Weissenhofmuseum Stuttgart
Weissenhofmuseum: UNESCO-Welterbe & Moderne
Auf einem Hügel im Stuttgarter Norden steht ein weißes Haus, das die Welt des Wohnens für immer veränderte. Kein Schloss, kein Prachtbau – sondern ein schlichter, kubischer Flachdachbau aus dem Jahr 1927. Das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier ist heute das einzige öffentlich zugängliche Gebäude der legendären Weissenhofsiedlung: ein UNESCO-Weltkulturerbe, ein lebendiges Zeitdokument und ein Pflichtbesuch für alle, die verstehen wollen, wie unsere Vorstellung vom modernen Wohnen entstand.
Wer Stuttgart besucht und mehr sehen möchte als Schlossplatz und Autolabels, findet hier einen Ort, der buchstäblich Architekturgeschichte geschrieben hat. Und wer nach dem Museumsbesuch noch etwas mehr Zeit in der Schwabenmetropole verbringen möchte: Stuttgart-Reisepakete bei spar-mit.com machen den Kulturtrip komplett.
Stuttgart hat mehr zu bieten, als viele auf den ersten Blick vermuten – und die Weissenhofsiedlung ist eines der besten Beispiele dafür. Was 1927 als kühnes Experiment begann, ist heute fester Bestandteil des architektonischen Weltgedächtnisses. Lesen Sie, wie alles begann, wer die 17 Architekten waren und was Sie beim Besuch des Museums erwartet.
Geschichte und Entstehung der Weissenhofsiedlung
Das Jahr 1927 markiert einen Wendepunkt in der Geschichte der Architektur. In Stuttgart, auf einem Hügel nahe dem Höhenpark Killesberg, entstand in nur wenigen Monaten eine Siedlung, die wie ein Manifest wirkte: die Weissenhofsiedlung, Herzstück der Deutschen Werkbundausstellung „Die Wohnung".
Chronologie der Weissenhofsiedlung
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1925 | Planung: Stuttgart und der Deutsche Werkbund beschließen die Ausstellung gemeinsam |
| 1927 | Bau: 33 Häuser mit 60 Wohneinheiten entstehen in rund 4 Monaten |
| 23. Juli 1927 | Eröffnung der Ausstellung „Die Wohnung" – über 500.000 Besucher kommen |
| 1958 | Denkmalschutz für die erhaltenen Gebäude |
| Oktober 2006 | Eröffnung des Weissenhofmuseums im Haus Le Corbusier |
| Juli 2016 | UNESCO-Weltkulturerbe: die zwei Le Corbusier-Häuser werden ausgezeichnet |
| 2026 | 20-jähriges Jubiläum des Museums |
Die Idee hinter der Ausstellung war radikal: keine Theorie, keine Entwürfe auf Papier – sondern fertige, bezugsfähige Wohnungen, durch die jeder hindurchgehen, anfassen und erleben konnte. Über 500.000 Menschen zog die Ausstellung innerhalb weniger Monate an. Für damalige Verhältnisse ein Massenphänomen.
Die Häuser wirkten auf viele provokativ: Flachdächer statt Satteldach, weiß verputzte Fassaden, großflächige Fenster, offene Grundrisse. Kritiker nannten die Siedlung abfällig ein „arabisches Dorf" oder einen „Musterfriedhof". Heute ist sie UNESCO-Welterbe – und das erste in Stuttgart.
17 Architekten und die Avantgarde von 1927
Was die Weissenhofsiedlung so außergewöhnlich macht: Nicht ein einzelner Architekt, sondern 17 Meister der europäischen Avantgarde aus fünf Ländern haben hier gebaut. Koordiniert von Ludwig Mies van der Rohe, versammelten sich hier die kreativsten Köpfe der Moderne unter einem architektonischen Dach.
Die Architekten der Weissenhofsiedlung 1927
| Architekt | Land | Beitrag / Bekannt für |
|---|---|---|
| Ludwig Mies van der Rohe | Deutschland | Gesamtleitung und Masterplan der Siedlung |
| Le Corbusier & Pierre Jeanneret | Frankreich / Schweiz | Zwei „Wohnmaschinen" – heute UNESCO-Welterbe |
| Walter Gropius | Deutschland | Bauhaus-Direktor, typisierte Stahlhäuser |
| Hans Scharoun | Deutschland | Organische Architektur, expressiver Grundriss |
| Peter Behrens | Deutschland | Wegbereiter der Industriemoderne |
| J.J.P. Oud | Niederlande | Funktionalistischer Reihenhausbau |
| Mart Stam | Niederlande | Miterfinder des freitragenden Freischwingstuhls |
| Bruno Taut | Deutschland | Farbgestaltung, sozialer Wohnungsbau |
| Max Taut | Deutschland | Konstruktivismus und Stahlbeton |
| 8 weitere Architekten | Belgien, Österreich u. a. | Internationale Vielfalt der Avantgarde |
Besonders Le Corbusiers Beitrag wurde zur Architekturstudie für Generationen: Seine zwei Häuser verkörpern exemplarisch seine „Fünf Punkte einer neuen Architektur" – Stützen (Pilotis), Flachdach als Dachgarten, freier Grundriss, Bandfenster und freie Fassadengestaltung. Diese Prinzipien prägten den Wohnungsbau des 20. Jahrhunderts weltweit und sind im Museum heute zum Anfassen erlebbar.
Was zeigt das Weissenhofmuseum heute?
Das Weissenhofmuseum ist in zwei Teile gegliedert, die zusammen ein vollständiges Bild der Siedlung und ihrer Bedeutung vermitteln. Beide Hälften des Doppelwohnhauses von Le Corbusier und Pierre Jeanneret sind öffentlich zugänglich – und beide überraschen auf ihre eigene Weise.
- Linke Gebäudehälfte – Historische Dauerausstellung: Modelle, Baupläne, historische Fotos und Originalexponate dokumentieren die Geschichte aller 17 Architekten und der gesamten Siedlung von 1907 bis heute
- Rechte Gebäudehälfte – Rekonstruiertes Wohnhaus 1927: Le Corbusiers Konzept des transformierbaren Wohnens wurde originalgetreu restauriert: Schiebewände, Schiebebetten, Klappregale – Raumwunder auf engstem Raum
- Dachterrassengarten: Die Dachterrasse bietet Panoramablick über Stuttgart und war selbst architektonische Aussage – das Flachdach als bewohnbarer Außenraum
- Wechselausstellungen: Das Museum zeigt regelmäßig Sonderausstellungen zu zeitgenössischer Architektur
- Kinderangebot Emmas Entdeckungsreise: Altersgerechte Führungen machen das Museum auch für Familien zum Erlebnis
Besonders beeindruckend ist Le Corbusiers Idee der flexiblen Wohnung: Was morgens Wohnzimmer ist, kann abends zum Schlafzimmer werden. Schiebewände, die sich wie in einem Zugsabteil bewegen, Betten, die in der Wand verschwinden – 1927 war das Science-Fiction für die meisten Besucher. Heute sieht man es im Original und wundert sich, wie modern dieses fast 100 Jahre alte Konzept noch wirkt.
Öffnungszeiten und Eintritt
| Information | Details |
|---|---|
| Öffnungszeiten | Di–Fr: 11–18 Uhr | Sa, So & Feiertage: 10–18 Uhr | Montag: geschlossen |
| Eintritt regulär | 5,00 € |
| Eintritt ermäßigt | 2,00 € |
| Kostenlos | Mit der StuttCard |
| Adresse | Rathenaustraße 1–3, 70191 Stuttgart |
Lohnt sich ein Besuch im Weissenhofmuseum Stuttgart?
Kurz gesagt: Ja, unbedingt. Das Weissenhofmuseum ist kompakt, aber nie oberflächlich. Ein Besuch dauert je nach Intensität zwischen 60 und 120 Minuten – und man verlässt das Haus mit einem ganz anderen Blick auf Architektur, Wohnraum und die Frage, was modernes Wohnen eigentlich bedeutet.
- Eintritt bereits ab 5,00 € (ermäßigt 2,00 €)
- Kostenlos mit der StuttCard
- Ideal für Architekturinteressierte, Designfans und Kulturreisende
- Kombinierbar mit dem Höhenpark Killesberg direkt nebenan
- In rund 15 Minuten lässt sich die gesamte Siedlung zu Fuß erkunden
Ein Besuch lohnt sich auch für alle, die wenig mit Architekturtheorie anfangen können – denn das Museum erzählt seine Geschichte über konkrete Räume, Materialien und Menschen. Man muss kein Architekt sein, um zu verstehen, warum diese Häuser etwas verändert haben.
Stuttgart rund um das Museum – Tipps für den Aufenthalt
Das Weissenhofmuseum liegt im Stuttgarter Norden, gut eingebettet in eine grüne, ruhige Wohngegend. Wer nach dem Museumsbesuch noch Zeit hat, findet direkt in der Nähe weitere lohnende Ziele – zu Fuß erreichbar, ohne Auto oder Umsteigen.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe
- Höhenpark Killesberg – direkt nebenan; Aussichtsturm, Rosengarten, Spielplatz und weiter Blick über Stuttgart
- Wilhelma – der zoologisch-botanische Garten (ca. 15 Min. zu Fuß); einzigartig als wilhelminische Gartenanlage in Deutschland
- Staatliche Akademie der Bildenden Künste (ABK) – fußläufig erreichbar, regelmäßige Ausstellungen
- Rosensteinpark – weitläufige Parkanlage mit Naturkundemuseum und Schloss Rosenstein am Neckar
- Stuttgarter Stäffele – über 400 historische Freitreppen führen durch die Weinberge der Stadt; Stuttgart von einer ganz unerwarteten Seite erleben
Anreise zum Weissenhofmuseum
| Verkehrsmittel | Route |
|---|---|
| Stadtbahn U5 | Haltestelle „Killesberg", dann bergab laufen (ca. 5 Min.) |
| Bus 44 | Haltestelle „Kunstakademie" – direkt an der Siedlung |
| Auto | Rathenaustraße 1–3, 70191 Stuttgart; Parken in der Umgebung |
Stuttgart ist eine Stadt, die sich erschließt, wenn man bleibt. Stuttgart-Reisepakete bei spar-mit.com bieten eine gute Grundlage für zwei oder mehr Nächte – von der Schwabenmetropole aus lassen sich auch Ausflüge in die Region planen. Wer noch weiter schauen möchte: Die Reiseziele in Baden-Württemberg reichen vom Schwarzwald über den Bodensee bis zur Schwäbischen Alb.
Stuttgart und die Weissenhofsiedlung – das ist eine Kombination, die Architekturgeschichte mit urbanem Lebensfluss vereint. Ein Kurzurlaub in der Schwabenmetropole bietet weit mehr als einen Museumsbesuch: Weinberge mitten in der Stadt, schwäbische Küche, Weltstadtflair und ein Kulturangebot, das jeden Tag füllen könnte. Gute Voraussetzungen also, dem Weissenhofmuseum auch ein zweites Mal eine Chance zu geben.
Geheimtipp: Das Weissenhofviertel zu Fuß erkunden
Der eigentliche Geheimtipp liegt direkt vor der Museumstür: Verlassen Sie das Haus Le Corbusier und spazieren Sie einfach durch die Straßen der Weissenhofsiedlung. Die meisten der erhaltenen Häuser sind bewohnt – und genau das macht den Spaziergang so interessant. An den Fassaden hängen kleine Schilder mit dem Namen des Architekten; die Nachbarschaft lebt ruhig und bürgerlich in Häusern, die in jedem Architekturlehrbuch der Welt stehen.
Ein Rundgang durch die Siedlung dauert etwa 20–30 Minuten. Nehmen Sie sich Zeit, schauen Sie genau hin und stellen Sie sich vor, wie es sich 1927 angefühlt haben muss, durch diese Straßen zu laufen. Nichts ist dramatisch, alles ist konsequent. Das ist die eigentliche Botschaft der Weissenhofsiedlung: dass große Ideen manchmal ganz leise aussehen.
Tipp: Wer die Siedlung besonders ruhig erleben möchte, kommt unter der Woche und am besten morgens – zu dieser Zeit hat man die Straßen oft fast für sich allein. Kombinieren Sie den Spaziergang mit einem Abstecher in den Höhenpark Killesberg nebenan: Der Blick von dort über Stuttgart ist ein schöner Abschluss für jeden Architekturspaziergang.
Häufig gestellte Fragen zum Weissenhofmuseum Stuttgart
- Was ist das Weissenhofmuseum in Stuttgart?
- Das Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier ist das einzige öffentlich zugängliche Gebäude der Weissenhofsiedlung von 1927. Es zeigt die Geschichte aller 17 Architekten sowie ein restauriertes Wohnhaus Le Corbusiers. Seit 2016 UNESCO-Weltkulturerbe.
- Wie viel kostet der Eintritt?
- Regulär 5,00 €, ermäßigt 2,00 €, kostenlos mit der StuttCard. Geöffnet Di–Fr 11–18 Uhr, Sa/So und Feiertage 10–18 Uhr, Montag geschlossen.
- Ist das Weissenhofmuseum UNESCO-Welterbe?
- Ja. Seit Juli 2016 sind die zwei Le Corbusier-Häuser UNESCO-Weltkulturerbe – das erste in Stuttgart.
- Wie kommt man dorthin?
- U5 bis Killesberg oder Bus 44 bis Kunstakademie. Adresse: Rathenaustraße 1–3, 70191 Stuttgart.
- Welche Architekten bauten die Weissenhofsiedlung?
- 17 Architekten aus 5 Ländern, koordiniert von Mies van der Rohe – darunter Le Corbusier, Walter Gropius, Hans Scharoun, Peter Behrens, J.J.P. Oud und Mart Stam.