachkriegszeit. Für ihn war die gerade Linie geradezu amoralisch – er nannte sie gottlos und obszön. Er forderte das sogenannte Fensterrecht: Jeder Mensch soll das Recht haben, sein Fenster nach außen hin individuell zu gestalten, soweit sein Arm reicht.

Von der Idee zum Bauwerk

1977 bot die Stadt Wien Hundertwasser an, einen geplanten Gemeindebau zu gestalten. Er nahm an – und arbeitete dabei mit dem Wiener Architekten Josef Krawina zusammen, der die technische Umsetzung übernahm. Beide stritten sich später über die genaue Urheberschaft, doch das fertige Ergebnis ließ keinen Zweifel daran, wessen Vision das war.

Zwischen 1983 und 1985 entstand das Wohngebäude in der Kegelgasse 36–38 im 3. Bezirk. Am 17. Februar 1986 wurde es offiziell als Gemeindebau der Stadt Wien übergeben. Die Baukosten überstiegen die eines normalen Gemeindebaus erheblich – Hundertwasser selbst verzichtete auf sein gesamtes Honorar mit den Worten: Ich habe dieses Haus als Gastgeschenk für die Wiener entworfen.

Reaktionen und Bedeutung

Die Reaktionen waren gespalten: Kunstkritiker feierten das Gebäude als revolutionäres Meisterwerk. Konservative Architekten kritisierten es als Disneyland oder Zuckerbäckerei. Die Bewohner liebten es von Anfang an – und die Besucher kamen in Scharen. Heute gilt das Hundertwasserhaus als eines der meistbesuchten Bauwerke Österreichs und als Sinnbild für eine Architektur, die dem Menschen und der Natur mehr Platz einräumt als dem Reißbrett.

Was macht das Hundertwasserhaus so besonders?

Kurze Antwort: Fast alles. Das Hundertwasserhaus bricht mit nahezu jeder Konvention des Wohnungsbaus – und tut das mit so viel Farbe, Lebensfreude und konsequenter Haltung, dass man unweigerlich stehen bleibt und staunt.

Keine geraden Linien, nirgends

Hundertwasser lehnte die gerade Linie fundamental ab. Die Folge: Die Böden in den Wohnungen sind bewusst uneben, die Fassade wellenförmig, die Fenster unterschiedlich groß und in keinster Weise symmetrisch. Jede der 52 Wohnungen und 4 Büros ist ein Unikat – kein Grundriss gleicht dem anderen.

Bäume als Mitmieter

Das bekannteste Konzept des Hauses sind die sogenannten Baummieter: 9 Bäume und rund 250 Sträucher und Büsche wachsen aus dem Gebäude heraus – aus Fensternischen, Balkonen und vom Dach. Für Hundertwasser waren diese Pflanzen vollwertige Bewohner des Hauses. Sie zahlen Miete durch den Schatten im Sommer und durch die Schönheit, die sie der ganzen Stadt schenken.

Farbe, Keramik und goldene Kuppeln

Die Fassade leuchtet in kräftigem Rot, Gelb, Blau und Grün. Keramikfliesen schmücken Säulen, Böden und Simse. Vergoldete Zwiebelkuppeln krönen einzelne Aufbauten. Hundertwasser liebte das Handgemachte und Individuelle – kein Element ist maschinell perfekt, alles trägt die Handschrift von Menschenhand.

MerkmalDetails
AdresseKegelgasse 36–38, 1030 Wien
Baujahr1983–1985
GestalterFriedensreich Hundertwasser
ArchitektJosef Krawina
Wohneinheiten52 Wohnungen, 4 Büros
Bäume im Haus9 Bäume, ca. 250 Sträucher
EintrittKostenlos (Außenbesichtigung)
Jährl. Besucherca. 1 Million

Das KunstHaus Wien – Hundertwassers lebendiges Museum

Wer nur die bunte Außenfassade des Hundertwasserhauses fotografiert und weitergeht, hat den echten Hundertwasser noch gar nicht kennengelernt. Das KunstHaus Wien in der Untere Weißgerberstraße 13 – nur wenige Gehminuten entfernt – ist das einzige Museum der Welt, das von Hundertwasser selbst gestaltet wurde und gleichzeitig seiner Kunst gewidmet ist.

Geschichte des KunstHaus Wien

1991 verwandelte Hundertwasser das ehemalige Möbelhaus Thonet in ein Museum – wieder ohne gerade Linien, mit bunten unregelmäßigen Böden, üppiger Begrünung und einer unverwechselbaren Fassade. Das Ergebnis ist ein Gesamtkunstwerk, in dem bereits der Weg durch das Museum selbst zum Erlebnis wird.

Was zeigt das Museum?

Die Dauerausstellung umfasst eine umfangreiche Sammlung von Hundertwassers Werken: Gemälde, Grafiken, Wandteppiche und Architekturmodelle. Wechselausstellungen zeitgenössischer Künstler ergänzen das Programm. Ein Besuch lohnt sich besonders für alle, die Hundertwasser über den Instagram-tauglichen Fassadenmoment hinaus wirklich verstehen wollen.

  • Dauerausstellung mit Gemälden, Grafiken und Wandteppichen
  • Architekturmodelle und Dokumentationen zu Hundertwassers Bauprojekten
  • Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst
  • Museumscafé und -shop im typischen Hundertwasser-Stil
  • Nur wenige Gehminuten vom Hundertwasserhaus entfernt

Praktische Informationen für Ihren Besuch

Vor dem Besuch: Hier sind alle wichtigen Informationen kompakt zusammengefasst.

Hundertwasserhaus

InfoDetails
AdresseKegelgasse 36–38 / Löwengasse 41–43, 1030 Wien
EintrittKostenlos – das Gebäude ist privat bewohnt, keine Innenbesichtigung möglich
ÖffnungszeitenAußenbesichtigung jederzeit möglich; Café und Souvenirshop täglich geöffnet
U-BahnLinie U3, Station Rochusgasse (ca. 5 Min. Fußweg)
StraßenbahnLinie 1, Haltestelle Hetzgasse
ParkenKostenpflichtige Kurzparkzone – Parkschein erforderlich

KunstHaus Wien

InfoDetails
AdresseUntere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien
EintrittErwachsene ca. 12 €, ermäßigt ca. 9 €
ÖffnungszeitenTäglich 10:00–18:00 Uhr
U-BahnLinie U3, Station Rochusgasse oder Radetzkyplatz

Für eure Kulturreise nach Wien lohnt sich außerdem ein Abstecher ins nahe gelegene Belvedere, in den Wiener Stadtpark oder ins Schloss Schönbrunn. Wien bietet als Städtereiseziel kaum überschaubare Möglichkeiten – und das Hundertwasserhaus ist dabei nur der farbenfrohe Einstieg.

Häufige Fragen zum Hundertwasserhaus (FAQ)

Geheimtipp: Kalke Village und der Hundertwasserbrunnen

Die meisten Besucher fotografieren das Hundertwasserhaus und gehen wieder. Weniger bekannt ist das direkt gegenüberliegende Kalke Village – ein kleines Einkaufszentrum, das ebenfalls im Hundertwasser-Stil gestaltet wurde und Souvenirs, Keramik sowie Wiener Accessoires anbietet. Auch der Hundertwasserbrunnen und die ruhigen Parkanlagen im 3. Bezirk sind einen Spaziergang wert. Wer noch mehr Zeit hat, verbindet den Besuch mit dem nahegelegenen Stadtpark mit dem berühmten Johann-Strauß-Denkmal und den Gärten des Belvedere – alles gut zu Fuß oder per Straßenbahn erreichbar.

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Kann man das Hundertwasserhaus von innen besichtigen?

Nein, das Hundertwasserhaus ist ein privates Wohngebäude und kann nicht von innen besichtigt werden. Die farbenfrohe Außenfassade ist jederzeit kostenlos zugänglich.

Wie kommt man zum Hundertwasserhaus in Wien?

Am bequemsten mit der U-Bahn Linie U3 bis Station Rochusgasse (ca. 5 Min. Fußweg) oder mit der Straßenbahn Linie 1, Haltestelle Hetzgasse.

Was kostet der Eintritt ins Hundertwasserhaus?

Die Außenbesichtigung ist kostenlos. Das KunstHaus Wien kostet ca. 12 Euro Eintritt für Erwachsene.

Wer hat das Hundertwasserhaus gebaut?

Das Hundertwasserhaus entstand von 1983 bis 1985 nach Entwürfen von Friedensreich Hundertwasser und dem Architekten Josef Krawina. Die Stadt Wien vergab den Auftrag 1977.

Wie lange sollte man für den Besuch einplanen?

Für die Außenbesichtigung reichen 30 bis 60 Minuten. Mit dem KunstHaus Wien kombiniert sollte man einen halben Tag einplanen.

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