Die Atta-Höhle

Atta-Höhle Attendorn – Tropfsteinhöhle im Sauerland

50 Meter unter den Hügeln des Sauerlandes wartet eine Welt, die man so nicht erwartet: Hallen aus schimmerndem Kalkstein, Tropfsteine in schillernden Braun- und Rottönen, und Vorhänge aus Sinterstein, die im LED-Licht glitzern wie geronnenes Gold. Die Atta-Höhle in Attendorn ist „die Königin unter den Tropfsteinhöhlen“ – und das ist kein Marketing-Sprech, sondern eine Beschreibung, die nach über 119 Jahren und mehr als 40 Millionen Besucherinnen und Besuchern schlicht stimmt.

Dass sie überhaupt existiert, verdankt Attendorn einem glücklichen Sprengarbeits-Zufall: 1907 setzten Arbeiter eines Kalksteinbruchs eine kontrollierte Sprengung ab – und plötzlich öffnete sich eine unterirdische Wunderwelt, die niemand erwartet hatte. Grubenbetreiber Eberhardt Epe erkannte sofort das Potenzial und öffnete die Höhle noch im selben Jahr für Besucher. Seither reißt der Besucherstrom nicht ab.

Wer einen Ausflug ins Sauerland plant, kommt an der Atta-Höhle kaum vorbei. Mit konstant 9 °C das ganze Jahr, 52 benannten Kammern, einer unterirdischen Gesundheitsgrotte und einer Geschichte, die 400 Millionen Jahre zurückreicht, ist sie das perfekte Ausflugsziel – egal ob draußen Sommerhitze oder Wintergrau wartet.

Bevor wir tiefer in die unterirdische Wunderwelt des Sauerlandes abtauchen: Hier sind die wichtigsten Fakten zur Atta-Höhle kompakt zusammengefasst.

Was macht die Atta-Höhle so besonders?

Die kurze Antwort: Sie ist eine der längsten, buntesten und geologisch vielseitigsten Tropfsteinhöhlen ganz Deutschlands – und das seit über einem Jahrhundert. Die ausführlichere Antwort findet sich in diesen Zahlen:

MerkmalDaten
Gesamtlänge des Höhlensystems6.740 Meter
Für Besucher zugänglichca. 1.800 Meter
Benannte Kammern52
Temperatur (ganzjährig)konstant 9 °C
Luftfeuchtigkeitca. 95 %
Jährliche Besucherzahl150.000–200.000
Wachstum der Tropfsteineca. 1 mm pro 10 Jahre
Tiefe unter der Erdoberflächeca. 50 Meter
Entdeckt19. Juli 1907
SchutzstatusNatura 2000, FFH-Gebiet, Naturschutzgebiet
Kumulierte Besucherzahl seit 1907über 40 Millionen

Was die Atta-Höhle von anderen Schauhöhlen unterscheidet, ist vor allem die außergewöhnliche Farbvielfalt: Eisenoxid und Kupfermineralien lassen die Formationen in warmen Braun-, Rot- und Ockertönen schimmern. Wenn die LED-Beleuchtung die hauchdünnen Sintervorhänge von hinten anstrahlt, glühen sie wie Buntglasfenster in einer Kathedrale – ein Effekt, den man in kaum einer anderen deutschen Tropfsteinhöhle findet. Dazu kommt: Ein erheblicher Teil des Höhlensystems (rund 5.000 Meter, 1986 entdeckt) ist noch gar nicht für Touristen erschlossen. Die Höhle hält also noch Geheimnisse bereit.

  • Gesundheitsgrotte: Therapeutisches Inhalieren der reinen Höhlenluft – beliebt bei Allergikern, Asthmatikern und gestressten Städtern
  • 52 benannte Kammern: Vom „Thronsaal der Fürstin Atta“ bis zu den „Sieben Zwergen“ – jede mit eigenem Charakter
  • Privatbesitz seit 1907: Eine Rarität unter Deutschlands großen Schauhöhlen
  • Atta-Käse: In der Höhle gereifter Käse – direkt vor Ort erhältlich
  • Hinweis: Nicht rollstuhlgerecht, kein Kinderwagen möglich – stabiles Schuhwerk und warme Kleidung empfohlen

Die Geschichte der Atta-Höhle

Der 19. Juli 1907 ist ein Datum, das Attendorn nicht vergisst. Arbeiter des Biggetaler Kalkwerks setzten an jenem Sommertag einen Sprengschuss – und das Gestein öffnete sich zu einem Wunder. Hinter der Felswand lag ein Labyrinth aus prachtvollen Tropfsteingebilden, das kein Menschenauge zuvor gesehen hatte. Grubenbetreiber Eberhardt Epe erkannte sofort das touristische Potenzial und öffnete die Höhle noch im selben Jahr 1907 für Besucher. Die Umbenennung von Werkhammer zu Touristenmagnet verlief erstaunlich reibungslos.

1925 bekam die Höhle einen solideren Eingang: Ein rund 90 Meter langer Zugangstunnel wurde gebaut, der bis heute als Haupteingang dient. Jahrzehntelang galt das bekannte Höhlensystem als vollständig kartiert – bis 1986 Höhlenforscher einen vollkommen unbekannten Abschnitt von 5.000 Metern entdeckten. Damit wuchs das bekannte System auf heute 6.740 Meter. Dieser neu entdeckte Teil ist noch nicht für die Öffentlichkeit erschlossen; was er birgt, ist bislang nur wenigen Speläologen bekannt.

Seit 2006 steht die Atta-Höhle unter besonderem Schutz: Sie ist Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet und seit 2016 Teil des Natura-2000-Netzwerks. Bis heute befindet sie sich im Privatbesitz der Nachkommen der Gründerfamilie Epe – eine Ausnahme unter Deutschlands großen Schauhöhlen, die fast alle in öffentlicher Hand sind.

Zeitleiste: Die wichtigsten Etappen

JahrEreignis
vor 350–400 Mio. JahrenEntstehung des Kalksteins im Devonium (Meeresablagerungen)
19. Juli 1907Zufällige Entdeckung bei Sprengarbeiten im Kalksteinbruch
1907Öffnung für Besucher durch Grubenbetreiber Eberhardt Epe
1925Bau des heutigen Eingangsbereichs (ca. 90-m-Zugangstunnel)
1986Entdeckung von 5.000 Metern unbekanntem Höhlensystem durch Speläologen
2006Ausweisung als Naturschutzgebiet (NSG) und EU-FFH-Gebiet
2008Modernisierung der Innenbeleuchtung auf LED-Technik
2016Aufnahme in Natura 2000 (EU-Schutzgebietsnetz)
bis 2012Über 40 Millionen Besucher seit der Eröffnung 1907

Geologische Wunder: Stalaktiten, Stalagmiten und ihre Geschichte

350 bis 400 Millionen Jahre – das Alter des Kalksteins, in den die Atta-Höhle eingebettet ist, lässt einen kurz innehalten. In der Devonzeit war das Sauerland buchstäblich Meeresgrund: Ein tropisches Flachmeer erstreckte sich über das heutige Nordrhein-Westfalen, Korallenriffe bauten sich auf, Meerestiere starben und sanken als Kalksediment auf den Grund. Was blieb, war eine mächtige Schicht Massenkalk – genau jenes Material, das kohlensäurehaltiges Regenwasser über Jahrmillionen auflöste und das heutige Höhlensystem erschuf.

Das Prinzip dahinter ist einfach, das Ergebnis grandios: Regenwasser nimmt Kohlendioxid aus der Luft und dem Boden auf, wird schwach sauer und löst den Kalkstein. Über Jahrmillionen entstehen so Hohlräume, Gänge und Hallen. Das gelöste Kalziumkarbonat fällt aus dem Wasser aus und bildet die charakteristischen Tropfsteinformationen – ein Prozess mit geradezu unglaublicher Langsamkeit: etwa 1 mm Wachstum pro 10 Jahre. Schon ein handtellergroßer Stalaktit ist also Tausende von Jahren alt.

Die wichtigsten Formationstypen in der Atta-Höhle

FormationEntstehungBesonderheit in der Atta-Höhle
StalaktitenWachsen von der Decke nach untenExtrem vielfältig in Form und Farbe
StalagmitenWachsen vom Boden nach obenTeilweise zu massiven Türmen gewachsen
StalagnatenVerschmelzung von Stalaktit + StalagmitBeeindruckende Kalksteinsäulen
SintervorhängeDünne, transluzente KalksteinschichtenEisenoxid-Färbung macht sie einzigartig bunt
SinterbeckenMit Kalksteinwasser gefüllte BeckenSpiegelnde Oberflächen in vielen Kammern
Unterwasser-TropfsteineUnter Wasser wachsende FormationenIn unterirdischen Seen der Höhle

Das Markenzeichen der Atta-Höhle sind ihre durchleuchteten Sintervorhänge: Hauchdünne Kalksteinschleier hängen von Decke und Wänden, durchzogen von Eisenoxid-Schichten in Braun, Rot und Ocker. Wenn die LED-Leuchten sie von hinten anstrahlen, erstrahlen sie wie Buntglasfenster – ein Anblick, der auch beim zweiten Besuch noch beeindruckt. Die 52 benannten Kammern tragen Namen wie „Thronsaal der Fürstin Atta“, „Kristallpalast“, „Eisbär“ oder „Sieben Zwerge“ – und wer sich die Formationen mit ein bisschen Fantasie betrachtet, versteht warum.

Die Atta-Höhle liegt im Inneren des Stürzenbergs, rund 50 Meter unter der Erdoberfläche. Das bedeutet: konstant 9 °C, nahezu 95 Prozent Luftfeuchtigkeit und eine Stille, die man in der Welt da oben kaum findet. Für Atemwegserkrankte ist das beinahe medizinisch relevant – die Gesundheitsgrotte der Höhle wird entsprechend als Speleotherapie genutzt.

Besuch planen – Preise, Öffnungszeiten & praktische Tipps

Ein Besuch der Atta-Höhle ist fast das ganze Jahr über möglich – mit einer kurzen Winterpause von Ende November bis Mitte Dezember. Touren starten alle 15 Minuten, dauern rund 40 Minuten und werden von erfahrenen Höhlenführern begleitet. Mindestens 4 zahlende Personen müssen sich für den Start einer Tour zusammenfinden.

Eintrittspreise 2025/2026

Kategorie Preis
Erwachsene (ab 15 Jahren) 14,50 €
Kinder (5–14 Jahre) 7,50 €
Kinder unter 5 Jahren kostenlos
Familienkarte (2 Erw. + 2 Kinder bis 14 J.) 36,50 €
Gruppen ab 25 Personen (Erw.) 13,50 € pro Person
Jugendgruppen (20+, unter 14 J.) 7,00 € pro Person
VIP-Tour (privat, bis 30 Personen) 375 € Pauschale (zzgl. opt. Käse/Wein)

Öffnungszeiten im Überblick

Zeitraum Öffnung Hinweis
Mai bis August (Hauptsaison) täglich ab 10:00 Uhr Letzter Einlass 16:30 Uhr
Januar (ab 12.) bis April täglich ab 11:00 Uhr
September bis November täglich ab 11:00 Uhr
23. November bis 22. Dezember geschlossen Winterpause
23. Dezember bis 11. Januar täglich ab 11:00 Uhr Weihnachtsöffnung

Wichtige Hinweise für den Besuch

  • Kleidung: Warme Jacke oder Pullover mitbringen – in der Höhle sind es ganzjährig 9 °C
  • Schuhwerk: Festes, geschlossenes Schuhwerk empfohlen (Wege können rutschig sein)
  • Kinderwagen / Rollstühle: Leider nicht möglich – die Höhle ist nicht barrierefrei
  • Fotografieren: In der Höhle nicht gestattet
  • Hunde: Nicht erlaubt
  • Anreise: Kostenloser Parkplatz direkt vor Ort; Fußweg vom Bahnhof Attendorn ca. 0,6 km
  • Tickets: Nur an der Tageskasse; kein Online-Kauf möglich

Für Schulklassen und Kindergartengruppen gibt es spezielle Angebote. Kindergeburtstagspartys in der Höhle? Ja, das ist tatsächlich möglich – und dürfte für Nachwuchs-Abenteurer unvergesslich sein.

Eine Übernachtung in der Region lohnt sich – Attendorn und das südliche Sauerland haben mehr zu bieten, als sich an einem einzigen Tag erkunden lässt. Gleich nebenan liegt zum Beispiel einer der größten Stauseen Deutschlands.

Ausflugsziele rund um Attendorn und den Biggesee

Die Atta-Höhle liegt im Herzen einer der landschaftlich schönsten Regionen Nordrhein-Westfalens. Wer den ganzen Tag ausnutzen möchte, hat direkt in der Umgebung mehr als genug Programm:

Biggesee – Wasser, Sand und Weite

Nur einen Steinwurf von der Höhle entfernt liegt der Biggesee – mit über 7 Quadratkilometern Wasserfläche einer der größten Stauseen Deutschlands. Er entstand zwischen 1956 und 1965 und bietet heute Segeln, Stand-up-Paddling, Angeln und einen 7.000 m² großen Sandstrand. Der 46 km lange Bigge-Lister-Weg umrundet den See – ideal für Wanderer aller Niveaus. Wer lieber per Boot die Seenlandschaft erkundet, nimmt die Fahrgastschifffahrt auf dem See.

Burg Schnellenberg – mittelalterliche Kulisse

Hoch über Attendorn thront die Burg Schnellenberg – eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Westfalens. Selbst wenn man nicht übernachtet: Ein Spaziergang zur Burg mit Blick über die Altstadt und den Biggesee lohnt sich allemal.

Hansestadt Attendorn – Geschichte auf Schritt und Tritt

Attendorn selbst ist eine alte Hansestadt mit mittelalterlichem Stadtkern. Gemütliche Cafés, historischer Marktplatz und das Südwestfälische Landesmuseum machen einen Bummel durch die Altstadt zur willkommenen Ergänzung zum Höhlenbesuch.

Sauerland für Wellnessfreunde und Aktive

Das Sauerland ist bekannt für seine Wellnesshotels und hervorragenden Wandermöglichkeiten. Wer nach dem Höhlenbesuch entspannen möchte, findet im südlichen Sauerland exzellente Spa-Angebote. Einen guten Überblick bietet die Seite Wellness im Sauerland. Für ein klassisches Wellness-Wochenende im Sauerland sind Orte wie Schmallenberg, Willingen oder Bad Fredeburg besonders beliebt.

Weitere Highlights in der Region

  • FORT FUN Abenteuerland – Südwestfalens größter Freizeitpark in Bestwig-Wasserfall
  • Rothaarsteig – Einer der schönsten Fernwanderwege Deutschlands, 154 km lang
  • Willingen – Skigebiet im Winter, Skywalk und Mountainbike-Mekka im Sommer
  • Schmallenberg – Idyllisches Kurort-Städtchen mit Wanderwegenetz und Wellnesshotels
  • Kluterthöhle Ennepetal – Eine weitere bedeutende Höhle in NRW, bekannt als Speleotherapie-Kurort

Bild: © Sauerland-Tourismus e.V. / Tanja Evers

Geheimtipp: VIP-Tour mit Atta-Käse und Höhlenwein

Wer die Atta-Höhle wirklich unvergesslich erleben möchte, bucht die VIP-Tour. Für eine Pauschale von 375 Euro (bis zu 30 Personen) bekommt man eine private Führung – auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten, also abends oder früh morgens, wenn die Höhle komplett für sich alleine gehört. Stille, Stalaktiten und kein anderes Grüppchen in Sichtweite.

Das Highlight: Gegen einen Aufpreis von 15 Euro pro Person gibt es Atta-Käse und Rotwein direkt in der Höhle serviert. Käse, der unter Tage gereift ist, Wein bei 9 °C und das Tropfen des Wassers in der Ferne – wer so etwas noch nie gemacht hat, sollte es einmal in seinem Leben tun. Pflichtanmeldung im Voraus, versteht sich.

Übrigens: Im Höhlenshop gibt es den Atta-Käse auch zum Mitnehmen. Er reift unter den besonderen Bedingungen der Höhle (hohe Luftfeuchtigkeit, konstante Kühle) und schmeckt anders als jeder Supermarktkäse. Ein Souvenir, das man essen kann – besser geht es kaum.

Häufige Fragen zur Atta-Höhle

Wann ist die Atta-Höhle geöffnet?
Fast das ganze Jahr – in der Hauptsaison (Mai–August) täglich ab 10:00 Uhr, außerhalb der Hauptsaison ab 11:00 Uhr. Winterpause: 23. November bis 22. Dezember.
Was kostet der Eintritt?
Erwachsene 14,50 €, Kinder (5–14 J.) 7,50 €, unter 5 Jahren kostenlos. Familienkarte 36,50 €.
Wie kalt ist es in der Höhle?
Genau 9 °C das ganze Jahr – im Sommer eine Wohltat, im Winter ein warmes Refugium. Jacke einpacken, fertig.
Wie lange dauert eine Führung?
Rund 40 Minuten. Touren starten alle 15 Minuten; mindestens 4 zahlende Personen nötig.
Ist die Höhle für Kinder geeignet?
Sehr. Unter 5 Jahren gratis, fantasievolle Kammernamen begeistern Kinder. Kinderwagen leider nicht möglich.
Darf ich fotografieren?
Nein – Fotografieren ist in der Atta-Höhle aus lizenzrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Einfach genießen statt durch das Objektiv schauen.

Bild: © Tourismus Schnallenberger Sauerland

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