Nibelungensage - Worms

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Liebe, Mord, Drachenblut und der Nibelungenschatz

Die Nibelungensage ist das älteste deutsche Heldenepos und gehört zu den großen Stoffen der Weltliteratur. Seit dem Jahr 400 von Germanen und Nordmännern erzählt und besungen, handelt sie von Liebe und Tod, Ehre und Intrigen, mächtigen Helden und einem versunkenen Schatz, den bis heute niemand gefunden hat. Wer den Spuren des Epos folgen will, landet unweigerlich in Worms am Rhein – der Stadt, in der die Sage ihren Mittelpunkt hat.

Das Nibelungenlied, die bekannteste schriftliche Fassung, entstand um 1200 und ist seit 2009 Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Die älteste erhaltene Abschrift wird als Codex Sangallensis 857 in der Stiftsbibliothek St. Gallen verwahrt. Der Stoff hat Generationen von Dichtern, Komponisten und Filmemachern fasziniert – von Richard Wagners Opernzyklus "Der Ring des Nibelungen" bis zu Fritz Langs Stummfilm-Klassiker von 1924.

Die Region rund um den Rhein bietet das ideale Ziel für alle, die den Spuren der Nibelungensage folgen möchten. Von Worms über den Odenwald bis ins Heidelberger Land – hier lässt sich Kulturgeschichte hautnah erleben. Und mit den richtigen Reiseangeboten in der Tasche macht das Abtauchen in die Sagenwelt noch mehr Spaß.

Die germanischste aller Sagen gibt es in vielen Versionen – von germanischen Geschichtenerzählern bis zu den Wikingern über Generationen und Jahrhunderte weitergetragen. Erstmals niedergeschrieben im 13. Jahrhundert, findet sich der Stoff in der Edda, der großen isländischen Sagensammlung. Die bekannteste deutsche Version ist das Nibelungenlied, das in mittelhochdeutscher Sprache verfasst und um 1200 entstanden ist.

Die historischen Wurzeln des Epos reichen zurück bis in die Völkerwanderungszeit: Der Untergang des Burgundenreichs durch hunnische Überfälle im Jahr 436 n. Chr. gilt als historisches Vorbild für Teile der Handlung. Auch Figuren wie Attila der Hunnenkönig (im Epos: Etzel) und der Burgunderkönig Gunther haben historische Vorbilder. Ob es einen realen Siegfried gab, ist bis heute ungeklärt.

Der Text des Nibelungenlieds wurde von unbekannten Verfassern niedergeschrieben – möglicherweise am Hof des Passauer Bischofs Wolfger von Erla. Er ist in 39 sogenannten Aventiuren (Kapitel) aufgeteilt und zählt mit mehr als 2.300 Strophen zu den umfangreichsten Werken der mittelhochdeutschen Literatur.

Siegfried, Kriemhild und Hagen – Die Helden der Nibelungensage

Die Nibelungensage lebt von ihren Figuren – jede einzeln psychologisch komplex, moralisch nicht eindeutig zu bewerten. Kern der Geschichte ist Siegfried von Xanten, der edle Held, der den Drachen Fafnir erschlägt, in seinem Blut badet und bis auf eine einzige Stelle unverwundbar wird. Dann zieht er nach Burgund und wirbt um Kriemhild, die Prinzessin.

FigurHerkunftRolle in der Sage
SiegfriedXanten (Niederrhein)Held, Drachentöter, ermordet von Hagen
KriemhildBurgund (Worms)Prinzessin, Witwe Siegfrieds, später Rächerin
Hagen von TronjeBurgundGefolgsmann Gunthers, Mörder Siegfrieds
GuntherBurgund (Worms)Burgunderkönig, Kriemhilds Bruder
BrünhildIslandIsländische Königin, Gunthers Gemahlin
Etzel (Attila)HunnenreichHunnenkönig, Kriemhilds zweiter Gemahl
AlberichZwergenvolkWächter des Nibelungenhorts

Hagen von Tronje, Gunthers treuester Gefolgsmann, ist eifersüchtig auf Siegfrieds Ruhm und Einfluss. Er spinnt eine Intrige: Durch einen Trick erfährt er von Kriemhild selbst von Siegfrieds einziger verwundbarer Stelle. Auf einer Jagd am Odenwald ermordet er Siegfried heimtückisch. Dieser Mord setzt eine unaufhaltsame Tragödie in Gang, die alle Beteiligten in den Untergang reißt.

Der Nibelungenhort: Der verlorene Schatz am Rhein

Nach dem Mord an Siegfried geht der Schatz der Nibelungen an seine Witwe Kriemhild. Sie leistet einen Schwur, das Gold nur zu nutzen, um den Tod Siegfrieds zu rächen. Als Hagen davon erfährt, nimmt er – gemeinsam mit den drei Burgunderkönigen – Kriemhild den Schatz und versenkt ihn im Rhein – an einer nur ihm und den Königen bekannten Stelle. Der genaue Ort wird in den alten Schriften nur mit dem Begriff bei zem loche bezeichnet – eine tiefe Stelle im Fluss.

Kriemhild heiratet später den Hunnenkönig Etzel und gewinnt so wieder an Macht. Sie lockt die Burgunder an Etzels Hof zu einem Fest und lässt alle töten – bis auf Gunther und Hagen. Als beide den Verbleib des Schatzes nicht preisgeben wollen, erschlägt Kriemhild beide eigenhändig. Daraufhin tötet der entsetzt-ehrlose Waffenmeister Hildebrand die Königin. Alle, die um den Schatz und seinen Verbleib wussten, sind tot.

Bis heute suchen Schatzjäger, Archäologen und Nibelungenfans nach dem legendären Hort. Vermutungen zur genauen Stelle im Rhein gibt es viele – gefunden hat ihn keiner. Und wie es in den ältesten Aufzeichnungen heißt: Hier hat die Geschichte ein Ende: das ist der Nibelungen Lied.

Die Nibelungenfestspiele Worms

Jedes Jahr im Juli und August verwandelt sich Worms in eine lebendige Sagenstadt: Die Nibelungenfestspiele zählen zu den größten Freilicht-Theaterveranstaltungen Deutschlands. Gespielt wird vor dem romanischen Dom St. Peter – einer der eindrucksvollsten Kulissen, die man sich für ein Heldenepos vorstellen kann. Die Stücke sind meist moderne Interpretationen des Sagenstoffs, die große Regisseure und Schauspieler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum anziehen.

Wer die Festspiele besuchen möchte, sollte Tickets frühzeitig buchen – das Spektakel ist schnell ausverkauft. Die Festspiel-Saison beginnt in der Regel Mitte Juli und endet Mitte August.

Worms – Die Nibelungenstadt am Rhein

Keine Stadt ist so eng mit der Nibelungensage verbunden wie Worms am Rhein. Die über 2.000 Jahre alte Stadt war in der Sage Sitz des Burgundenreiches und Heimat von Kriemhild und König Gunther. Heute ist Worms eine lebendige Kulturstadt, die ihre Nibelungen-Geschichte stolz in Szene setzt – mit Denkmälern, einem eigenen Museum und den weltberühmten Nibelungenfestspielen vor dem romanischen Dom.

SehenswürdigkeitBezug zur NibelungensageAdresse
Nibelungenmuseum WormsMultimedia-Museum mit der Geschichte des EposFischerpforte 10, 67547 Worms
Hagen-DenkmalBronzefigur Hagens beim Versenken des SchatzesRheinpromenade, Worms
Dom St. PeterRomanischer Dom aus der Nibelungenzeit (11. Jh.)Domplatz 1, 67547 Worms
NibelungenbrückeBrücke mit Figuren aus der Saga am RheinMainzer Straße, Worms
Stadtmauer WormsHistorische Kulisse der NibelungenfestspieleAltstadt Worms

Worms liegt verkehrsgünstig zwischen Frankfurt, Heidelberg und Kaiserslautern und ist ideal als Ausgangspunkt für einen Kulturtrip durch die Nibelungenregion. Wer mehr Zeit mitbringt, kombiniert Worms mit einem Abstecher nach Speyer mit seinem beeindruckenden Kaiserdom oder erkundet den Odenwald – den Schauplatz von Siegfrieds Tod.

Ist die Nibelungensage historisch wahr?

Kurze Antwort: Teils – teils. Die Nibelungensage ist kein historisches Dokument, sondern ein Heldenepos. Trotzdem steckt ein Kern historischer Wahrheit darin: Der Untergang des Burgundenreichs durch hunnische Überfälle im Jahr 436 n. Chr. ist durch zeitgenössische Chronisten belegt. Der König der Burgunden hieß tatsächlich Gundahar – eine Variante von „Gunther".

Ob es einen Siegfried gab, ist ungeklärt. Einige Historiker sehen Parallelen zum fränkischen Prinzen Sigibert I. aus dem 6. Jahrhundert. Den Drachen und den magischen Schatz wird man im Geschichtsbuch dagegen vergeblich suchen – diese Elemente entstammen der germanischen Mythologie und wurden über Jahrhunderte in die Erzählung eingebaut.

Was historisch gesichert ist: Die Burgunden lebten im 5. Jahrhundert am Mittelrhein, und Worms war eine ihrer wichtigsten Städte. Das macht Worms zum authentischen Ausgangspunkt jeder Nibelungen-Reise – selbst wenn Kriemhild und Siegfried der Legendenwelt angehören.

Worms selbst liegt verkehrsgünstig zwischen Frankfurt, Heidelberg und Kaiserslautern – ideal als Basis für einen Kulturtrip durch die Nibelungenregion. Wer mehr Zeit mitbringt, erkundet auch Speyer mit seinem berühmten Kaiserdom oder fährt dem Rhein entlang Richtung Rüdesheim und Loreley – beides Orte, die tief in der romantischen Rhein-Mythologie verwurzelt sind.

Geheimtipp: Die Nibelungenstraße

Wer die Nibelungensage auf eigene Faust erkunden möchte, sollte die Nibelungenstraße unter die Räder nehmen – eine der ältesten Ferienstraßen Deutschlands. Die Route führt vom Odenwald über Lorsch nach Worms und weiter bis Bingen am Rhein und verbindet dabei echte Sagenorte: den Odenwald, wo Siegfried der Überlieferung nach ermordet wurde, und die Rheinufer, wo der Schatz versenkt sein soll.

Kaum bekannt: An der Wolfsbrunnen-Quelle bei Heidelberg soll Siegfried der Überlieferung nach getrunken haben, kurz bevor Hagen ihn mit dem Speer tötete. Der idyllische Wolfsbrunnenweg ist heute ein beliebter Spaziergang – aber nur wenige Wanderer wissen, welche Sagengestalt hier ihr Ende fand. Ein stiller, atmosphärischer Ort abseits der großen Touristenströme.

Wo spielt die Nibelungensage hauptsächlich?

Die Hauptschauplätze sind Worms am Rhein als Sitz des Burgundenreiches, der Odenwald als Ort von Siegfrieds Tod, der Rhein als Versenkungsort des Nibelungenhorts und das Hunnenreich. In Worms lässt sich dem Epos am besten auf den Spuren folgen.

Wann finden die Nibelungenfestspiele in Worms statt?

Die Nibelungenfestspiele Worms finden jedes Jahr im Juli und August vor der Kulisse des Wormser Doms statt. Sie zählen zu den größten Freilichtaufführungen Deutschlands.

Gibt es ein Museum zur Nibelungensage?

Ja – das Nibelungenmuseum Worms in der Fischerpforte 10 zeigt die Geschichte und Rezeption des Epos auf multimediale Weise. Geöffnet in der Regel dienstags bis sonntags.

Hat Richard Wagner die Nibelungensage verarbeitet?

Ja. Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen basiert auf dem Nibelungenstoff. Der Zyklus aus vier Opern wird jährlich bei den Bayreuther Festspielen aufgeführt.

Ist der Nibelungenhort jemals gefunden worden?

Nein. Der legendäre Nibelungenhort gilt als nie gefundener Sagenschatz. Trotz jahrelanger Suche im Rhein bei Worms und anderen Stellen wurde bis heute kein historisches Gold entdeckt.

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