Großer & Kleiner Arbersee

Großer & Kleiner Arbersee - Naturwunder im Bayerischen Wald

Manchmal braucht es nicht mehr als einen Waldweg, das leise Glucksen von Wasser und einen See, der aussieht, als hätte ihn die letzte Eiszeit persönlich hinterlassen. Der Große Arbersee und sein etwas schüchterner Nachbar, der Kleine Arbersee, liegen im Herzen des Bayerischen Waldes – und wer einmal dort war, versteht, warum diese zwei Seen zu den beeindruckendsten Naturdenkmälern Bayerns gehören.

Der Große Arbersee liegt auf 934 Metern Höhe im Landkreis Regen. Kein Lautsprecher, kein Wassersport, keine Motorboote – stattdessen: glasklares Wasser, dichter Bergwald und das Rätsel der schwimmenden Inseln. Wer beim Rundweg plötzlich merkt, dass die Ufervegetation leicht schwankt, der steht gerade vor einem der faszinierendsten Phänomene des Bayerischen Waldes: frei treibenden Moorfilzen, die seit dem 19. Jahrhundert über den See schaukeln.

Auch der Kleine Arbersee – etwas versteckt, etwas wilder, etwas geheimnisvoller – ist eine Entdeckung wert. Am besten erreicht man ihn mit der Kleinen Arberseebahn von Lohberg aus: einem gemütlichen Zug, der sich auf sechs Kurvenkilometern durch den Wald schraubt und dabei Groß und Klein gleichermaßen begeistert.

Ob als Tagesausflug oder als Teil eines längeren Aufenthalts im Bayerischen Wald: Die Arberseen sind ein Naturerlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Wie entstanden der Große und Kleine Arbersee?

Die kurze Antwort: Die Eiszeit war schuld – auf die schönste Art, die man sich vorstellen kann. Vor rund 10.000 Jahren formten Gletscher am Großen Arber zwei eiszeitliche Karseen westlich und östlich des Gipfels. Als das Eis schmolz, hinterließ es tiefe Gebirgsseen inmitten eines dichten Bergwaldes – Naturdenkmäler in Zeitlupe geformt.

Die längere Antwort: Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Große Arbersee für den Holztransport aufgestaut. Das Wasser stieg, das Ufer wurde überflutet – und dabei lösten sich stark verwurzelte Moorfilze vom Boden. Zu leicht für Wasser, zu zäh für Auflösung: Sie trieben einfach weiter. So entstanden die schwimmenden Inseln, die dem Arbersee bis heute sein unverwechselbares Gesicht geben.

Steckbrief: Großer Arbersee

MerkmalWert
Höhe934 m ü. NHN
Fläche6,85 Hektar
LageLandkreis Regen, Bayern
Naturschutzgebiet seit1939
Schutzgebietsgröße157 Hektar
Jährliche Besucherbis zu 500.000
EntstehungEiszeitlicher Karsee
BesonderheitSchwimmende Moorinseln (Schwingrasen)

Schwimmende Inseln: Ein Phänomen der Natur

Was auf dem Großen Arbersee treibt, nennt die Wissenschaft Schwingrasen – frei schwimmende Teppiche aus Torfmoos, teils mehrere Meter breit, ohne feste Verankerung im Seegrund. Am Kleinen Arbersee schwimmt noch heute eine der drei ursprünglichen Inseln vollständig frei – je nach Wind und Wasserstand bewegt sie sich langsam über die Oberfläche. Ein seltenes Naturschauspiel, das in Bayern außerhalb dieser Region kaum vorkommt.

Das Betreten der Inseln ist streng verboten – und das aus gutem Grund. Seit 1939 steht das gesamte Gebiet unter Naturschutz. Der Arbersee und seine Umgebung sind Heimat für scheue Tierarten wie das Auerhuhn, den Fichtenkreuzschnabel und den Weißrückenspecht. Der niedrige pH-Wert des Wassers macht den See praktisch fischfrei – ein Relikt aus der Eiszeit, das sich bis heute erhalten hat.

Tipp: Wer die schwimmenden Inseln am eindrucksvollsten erleben möchte, sollte bei leichtem Wind ans Westufer des Großen Arbersees gehen. Die Schwingrasenzone ist dort am ausgeprägtesten – und bei Gegenwind schaukeln die Inseln besonders dramatisch.

Wandern am Arbersee: Routen & Tipps

Der Rundweg um den Großen Arbersee ist etwa 1,7 Kilometer lang und in rund 30 Minuten zu bewältigen – und damit einer der lohnendsten Kurzspaziergänge im gesamten Bayerischen Wald. Der Weg führt über Holzstege durch das Moorgebiet am Ufer und bietet aus verschiedenen Perspektiven immer neue Blicke auf das ruhige Wasser und die bewaldeten Hänge. Gutes Schuhwerk ist Pflicht: Die Wege sind oft nass, teils steinig, teils morastig.

Wer mehr will, wandert vom Arbersee direkt weiter zum Großen Arber hinauf – rund zwei Stunden, aber mit einem Gipfelpanorama, das den Aufwand mehr als rechtfertigt. Beim Aufstieg lohnt sich ein Blick zurück: Von bestimmten Punkten aus sieht man beide Arberseen gleichzeitig.

WanderwegLängeDauerSchwierigkeit
Rundweg Großer Arbersee1,7 kmca. 30 Min.leicht
Arbersee → Arbergipfel (Route A, Sonnenfelsen)ca. 5 kmca. 1,5 Std.mittel
Arbersee → Arbergipfel (Route B, Osthang)ca. 5,5 kmca. 2 Std.mittel
Rundwanderung Arbergipfelca. 4 kmca. 1 Std.leicht–mittel

Für Wanderurlaube direkt in der Region empfiehlt sich das Reisepaket „Per Gondel oder zu Fuß: Auf den Arber, fertig los!" – mit Unterkunft, Halbpension und Arber-Bergbahn inklusive.

Kleiner Arbersee: Der stille Cousin

Wer den Kleinen Arbersee kennt, weiß: Er ist der stillere, etwas verschlossene Charakter unter den Arberseen. Abgelegener als sein großer Bruder, weniger besucht, aber genauso faszinierend. Der See liegt auf knapp 921 Metern, eingebettet zwischen bewaldeten Hängen. Sein Wasser hat einen tief dunklen Schimmer, der je nach Lichtverhältnis ins Schwarzblaue kippt – und noch immer schwimmt eine der ursprünglichen Moorinseln frei über die Oberfläche.

Der schönste Weg zum Kleinen Arbersee ist die Kleine Arberseebahn ab Lohberg: Ein Kleinbus in Lokomotivoptik tuckert auf sechs Kurvenkilometern durch den Wald – von Ostern bis Anfang November sieben Mal täglich. Am Ziel: der See, ein idyllischer Rundweg und das urige Gasthaus mit Sonnenterrasse und bayerischer Brotzeit. Wer mag, steigt einfach aus und läuft die drei Stationen wieder zurück.

Wichtig: Für PKW ist die Auffahrt zum Kleinen Arbersee gesperrt. Anreise nur mit der Arberseebahn oder zu Fuß. Das macht ihn umso schöner – kein Motorenlärm, kein Durchgangsverkehr, nur Vogelstimmen und Waldluft. Das Reisepaket „Bähnle zum Arbersee und Tatarenhut-Essen" beinhaltet eine Fahrt mit der Arberseebahn direkt inklusive.

Großer Arber: Gipfel, Bergbahn und Weitblick

Man sieht ihn schon von weit – den Großen Arber, mit 1.456 Metern der höchste Gipfel des Bayerischen Waldes und nicht ohne Grund als „König des Bayerischen Waldes" bekannt. Wer den Arberseen einen Besuch abstattet, sollte zumindest kurz in Richtung Gipfel schauen – oder besser noch: hochfahren.

Seit 1999 bringt die Arber Bergbahn Besucher in knapp vier Minuten auf 1.456 Meter. 44 Gondeln, 342 Höhenmeter, 964 Meter Streckenlänge – und oben angekommen: ein Panorama über den Bayerischen und den Böhmischen Wald, das einem den Atem verschlägt. Der Gipfel erreicht als einziger im Bayerisch-Böhmischen Grenzmassiv die klimatische Waldgrenze; Latschengebüsch, Felsfluren und im Juli sogar der seltene Ungarische Enzian prägen hier das Bild.

Im Winter verwandelt sich die Arberregion in eines der besten Skigebiete außerhalb der Alpen: rund 10 Kilometer präparierte Pisten, Flutlichtbetrieb, Snowboardpark – und seit 1976 regelmäßig Schauplatz von Welt- und Europacup-Rennen. Wer einen Aufenthalt direkt am Fuß des Großen Arbers plant, findet mit dem Reisepaket „Ruhe bei Robert und Natur pur am Großen Arber" in Bayerisch Eisenstein eine besondere Option: familiengeführt, ruhig, mit direktem Zugang zu allen Wanderwegen und Bergbahn.

Häufige Fragen zum Arbersee

Kann man im Großen Arbersee schwimmen?
Nein – Baden, Bootfahren und das Betreten der schwimmenden Inseln sind im gesamten Naturschutzgebiet verboten. Der Arbersee ist kein Badesee, sondern ein Schutzgebiet für seltene Tier- und Pflanzenarten. Ruhiges Beobachten und Wandern sind hingegen ausdrücklich erwünscht.

Wie kommt man zum Kleinen Arbersee?
Am besten mit der Kleinen Arberseebahn ab Lohberghütte – die Auffahrt für PKW ist gesperrt. Die Bahn fährt von Ostern bis Anfang November täglich mehrfach und macht die Anreise selbst zum Erlebnis.

Was sind die schwimmenden Inseln?
Frei treibende Moorfilze aus Torfmoos (sog. Schwingrasen), die beim Aufstauen des Sees Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Am Kleinen Arbersee schwimmt noch heute eine Insel vollständig frei – ein einzigartiges Naturphänomen in Bayern.

Ist der Arbersee ganzjährig zugänglich?
Ja! Der Große Arbersee ist das ganze Jahr über zu Fuß erreichbar – auch im Winter für ruhige Schneeschuhwanderungen. Die Kleine Arberseebahn fährt jedoch nur von Ostern bis Anfang November.

Was kostet der Besuch?
Der Rundweg am Großen Arbersee ist kostenfrei. Für die Kleine Arberseebahn und die Arber Bergbahn fallen Fahrtkosten an. Aktuelle Preise direkt beim jeweiligen Anbieter erfragen.

Geheimtipp: Was kaum jemand weiß

Die meisten Besucher kommen zum Großen Arbersee, machen den Rundweg und fahren dann wieder. Kaum jemand zieht weiter zum Mittagsplatzl – einem kleinen, sonnigen Hochplateau oberhalb des Arbersees, das man in etwa 45 Minuten zu Fuß erreicht. Von hier oben schaut man auf beide Arberseen gleichzeitig hinunter: ein Blick, den man auf keiner Postkarte findet, keine Hütte, keine Beschilderung, kein Trubel. Nur Wald, Aussicht und vielleicht ein Auerhuhn in der Ferne.

Noch ein Tipp für die frühen Vögel: Im Morgengrauen, zwischen 6 und 8 Uhr, liegt der Große Arbersee oft im dichten Nebel. Das Wasser dampft, die Moorinseln scheinen auf einer anderen Welt zu schweben – und man hat den Rundweg ganz für sich. Danach einfach zur Kleinen Arberseebahn und das bayerische Frühstück nachholen. Das ist ein Tagesplan, der sich lohnt.

Fazit: Warum der Arbersee ein Muss ist

Der Große und der Kleine Arbersee sind keine gewöhnlichen Bergseen. Sie sind Naturdenkmäler, die zehntausend Jahre Erdgeschichte in sich tragen – und gleichzeitig eines der schönsten Wanderziele im Bayerischen Wald bieten. Die schwimmenden Moorinseln, die ruhigen Waldwege, der Blick auf den König des Bayerischen Waldes: Das alles macht die Arberregion zu einem Ausflugsziel, das für jeden etwas bereithält – Familien, Wanderer, Naturliebhaber, Wintersportler.

Wer sich ein paar Tage Zeit nimmt, entdeckt mehr als erwartet: stille Aussichtspunkte, die kaum jemand kennt, eine nostalgische Bähnfahrt durch dichten Bergwald und Morgennebelstimmungen, die man so schnell nicht vergisst. Die Arberregion gehört zu den schönsten Ecken Deutschlands – und ist trotzdem noch nicht überlaufen. Also: Gutes Schuhwerk anziehen und los.

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