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Martinstor Freiburg
Martinstor - Das Wahrzeichen der Freiburger Altstadt
Wer die Kaiser-Joseph-Straße in Freiburg im Breisgau entlangschlendert, kommt nicht daran vorbei: Das Martinstor ragt 63 Meter hoch aus dem Straßenbild, als hätte das Mittelalter einfach beschlossen, die Jahrzehnte zu ignorieren. Eines der beiden noch erhaltenen mittelalterlichen Stadttore der Stadt, gebaut um das Jahr 1202, steht heute mittendrin im pulsierenden Innenstadtleben – zwischen Straßenbahn, Shoppingmeile und einem McDonald's im Erdgeschoss, der für sich schon eine stadtgeschichtliche Kuriosität ist.
Das Martinstor ist nicht nur Kulisse für Touristenfotos, es ist ein lebendiges Stück Geschichte. An seiner Fassade lässt sich ablesen, was Freiburg über die Jahrhunderte geprägt hat: mittelalterliche Stadtplanung, neogotische Ambitionen im Kaiserreich und der typisch freiburgerische Charme, der Altes und Neues ohne Berührungsängste nebeneinanderstellt. Wer Freiburg besucht, sollte dem Martinstor mehr als einen flüchtigen Blick gönnen.
Einen Kurztrip nach Freiburg gebucht? Gut so. Dann wird das Martinstor sowieso dein erster bewusster Gedanke sein, wenn du die Innenstadt betrittst. Doch wer wirklich verstehen will, was dieses Stadttor so besonders macht, sollte ein bisschen tiefer in die Geschichte graben – sie ist nämlich deutlich turbulenter, als der gutmütige Turm von außen vermuten lässt.
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Geschichte: Vom mittelalterlichen Stadttor zum Freiburger Wahrzeichen
Das Martinstor ist kein verschlafenes Museumsstück, sondern eine Bauwerk mit einer echten Biografie. Die ältesten Holzbalken im Mauerwerk wurden dendrochronologisch auf das Jahr 1202 datiert – das Tor ist damit einer der ältesten erhaltenen Steinbauten der Stadt. Seine erste urkundliche Erwähnung als Porta Sancti Martini stammt aus dem Jahr 1238. Benannt wurde es nach dem heiligen Martin von Tours, dem frühchristlichen Bischof, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt haben soll – eine Szene, die sich auch als Wandmalerei im Inneren des Turms findet.
Fünf Tore, zwei Überlebende
Im Mittelalter schützten fünf Stadttore das damalige Freiburg. Heute stehen noch zwei: das Martinstor an der Kaiser-Joseph-Straße und das Schwabentor am östlichen Rand der Altstadt. Beide Tore gehören zu den prägendsten Bauwerken der Freiburger Innenstadt und sind fußläufig miteinander verbunden – wer einmal durch die Altstadt spaziert, passiert zwangsläufig beide.
Die große Erhöhung von 1901
Was heute so imposant in den Himmel ragt, war ursprünglich ein deutlich bescheidenerer Bau. Das ursprüngliche Tor maß gerade einmal 22 Meter. Erst 1901 erhielt der Turm unter dem Freiburger Oberbürgermeister Otto Winterer und dem Architekten Carl Schäfer seine heutige Gestalt – mit einer Erhöhung auf rund 63 Meter und einer neugotischen Überformung der Fassade im Stil des 15. Jahrhunderts. Bürgermeister Winterer soll damals über die Notwendigkeit von Stadttürmen gesagt haben: „Ein Dorf hat Dächer, eine Stadt hat Türme."
Das Tor diente in seiner langen Geschichte nicht nur als Stadteingang, sondern auch als Gefängnis – vor allem für Schuldner, weshalb man das Einsitzen dort volkstümlich „Martins Mantel anziehen" nannte.
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Ersterwähnung | 1238 als Porta Sancti Martini |
| Holzbalken datiert | um 1202 (Dendrochronologie) |
| Ursprüngliche Höhe | ca. 22 Meter |
| Heutige Höhe | ca. 63 Meter |
| Umbau / Erhöhung | 1901, Architekt Carl Schäfer |
| Stil der Aufstockung | Neugotik, Anlehnung 15. Jahrhundert |
| Namenspatron | Heiliger Martin von Tours |
| Lage | Kaiser-Joseph-Straße, 79098 Freiburg |
Bild: © FWTM/Raach
Was macht das Martinstor in Freiburg so besonders?
Diese Frage ist schneller beantwortet, als man denkt: Es ist der radikale Kontrast. Das Martinstor vereint auf engstem Raum achthundert Jahre Stadtgeschichte mit dem ganz normalen Alltagstreiben einer modernen Großstadt. Und wer genau hinschaut, entdeckt an diesem Turm Details, die zu denken geben.
Das wohl berühmteste McDonald's-Erdgeschoss Deutschlands
Im Erdgeschoss des Martinstore befindet sich seit Jahrzehnten eine McDonald's-Filiale. Wer also beim Fast-Food-Essen aus dem Fenster schaut, blickt auf mittelalterliches Mauerwerk. Diese Mischung polarisiert – die einen finden sie schaurig, die anderen charmant freiburgerisch. Einigkeit herrscht darüber, dass es die wohl einzigartigste Fast-Food-Location Deutschlands ist.
Das Gedenkzeichen für die Opfer der Hexenverfolgung
Eine ernstere Geschichte erzählt eine Gedenktafel an der Außenfassade des Turms. Sie erinnert an drei Frauen – Anna Wohlffartin, Catharina Stadelmennin und Margaretha Mößmerin –, die 1599 im Rahmen der Freiburger Hexenverfolgungen hingerichtet wurden. Ein stilles Mahnmal, das mitten im Trubel der Innenstadt kaum zu übersehen ist, wenn man weiß, wo man schauen muss.
Wandmalerei: Der heilige Martin teilt seinen Mantel
Im Inneren des Turms ist eine Wandmalerei erhalten, die den Namenspatron zeigt: den heiligen Martin, der seinem Mantel mit einem frierenden Bettler teilt – das ikonische Bild, das der Legende nach zu seiner Heiligsprechung führte. Den Innenraum kann man allerdings nicht öffentlich besuchen, da er als Wohnraum genutzt wird.
Martinstor und die Freiburger Altstadt entdecken
Das Martinstor ist der perfekte Ausgangspunkt für eine Erkundung der Freiburger Altstadt. Von hier aus lässt sich die gesamte Innenstadt zu Fuß erkunden – und die hat einiges zu bieten.
Das Schwabentor – der andere Überlebende
Nur wenige Gehminuten entfernt, am östlichen Rand der Altstadt, steht das Schwabentor: das zweite der beiden erhaltenen mittelalterlichen Stadttore. Wer Zeit hat, sollte den kurzen Spaziergang einplanen. Beide Tore gemeinsam geben ein gutes Bild davon, wie das mittelalterliche Freiburg einst gesichert war – und wie unterschiedlich die beiden Bauten trotz ihrer gemeinsamen Geschichte aussehen.
Die Bächle – Freiburgs kleines Geheimnis
Überall in der Altstadt fließt Wasser durch kleine Rinnen im Kopfsteinpflaster: die berühmten Freiburger Bächle. Ursprünglich im Mittelalter als Löschwasser- und Abwasserkanäle angelegt, sind sie heute ein Wahrzeichen der Stadt – und eine echte Gefahr für Unaufmerksame. Wer in ein Bächle tritt, heiratet laut Volksmund einen Freiburger. Das Schuhnassproblem ist also auch eine romantische Angelegenheit.
Das Freiburger Münster
Nur wenige Schritte vom Martinstor entfernt erhebt sich das Freiburger Münster, dessen Turm der Kunsthistoriker Jacob Burckhardt einst als „schönsten Turm der Christenheit" bezeichnete. Kombination garantiert: Wer das Martinstor besucht, landet zwangsläufig am Münsterplatz – mit wöchentlichem Markt und einer der lebendigsten Stadtkulissen Südwestdeutschlands.
Wer mehr über die Region rund um Freiburg erfahren möchte, findet im Schwarzwald ein riesiges Ausflugsgebiet direkt vor der Haustür.
Besuchertipps für das Martinstor
Das Martinstor lässt sich problemlos in jeden Freiburg-Besuch integrieren – es liegt so zentral, dass man ohnehin nicht daran vorbeikommt. Trotzdem ein paar Tipps für den Besuch:
| Info | Details |
|---|---|
| Adresse | Kaiser-Joseph-Straße / Martinsgässle, 79098 Freiburg im Breisgau |
| Eintritt | Kostenlos (nur Außenbesichtigung möglich) |
| Zugänglichkeit | Jederzeit, keine festen Öffnungszeiten |
| Innenbesichtigung | Nicht möglich (privater Wohnraum) |
| Beste Fotoposition | Oberlindenplatz mit Fachwerkkulisse im Hintergrund |
| Beste Tageszeit | Abends bei Gegenlicht oder morgens vor dem Andrang |
| ÖPNV | Straßenbahn Haltestelle Bertoldsbrunnen (ca. 3 Min. Fußweg) |
| Parken | Tiefgarage Schlossberg oder Parkhaus Innenstadt |
Kombination mit der Altstadt
Plant mindestens 2–3 Stunden für die Freiburger Innenstadt ein. Das Martinstor, das Schwabentor, das Münster und die Bächle lassen sich alle zu Fuß in einer gemütlichen Schleife erkunden. Wer mag, ergänzt den Besuch mit einem Abstecher in die Markthalle direkt neben dem Münster oder einem Besuch des Stadtgartens.
Fotografie-Tipp
Der Oberlindenplatz an der Schwabentorecke bietet die schönste Kulisse mit Fachwerkhäusern im Vordergrund und dem Martinstor im Hintergrund. Wer bei Einbruch der Dämmerung dort steht, wenn die alten Fassaden im warmen Licht leuchten, versteht sofort, warum Freiburg so gerne fotografiert wird.
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Bild: © Pixabay
Freiburg ist nicht nur ein Tagesausflugsziel – es lohnt sich, mindestens eine Nacht zu bleiben, um die Stadt in Ruhe zu erleben. Das Martinstor wirkt in der Abenddämmerung noch einmal ganz anders als bei Mittagssonne. Schaut euch gerne passende Unterkünfte in der Region an:
Egal von wo aus du startest – der Schwarzwald liegt buchstäblich vor der Haustür, und das Martinstor ist Freiburgs schönster Willkommensgruß. Wer die Region wirklich kennenlernen möchte, sollte mehrere Tage einplanen: für die Stadt, die Natur und die Küche.
Mini-FAQ: Häufige Fragen zum Martinstor Freiburg
- Wann wurde das Martinstor gebaut?
- Die ältesten Holzbalken wurden dendrochronologisch auf das Jahr 1202 datiert, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1238. Es zählt damit zu den ältesten erhaltenen Bauwerken Freiburgs.
- Wie hoch ist das Martinstor?
- Das Martinstor ist heute rund 63 Meter hoch. Ursprünglich war es mit nur ca. 22 Metern deutlich niedriger und wurde 1901 im Zuge einer umfangreichen neugotischen Renovierung erhöht.
- Kann man das Martinstor besteigen oder von innen besichtigen?
- Nein, das Innere des Turms ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, da es als Wohnraum genutzt wird. Die Außenbesichtigung ist jedoch jederzeit und kostenlos möglich.
- Was befindet sich im Erdgeschoss des Martinstore?
- Im Erdgeschoss des Turms befindet sich seit Jahrzehnten ein McDonald's-Restaurant – eine Kuriosität, die dem Martinstor einen gewissen popkulturellen Bekanntheitsgrad eingebracht hat.
- Wie weit ist das Martinstor vom Freiburger Münster entfernt?
- Das Münster ist zu Fuß in ca. 3–5 Minuten erreichbar – beide Sehenswürdigkeiten liegen im Herzen der Altstadt und lassen sich wunderbar kombinieren.
- Gibt es Eintritt für das Martinstor?
- Der Besuch des Martinstore von außen ist kostenlos und jederzeit möglich. Es gibt keine Eintrittspreise oder Buchungspflichten.
Geheimtipp: Das Martinstor im besten Licht
Die meisten Touristenfotos vom Martinstor entstehen von der Kaiser-Joseph-Straße aus – direkt frontal, mit Straßenbahn oder Passanten im Vordergrund. Wer aber den Oberlindenplatz aufsucht, der liegt leicht abseits Richtung Schwabentor, bekommt eine völlig andere Perspektive: Das Tor erscheint vor einem Ensemble aus historischen Fachwerkhäusern, die Komposition ist deutlich harmonischer – und deutlich weniger überfüllt mit Selfie-Sticks.
Der beste Zeitpunkt: kurz nach Sonnenuntergang, wenn das warme Licht die Sandsteinfassaden in ein sattes Orange taucht und die Straßenlaternen gerade anfangen zu leuchten. Zu dieser Zeit ist der Platz meist erstaunlich ruhig, obwohl er nur wenige Hundert Meter vom Getümmel der Innenstadt entfernt liegt.
Tipp für Neugierige: Vergleicht beim Spaziergang durch die Altstadt die beiden noch erhaltenen Stadttore – Martinstor und Schwabentor. Beide haben eine ganz eigene Atmosphäre, obwohl sie nur wenige Minuten Fußweg voneinander entfernt sind. Das Schwabentor liegt an einer der ruhigsten Ecken der Innenstadt und wirkt, als hätte man es dort vergessen – was es zu einem der schönsten Orte in ganz Freiburg macht.
Das Martinstor ist kein Monument, das man erschöpfend besichtigt und abhakt. Es ist ein lebendiger Teil einer Stadt, die jeden Besuch ein bisschen anders aussieht. Schaut hin, schaut hoch, und nehmt euch die Zeit, die Gedenktafel zu lesen. Geschichte lohnt sich.