Glacier Express – Panoramazug durch die Schweizer Alpen
Der Glacier Express gehört zu den beeindruckendsten Zugreisen der Welt. Die Panoramastrecke durch die Schweiz führt von Zermatt über Andermatt und Disentis nach St. Moritz – vorbei an schneebedeckten Gipfeln, tiefen Schluchten und idyllischen Bergdörfern. Wer einmal in einem der großen Panoramawagen Platz genommen hat, vergisst diese Fahrt nicht mehr so schnell.
Der Schmalspurzug wird gern als „langsamster Schnellzug der Welt" bezeichnet – ein Augenzwinkern, das die Faszination dieser Reise perfekt beschreibt. Hier geht es nicht um Schnelligkeit, sondern darum, die Schweizer Alpen so zu erleben, wie es kein Wanderweg und kein Aussichtspunkt ermöglichen kann.
Geschichte und Strecke des Glacier Express
Am 25. Juni 1930 rollte der erste Glacier Express um 7.30 Uhr aus dem Bahnhof Zermatt – mit 70 Fahrgästen an Bord. Das Ziel: St. Moritz. Nach knapp elf Stunden kam der Zug an. Heute schafft er die 291 Kilometer lange Strecke in rund 7 Stunden und 45 Minuten, seit der Furka-Basistunnel 1982 die kurvenreiche Bergstrecke über den Furkapass ersetzt hat.
Der Name „Glacier Express" geht auf den Rhône-Gletscher zurück – auf Französisch „Glacier" –, den der Zug bis 1981 direkt am Fuße des Furkapasses passierte. Die Strecke nutzt die Schienen der Rhätischen Bahn (RhB) und der Matterhorn-Gotthard-Bahn (MGB). Auf 291 Brücken und durch 91 Tunnel führt die Route quer durch die Alpen – von 1.604 Metern in Zermatt bis auf 2.033 Meter am Oberalppass, dem höchsten Punkt der Strecke.
Seit 1982 wird anstelle der alten Bergstrecke der Furka-Basistunnel genutzt, der eine wintersichere Verbindung ermöglicht. Die historische Bergstrecke über den Furkapass ist heute der Dampfbahn Furka-Bergstrecke vorbehalten, die im Sommer mit original Dampflokomotiven fährt.
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Wie lange dauert die Fahrt mit dem Glacier Express?
Die Fahrt dauert von Zermatt nach St. Moritz rund 7 Stunden und 45 Minuten. Das klingt lang – und ist es auch. Aber wer einmal durch die Vorderrheinschlucht gefahren ist, über das Landwasserviadukt gerollt ist und den Blick auf den Oberalppass genossen hat, der weiß: Jede Minute ist es wert.
Wer nicht die gesamte Strecke fahren möchte, kann kürzere Abschnitte wählen. Besonders beliebt sind:
- Zermatt – Andermatt (ca. 2 Std. 30 Min.): Das Mattertal mit seinen steilen Felswänden und weiten Almen.
- Andermatt – Chur (ca. 2 Std.): Über den Oberalppass und durch die Surselva.
- Chur – St. Moritz (ca. 2 Std.): Die Albulabahn mit Landwasserviadukt und UNESCO-Welterbe-Status.
Besonders empfehlenswert ist der Einstieg in Tiefencastel für den Abschnitt bis St. Moritz. Wer hier einsteigt, erlebt die Albulabahn in ihrer schönsten Form – und trifft an den Zwischenstationen kaum andere Touristen.
© Savognin Tourismus im Surses
Stationen und Landschaftshighlights
Die Strecke des Glacier Express führt durch vier Kantone und Täler mit völlig unterschiedlichem Charakter. Jede Station bringt neue Eindrücke – von Zermatt am Fuße des Matterhorns bis zum eleganten Wintersportort St. Moritz.
Die wichtigsten Stationen im Überblick
| Station | Höhe (m) | Highlight |
|---|---|---|
| Zermatt | 1.604 | Matterhorn-Blick, autofreies Bergdorf |
| Visp | 651 | Verkehrsknotenpunkt im Wallis |
| Brig | 678 | Stockalperpalast, Tor zum Simplonpass |
| Andermatt | 1.444 | Herz der Alpen, Nähe zum Gotthardpass |
| Oberalppass | 2.033 | Höchster Punkt der Strecke |
| Disentis/Mustér | 1.130 | Benediktinerkloster, romanische Sprache |
| Chur | 596 | Älteste Stadt der Schweiz |
| Tiefencastel | 856 | Beginn der Albulabahn |
| Filisur | 1.032 | Blick aufs Landwasserviadukt |
| St. Moritz | 1.822 | Weltberühmtes Luxus-Skiresort |
Das Landwasserviadukt – Wahrzeichen der Rhätischen Bahn
Kein Bauwerk entlang der Glacier-Express-Strecke ist so ikonisch wie das Landwasserviadukt bei Filisur. Das 1902 erbaute Steinviadukt ist 65 Meter hoch und 136 Meter lang. Es steht seit 2008 gemeinsam mit der Albulabahn auf der UNESCO-Welterbeliste. Kurz vor dem Viadukt biegt die Strecke in einem engen Bogen ein, sodass Fahrgäste das Bauwerk für einen kurzen Moment aus dem Fenster sehen können – ein Anblick, für den man die Kamera bereithalten sollte.
© RhB, Foto Geiger
Praktische Tipps für Ihre Glacier Express Reise
- Frühzeitig buchen: Besonders in der Hochsaison (Juli–August) sind die Panoramawagen schnell ausgebucht. Eine Buchung mehrere Monate im Voraus ist empfehlenswert.
- Sitzplatzreservierung Pflicht: Tickets allein reichen nicht aus – die Reservierung ist obligatorisch und kostet zusätzlich rund 33 CHF (2. Klasse). Fenster- oder Mittelplätze sind wählbar.
- Richtige Seite wählen: In Fahrtrichtung Zermatt → St. Moritz bietet die rechte Seite besonders schöne Ausblicke in die Vorderrheinschlucht. In Gegenrichtung gilt das umgekehrt.
- Swiss Travel Pass: Mit dem Swiss Travel Pass ist der Grundfahrschein enthalten – nur die Reservierungsgebühr fällt an. Für mehrere Bahnfahrten in der Schweiz sehr lohnenswert.
- Beste Reisezeit: Von Juni bis Oktober ist die Strecke besonders schön. Der Furka-Basistunnel sorgt das ganze Jahr für eine wintersichere Verbindung.
- Excellence Class: Die offenen Panoramabereiche auf dem Oberdeck sind ein besonderes Erlebnis inklusive Drei-Gang-Menü und persönlichem Service.
Die Albulabahn – UNESCO-Welterbe seit 2008
Der Abschnitt zwischen Thusis und St. Moritz gehört seit 2008 gemeinsam mit der Berninalinie zum UNESCO-Welterbe. Die Albulabahn wurde zwischen 1898 und 1904 gebaut – ohne moderne Baumaschinen, mit bis zu 5.000 Arbeitern gleichzeitig. 55 Tunnels und Galerien sowie 196 Brücken und Viadukte durchziehen das Hochgebirge.
Wer besonders tief in die Geschichte der Albulabahn eintauchen möchte, kann in Tiefencastel einsteigen und an kleineren Stationen aussteigen, um das Landwasserviadukt oder die berühmten Kehrtunnel von unten zu erleben. Eine Wanderung entlang der Bahntrasse ist ebenfalls möglich und bietet unvergessliche Aussichten.
© Pixabay
Häufig gestellte Fragen zum Glacier Express
Wie teuer ist eine Fahrt mit dem Glacier Express?
Der Preis für die Strecke Zermatt–St. Moritz (2. Klasse) liegt je nach Saison bei etwa 150–200 Schweizer Franken. Hinzu kommt die obligatorische Sitzplatzreservierung von rund 33 CHF. Mit dem Swiss Travel Pass entfällt der Grundtarif, die Reservierung bleibt fällig.
Fährt der Glacier Express das ganze Jahr?
Der Glacier Express fährt in der Hauptsaison täglich. In der Nebensaison – etwa von Mitte Oktober bis Ende November – ist der Betrieb eingeschränkt. Die aktuellen Fahrpläne sind auf der Website des Glacier Express erhältlich.
Kann man den Glacier Express auch nur teilweise fahren?
Ja. Beliebt sind Teilstrecken wie Zermatt–Andermatt, Andermatt–Chur oder Chur–St. Moritz. Der schönste Abschnitt für viele Reisende ist die Albulabahn von Tiefencastel nach St. Moritz.
Welche Klasse lohnt sich im Glacier Express?
Beide Klassen bieten Panoramafenster. Die 1. Klasse bietet mehr Platz und exklusivere Speisen. Die Excellence Class (separat buchbar) ermöglicht offene Panoramabereiche auf dem Oberdeck und persönlichen Service.
Welche Seite bietet die bessere Aussicht im Glacier Express?
In Fahrtrichtung Zermatt → St. Moritz empfehlen viele Reisende die rechte Seite (Platz A/C) für den Blick in die Vorderrheinschlucht. Grundsätzlich bieten beide Seiten spektakuläre Ausblicke auf die Schweizer Alpen.
Geheimtipp: Mit der Dampfbahn Furka-Bergstrecke auf den Furkapass
Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte als der normale Glacier-Express-Fahrgast, dem sei ein Ausflug mit der Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB) empfohlen. Diese historische Schmalspurbahn fährt im Sommer auf der 1981 stillgelegten Bergstrecke über den Furkapass – mit original Dampflokomotiven und ohne jeden Tunnel.
Die Strecke führt von Realp (Uri) über den Furkapass nach Oberwald (Wallis) – direkt am Rhône-Gletscher vorbei, dem der Glacier Express einst seinen Namen verdankte. Hier hört man das Stampfen der Dampflok, riecht den Rauch und spürt die Kraft dieser alten Maschinen. Ein ergreifendes Erlebnis, das den modernen Komfort des Glacier Express wunderbar ergänzt.
Die DFB fährt von Juli bis Oktober an ausgewählten Tagen. Karten und aktuelle Fahrtzeiten gibt es direkt beim Veranstalter. Wer die Schweizer Bahngeschichte und Alpennatur besonders intensiv erleben möchte, kombiniert am besten beide Bahnfahrten zu einer mehrtägigen Reise entlang des Furkapasses.