Lido - Venedig

Jahrhundertelang war der Lido - eine zehn Kilometer lange und 800 Meter schmale Insel - nichts weiter als eine Venedig vorgelagerte Sandbarriere, die im Verteidigungsfall hilfreich war. Das änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts in Grundsätzlichkeit.

1857 wurde die "Stabilimento Bagni" eröffnet, ein wuchtiger, großzügiger Holzbau, mit einer auf Pfählen über dem Meer errichteten Terrasse, mit rollenden kleinen Holzhäuschen, in denen sich die Damen von Stand züchtig umziehen konnten. Diese fast schon revolutionär kühne erste europäische "Badeanstalt" an einem Mittelmeerstrand begeisterte die Venezianer.

Und erst recht die "Capannas", die in dieser Zeit entstanden. Es handelt sich um eine besondere Strandkabine mit zusätzlicher Veranda und einem Vorhang, es sieht fast wie zu Hause aus. Hier bleibt man den ganzen Tag am Strand, die Kinder erholen sich im Schatten, die Frauen plaudern mit den Nachbarinnen ...

Der Strand des Lido und die Terrazza Grande der "Stabilimento Bagni" waren gesellschaftliche Mittelpunkte, hier lebten die Venezianer in den Sommern der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts.

Zwar gab es weder Fernsehen noch Internet, aber das ultimative Badevergnügen à la Venezia-Lido fand bald in ganz Europa Fans, vor allem in adligen Häusern, bei Künstlern, Industriellen und Politikern aus Metropolen wie Berlin, Wien, Budapest, Rom und München. In jenen Zeiten fuhr man zur Sommerfrische auf den Lido.

Die vielen Gäste aus ganz Europa wollten untergebracht sein. In kurzer Abfolge entstanden rund um die Jahrhundertwende prächtige Jugendstilvillen, luxuriöse Grandhotels, elegante Cafés und Pracht-Boulevards zum Flanieren.

Das Baden am Lido war in diesen Jahren überall so populär, dass der Name der Insel "Lido" weltweit zur Begrifflichkeit für einen Badeort wurde, so wie "Tempo" für Zellstoff-Taschentücher oder "Nutella" für Nuss-Nougat-Creme.

In Zeiten des aufkommenden Massen-Flugtourismus nahm die Bedeutung des Lido seit den 60er Jahren ab, es gab leicht erreichbare und preislich günstigere Konkurrenz am Mittelmeer. Der Lido bekam einen 18-Loch-Golfplatz, einen kleinen Sportflughafen und das weltberühmte Film-Festival "Biennale" im September. Heute sind viele Prachtbauten wieder renoviert, der Lido lebt und steht für Qualitätsferien, die in ihrer Kombination aus weißem Traumstrand und der Nähe zu Venedig weltweit immer noch einmalig sind.

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