Durlach
Altstadt Durlach
Wer über die Schulter Karlsruhes schaut, entdeckt dort Durlach – einen Stadtteil mit eigenem Kopf, eigenem Charakter und einer Geschichte, die die der "Fächerstadt" selbst um Jahrhunderte überragt. Die Altstadt Durlach ist kein museales Freilichtgelände, sondern ein lebendiger Ort mit mittelalterlichem Flair, engen Gassen und einem Turmberg, von dem aus man die halbe Rheinebene überblickt. Wer nach Karlsruhe reist und Durlach auslässt, hat schlicht die falsche Abzweigung genommen.
Wir zeigen dir, was die Altstadt Durlach so besonders macht – von der Karlsburg über den sagenumwobenen Basler Torturm bis zum spektakulären Ausblick vom Turmberg. Und natürlich verraten wir dir, warum das "Hexenstäffele" einer der schönsten Aufstiege ganz Badens ist.
Geschichte: Von der Markgrafenresidenz zur lebendigen Karlsruher Altstadt
Die erste urkundliche Erwähnung Durlachs datiert auf das Jahr 1196 – das ist 519 Jahre vor der Gründung Karlsruhes. Lange bevor irgendjemand den berühmten Fächergrundriss auf dem Reißbrett skizzierte, war Durlach Residenzstadt der Markgrafen von Baden-Durlach. 1565 ließ Markgraf Karl II. die Karlsburg im Renaissancestil errichten und machte Durlach zum Herrschaftszentrum der Region.
Das Schicksal wollte es anders: Im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 wurde die Burg zerstört, nur teilweise wieder aufgebaut – und Markgraf Karl Wilhelm verlegte 1715 seinen Hof in das neu gegründete Karlsruhe. Durlach verlor damit seinen Status als Residenz, blieb aber als eigenständige Stadt bestehen und trotzte widerspenstig dem Sog der wachsenden Nachbarstadt.
Erst 1938, unter nationalsozialistischen Direktiven, wurde Durlach nach Karlsruhe eingemeindet. Ein Schritt, gegen den die Durlacher erheblichen Widerstand leisteten – und der bis heute die besondere Identität des Stadtteils erklärt. Mit rund 30.000 Einwohnern auf 2.300 Hektar ist Durlach heute Karlsruhes größter und geschichtsträchtigster Stadtteil: "Die Mutter Karlsruhes", wie die Einheimischen sagen.
Was gibt es in der Altstadt Durlach zu sehen und erleben?
| Sehenswürdigkeit | Besonderheit | Eintritt |
|---|---|---|
| Basler Torturm | 32 m hoher Turm aus dem 14. Jh., letztes erhaltenes Stadttor der mittelalterlichen Befestigung | kostenlos (außen), Führungen möglich |
| Karlsburg | Renaissance-Schloss von 1565, heute Pfinzgaumuseum und Kulturzentrum | Dauerausstellung kostenlos, Sonderaus. ab 2 € |
| Turmberg (256 m) | Panoramablick über die Rheinebene bis in den Pfälzerwald | kostenlos |
| Durlacher Schlossgarten | Älteste Gartenanlage Karlsruhes, direkt an der Karlsburg | kostenlos |
| Historischer Marktplatz | Rathaus, Stadtkirche und Reiterstandbild "Karle mit der Tasch" | kostenlos |
| Pfinzgaumuseum | Stadtgeschichte Durlachs; Mi 10–18 Uhr, Sa 14–18 Uhr, So 11–18 Uhr | Dauerausstellung kostenlos |
- Karlsburg (Pfinzgaumuseum): Mi 10–18 Uhr, Sa 14–18 Uhr, So 11–18 Uhr, Pfinztalstraße 9, 76227 Karlsruhe
- Turmberg: Ganzjährig zugänglich – Aufstieg über das Hexenstäffele (528 Stufen) oder Turmbergbahn (bis Ende 2027 in Sanierung)
- Basler Torturm: Regelmäßige Führungen, Anmeldung über die Karlsruhe Tourismus GmbH empfohlen
- Altstadtgassen: Verkehrsberuhigte Zone, ideal für Stadtspaziergänge, Cafés und kleine Läden
Wer einen Städtetrip plant und Durlach in seine Route einbaut, braucht dafür mindestens einen halben Tag – wer das Hexenstäffele aufsteigt und oben am Turmberg verweilt, eher einen ganzen.
Der Turmberg – Aussichtspunkt über den Oberrhein
Der Turmberg mit 256 Metern über dem Meeresspiegel ist der nördlichste Ausläufer des Schwarzwalds und damit Durlachs natürliches Wahrzeichen. An klaren Tagen reicht der Blick über die gesamte Rheinebene bis in den Schwarzwald, nach Frankreich und sogar bis in die Vogesen. Es ist einer dieser Ausblicke, die man fotografiert und dann trotzdem weiß: Das Foto wird es nicht einfangen.
Der klassische Aufstieg führt über das Hexenstäffele – eine Treppenanlage mit über 528 Stufen, die sich durch die Weinberge am Turmberg schlängelt. Wer oben ankommt, hat nicht nur den Schweiß verdient, sondern auch die Aussicht. In den Weinbergen wächst übrigens eine regionale Besonderheit: der Durlacher Hansawein, ein Johannisbeerwein, den man so nirgendwo sonst findet.
Die Turmbergbahn – Deutschlands älteste Standseilbahn aus dem Jahr 1888 – wird derzeit umfassend saniert und barrierefrei umgebaut. Die Wiedereröffnung ist für Ende 2027 geplant. Bis dahin bleibt das Hexenstäffele die einzige Option hinauf – was ehrlich gesagt das bessere Erlebnis ist.
Feste und Events in Durlach – wann lohnt sich ein Besuch besonders?
| Veranstaltung | Zeitraum | Besonderheit |
|---|---|---|
| Durlacher Altstadtfest | 1. Juliwochenende (Fr/Sa) | Karlsruhes größtes Stadtteilfest, über 20 Bühnen, bis zu 100.000 Besucher; Fassanstich freitags um 17 Uhr am Rathaus |
| Durlacher Kerwe | 3. Sonntag im September | Kirchweihfest mit über 400-jähriger Tradition |
| Durlacher Weinfest | September | Weingenuss auf dem historischen Saumarkt |
| Kruschtlmarkt | mehrmals jährlich | Einer der schönsten Flohmärkte der Region, vor der Karlsburg |
| Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt | Dezember | Stimmungsvoller Markt im historischen Ambiente der Altstadt |
| Hansafest | alle zwei Jahre seit 2010 | Volksfeststimmung im Ortsteil Aue mit Schubkarrenrennen und Wettbewerben |
Das Durlacher Altstadtfest ist das absolute Jahreshighlight: Schon beim Fassanstich freitags um 17 Uhr am Rathaus ist die Stimmung auf dem Punkt – und von da an gibt es kein Halten mehr. Über 40 Vereine, mehr als 20 Bühnen, Musik von Folk bis Brass. Wer von Heidelberg aus einen Tagesausflug plant, sollte den Terminkalender prüfen: Das Altstadtfest findet immer am ersten Juliwochenende statt.
Anreise und praktische Besuchsinformationen
- Mit der Straßenbahn: Linien 1 und 8 (KVV) bis "Durlach Schlossplatz" – von Karlsruhe Hbf dauert das rund 15 Minuten
- Mit dem Auto: Autobahn A5, Ausfahrt Durlach; Parken im Scheck-In-Center (299 m zur Karlsburg) oder der Amalienbadgarage (394 m)
- Zu Fuß durch die Altstadt: Das kompakte Stadtzentrum Durlachs ist in 20 Minuten erwandert – plus 528 Stufen für den Turmberg-Bonus
- Mit dem Fahrrad: Karlsruhe ist eine Fahrradstadt – Durlach ist gut über das Radwegenetz der Region erreichbar
Durlach macht sich am besten als Tagesausflug von Karlsruhe aus oder als Teil einer längeren Reise durch die Rheinregion und Baden-Württemberg. Wer zwei bis drei Tage in der Gegend plant, hat genug Zeit für Turmberg, Altstadtbummel und eines der zahlreichen Feste.
Geheimtipp: Das Hexenstäffele und der Saumarkt
Wer Durlach wirklich verstehen will, muss zwei Orte kennen: das Hexenstäffele und den Saumarkt.
Das Hexenstäffele ist nicht nur ein Treppenaufstieg – es ist ein Ritual. 528 Stufen, umrahmt von Weinreben, mit immer wieder auftauchenden Ausblicken durch das Blattwerk. Oben wartet kein Souvenirladen, sondern schlicht einer der schönsten Ausblicke über den Rhein, den man sich verdient haben muss.
Der Saumarkt dagegen ist ein kleiner, fast versteckter Platz in der Altstadt, auf dem das Weinfest stattfindet. Außerhalb der Saison ist er ruhig, charmant und so wenig touristisch, dass man kurz vergisst, in einer Großstadt zu sein. Ein gutes Lokal und die Abendsonne dazu – mehr braucht es nicht.
Ebenfalls lohnenswert: der Durlacher Kruschtlmarkt vor der Karlsburg – einer der authentischsten Flohmärkte der Region, vollgestopft mit Kuriositäten und echten Schätzen. Und zum Abschluss: eine Erkundung der Reiseregion Baden-Württemberg mit Durlach als Ausgangspunkt.