Marktplatz Würzburg

Marktplatz Würzburg – lebendiger Treffpunkt inmitten der Altstadt

Wer nach Würzburg kommt, landet früher oder später hier: auf dem Marktplatz. Nicht weil man muss, sondern weil man will. Der Platz ist das pulsierende Herz der fränkischen Metropole – ein Ort, an dem Händler seit fast 1.000 Jahren ihre Waren feilbieten, an dem sich Einheimische zum Plaudern treffen und Besucher staunend innehalten. Auf der einen Seite ragt die gotische Marienkapelle in den Franken-Himmel, auf der anderen schimmert die Rokokofassade des Falkenhauses. Dazwischen: frische Blumen, fränkischer Käse, Mainfranken-Wein und jene besondere Marktplatz-Atmosphäre, die keine Stadtführung ersetzen kann.

Der Marktplatz gliedert sich in den Oberen Markt rund um das Falkenhaus und den Unteren Markt mit dem Obeliskbrunnen und der Marienkapelle. Beide zusammen formen eines der schönsten historischen Ensembles in ganz Würzburg – und das will in dieser Stadt etwas heißen.

Was macht den Marktplatz Würzburg so besonders?

Der Würzburger Marktplatz blickt auf eine Geschichte zurück, die fast 1.200 Jahre umspannt. König Ludwig der Fromme verlieh der Stadt zwischen 814 und 832 das Zollrecht für einen Fernhandelsmarkt – damit war der Grundstein für eines der lebendigsten Stadtensembles Frankens gelegt. Was zunächst als einfacher Handelstreff begann, entwickelte sich über Jahrhunderte zu einem architektonischen Gesamtkunstwerk aus Gotik, Barock und Rokoko.

JahrEreignis
814–832König Ludwig der Fromme verleiht Würzburg das Marktrecht
1349Teile des mittelalterlichen jüdischen Viertels am Platz werden zerstört
1377Baubeginn der Marienkapelle durch die Würzburger Bürgerschaft
1479Fertigstellung der Marienkapelle; Ritterturnier auf dem Platz
1738Balthasar Neumann errichtet das Kaufhaus am Markt
1751Das Falkenhaus erhält seine prächtige Rokoko-Fassade
1805Errichtung des Obeliskbrunnens am Unteren Markt
1972Neugestaltung und Wiedereröffnung als Fußgängerzone
2007–2008Bau des modernen Petrini-Hauses (ca. 6,8 Mio. Euro)

Der Platz gliedert sich in zwei Bereiche: Der Untere Markt im Südwesten wird von der Marienkapelle und dem Obeliskbrunnen dominiert, der Obere Markt im Osten besticht mit dem Falkenhaus und dem barocken Kaufhaus von Balthasar Neumann. Mittwochs, freitags und samstags verwandelt sich der Platz in einen echten Grünen Markt mit regionalen Produkten – eine lebendige Tradition, die seit dem Mittelalter ungebrochen weitergeführt wird. Wer tiefer in die fränkische Reisewelt eintauchen möchte, findet auf der Franken-Reiseseite jede Menge Inspiration.

Die Marienkapelle – gotisches Meisterwerk am Würzburger Marktplatz

Sie ist das architektonische Herzstück des Marktplatzes und ein Meisterwerk der Spätgotik: die Marienkapelle. Gebaut zwischen 1377 und 1479, entstand sie nicht auf Geheiß der Kirchenobrigkeit, sondern auf Initiative der Würzburger Bürgerschaft – ein seltenes Zeichen bürgerlicher Selbstbestimmung im Mittelalter, das die Kapelle bis heute besonders macht.

Entstehungsgeschichte der Marienkapelle

Der Bau fällt in eine schwere Zeit: 1349, im Zuge der Pest, wurde das jüdische Viertel am heutigen Marktplatz zerstört. An seiner Stelle errichteten die Bürger zunächst eine kleine Kapelle, die schließlich zur heutigen spätgotischen Hallenkirche ausgebaut wurde. Die Türme wurden um 1480 fertiggestellt – nach über 100 Jahren Bauzeit ein beeindruckendes Zeugnis bürgerlichen Durchhaltevermögens. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Dach und hölzerne Innenausstattung ausbrannten, wurde die Kapelle vollständig neu ausgestattet.

Tilman Riemenschneider und die Portalfiguren

Besonders berühmt sind die Figuren von Adam und Eva am Nordportal, geschaffen vom Würzburger Meisterbildhauer Tilman Riemenschneider. Die Originale befinden sich heute im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg; am Portal selbst sind Kopien zu bewundern – gut erkennbar, aber kein bisschen weniger beeindruckend. Die Kapelle lädt zur Stille ein, mitten im Marktgetümmel – ein seltsam berührender Kontrast, der Würzburg ausmacht.

  • Spätgotische Hallenkirche, erbaut 1377–1479
  • Portalfiguren von Tilman Riemenschneider (Adam und Eva) am Nordportal
  • Originale der Figuren im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg
  • Eintritt frei – täglich geöffnet
  • Sehenswert: Maßwerkfenster, neugotische Innenausstattung und der Blick vom Kirchplatz

Das Falkenhaus – Rokokopracht am Oberen Markt

Gegenüber der Marienkapelle thront am Oberen Markt das Falkenhaus – und wer zum ersten Mal vor dieser Fassade steht, muss unwillkürlich lächeln. Die verspielten Rokoko-Ornamente aus dem Jahr 1751, aufgebracht von oberbayrischen Wanderstuckateuren im Auftrag der Witwe Barbara Meißner, gehören zu den schönsten Rokokofassaden ganz Süddeutschlands. Das Haus zum Falken, wie es ursprünglich hieß, diente im 14. Jahrhundert als Residenz eines Domvikars – von klerikaler Strenge ist heute nichts mehr zu spüren.

Das Falkenhaus heute: Touristinfo und Stadtbibliothek

Heute beherbergt das Falkenhaus die Tourist Information Würzburg sowie die preisgekrönte Stadtbibliothek – eine ungewöhnliche, aber charmante Kombination. Wer Karten für Stadtführungen, Veranstaltungstickets oder schlicht einen Stadtplan braucht, ist hier genau richtig. Öffnungszeiten: Mo–Sa 10–18 Uhr, So 10–14 Uhr.

Obeliskbrunnen, Kaufhaus und Haus zum Stachel

Wer den Blick vom Falkenhaus schweifen lässt, entdeckt am Unteren Markt den eleganten Obeliskbrunnen von 1805 – ein schlankes Gegenstück zur gotischen Wucht der Marienkapelle. Etwas versetzt befindet sich das von Balthasar Neumann entworfene Kaufhaus (1738), das an den Barockmeister erinnert, der auch die Würzburger Residenz mitplante. Nicht weit entfernt liegt das historische Haus zum Stachel, eines der ältesten Weingüter der Stadt, dessen romanischer Innenhof zu den romantischsten Ecken der Altstadt zählt.

Wenn der Marktplatz zur Bühne wird: Feste und Märkte in Würzburg

Der Marktplatz ist nicht nur Sehenswürdigkeit, sondern auch Bühne für ein buntes Programm an Festen und Märkten das ganze Jahr über. Würzburg versteht es, seinen zentralen Platz in Szene zu setzen – mit Veranstaltungen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind.

VeranstaltungZeitraumHighlight
Grüner MarktDi, Mi, Fr, SaRegionale Produkte, Blumen, Franken-Wein
Kiliani-MesseJuli (17 Tage)Marktfest mit fast 1.000-jähriger Tradition
WeindorfSpätsommerFränkische Weine aus den besten Lagen
WeihnachtsmarktEnde November bis ca. 23. DezemberEiner der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands
Frühjahrs- und AllerheiligenmesseFrühjahr / NovemberTraditionelle Jahrmärkte mit langer Geschichte

Besonders die Kiliani-Messe hat eine Tradition, die bis ins Jahr 1030 zurückreicht: Kaiser Konrad der Ältere genehmigte damals einen Markt zu Ehren des fränkischen Schutzheiligen Kilian. 17 Tage lang bieten Händler am Ober- und Untermarkt Kräuter, Gewürze, Haushaltswaren und Keramik an – ein Stück lebendige Stadtgeschichte, die man erlebt haben sollte.

Anreise und praktische Tipps für euren Besuch am Marktplatz

Der Marktplatz liegt mitten in der Würzburger Fußgängerzone und ist von überall gut zu erreichen. Der Eintritt zum Platz selbst und zur Marienkapelle ist kostenlos – ein Besuch kostet also nichts außer Zeit. Und die ist gut investiert.

Thema Information
Straßenbahn Linien 1, 2, 3, 4 – Haltestelle Dom oder Rathaus
Bus Haltestellen Dominikanergasse und Spiegelstraße
Parken Parkhäuser Falkenhaus, City oder Innenstadt (Fußweg ca. 5 Min.)
Tourist Information Im Falkenhaus: Mo–Sa 10–18 Uhr, So 10–14 Uhr
Eintritt Marktplatz Kostenlos
Eintritt Marienkapelle Kostenlos, täglich geöffnet
Vom Hauptbahnhof Ca. 15 Minuten zu Fuß durch die Fußgängerzone

Kombiniert den Marktplatzbesuch am besten mit einem Spaziergang zur Alten Mainbrücke (ca. 5 Gehminuten) und einem Ausflug zur Festung Marienberg, die den besten Panoramablick über die Stadt bietet.

Bild: Würzburg

Geheimtipp: Was die meisten Besucher am Marktplatz verpassen

Wer wirklich das Beste vom Marktplatz erleben will, kommt dienstags oder samstags früh morgens – wenn der Grüne Markt aufgebaut wird und die Händler ihre frischen Waren auslegen, bevor die Touristenmassen ankommen. Die Atmosphäre um 7 oder 8 Uhr ist magisch: Gemüsestände, frische Kräuterbündel, der Duft von frisch gebackenem Brot aus der nahen Bäckerei, und die Marienkapelle leuchtet im Morgenlicht wie in einem Gemälde. Die Einheimischen kaufen ein, der Platz gehört noch ihnen.

Ein zweiter Tipp: Biegt nach dem Marktplatzbesuch in die enge Eichhornstraße ein – hier befinden sich einige der gemütlichsten Weinstuben und Cafés der Innenstadt, die viele Besucher links liegen lassen. Fränkischen Silvaner aus der Region zum Mittagessen? Unbedingt. Das Haus zum Stachel mit seinem romanischen Innenhof ist ebenfalls einen Besuch wert: Wein aus den besten Würzburger Lagen, serviert unter freiem Himmel – das ist Würzburg, wie es sein soll.

Häufige Fragen zum Marktplatz Würzburg

  • Was kann man am Marktplatz Würzburg sehen?
    Die spätgotische Marienkapelle, das Falkenhaus mit Rokoko-Fassade, den Obeliskbrunnen, das Kaufhaus von Balthasar Neumann und den lebendigen Grünen Markt.
  • Ist der Eintritt zur Marienkapelle kostenlos?
    Ja – die Kapelle ist täglich kostenlos zugänglich.
  • Wann findet der Weihnachtsmarkt statt?
    Ende November bis ca. 23. Dezember – auf Ober- und Untermarkt sowie in der Eichhornstraße.
  • Wann findet die Kiliani-Messe statt?
    Jährlich im Juli über 17 Tage – eine fast 1.000-jährige Tradition.
  • Wie kommt man zum Marktplatz?
    Straßenbahn (Haltestelle Dom/Rathaus) oder zu Fuß vom Hauptbahnhof (ca. 15 Min.).

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